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Umweltbewusst im Alltag: Lebensmittelverschwendung vermeiden

Eine Person in einer beigen Jacke und mit einem roten Einkaufskorb in der Hand hält in einem Supermarkt eine Einkaufsliste in die Höhe und blickt darauf.
Um Lebensmittelverschwendung zu vermeiden, hilft eine gut geplante Einkaufsliste.
Quelle: terovesalainen / AdobeStock

Inhaltsverzeichnis

Was Sie gegen Lebensmittelverschwendung tun können

  • Prüfen Sie Ihre Vorräte vor dem Einkauf: Kaufen Sie mit Einkaufszettel ein, nicht nach Gefühl und vermeiden Sie großzügige Vorratshaltung.
  • Lassen Sie sich bei Obst und Gemüse nicht von kosmetischen Makeln leiten und wählen sie bewusst Ware ohne Klassenangaben oder der Klasse II.
  • Kaufen Sie, wenn möglich, Gemüse wie Kohlrabi, Möhren und Radieschen ohne Blattgrün.
  • Prüfen Sie nach Ablauf des Mindesthaltbarkeitsdatums, ob die Lebensmittel noch genießbar sind (Ausnahme: verderbliche tierische Produkte).
  • Stellen Sie Reste kühl oder frieren Sie diese ein.
  • Entsorgen Sie Essensreste über die Biotonne.

Gewusst wie

Im Schnitt wirft jeder Bundesbürger pro Jahr rund 78 Kilogramm Lebensmittel weg. Hinzu kommen Lebensmittel, die bereits in der Landwirtschaft oder vom Handel entsorgt werden, da sie beispielsweise optischen Vorgaben nicht entsprechen. Die Lebensmittel wurden sozusagen für die Mülltonne hergestellt, verursachten aber trotzdem Umweltbelastungen wie andere Lebensmittel auch (z.B. Klimagase, Energieverbrauch, Gewässer- und Bodenbelastungen). 

Überblick bewahren: Verschaffen Sie sich vor dem Einkaufen und dem Kochen einen Überblick darüber, welche Lebensmittel noch vorrätig sind. Lagern Sie Ihre Lebensmittel übersichtlich, damit diese nicht in Vergessenheit geraten und verderben. Räumen Sie neue Ware nach hinten, ältere nach vorne. Beschriften Sie Eingemachtes und Eingefrorenes mit dem Datum, an dem es hergestellt beziehungsweise eingefroren wurde. Die meisten Lebensmittel lassen sich sechs bis zwölf Monate ohne Bedenken einfrieren.

Planvoll einkaufen: Supermärkte sind Könner der Verführung. Wer sich hier zu stark von seinen spontanen Gelüsten leiten lässt, kauft schnell zu viel ein. Stellen Sie sich deshalb zum Beispiel einen wöchentlichen Speiseplan zusammen. Notieren Sie sich die benötigten Lebensmittel für den Speiseplan und gleichen Sie diesen mit Ihren Vorräten ab. Der Einkaufszettel hilft Ihnen dabei, nur das einzukaufen, was Sie auch essen können.

Planvoll einkaufen: Supermärkte sind Könner der Verführung. Wer sich hier zu stark von seinen spontanen Gelüsten leiten lässt, kauft schnell zu viel ein. Stellen Sie sich deshalb zum Beispiel einen wöchentlichen Speiseplan zusammen. Notieren Sie sich die benötigten Lebensmittel für den Speiseplan und gleichen Sie diesen mit Ihren Vorräten ab. Der Einkaufszettel hilft Ihnen dabei, nur das einzukaufen, was Sie auch essen können.

Ausschuss im Supermarkt vermeiden: Ob Gemüse und Obst gesund und schmackhaft sind, hängt nicht von ihrem äußeren Erscheinungsbild, ihrer Größe oder dem Vorhandensein von Blattgrün ab.  Hohe optische Anforderungen des Handels können jedoch dazu beitragen, dass ein erheblicher Anteil verzehrfähiger und qualitativ einwandfreier Erzeugnisse nicht vermarktet wird. Je nach Kultur und Produktionssystem können zudem hohe Anforderungen an das äußere Erscheinungsbild von Obst und Gemüse mit einem erhöhten Einsatz von Dünge- und Pflanzenschutzmitteln verbunden sein.  Lassen Sie sich beim Kauf von Obst und Gemüse also nicht von kosmetischen Makeln leiten und kaufen sie auch Obst und Gemüse mit kleinen kosmetischen Mängeln oder ungewöhnlichen Formen. Bei Gemüse wie Kohlrabi oder Möhren sollte zudem auf Produkte ohne Blattgrün zurückgegriffen werden, sofern dieses für den Verzehr nicht benötigt wird. Ein bewusster Einkauf kann damit ein Signal an Handel und Lebensmittelwirtschaft senden, dass Qualität, Geschmack und Ressourceneffizienz gegenüber rein ästhetischen Kriterien stärker berücksichtigt werden sollten. Dies kann dazu beitragen, Vermarktungsstandards weiterzuentwickeln und Lebensmittelverluste sowie den damit verbundenen Ressourcenverbrauch zu reduzieren. 

