Wie die Energiekennzeichnung in der EU modernisiert werden kann
Energiekennzeichnung gewährleistet Markttransparenz und ermöglicht Verbraucher*innen informierte Kaufentscheidungen. Eine vom UBA beauftragte Studie hat Vorschläge erarbeitet, wie die Energiekennzeichnung für Strom, Gas, Wasserstoff, Wärme und Kälte in der EU neu geregelt werden könnte.
Die Kennzeichnung der Herkunft von erneuerbarer Energie ist ein zentrales Instrument moderner Energiepolitik. Neben ihrem eigentlichen Zweck – Transparenz und Verbraucherschutz – kann sie auch als strategisches Werkzeug zur Erreichung übergeordneter energiepolitischer Ziele dienen.
Das Forschungsprojekt wurde im Auftrag des Umweltbundesamts (UBA) durchgeführt und hat etablierte und innovative Kennzeichnungssysteme in Europa untersucht und systematisch bewertet. Im Fokus stand der Nutzen der Energiekennzeichnung für unterschiedliche Interessengruppen: private Haushalte, institutionelle Verbraucher*innen, Anlagenbetreiber, Investoren sowie die Gesellschaft insgesamt. Über diese Bestandsaufnahme hinaus identifizierte die Studie innovative Ansätze, um weiteres Potenzial von Systemen zur Energiekennzeichnung zu erschließen.
Auftragnehmende waren Oeko-Institut Consult GmbH, Enunda BV und HIR Hamburg Institut Research gGmbH.
Ist-Zustand der Energiekennzeichnung in Europa: Erhebliche Unterschiede zwischen Energieträgern
Während die Kennzeichnung von Strom und die zugehörige regulatorische Aufsicht bereits gut etabliert sind, bleiben die entsprechenden Systeme für Gas, Wasserstoff sowie Wärme und Kälte unterentwickelt und über die Mitgliedstaaten hinweg uneinheitlich.
Im Bereich der Gaskennzeichnung besteht eine besondere Herausforderung: Derzeit existieren mehrere Nachweissysteme parallel nebeneinander – für die Bilanzierung politischer Zielvorgaben, für die Verbraucherkennzeichnung sowie weitere für Förderprogramme und Quotenregelungen. Diese Systeme sollten harmonisiert werden, um Doppelzählungen zu vermeiden und die Komplexität sowohl für Marktteilnehmende als auch für die Aufsichtsbehörden zu verringern.
Ausführlich untersucht wurde der Nutzen von Energiekennzeichnung für unterschiedliche Zielgruppen. Verbraucherinnen*Verbrauchern ermöglicht transparente Kennzeichnung, den Beitrag der Konsumentscheidungen für erneuerbare Energien zu den gemeinsamen Zielen der europäischen Energiewende unmittelbar nachzuvollziehen. Diese verbesserte Informationsgrundlage wäre besonders wirkungsvoll für Haushalte und die Gesellschaft insgesamt: Bürger*innen könnten gezielt Energieanbieter mit spezifischen Produkten wählen, die ihrem Wunsch nach positiven Effekten auf die Energiewende entsprechen. Bestehende Kennzeichnungssysteme lassen jedoch aktuell wenig Rückschlüsse auf konkrete Effekte des individuellen Energiebezugs zu. Um dies zu verbessern, sollten folgende Aspekte stärker in die Energiekennzeichnung einbezogen werden:
- Zusätzlichkeit (Additionalität): Sorgt das Energieprodukt dafür, dass tatsächlich mehr erneuerbare Energien nachgefragt werden?
- zeitliche Korrelation zwischen Erzeugung und Verbrauch
- verbesserte Transparenz hinsichtlich der geografischen Herkunft der Energie
- Nachhaltigkeitszertifizierung von Biomasse und Wasserstoff
Potenziale zur Verbesserung der europäischen Energiekennzeichnung
Die Studie zeigt beträchtliche Möglichkeiten zur Weiterentwicklung bestehender Kennzeichnungssysteme:
- Übertragung von Praxisbeispielen, die sich in einzelnen Ländern bereits bewährt haben, auf weitere Länder
- Umsetzung wissenschaftlich fundierter Vorschläge aus der Fachliteratur
- Stärkung der geografischen und zeitlichen Korrelationsanforderungen
- strategische Verknüpfung von Kennzeichnungsvorschriften und Bilanzierungssystemen für politische Zielvorgaben
- Automatisierung und Digitalisierung von Aufsichts- und Verifizierungsprozessen
- Erweiterung der in Herkunftsnachweisen enthaltenen Daten, zum Beispiel: vertragsbezogene Angaben, erfasste Emissionsmengen, Nachweise über die Einhaltung von Nachhaltigkeitskriterien
- Integration von Informationen zur Zusätzlichkeit direkt in die Verbraucherkennzeichnung
Voraussetzungen für eine erfolgreiche Weiterentwicklung der europäischen Energiekennzeichnung
Für die erfolgreiche Weiterentwicklung eines europäischen Energiekennzeichnungssystems braucht es einen klaren, einheitlichen Plan.
Die Umsetzung muss auf EU-Ebene systematisch mit ergänzenden Instrumenten verknüpft werden: Die Erreichung der EU-Klimaziele wird dadurch unterstützt, dass die systemische Rolle der Energiekennzeichnung gestärkt und mit weiteren energiepolitischen Instrumenten verzahnt wird.
Die Studie empfiehlt, politische Entscheidungsträger, nationale Kennzeichnungsbehörden, Systementwickler, Aufsichtsstellen und zentrale Interessengruppen im Rahmen einer zentralen, strukturierten Dialogplattform zusammen zu bringen, um Prioritäten festzulegen und Zielkonflikte bei der Weiterentwicklung der Systeme zu bewältigen.
Der Forschungsbericht (auf Englisch mit deutscher Zusammenfassung) steht auf der Website des Umweltbundesamtes (UBA) zum Download zur Verfügung.