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Wie gelingt die Transformation zur Schwammstadt?

Das Foto zeigt ein großes Wasserbecken im Neubauquartier Berlin-Grünau, das sich aus Niederschlagswasser der umliegenden Dächer speist.
In Berlin-Grünau speist sich ein Wasserbecken aus Niederschlagswasser der umliegenden Gebäudedächer.
Quelle: Richard Harnisch / IÖW

Das Konzept der Schwammstadt ist aus einer klimaresilienten Stadtentwicklung nicht mehr wegzudenken. Doch bei der Umsetzung gibt es Hürden. Wie können Schwammstadt-Prinzipien in der Stadtentwicklung verankert werden und wie kann der Bund dies unterstützen? Ein Forschungsprojekt unter Leitung des Instituts für ökologische Wirtschaftsforschung im Auftrag des Umweltbundesamts liefert neue Ergebnisse.

Schwammstadt: Im Klimawandel zukunftsfit werden 

Der Klimawandel stellt Städte und Gemeinden vor wachsende Herausforderungen. Extremwetterereignisse wie Hitzewellen und Starkregen belasten die kommunale Infrastruktur, beeinträchtigen städtische Ökosysteme und wirken sich auf die Gesundheit und Lebensqualität der Bevölkerung aus. Das Konzept der Schwammstadt, in dessen Mittelpunkt insbesondere ein veränderter Umgang mit der Ressource Wasser steht, reagiert auf diese Herausforderungen und dient als Leitbild einer integrierten, zukunftsorientierten und klimaresilienten Stadtentwicklung. Die Schwammstadt verfolgt drei Ziele, die politisch etwa auch in der Deutschen Anpassungsstrategie an den Klimawandel und in der Nationalen Wasserstrategie verankert sind: 

  • die Annäherung an den natürlichen Wasserhaushalt als grundlegenden Paradigmenwechsel,
  • die Klimaanpassung,
  • die Entlastung der Kanalisation. 

Auf diese Weise schützt die Schwammstadt vor Starkregen- und Dürreschäden, mindert die Hitzebelastung und stabilisiert die Grundwasserreserven. Durch mehr Verdunstung, Versickerung und einen geringeren Oberflächenabfluss werden urbane Ökosysteme gestärkt und die Kanalnetze bei Starkregen entlastet. 

Die Transformation zur Schwammstadt als gesellschaftlicher Veränderungsprozess braucht geeignete politische und institutionelle Rahmenbedingungen. Die urbane Wasserbewirtschaftung kann hier als soziotechnisches System verstanden werden, das drei Elemente umfasst: 

  • Technologien wie blau-grüne Infrastrukturen,
  • Institutionen, worunter etwa Gesetze, Normen oder Praktiken fallen, und
  • Akteure wie Behörden, Planungsbüros oder Bürger*innen. 

Diese drei Elemente stehen in ständiger Wechselwirkung: Institutionen können treiben oder bremsen, Akteure beeinflussen Gesetzgebung und Technologieeinsatz, neue Technologien erzeugen Anpassungsdruck auf bestehende Regelungen. Das Projekt „Schwammstadt: Blau-grüne Infrastrukturen umsetzen“ unter Leitung des Instituts für ökologische Wirtschaftsforschung (IÖW) hat dieses System im Auftrag des Umweltbundesamts analysiert. Die Ergebnisse zeigen die Wechselwirkungen sowie hemmende und fördernde Einflussfaktoren einer Umsetzung der Schwammstadt auf und ermöglichen, wirksame Politikinstrumente und abgestimmte Instrumentenmixe abzuleiten. Folgendes Schema zeigt den Transformationspfad zur klimaresilienten Schwammstadt. 

Die Grafik zeigt den Transformationspfad zur klimaresilienten Schwammstadt mit Treibern, Zielen, hemmenden und fördernden Faktoren Auf dem Weg zur klimaresilienten Schwammstadt
Quelle: Institut für ökologische Wirtschaftsforschung (IÖW)

Welcher Policy-Mix unterstützt die Transformation zur Schwammstadt?

Die Analyse des soziotechnischen Systems zeigte folgende Umsetzungshemmnisse auf dem Weg zur Schwammstadt: 

  • Unzureichende finanzielle und personelle Kapazitäten (vor allem bei Kommunen),
  • politische und regulative Hemmnisse,
  • begrenzte institutionelle Zusammenarbeit,
  • Flächennutzungskonflikte,
  • geringes privates Engagement,
  • fehlende Kooperation mit der Zivilgesellschaft sowie
  • mangelndes Bewusstsein und fehlendes Wissen (unter anderem Datengrundlagen).

