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Schwamm-Acker Gramzow: Systemische Bodenregeneration als Antwort auf Extremwetter

Mein Familienbetrieb in der nordbrandenburgischen Uckermark liegt in einem der niederschlagsärmsten Hotspots Deutschlands. Der Klimawandel verschärft die Situation drastisch: Lange Dürreperioden wechseln sich mit unberechenbaren Starkregenereignissen ab, die auf konventionell gepflügten Böden oft ungenutzt abfließen oder Erosion verursachen. Mit der Übernahme des Betriebs 2021 wurde mir klar: Um die Ertragsfähigkeit zu sichern, muss ich die Bewirtschaftung fundamental ändern. Ich muss den Boden befähigen, Wasser dann zu speichern, wenn es kommt, um es verfügbar zu haben, wenn es fehlt. Seit 2024 habe ich den gesamten Betrieb auf ein systemisches Regenerationsmodell umgestellt, das Technik, Biologie und Fruchtfolge kombiniert:
• Verdunstungsschutz & Kühlung: Durch den Verzicht auf Pflug und Grubber und den Einsatz eines Striegels bleibt die schützende, goldgelbe Mulchauflage erhalten. Sie reflektiert das Sonnenlicht, senkt die Bodentemperatur und minimiert die unproduktive Verdunstung.
• Minimalinvasives Strip-Till: Der einzige Bodeneingriff erfolgt durch die Strip-Till-Sämaschine in schmalen Streifen. Über 80 % der Bodenoberfläche und die natürliche Kapillarität bleiben unangetastet.
• Resiliente Fruchtfolge: Wir ersetzen klassische Strukturen durch klimafitte Kulturen wie Kichererbsen, Erbsen und künftig Sonnenblumen sowie humuspositiven Körnermais, die Sommerniederschläge effizienter nutzen. Der Erfolg der Umstellung lässt sich unmittelbar an der Bodenbiologie ablesen. Die Regenwürmer fungieren hier als „Architekten der Klimaresilienz“:
• Vervielfachung der Population: Vor der Umstellung fanden sich pro Spatenaushub lediglich 1–2 Regenwürmer. Heute weist der Boden eine Dichte von 10 bis 20 Regenwürmern pro Spatenaushub auf.
• Funktionale Infiltration: Die ungestörten vertikalen Gänge dieser Population dienen als „Infiltrations-Autobahnen“. Selbst bei extremem Starkregen kann das Wasser sofort tief in den Boden eindringen, statt oberflächlich abzufließen.
• Schnelle Regeneration: Auch auf neu übernommenen, „biologisch toten“ Flächen ist bereits nach kurzer Zeit eine Wiederbesiedlung (ca. 2 Würmer/Spaten) messbar – ein Beweis für die Skalierbarkeit des Systems. Das Projekt „Schwamm-Acker Gramzow“ zeigt der Fachwelt und der Öffentlichkeit, wie konventionelle Landwirtschaft durch biologische Intelligenz und moderne Technik klimaresilient transformiert werden kann.

Eckdaten zur Maßnahme

Maßnahmenträger

Maßnahmenträger
Landwirtschaftsbetrieb Stefan Bernickel https://www.landwirt-bernickel.de/
Kooperationspartner
Wissenschaftliche Begleitung & Monitoring:
- Begleitung durch das Julius Kühn-Institut (JKI) zur fachlichen Absicherung der Maßnahmen.
- Publikations- und Transferarbeit mit dem Leibniz-Institut für Agrartechnik und Bioökonomie e.V. (ATB) Potsdam.
- Forschung zu klimaresilienten Kulturen (Kichererbsen) in Zusammenarbeit mit dem Leibniz-Zentrum für Agrarlandschaftsforschung (ZALF) Müncheberg sowie Einbindung in das LeguNet und den Kichererbsenring.
Projektsteuerung & Praxis-Transfer:
- Demonstrationsbetrieb für Integrierten Pflanzenbau (Projektsteuerung durch den LBV Brandenburg).
- Aktiv als Klimapartner Landwirtschaft in Kooperation mit BASF und RWZ, um Klimaschutz und Anpassung ökonomisch tragfähig zu gestalten.
Technische & Innovative Entwicklungspartner:
- Horsch: Gemeinsame Weiterentwicklung des Strip-Till-Verfahrens für extrem trockene Standorte.
- SeedForward & OmniCult: Erprobung innovativer Saatgutbehandlungen und Mikronährstoffkonzepte zur Stärkung der Pflanzenresilienz.
- DSV Saaten & Rapool: Optimierung von Beisaat-Konzepten im Raps zur Bodenbeschattung und Stickstofffixierung.


