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Bremsen

eine Regenbremse mit auffällig gemusterten Augen sitzt auf einem Blatt
Regenbremse
Quelle: Henk Wallays / Getty Images

Inhaltsverzeichnis

Aussehen und Vorkommen

Die Familie der Bremsen (Tabanidae) gehört zur Unterordnung der Fliegen (Brachycera). Bremsen sind weltweit verbreitet, in Mitteleuropa sind zwischen 60 und 70 Arten beschrieben. Die in Deutschland bekanntesten Vertreter, die auch den Menschen stechen können, sind die Viehbremse (Tabanus bromius), die Pferdebremse (Tabanus sudeticus) und die Regenbremse (Haematopota pluvialis). Im Folgenden wird beispielhaft auf die Pferde- und die Regenbremse eingegangen.

Bremsen haben meist eine längliche, schmale Körperform. Sie haben einen breiten kurzen Kopf und nur ein vollständig ausgebildetes Flügelpaar. 

Die Pferdebremse wird bis zu 25 mm groß und hat große, einfarbig braun gefärbte Augen. Der Hinterleib ist bräunlich-weiß gestreift. Die Pferdebremse kommt häufig in der Nähe von Viehweiden vor. Die Weibchen nehmen an Säugetieren, bevorzugt an Pferden und Rindern, Blutmahlzeiten auf. Aber auch andere Säugetiere und der Mensch sind passende Wirte. Charakteristisch ist der laute Brummton, den die Pferdebremse beim Fliegen erzeugt.

Die Regenbremse ist mit bis zu 12 mm etwas kleiner. Sie ist grau bis dunkelbraun gefärbt, besitzt rötliche, große und glänzende Facettenaugen mit einem typischen Streifenmuster. Die Fühler sind mehrgliedrig und die Flügel weisen ein Fleckenmuster auf. Weibchen haben einen kräftigen Stechrüssel, der bei den Männchen zurückgebildet ist. Blutsaugend sind nur die Weibchen, die Männchen ernähren sich von Blütenpollen und Nektar. Flugzeit der Regenbremse ist von März bis September. 

Bremsen sind tagaktiv und legen ihre Eier bevorzugt in der Nähe von Gewässern an Pflanzen oder am Boden ab. Die räuberisch lebenden Larven entwickeln sich in Schlamm oder feuchtem Boden, wandern aber für die Verpuppung in trockene Bereiche ab. 

Schadpotential

Bremsen sind Lästlinge, aber auch potentielle Überträger von Infektionskrankheiten. Die Weibchen der Bremsen saugen Blut, unter anderem an Weidetieren aber auch am Menschen. Mit ihrem kurzen, aber kräftig ausgebildeten Saugrüssel wird die Haut angesägt und das austretende Blut aufgesaugt. Stiche von Bremsen sind meist sehr schmerzhaft und es können Krankheitserreger übertragen werden. In unseren Breiten sind es der Erreger der Hasenpest (Tularämie, Francisella tularensis) und möglicherweise auch Borrelien. Bei Menschen stechen sie bevorzugt in die Arme, dabei ist auch Kleidung kein Hindernis. Stichwunden können noch nachbluten, da Bremsen einen Eiweißstoff zur Hemmung der Blutgerinnung (Tabanin) in die Stichstelle injizieren. Auch allergische Reaktionen bis hin zum anaphylaktischen Schock sind möglich.

In der Weidewirtschaft kann massiver Befall zu einer starken Beeinträchtigung des Wohlergehens der Tiere führen, die durch eine Verminderung der Milchleistung bei Kühen beispielsweise auch ökonomische Auswirkung haben kann.

eine Regenbremse sitzt auf menschlicher Haut Stiche durch die Regenbremse sind sehr schmerzhaft
Quelle: Nancy Ludwig / UBA

Vorbeugen, Abwehren und Bekämpfen

Bei Bremsenstichen helfen gegen den Schmerz und die Schwellung vor allem Kühlung. Man kann auch Salben und Gels mit kühlender und juckreizlindernder Wirkung benutzen. Zur Vermeidung von Stichen helfen passive Maßnahmen:

  • das Meiden von Orten, die für Bremsen besonders attraktiv sind, wie zum Beispiel Tierweiden, (Reit-)ställe, 
  • das Tragen von schützender, heller Bekleidung, 
  • die Verwendung von Schutznetzen als präventive Maßnahme.