Diese Hemmnisse treten selten isoliert auf: Eine Gründachpflicht scheitert etwa nicht nur am fehlenden Recht, sondern auch an mangelnder Akzeptanz, fehlenden Fachkräften und unklaren Zuständigkeiten. 

Daher ist ein abgestimmter Instrumentenmix aus finanziellen, regulativen und informatorischen Instrumenten erforderlich, der an mehreren Systemelementen ansetzt und regulative Rahmenbedingungen erneuert, Akteure mobilisiert, normative Wertvorstellungen reflektiert und Technologien weiterentwickelt. Ein solcher Mix sollte in eine langfristige Strategie eingebettet sein, wie sie die Nationale Wasserstrategie und die Deutsche Anpassungsstrategie bieten, und regelmäßig evaluiert werden. 

Aus der Bewertung lassen sich fünf Empfehlungen für einen Instrumentenmix ableiten. Im Zusammenspiel können die Maßnahmen die notwendigen strukturellen Veränderungen anstoßen und die Umsetzung der klimaresilienten Schwammstadt auf kommunaler Ebene wirksam unterstützen: 

  1. Die finanzielle Förderung für Konzeptentwicklung und Maßnahmenumsetzung (z. B. über ANK, Städtebauförderung, KfW-Programme) sollte fortgeführt und für kleinere, strukturschwächere Kommunen zugänglicher gestaltet werden.
  2. Es braucht Anreizinstrumente für die Maßnahmenumsetzung, die private Akteure zur Umsetzung auf eigenen Flächen motivieren, etwa durch die gesplittete Abwassergebühr, steuerliche Anreize oder vereinfachte Förderstrukturen.
  3. Transdisziplinäre Forschungs- und Innovationsprojekte sollten gefördert werden, um Wissens- und Datenlücken zu schließen, neue Technologien (z. B. digitale Zwillinge) zu entwickeln und Leuchtturmprojekte zu schaffen, deren Erkenntnisse evaluiert und übertragen werden können.
  4. Rechtliche Standards und Vorgaben – etwa zur Grünflächensicherung im Baugesetzbuch oder zur Reform des Wasserhaushaltsgesetzes – sind notwendig, um verbindliche Rahmenbedingungen für Regenwassermanagement und Flächennutzung zu schaffen.
  5. Es braucht Instrumente des Wissens- und Wirkungstransfers, etwa Austauschformate, Weiterbildungen und Netzwerke, die die Sichtbarkeit und Wirksamkeit der übrigen Instrumente erhöhen.

Voneinander lernen: Schwammstadt-Fachleute im Austausch

Das Foto zeigt Teilnehmende einer Veranstaltung in einer Fishbowl-Diskussion In der Fishbowl-Diskussion des Fachsymposiums kamen die Teilnehmenden in einen intensiven Austausch.
Quelle: Anne Schmalenbach / IÖW

Auf einem Fachsymposium im Umweltbundesamt diskutierten im Juni 2026 über 60 Teilnehmende aus Kommunen, Wissenschaft, Verbänden und Wirtschaft über politische, strategische und kommunikative Rahmenbedingungen für die Transformation zur Schwammstadt. Hier folgt ein Überblick über die Diskussionen:

Schwammstadt erfolgreich umsetzen: Ämter müssen übergreifend zusammenarbeiten 

Das vorgestellte Konzept zur Anpassung an die Folgen des Klimawandels in dem Berliner Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf zeigt, wie dem Problem knapper Ressourcen erfolgreich begegnet werden kann. Eine strukturell verankerte kontinuierliche und intersektorale Zusammenarbeit des Grünflächen- und Tiefbauamtes ist dabei zentral. Planungs- und Abstimmungsprozesse werden so vereinfacht und dem Silodenken wird entgegengewirkt. Durch Kooperationen mit nicht-behördlichen Akteuren – z. B. mit Universitäten bei der Entwicklung von Entsiegelungsmaßnahmen – können zusätzliche Ressourcen erschlossen werden. In der Diskussion wurde eine Reform des aktuellen Regelwerks als weitere Gelingensbedingung hervorgehoben, um Bauvorhaben klimaangepasst zu planen und Innovationen zu ermöglichen. Wichtig ist es auch, Akteure durch Wissensvermittlung und Kompetenzaufbau zu einer wassersensiblen Stadtentwicklung zu befähigen.