Dauer und Finanzierung

Beginn der Umsetzung
Wie hoch waren die (geschätzten) Kosten für die Umsetzung?
Die Gesamte Umstellung hat ca. 200.000€ gekostet.
Mit welchen Mitteln wurde die Maßnahme finanziert?
  • Bund
  • Sonstige
Die Finanzierung der Umstellung zum „Schwamm-Acker“ folgt einem klaren betriebswirtschaftlichen Plan, der die Umstellung bis Sommer 2028 vollständig amortisiert:
- Staatliche Anschubfinanzierung (BMEL): Die Kerntechnik für das Strip-Till-Verfahren wird über das Projekt „Modell- und Demonstrationsbetrieb“ durch Mittel des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) gefördert. Hierbei wird die Abschreibung der Technik über vier Jahre übernommen, was einer Förderquote von ca. 40 % entspricht.
- Reinvestition aus Maschinenverkauf: 20 % der Investitionskosten werden durch den gezielten Verkauf von Maschinen gedeckt, die durch die Umstellung auf bodenschonende Verfahren (z. B. schwere Grubber) im Betrieb überflüssig geworden sind.
- Finanzierung aus Einsparungen: Weitere 40 % der Kosten refinanzieren die Kredit für die Sämaschine direkt aus der Senkung der Betriebskosten: Durch die Einsparung von Dieselkraftstoff und die drastische Reduzierung der Arbeitsstunden/Maschinenstunden trägt sich die Umstellung de facto von selbst.
- Eigenmittel & Liquidität: Ergänzende Geräte wie der Strohstriegel und die Ackerwalze wurden vollständig aus liquiden Mitteln des laufenden Betriebs finanziert.
- Zielsetzung: Mit Abschluss der vierjährigen Umstellungsphase im Sommer 2028 ist das Projekt finanziell vollständig abgeschlossen. Ab diesem Zeitpunkt wird das resilientere Bewirtschaftungssystem signifikant und dauerhaft zum positiven Unternehmensgewinn beitragen.
- Die Einnahmen aus Carbon Farming finanzieren die Umstellung auf teilflächenspäzifische Düngung.
- Honorare für Vorträge und Vorlesungen an der VHS unterstützen die Öffentlichkeitsarbeit wie Webseite, Drohne und Kamera.

Weiterführende Links

Beteiligung

Wurden neben den Kooperationspartnern andere Personengruppen/Institutionen in die Planung/Umsetzung der Maßnahmen eingebunden?
  • Betriebe, öffentliche Unternehmen oder Wirtschaftsverbände
  • Forschung/Beratung/Bildung
  • Grundstücksbesitzer
  • Öffentliche Verwaltung/Politik
  • Presse
  • Sonstige
Flächeneigentümer und Verpächter: Sie sind die wichtigsten Partner im Hintergrund. Durch eine offene Kommunikation konnten Hemmnisse abgebaut werden. Bei anderen Eigentümern ist Direktsaat inzwischen eine Voraussetzung für die Verpachtung.