Vorräte beschränken: Jeder schöpft gerne aus dem Vollen. Doch die zu gut gemeinte Vorratshaltung ist ein wesentlicher Grund für anfallende Lebensmittelabfälle. Nutzen Sie deshalb die gut gefüllten Vorratslager der Lebensmittelmärkte und halten Sie die persönlichen Vorräte bei verderblichen Lebensmitteln klein. Greifen Sie eher zu kleinen Packungen. Mit "Sonderpreis" beworbene Großpackungen sind letztlich teurer, wenn man am Ende die Hälfte wegschmeißen muss.

Mindesthaltbarkeits- und Verbrauchsdatum: Mit Ablauf des Mindesthaltbarkeitsdatums ist ein Lebensmittel nicht automatisch schlecht. Vielmehr sollte jetzt die Qualität des Lebensmittels vor Verzehr genauer geprüft werden. Vertrauen Sie auf Ihren eigenen Geruchs- und Geschmackssinn und entscheiden Sie selbst. Bei leicht verderblichen tierischen Produkten dagegen, wie zum Beispiel Fleisch und Fisch, gilt es, das Verbrauchsdatum zu beachten. Ist dieses überschritten, müssen die Produkte weggeworfen werden, sonst besteht die Gefahr einer Lebensmittelvergiftung.

Foto Gemüse im Korb Rund ein Drittel der Nahrung wird weltweit weggeworfen.
Quelle: S. Marahrens / Umweltbundesamt

Richtig entsorgen: Ungenießbare Essensreste kommen - unabhängig von ihrem Verarbeitungszustand - ohne Verpackung in die Biotonne. Aus hygienischen Gründen und wegen der vor Ort verfügbaren Kompostierungs- oder Vergärungstechnik sind Essensreste nicht überall für die Entsorgung in der Biotonne zugelassen. Was vor Ort gilt, kann in den Abfallsatzungen der Städte und Landkreise oder in den Getrenntsammelvorschriften der örtlichen Abfallwirtschaftsbetriebe nachgelesen werden. 
Auf den heimischen Kompost sollten tierische und gekochte Essensreste nicht geworfen werden, da diese Wildtiere wie Ratten anlocken. Essensreste dürfen auf keinen Fall über Toiletten oder Abwasser entsorgt werden. Grobe Abfälle können die Abwasserrohre verstopfen und sind ein gefundenes Fressen für Ratten. Außerdem machen Essensreste die Abwasserreinigung aufwendiger und damit teurer. Die meisten Kommunen haben daher in ihren Abwassersatzungen das Entsorgen fester Stoffe wie Lebensmittelabfälle, auch in zerkleinerter Form, explizit verboten.

Was Sie noch tun können:

  • Vermeiden Sie wo möglich das Anfassen und Drücken von losem Obst und Gemüse und kaufen Sie nicht immer das Frischeste. Das Aussortieren von z.B. Obst oder Gemüse aus der neuen Lieferung führt dazu, dass noch gute Ware der vorherigen Lieferung nicht verbraucht wird und entsorgt werden muss.
  • Kaufen Sie gezielt auch Produkte mit einem kurzen Mindesthaltbarkeitsdatum, insbesondere wenn Sie wissen, dass sie die Lebensmittel ohnehin bald verbrauchen. Immer mehr Händler bieten Produkte mit kurzem MHD auch reduziert an. Informieren Sie sich in Ihrem Markt, ob es eine entsprechende Sonderfläche gibt.
  • Kaufen Sie gezielt Produkte, die das Mindesthaltbarkeitsdatum schon überschritten haben, aber noch genießbar sind, oder überschüssige Lebensmittel in Bäckereien oder gastronomischen Einrichtungen. Das geht über spezielle Apps oder über spezialisierte Onlineshops.
  • Teilen Sie überschüssige Lebensmittel mit anderen, z. B. über die von einem Verein getragene Plattform foodsharing.de.
  • Kaufen Sie Obst und Gemüse nach ihrem persönlichem Mengenbedarf, selbst wenn Produkte verschiedener Größen den gleichen Preis haben. Wenn sie gezielt auch die kleineren Produkte kaufen, müssen diese am Ende nicht entsorgt werden und sie zeigen dem Handel, dass die Nachfrage nach unterschiedlichen Größen vorhanden ist. Ein wichtiger Anreiz für den Handel um seine Verkaufspraxis hin zu einem Verkauf nach Gewicht statt nach Stück zu ändern.
  • Essensreste sollten im Kühlschrank aufbewahrt werden. Dann können Sie sie am nächsten Tag aufwärmen oder auch für neue Mahlzeiten verwerten. Alternativ lassen sich Essensreste auch einfrieren.
  • Beachten Sie unsere weiteren Tipps zu Biolebensmitteln, Kompost, Eigenkompostierung und Bioabfälle.
  • Jährlich findet die Aktionswoche "Zu gut für die Tonne!" statt. Bürger*innen können sich an Projekten beteiligen und zu Forscher*innen in der eigenen Küche werden.
Diagramm: Jedes Jahr werden in Deutschland rund 22 kg vermeidbare Lebensmittel weggeworfen. Davon sind ein Drittel Obst und Gemüse, 15 Prozent Zubereitetes und 13 Prozent Backwaren. Vermeidbare Lebensmittelabfälle in privaten Haushalten, Anteile nach verschiedenen Lebensmitteln
Quelle: Gesellschaft für Konsumforschung

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Hintergrund

Im Handel

Umweltsituation: Kohlrabi, Radieschen und Bundmöhren werden überwiegend mit Blättern angeboten, die für Kund*innen als visuelles Frischemerkmal dienen. Verzehrt werden diese jedoch vergleichsweise selten. Die Anforderungen an ein makelloses, grünes und aufrecht stehendes Blattgrün können dazu führen, dass zusätzliche Dünge- und Pflanzenschutzmittelmaßnahmen erforderlich werden. Produkte, deren Blätter beschädigt, gelb und welk sind, werden vom Handel mitunter nicht abgenommen und verbleiben auf dem Feld oder werden einer anderen Verwertung zugeführt.  Zudem erhöhen die Blätter durch ihre hohe Verdunstungsleistung die Wasserverluste nach der Ernte und können dadurch dazu beitragen, dass Knollen und Wurzeln schneller welken.

Einheitliche Größenvorgaben des Handels, z.B. bei Kohlrabi oder Blumenkohl, können dazu führen, dass besonders große oder kleine Erzeugnisse nicht oder nur eingeschränkt vermarktet werden. Unterschiedliche Größen im Gemüseregal sind aber nicht nur vorteilhaft für die Umwelt, sondern auch wünschenswert für die Konsument*innen. Ein breiteres Größenspektrum ermöglicht einen bedarfsgerechten Einkauf, da unterschiedliche Haushaltsgrößen unterschiedliche Mengen benötigen.  

Erzeugnisse, die aufgrund ihrer Größe, Form oder ihres äußeren Erscheinungsbildes die Anforderungen des Handels nicht erfüllen, werden teilweise nicht geerntet, nicht vom Abnehmer übernommen oder einer Zweitverwertung, beispielsweise als Futtermittel oder für die Verarbeitung zu Saft, zugeführt. Damit gehen nicht zwangsläufig die erzeugten Lebensmittel vollständig verloren. Allerdings wurden für ihre Produktion bereits Fläche, Wasser, Energie, Dünger und Pflanzenschutzmittel eingesetzt. Werden die Erzeugnisse nicht für die menschliche Ernährung genutzt, bleiben die damit verbundenen Umwelt- und Klimawirkungen daher zumindest teilweise bestehen, ohne dass der angestrebte Beitrag zur Lebensmittelversorgung erreicht wird.