Wie kann eine gesunde und gerechte Schwammstadt aussehen? 

Blau-grüne Infrastrukturen stellen eine wichtige Gesundheitsressource dar. Sie wirken sich auf die physische und mentale Gesundheit aus, indem sie Hitze, Lärm und Luftschadstoffbelastung reduzieren sowie Räume für Entspannung, körperliche Bewegung und soziale Interaktion bereitstellen. Damit die positiven Gesundheitseffekte der Schwammstadt möglichst alle Menschen erreichen, müssen unterschiedliche Gerechtigkeitsdimensionen bei der Planung und Umsetzung mitgedacht werden. Hierfür brauchen Kommunen Daten über die Verteilung bestehender Umweltbelastungen, städtischer Vulnerabilitäten und bereits existierender blau-grüner Infrastrukturen. Nur so kann sichergestellt werden, dass insbesondere diejenigen Quartiere von zusätzlichen Maßnahmen profitieren, in denen der Bedarf am größten ist. 

Wessen Bedürfnisse werden berücksichtigt und welche Akteure in welchem Umfang in die Planung und Umsetzung einbezogen? Antworten auf diese Fragen sind wichtig, sonst besteht das Risiko, dass Maßnahmen ihre Wirkung nicht entfalten oder gar nicht erst akzeptiert werden. Eine gesunde und gerechte Schwammstadt braucht eine langfristige Perspektive, die über die Planung und Umsetzung hinausgeht und auch andere Politikfelder mitdenkt. Etwa sollte vermieden werden, dass blau-grüne Infrastrukturen zur Verdrängung von Bewohnenden führen. Unterschiedliche Ansätze können diesen Effekten entgegenwirken, etwa Instrumente des Mietrechts, Just-Green-Enough-Ansätze oder Public-Common Partnerships.

Welche Gründächer braucht die Schwammstadt? 

Gründächer gelten als zentrales Element einer Schwammstadt. Im Projekt wurde die Umweltfreundlichkeit verschiedener Gründachaufbauten analysiert. Die Ergebnisse zeigen, dass auch umweltschonende Materialien teilweise mit Schadstoffen belastet sein können. Es ist daher wichtig, dass Hersteller ihre Produkte prüfen und mit Labeln versehen, um Schadstofffreiheit zu gewährleisten. 

Wie effektiv Gründächer sind, hängt von ihrem Wasserspeicherpotenzial und ihrer Verdunstungsleistung ab: je höher, desto besser. Gründächer sind darüber hinaus multifunktional und können, wenn sie gut durchdacht sind, noch mehr: Sie tragen zur Aufenthaltsqualität bei, erhöhen die Biodiversität und können mit einer Solaranlage zur Stromproduktion kombiniert werden. Auf dem Symposium wurden darüber hinaus wünschenswerte Gründach-Tools für die kommunale Praxis diskutiert, die etwa das Wirkungspotenzial transparent abbilden, um den Nutzen von Gründächern für die politische Kommunikation sichtbar zu machen – vergleichbar etwa mit dem Stadtgrün-Bewertungstool www.stadtgruen-wertschaetzen.de

Fazit

Damit mehr Schwammstädte entstehen, müssen finanzielle, regulative und informatorische Politikinstrumente über alle Elemente des soziotechnischen Systems – Technologien, Institutionen und Akteure – hinweg integrativ zusammenwirken. Sektorenübergreifende Zusammenarbeit und politische Beschlüsse, die die Handlungsmotivation politischer Entscheidungsträger*innen in die Verwaltungsebene überführen, sind zentral. Damit alle Bewohnenden von der Schwammstadt der Zukunft profitieren, ist es elementar, Fragen der sozialen Gerechtigkeit früh und umfassend in allen Planungsprozessen zu berücksichtigen. Eine detailliertere Darstellung zu möglichen Politikinstrumenten auf dem Weg zur Schwammstadt findet sich im Fact Sheet "Der Weg zur klimaresilienten Schwammstadt".

Autorin: Alexandra Dehnhardt (Institut für ökologische Wirtschaftsforschung)

 

Dieser Artikel wurde als Schwerpunktartikel im Newsletter Klimafolgen und Anpassung Nr. 103 veröffentlicht. Hier können Sie den Newsletter abonnieren.

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