Erfolge

Welche Erfolge konnten Sie mit Ihrer Maßnahme erzielen?
Die Erfolge lassen sich in vier Kategorien unterteilen:
1. Ökologie
- Vervielfachung der Bodenbiologie: Seit der Umstellung auf das Strip-Till-Verfahren stieg die Regenwurm-Population von ca. 1–2 auf 10–20 Individuen pro Spatenaushub. Dies belegt die drastisch verbesserte Infiltrationsleistung (Schwamm-Effekt).
- Revitalisierung & Erosionsschutz: Selbst „biologisch tote“ Flächen wurden innerhalb eines Jahres regeneriert. Die Kombination aus Mulchauflage und biologischen Poren verhindert Oberflächenabfluss und Erosion in der uckermärkischen Hügellandschaft heute nahezu vollständig.
- Struktur & Soziales: Eine verbesserte Tragfähigkeit der Böden vergrößert die Zeitfenster für Feldarbeiten. Dies erhöht die betriebliche Flexibilität und verbessert die Vereinbarkeit von Beruf und Familie.
2. Technologische & Betriebliche Erfolge
- Ressourceneffizienz: Durch die Umstellung auf satellitengestützte Teilflächen-Düngung und stabilisierte N-Dünger wurde die Nährstoffeffizienz optimiert und das Auswaschungsrisiko minimiert.
- Anbaudiversität: Kulturen wie Kichererbsen und Körnermais liefern auch in extremen Trockenjahren stabile Erträge, während klassisches Getreide an seine Grenzen stößt.
3. Netzwerk & Politische Anerkennung
- Offizieller Konsultationsbetrieb: Die Zusage des MLEUV Brandenburg, meinen Betrieb ab Sommer 2026 als offiziellen Konsultationsbetrieb für „Bodenschonende Bodenbearbeitung“ einzusetzen, ist ein Meilenstein des Wissenstransfers.
- Wissenschaft & Kommunikation: Die Kooperation mit Instituten wie JKI, ATB und ZALF sowie die Auszeichnung als „Kommunikationstalent des Jahres“ bestätigen die Rolle des Betriebs als bundesweites Reallabor und Brückenbauer zur Öffentlichkeit.
4. Ökonomische Kennzahlen & Carbon Farming
- Effizienzsteigerung: Die Umstellung führte zu einer Einsparung von 40% Dieselkraftstoff und einer Reduzierung der Maschinenstunden um ein Drittel.
- Neue Geschäftsmodelle: Durch die Teilnahme am Projekt „Klimapartner Landwirtschaft“ generiert der Betrieb Einkommen über Carbon Farming (Zertifikate für Humusaufbau). Dies beweist, dass regenerative Klimaanpassung ökonomisch tragfähig und rentabel ist.

