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UBA Studie erarbeitet Biomassenutzungskonzept für die Bioökonomie

Ein Feld aus der Vogelperspektive
Mosaik einer vielfältigen Landnutzung
Quelle: Aeraw - Fotolia.com

Ein Forschungsprojekt im Auftrag des Umweltbundesamt zur nachhaltigen Bioökonomie liefert zentrale Hinweise auf aus ökologischer Sicht besonders wichtige Aspekte, die bei der Transformation zur Bioökonomie beachtet bzw. kritisch begleitet werden müssen. Insbesondere die Konflikte zwischen Naturschutz und Ressourcennutzung, bedingt durch Nutzungskonkurrenz, gilt es stärker in den Blick zu nehmen.

Der Wandel zur Bioökonomie ist ein wichtiger Pfeiler in der Nachhaltigkeitspolitik der Bundesregierung, denn Bioökonomie verknüpft die Politikfelder ländliche Räume, Land- und Forstwirtschaft und Rohstoffversorgung der Wirtschaft mit der politischen Agenda im Klima- und der Ressourcenschutz, der Sicherung der Wettbewerbsfähigkeit, der Fortführung der Energiewende sowie der Kreislaufwirtschaft. Mit der Nationalen Bioökonomiestrategie hat die Bundesregierung 2020 Leitlinien und Ziele ihrer Bioökonomiepolitik festgelegt und entsprechende Maßnahmen zu ihrer Umsetzung erarbeitet. Welche Wechselwirkungen, Synergien und Zielkonflikte es bei der weiteren Umsetzung und Fortentwicklung der Bioökonomie zu berücksichtigen gilt, hat das Forschungsvorhaben „Wissenschaftliche Begleitung des Umsetzungsplans zur Nationalen Bioökonomiestrategie (FKZ 3721 31 1020)“ im Auftrag des Umweltbundesamt untersucht. Dabei zeigte sich, dass vor allem die unterschiedlichen Wirkungen der Biomassenutzung auf verschiedene Umweltaspekte wie Landnutzung, Biodiversität und Klimaschutz gezielt in den Blick genommen werden müssen. 

Status quo langfristig nicht tragfähig

Der aktuelle Stand der Biomassenutzung zeigt, dass landwirtschaftliche Flächen intensiver genutzt und Wälder stärker für die Holzproduktion herangezogen werden. Dies birgt das Risiko, die Belastungsgrenzen der Ökosysteme zu überschreiten und die Biodiversität zu beeinträchtigen. Um die langfristigen Auswirkungen der Bioökonomie zu prognostizieren analysiert die Studie verschiedene Szenarien für die Nutzung und Bereitstellung von Biomasse in Deutschland bis 2045. In jedem Szenario wird der Flächenbedarf und die potenziellen Treibhausgasemissionen ermittelt, um die jeweiligen Auswirkungen auf das Klima und die Biodiversität zu bewerten, wobei verschiedene politische, gesellschaftliche und wirtschaftliche Faktoren Berücksichtigung finden. Zudem wird die nachhaltig verfügbare Biomasse in den Szenarien quantifiziert. Die Szenarien zeigen, dass das Biomassepotenzial in Deutschland begrenzt ist und langfristig wahrscheinlich nicht alle Bedarfe in einer wachsenden Bioökonomie decken kann. Zudem wird deutlich, dass die derzeitige Biomasseproduktion und -nutzung auf lange Sicht ökologisch nicht tragfähig ist. Die Konkurrenz um Landflächen ist dabei ein zentraler Konflikt, der die Nachhaltigkeit der Bioökonomie beeinträchtigen könnte. Eine nachhaltige Bioökonomie muss daher diesen Wettbewerb minimieren und die Ressourcenverfügbarkeit langfristig sicherstellen.

Priorisierung von nachhaltigen und umweltvorteilhaften Biomassenutzungspfaden

Wie die Szenarien-Analyse zeigt, sind Maßnahmen zur Veränderung der Produktion und eine gezielte Priorisierung der verschiedenen Biomassenutzungen unerlässlich, um die Umweltbelastung zu senken und die Nachhaltigkeitsziele der Bioökonomiepolitik zu erreichen. Hierfür wurde im Rahmen des Forschungsvorhaben ein Bewertungsmodell entwickelt, das auf einer Reihe von Nachhaltigkeitsindikatoren basiert, die die spezifischen Umweltauswirkungen und den Ressourcennutzen von Biomasse berücksichtigt. Dabei wurden Indikatoren in den Bereichen Material- und Rohstoffeffizienz, Klimaschutz, Substitutionspotenzial, Biodiversitätsschutz und Ökosystemleistungen, menschliche Gesundheit und wirtschaftliche Nachhaltigkeit berücksichtigt. Aufbauend auf diesem Bewertungssystem entwickelt das Vorhaben ein Gesamtnutzungskonzept, das die verfügbaren Biomasseressourcen in einem kohärenten System strukturiert und sicherstellt, dass Biomasse effizient und nachhaltig genutzt wird. Die zentrale Idee dabei ist, Biomasseanwendungen zu priorisieren, die den größten Nutzen für Klima und Umwelt bieten. Hierzu legt das Konzept fest, in welcher Reihenfolge und zu welchem Zweck Biomasse eingesetzt werden sollte, um die höchsten Nachhaltigkeitseffekte zu erzielen. 

Maßnahmen zur Förderung einer nachhaltigen Bioökonomie

Die Umsetzung von richtungssicheren Steuerungsmechanismen wird als entscheidend für die erfolgreiche Implementierung des Gesamtnutzungskonzepts betrachtet. Der Steuerungsmechanismus dient dazu, die Biomassenutzung entlang der definierten Prioritäten zu lenken und sicherzustellen, dass der Ressourceneinsatz den Nachhaltigkeitszielen entspricht. Hierfür werden im Forschungsvorhaben verschiedene regulatorische und finanzielle Maßnahmen diskutiert, die einen solchen Mechanismus unterstützen könnten: 

  • Rechtliche Instrumente könnten den Vorrang bestimmter Nutzungsarten vor anderen festlegen und auf eine Reduktion der energetischen Nutzung von Biomasse hinwirken.
  • Subventionen und Förderprogramme könnten Unternehmen und Landwirte ermutigen, auf nachhaltigere Biomasseanwendungen umzustellen. Beispielsweise könnten steuerliche Vorteile oder Zuschüsse für Unternehmen gewährt werden, die auf stoffliche statt auf energetische Nutzung setzen.
  • Die Einführung von Abgaben für bestimmte Biomassenutzungen (z. B. eine Steuer auf die energetische Nutzung) könnte ebenfalls als steuerndes Element wirken. Diese Abgaben könnten die Nachfrage in Richtung bevorzugter Anwendungen lenken und die wirtschaftliche Attraktivität umweltschonender Optionen erhöhen. 

Zusätzlich wird die zeitnahe Implementierung des in Entwicklung befindlichen Bioökonomiemonitoring-Systems angeraten, um die Fortschritte bei der Umsetzung der Ziele der Bioökonomiestrategie regelmäßig und richtungssicher zu bewerten. Neben Informationen zur Nutzung von Biomasseressourcen sollte das Monitoring auch die Umweltwirkungen und den Beitrag zur Einhaltung der planetaren Grenzen messen und sicherstellen, dass die Umsetzung des Gesamtnutzungskonzepts erfolgreich verläuft.

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