Direkt zum Inhalt Direkt zum Hauptmenü Direkt zur Fußzeile

Mehr als Gemüse: Nachhaltigkeitsbildung für Lehrkräfte von morgen

Schülerinnen und Schüler im Grundschulalter bauen mit einer Lehrerin auf einem Hochbeet Gemüse an
Selbst Gemüse anzubauen, weckt bei Kindern Wertschätzung für Natur und Lebensmittel.
Quelle: Ariel Skelley / DigitalVision / Getty Images

Wie lässt sich Nachhaltigkeitsbildung dauerhaft im Bildungssystem verankern? Das vom Umweltbundesamt geförderte Projekt „CampusAckerdemie – Nachhaltigkeitsbildung für die Lehrkräfte von morgen“ zeigt dies am Beispiel Schulgarten auf: Durch Qualifizierung angehender Lehrkräfte und Unterstützungsangebote für Hochschulen wurde die Grundlage für eine bundesweite Skalierung des Programms geschaffen.

In unserer modernen Gesellschaft fehlt es oftmals an Orten und Möglichkeiten, Natur unmittelbar zu erleben und zu erfahren. So verbringen bereits Kinder und Jugendliche immer weniger Zeit draußen und haben oft wenig Kontakt zur Natur. Dieser mangelnde Naturkontakt führt unter anderem zu einem Wissens-, Kompetenz- und Bezugsverlust und fehlendem Bewusstsein für die Bedeutung natürlicher Ressourcen, der Artenvielfalt und eines intakten Klimas. 

Wissenschaftliche Studien haben gezeigt, dass Schulgartenprogramme den Wissenszuwachs im Bereich der Naturwissenschaften und der Landwirtschaft, sowie teilweise positive Einstellungsveränderungen in den Bereichen Umwelt, Selbstwertgefühl und Lebensmittelproduktion von Schüler*innen fördern können. An diesem Punkt setzt Acker e. V. mit der GemüseAckerdemie an, ein Bildungsprogramm für Schulen, bei dem der GemüseAcker als grüner Lernort einen festen Platz im Schulleben und im Unterricht findet. Die teilnehmenden Schüler*innen gewinnen so ein grundlegendes Verständnis für die Lebensmittelproduktion sowie für natürliche Zusammenhänge und entwickeln ein bewusstes und nachhaltiges Konsumverhalten. Für die Umsetzung der GemüseAckerdemie ist es von Bedeutung, dass die geschaffenen Naturerfahrungsräume als innovative Bildungsorte durch kompetente Lehrkräfte geschaffen werden, welche ihr Wissen mit Expertise und Leidenschaft weitergeben. Die Qualifikation von Lehrkräften zur Durchführung eines wirksamen Schulgartenunterrichts ist somit ein signifikanter Hebel, um Nachhaltigkeitsbildung im Schulalltag zu verankern.

Die CampusAckerdemie, ein praxisorientiertes Bildungsprogramm von Acker e. V., knüpft an diese Ausgangssituation an, indem sie den Gemüseanbau und Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) in die Ausbildung zukünftiger Lehrkräfte bringt und den Schulgartenunterricht in Form eines neuen, ganzheitlichen Seminarangebots strukturell und nachhaltig in der Ausbildung angehender Lehrkräfte verankert. Beim Anbau, der Pflege und Verarbeitung von bis zu 30 Gemüsearten erwerben die Studierenden alle wichtigen landwirtschaftlichen Fähigkeiten, um einen eigenen Schulgarten an Schulen zu betreuen. Ergänzende Workshops vermitteln geeignete pädagogische Methoden einer BNE, um den Acker wirkungsvoll und langfristig als grünen Lernort zu etablieren. Durch die Ausbildung der Lehrkräfte als Multiplikator*innen können mehr Kinder erreicht werden, als es über die Skalierung der Acker-Bildungsprogramme an Schulen und Kitas möglich wäre. Dieser innovative Ansatz hat das Potenzial, eine nachhaltige Transformation des Bildungssystems anzustoßen, mit dem Ziel, dass jedes Kind in seiner Bildungslaufbahn die Möglichkeit bekommt, auf dem eigenen Kita- oder Schulacker erlebnisorientiert Wissen über Naturzusammenhänge, nachhaltiges Handeln und Lebensmittelproduktion zu erlangen und sich für Gemüseanbau zu begeistern. 

Die CampusAckerdemie wurde bereits mehrfach als innovatives Bildungsprogramm ausgezeichnet, unter anderem im Jahr 2022 mit der „Nationalen Auszeichnung – Bildung für nachhaltige Entwicklung“. Die Auszeichnung des Bundesministeriums für Bildung und Forschung und der Deutschen UNESCO-Kommission würdigt innovative Lehr- und Lernangebote, die zeigen, wie Nachhaltigkeit in der deutschen Bildungslandschaft verankert werden kann. 

Ziel des Verbändeförderung-Projektes des Umweltbundesamtes war es, das Programm der CampusAckerdemie inhaltlich weiterzuentwickeln. Universitäten erhalten damit die Möglichkeit, das Programm selbstständig und qualitätsgesichert durchzuführen. Zugleich wurden wichtige Voraussetzungen für eine bundesweite Skalierung geschaffen. Im Projektzeitraum wurden verschiedene Angebote entwickelt, die die Dozierenden bei den Seminarstunden mit den Studierenden auf dem Acker unterstützen und im Sinne des Train-the-Trainer-Prinzips ihre eigenen Kompetenzen fördern. Dazu zählen zum Beispiel Fortbildungsangebote und Begleitmaterialien für Dozierende oder ein Materialportfolio für Dozierende und Studierende mit Schwerpunkt BNE. 

Im Rahmen des Projektes konnte die Umsetzung der CampusAckerdemie an fünf Hochschulen realisiert werden: der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt, der Technischen Universität Berlin, der Technischen Universität Chemnitz, der Universität Vechta und der Technischen Universität München. Die Evaluation der entwickelten Fortbildungsangebote zeigt, dass diese den Teilnehmenden wertvolle fachliche und didaktische Impulse vermittelt haben. Auch die Ergebnisse der Wirkungsbefragung belegen den Erfolg der CampusAckerdemie: Die Studierenden erwerben praxisnahe Kenntnisse im Gartenbau und fühlen sich in der Lage, einen Schulacker einzurichten und zu begleiten. Gleichzeitig gewinnen sie didaktische Kompetenzen, um Themen der BNE kindgerecht auf dem Acker zu vermitteln und Unterrichtsinhalte mit praktischen Naturerfahrungen zu verknüpfen. Besonders positiv hervorzuheben ist die hohe Begeisterung der Teilnehmenden für die „AckerStunden“ auf dem GemüseAcker. Die große Mehrheit ist überzeugt, dass Kinder durch die Arbeit auf dem Acker mehr Wertschätzung für Natur und Lebensmittel entwickeln. Viele Studierende können sich vorstellen, später selbst einen Schulacker zu betreuen und würden die CampusAckerdemie weiterempfehlen. 

Auch zukünftig wird die CampusAckerdemie an 17 Universtäten in Deutschland umgesetzt. Die im Projekt entstandenen Materialien und Fortbildungsformate schaffen die Grundlage dafür, dass künftig weitere Hochschulen das Programm eigenständig und qualitätsgesichert durchführen können.

Associated content

Links

Alle Neuigkeiten

Schlagworte

Kurzlink: https://www.uba.de/n308803de