Erläuterung
Wissenschaftliche Begleitung durch JKI & ATB: Die gesamte Betriebsführung wird gegenüber dem Julius Kühn-Institut (JKI) und dem Leibniz-Institut für Agrartechnik und Bioökonomie (ATB Potsdam) offengelegt. Jede Feldmaßnahme und jede Kultur wird präzise dokumentiert.
Vergleichsstudie: Die aktuelle Bewirtschaftung wird mit den Daten der konventionellen Bewirtschaftung und Fruchtfolge bis zum Jahr 2023 verglichen. Das JKI übernimmt dabei die fachliche Bewertung und Berechnung der Effekte auf Boden und Pflanze.
Publikation der Ergebnisse: Die umfassende Dokumentation und Zusammenfassung der Projektergebnisse erfolgt durch das ATB. Eine offizielle Veröffentlichung der Evaluationsergebnisse ist für das Jahr 2028 geplant.
Humusaufbau (Carbon Farming): Im Rahmen des Projekts „Klimapartner Landwirtschaft“ findet ein intensives Bodenmonitoring statt. Jährlich werden hunderte Bodenproben gezogen und analysiert, um die Dynamik des Humusgehalts und die tatsächliche CO2-Speicherleistung (Sequestrierung) statistisch belastbar zu dokumentieren.
Internes Monitoring: Ergänzend zur externen Forschung führe ich eine betriebseigene Erfolgskontrolle durch (z. B. Population von Regenwürmern und Feldvögeln sowie Erosionsbeobachtungen), um die Bewirtschaftung unmittelbar an die beobachteten Veränderungen anzupassen.
Wie planen Sie Ihr Projekt weiterzuentwickeln?
Die Umstellung des Betriebs ist kein reines „Projekt“. Denn dies hätte ein definiertes Ende. „Schwamm-Acker Gramzow“ ist auf Dauerhaftigkeit und stetige Innovation und Anpassung ausgelegt. Die nächsten Meilensteine (Projektstart Sommer 2026) fokussieren auf die weitere Maximierung der Wasserresilienz und den Wissenstransfer:
- Maximierung der Bodenruhe (No-Till): Ab 2026 gehen wir den nächsten konsequenten Schritt in der Bodenbearbeitung. Die Aussaat von Weizen nach Körnermais erfolgt im No-Till-Verfahren (Direktsaat). Durch den vollständigen Verzicht auf mechanische Bodenbewegung schützen wir die Kapillarität und die immense Mulchauflage des Maisstrohs optimal.
- Aktive Kühlung durch Sommerzwischenfrüchte: Unmittelbar nach der Getreideernte etablieren wir konsequent Sommerzwischenfrüchte. Ziel ist eine lückenlose Bodenbeschattung, um die Bodentemperatur zu senken und die wertvolle Taubildung zur Wasserversorgung des Bodenlebens zu nutzen.
- Portfolio-Erweiterung: Ab 2027 ergänzen Sonnenblumen die Fruchtfolge. Diese nutzen Sommerniederschläge effizienter als klassische Kulturen und erhöhen die ökonomische Sicherheit des Betriebs unter veränderten Klimabedingungen.
- High-Tech Düngung & Ressourcenschutz: Wir finalisieren die Umstellung der gesamten Betriebsdüngung auf teilflächenspezifische Applikationskarten. Basierend auf Luft- und Satellitenbildern wird Stickstoff nur noch dort ausgebracht, wo er von der Pflanze verwertet werden kann. Durch den ausschließlichen Einsatz von stabilisierten Stickstoffdüngern minimieren wir das Risiko von Nährstoffauswaschungen bei Starkregen und Lachgasemissionen bei Hitze.
- Wissenstransfer: Um den Dialog mit der Gesellschaft und der Fachwelt zu professionalisieren, wird auf dem Hof ein dedizierter Schulungsraum eingerichtet. Dies ermöglicht es, ganzjährig und wetterunabhängig Besuchergruppen, Fachpublikum und Schulklassen zu empfangen und Klimaanpassung direkt am Objekt erlebbar zu machen. Offizieller Konsultationsbetrieb des Landes Brandenburg. Ein entscheidender Meilenstein ist die bereits positiv beschiedene Bewerbung als Konsultationsbetrieb für das MLEUV des Landes Brandenburg. Ab Sommer 2026 fungiert mein Betrieb als offizielle Beratungsstelle für das Thema „Bodenschonende Bodenbearbeitung“. In dieser neuen Rolle bilde ich die direkte Schnittstelle zwischen praktischen Landwirten, wissenschaftlicher Forschung und politischer Gestaltung. Das Projekt nimmt damit aktiven Einfluss auf die landwirtschaftliche Praxis und die strategische Klimaanpassung in der gesamten Region.

Hindernisse

Hat die Maßnahme negative Nebeneffekte?
  • Nein

Kontaktdaten

Stefan Bernickel
Landwirtschaftsbetrieb Stefan Bernickel
17291 Gramzow
Deutschland
Abteilung
E-Mail
landwirt.bernickel@gmail.com
Telefonnummer
01736424134
Faxnummer

Ort der Umsetzung

Uckermark, Brandenburg

Kategorien

Hitzeperioden Starkregen/Sturzfluten Trockenheit Höhere Durchschnittstemperaturen veränderte Niederschlagsmuster Sonstige Freiwillige Vereinbarung, Kooperation Informationsbereitstellung und Sensibilisierung Naturbasierte Maßnahme (z.B. Begrünung, Renaturierung) Technische Maßnahme (z.B. Baumaßnahme) Umweltbeobachtung und Erforschung von Folgen des Klimawandels Unternehmen
Kurzlink: https://www.uba.de/n307119de