Das Ausmaß und die spezifischen Umwelt- und Klimawirkungen solcher Verluste sind bislang wenig erforscht (Ebert et al. 2020). Eine Fallstudie des Thünen-Instituts in der Lieferkette eines großen Lebensmitteleinzelhändlers zeigt jedoch, dass unternehmensspezifische Qualitätsanforderungen einen relevanten Verlusttreiber darstellen. Im Durchschnitt entsprachen rund 15 Prozent der produzierten Obst- und Gemüsemenge nicht den untersuchten Anforderungen. Ein erheblicher Teil dieser Erzeugnisse konnte zwar über andere Absatzwege vermarktet werden; rund 6 Prozent der produzierten Menge wurden jedoch nicht der menschlichen Ernährung zugeführt. Davon wurden 3,4 Prozent nicht geerntet, 1,7 Prozent als Tierfutter verwendet und weniger als 1 Prozent entsorgt oder einer Non-Food-Nutzung zugeführt. Besonders häufig führten Anforderungen an das Kaliber sowie Vorgaben zu Pflanzenschutzmittelrückständen zur Nichtabnahme (Trebbin et al. 2022; Trebbin et al. 2023). Die Ergebnisse sind aufgrund des Charakters der Untersuchung nicht auf den gesamten deutschen Obst- und Gemüsemarkt übertragbar, verdeutlichen jedoch die Bedeutung privatwirtschaftlicher Qualitätsanforderungen als Ansatzpunkt zur Verringerung von Lebensmittelverlusten.

Die Produktionsressourcen, die für die Erzeugung nicht oder nur eingeschränkt vermarktbarer Produkte eingesetzt wurden, sind bereits gebunden. Werden die Erzeugnisse nicht für die menschliche Ernährung genutzt, bleiben die damit verbundenen Umwelt- und Klimawirkungen zumindest teilweise bestehen. Eine Reduzierung unnötiger Qualitätsanforderungen kann daher nicht nur Lebensmittelverluste vermeiden, sondern auch dazu beitragen, den Einsatz von Fläche, Wasser, Energie, Dünger und Pflanzenschutzmitteln effizienter zu nutzen.

Gesetzliche Aspekte: Das Lebensmittelrecht (LFGB) und die EU-Vermarktungsnormen (EU-VO 543/2011 und EU-VO 1308/2013) stellen sicher, dass das in Deutschland verkaufte Obst und Gemüse gesund und von hoher Qualität ist. Darüber hinaus stellt der Handel zusätzliche unternehmensspezifische Anforderungen an Größe, Gewicht und das Aussehen. 

Weitere Informationen finden Sie unter:

 

Im Haushalt

Umweltsituation: Fast 11 Millionen Tonnen Lebensmittel werden in Deutschland jährlich als Abfall entsorgt, davon entfallen etwa 6,5 Millionen Tonnen auf die Privathaushalte. Im Schnitt wirft jeder Bundesbürger 78 Kilogramm Lebensmittel pro Jahr weg. Dies ergab eine Datenerhebung des Statistischen Bundesamtes für das Jahr 2020. Der Bericht dazu wurde vom UBA veröffentlicht. Hierdurch geht zum einen der Nährwert der Lebensmittel verloren, zum anderen werden wertvolle Ressourcen (z.B. Wasser, Energie) verschwendet. Werden Lebensmittelabfälle nicht ordnungsgemäß entsorgt, gehen zudem die enthaltenen Mineralstoffe verloren. Vor etwa 20 Jahren wurde in Deutschland begonnen, biogene Abfälle getrennt zu sammeln. Diese werden kompostiert oder in Biogasanlagen vergoren und anschließend kompostiert. Aus Bioabfällen entstehen nicht nur wertvolle Komposte, sondern sie tragen auch zur regenerativen Energieproduktion durch Biogas bei.

Gesetzliche Aspekte: Gemäß Kreislaufwirtschaftsgesetz (KrWG) ist Abfallvermeidung prioritäres Ziel. Die Regelungen zur Verwertung von Bioabfällen finden sich in der Bioabfallverordnung und im Kreislaufwirtschaftsgesetz. Mit dem 1. Januar 2015 wurde eine flächendeckende getrennte Erfassung von Bioabfällen in Deutschland eingeführt. Die Bestimmungen zum Mindesthaltbarkeits- und Verbrauchsdatum finden sich in der Lebensmittel-Kennzeichnungsverordnung (LMKV).

Marktbeobachtung: In den letzten Jahren ist ein genereller Trend zur verstärkten Abfalltrennung und damit zu einer Abnahme des Restmüllaufkommens zu beobachten. Dies ist nicht zuletzt auf die zunehmende Verbreitung der Biotonne zurückzuführen. Leider nutzen noch nicht alle Haushalte eine Biotonne.

Weitere Informationen finden Sie unter:

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