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Diskussion zum Klima-Szenario RCP8.5: Klimaschutz bleibt dringend

ein Mensch hält seine Hände schützend um den Planeten Erde
Klimaschutz hilft, die Folgen der Erderhitzung für uns Menschen abzumildern.
Quelle: danielschoenen / Fotolia.com

Das Klima-Szenario RCP8.5 des Weltklimarats (IPCC) wird nach aktuellem Stand nicht Realität werden. Diese Erkenntnis wird derzeit zum Anlass genommen zu behaupten, die Wissenschaft habe beim Klimawandel unnötig Alarmismus betrieben und es wäre kein Klimaschutz nötig. Das ist falsch: Das Worst-Case-Szenario ist gerade wegen des bereits erfolgten Klimaschutzes zum Glück nicht mehr realistisch.

Worum es geht

Der Weltklimarat (IPCC) fasst regelmäßig den wissenschaftlichen Kenntnisstand zu Klimawandel und Klimaschutz zusammen und stellt sie Regierungen weltweit für politische Entscheidungen und internationale Klimaverhandlungen bereit. In seinem sechsten Berichtszyklus in den Jahren 2021 bis 2023 wurde noch häufig das so genannte RCP8.5‑Szenario zitiert – ein Szenario mit ungebremst weiter steigenden globalen Treibhausgasemissionen als Folge einer massiven Ausweitung der Nutzung fossiler Brennstoffe bis zum Jahr 2100. Dieses Worst-Case-Szenario mit einer globalen Erhitzung von etwa 3,3 bis 5,7 Grad Celsius bis Ende des Jahrhunderts kommt in einer im April 2026 veröffentlichten, maßgeblichen wissenschaftlichen Publikation nicht mehr vor. Dies wurde zum Beispiel in Medien und auf Social Media zum Anlass genommen zu behaupten, die Klimawissenschaft hätte in den vergangenen Jahren unnötig Alarmismus betrieben und Klimaschutz sei nicht notwendig.

Warum das Klima-Szenario RCP 8.5 nicht „falsch“ war

Klima-Szenarien sind wichtige Werkzeuge, um abzuschätzen, wie stark sich das Klima unter verschiedenen Annahmen weiter verändern könnte. Sie werden von der Wissenschaft fortlaufend anhand neuer Erkenntnisse neu bewertet und aktualisiert. Ergreifen immer mehr Staaten Klimaschutzmaßnahmen und schreitet etwa der Umstieg von fossilen zu erneuerbaren Energien weiter voran, werden so die Treibhausgasemissionen reduziert und es wird zunehmend weniger plausibel, dass „Worst-Case“-Szenarien wie das RCP 8.5 tatsächlich eintreten. In neueren wissenschaftlichen Arbeiten werden sie deshalb nicht mehr als plausible Beschreibung der realen Entwicklung angesehen, sondern vor allem genutzt, um die Folgen extrem hoher Klimarisiken zu untersuchen (zur Einordnung siehe z.B. das Fachpapier „The Scenario Model Intercomparison Project for CMIP7“). Dies wird der Weltklimarat (IPCC) dementsprechend in seinem nächsten Berichtszyklus, der noch bis zum Jahr 2029 läuft, berücksichtigen. Grundsätzlich haben aber weiterhin auch Hoch-Emissionsszenarien mit geringer Eintrittswahrscheinlichkeit ihre Berechtigung, um Vorsorge für mögliche Risiken sicherzustellen.

Warum Klimaschutz weiter dringend bleibt

Im Übereinkommen von Paris hat sich die Welt zum Ziel gesetzt, die globale Erwärmung auf nicht mehr als 1,5 Grad Celsius im Vergleich zum vorindustriellen Niveau zu begrenzen, um schwerwiegende und möglicherweise irreversible Auswirkungen auf das Klima zu vermeiden. Aktuelle Auswertungen globaler Temperaturdaten zeigen, dass die gemittelte globale Oberflächentemperatur heute bereits gut 1,2 bis 1,4 °C über dem vorindustriellen Niveau liegt und einzelne Jahre zeitweise etwa 1,5 Grad Celsius Erwärmung erreichen (siehe auch den IndikatorGlobale Lufttemperatur“ des Umweltbundesamtes, Forster et al (2024) sowie den Bericht „State of the Global Climate 2025“ der Weltorganisation für Meteorologie).

Zugleich zeigen neuere Auswertungen, dass Szenarien, die sich an den derzeit umgesetzten Klimaschutzmaßnahmen orientieren, weiterhin zu einer globalen Erwärmung von etwa 3°C bis zum Jahr 2100 führen, was sich bis zum Jahr 2150 auf etwa 4°C fortsetzen könnte. Weil sich Landmassen und insbesondere Europa viel stärker erwärmen als der Durchschnitt, wäre dann in Deutschland mit einer Erwärmung von ungefähr 4°C (2100) bzw. 5°C (2150) zu rechnen. Derartige Erwärmungen hätten katastrophale Folgen.

Die drastische Verringerung der Treibhausgasemissionen bleibt daher dringend notwendig, um die Ziele des Übereinkommens von Paris zu erreichen. Dass Klimaschutzmaßnahmen, wie der Hochlauf von erneuerbaren Energien, wirken, zeigt sich gerade darin, dass das Worst-Case-Szenario RCP 8.5 nach aktuellem Kenntnisstand zum Glück so nicht Realität werden wird.

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