Da Pferde sich bei Stichen erschrecken und die Abwehrreaktion gegebenenfalls auch eine Gefahr für den Reiter sein kann, können zum Reiten Repellentien verwendet werden. 

Für den Aufenthalt auf der Weide können Pferde mit speziellen Fliegendecken eingedeckt werden. Es sollte jedoch drauf geachtet werden, dass die Decken nicht mit einem Biozid behandelt sind. Denn für den gewünschten Schutzeffekt der Tiere gegen Stiche oder Beunruhigung reicht in der Regel bereits die mechanische Barriere durch die Decken aus. Decken mit hellen Farben und mit kleinflächigen oder keinen Mustern sind besonders geeignet. Bremsen erkennen mit ihren großen Facettenaugen die Pferde durch den Polarisationsgrad des von den Wirten reflektierten Lichts. Dabei sind für die Bremsen helle Oberflächen mit wenigen Mustern weniger attraktiv als dunkle Oberflächen mit groß fleckigen Mustern. Ein zusätzlicher Effekt eines enthaltenen Biozids durch Abtöten von Bremsen oder Abwehr durch Repellentien ist daher äußerst fraglich. Für eine Wirkung müssen die Bremsen sich entweder auf der Decke niederlassen oder den Pferden bereits sehr nahe kommen - was der eigentlichen Zielsetzung widerspricht. Außerdem bietet die offene Umgebung von zum Beispiel Weiden eine schier unendliche Ressource an immer neuen Bremsen. Eine Populationsreduktion von Bremsen kann auf offenen Weiden auf diese Weise nicht erreicht werden. Während der zusätzliche Schutzeffekt für Pferde also fraglich ist, bedeuten die enthaltenen Biozide jedoch eine unnötige Umweltbelastung durch Chemikalien, die durch zum Beispiel das Waschen der Decken über die Kläranlage in die Umwelt gelangen können. 

Im Handel werden sogenannte Bremsenfallen angeboten, die aus einem schwarzen Gummiball, einem Trichter und einem Fanggefäß bestehen. Erhitzt sich der Gummiball in der Sonne, simuliert er einen Tierkörper. Da Bremsen von der Wärmeabstrahlung eines (Tier-)Körpers angezogen werden, sollen diese Fallen Bremsen gezielt anlocken, fangen und töten. Die Veröffentlichung von Jäckel et al. (2020; Natur und Landschaft, Heft 3) hat allerdings gezeigt, dass diese Bremsenfallen nicht selektiv auf Bremsen wirken, sondern auch eine Vielzahl an Nicht-Zielarten, wie zum Beispiel Wildbienen und Schmetterlinge, fangen. Der Anteil an gefangenen Bremsen war dabei gering (im Mittel circa 6 %), Pferdebremsen wurden in diesem Versuch gar nicht gefangen. Entgegen häufiger Werbeversprechen sollte daher sowohl die Wirksamkeit zur Bekämpfung von Bremsen also auch die Selektivität zum Schutz von Nicht-Zielarten hinterfragt werden. Zudem ist der Fang besonders geschützter Arten wie Wildbienen nach Bundesartenschutzverordnung (BArtSchV, §4, Abs. 1) verboten. Hamburg hat, unter anderem wegen der Ergebnisse dieser Studie, die Anwendung von Bremsenfallen ohne vorherige Genehmigung verboten. Andere Bundesländer (zum Beispiel Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen) haben die Verwendung innerhalb von Schutzgebieten verboten, außerhalb von Schutzgebieten ist die Verwendung nur zeitlich begrenzt möglich. 

Weiterführende Informationen finden Sie hier:

Bremsenfallen - hamburg.de

Bremsenfallen - eine Gefahr für alle Insekten - Hannover.de

Erlass des Ministerium NRW RdErl_Einsatz_von_Bremsenfallen.pdf

Zum Schutz von Tieren auf der Weide bieten sich schattige Unterstände an, deren Eingänge gegebenenfalls mit Plastikstreifen verschlossen werden können, da dies das Einfliegen der Bremsen verhindert.

Bremsenfalle aus einem schwarzen Gummiball und einem Trichter Bremsenfalle auf einer Pferdeweide
Quelle: Nina Wohlgemuth

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