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Landkreis Miesbach: Beschaffung von Bio-Toiletten

Im Landkreis Miesbach wurden im Rahmen eines Projekts der Regionalentwicklung Oberland (REO) in Zusammenarbeit mit sieben Kommunen 15 neue Bio-Toiletten im öffentlichen Raum installiert. Ziel dieser Maßnahme ist es, die Qualität und Verfügbarkeit der sanitären Infrastruktur zu verbessern und umweltbezogene Belastungen, die mit herkömmlichen Sanitärsystemen einhergehen können, zu reduzieren.

Viele Kommunen stehen vor der Herausforderung, an stark frequentierten Orten im öffentlichen Raum, wie z. B. an Parkplätzen, Ausflugszielen oder Spielplätzen, eine angemessene Sanitärinfrastruktur bereitzustellen. Der Bau konventioneller, leitungsgebundener Toilettenanlagen ist jedoch häufig aus baulichen, wasser- und abwassertechnischen sowie finanziellen Gründen nur eingeschränkt realisierbar. Vor diesem Hintergrund initiierte die Regionalentwicklung Oberland (REO) gemeinsam mit mehreren Gemeinden im Landkreis Miesbach im Jahr 2022 das Projekt „Bio-Toiletten“. Nach einer erfolgreichen Pilotphase in Kreuth und Holzkirchen wurden im Jahr 2024 weitere Anlagen in den Kommunen Otterfing, Waakirchen, Hausham, Fischbachau und Bayrischzell installiert und damit in eine breitere Anwendung überführt.
Ein zentraler Vorteil der Bio-Toiletten besteht darin, dass sie ohne Wasserspülung betrieben werden können und daher weder an die Trinkwasserversorgung noch an ein Abwassersystem angeschlossen werden müssen. Die anfallenden Fäkalien werden in Sammelbehälter mit Einstreumaterialien wie Rindenmulch oder Stroh geleitet, in denen ein kontrollierter Kompostierungsprozess stattfindet. Dieses Verfahren ist weitgehend geruchsarm und ressourceneffizient und stellt gegenüber chemischen Toilettensystemen oder einfachen Trockentoiletten ohne kompostierbare Einstreu eine ökologisch und ökonomisch vorteilhafte Alternative dar. 
Die Toilettenanlagen weisen eine kompakte Bauweise mit einer Grundfläche von etwa 1,50 × 1,50 Metern und einer Höhe von rund 2,50 Metern auf und sind damit mit gängigen mobilen Toilettenkabinen vergleichbar. Wartung und Entsorgung erfolgen durch einen externen Dienstleister, der je nach Standort unterschiedliche Wartungsmodelle anbietet. Im Full-Service-Modus werden Reinigung, Pflege und Entleerung der Sammelbehälter zweimal wöchentlich durchgeführt. Der Auftragnehmer ist verpflichtet, Art und Verfahren der Entsorgung zu dokumentieren und deren Übereinstimmung mit den geltenden rechtlichen Vorgaben sicherzustellen. Im Entsorgungsprozess werden Urin und Fäkalien getrennt behandelt, was eine gezielte Weiterverarbeitung und potenziell eine ressourcenschonendere Verwertung der Stoffströme ermöglicht. Über die reine Bereitstellung sanitärer Infrastruktur hinaus leisten die Bio-Toiletten einen Beitrag zum Umwelt- und Ressourcenschutz. Durch den Verzicht auf Spülwasser und chemische Zusätze werden sowohl der Ressourcenverbrauch als auch potenzielle Umweltbelastungen reduziert.
Die Anlagen wurden gezielt an Orten mit hohem Besucheraufkommen installiert, darunter Spielplätze, Wanderparkplätze und Einrichtungen der Kinderbetreuung, beispielsweise der Flintspach-Spielplatz in Holzkirchen, mehrere Wanderparkplätze im Tegernseer und Leitzachtal sowie der Waldkindergarten in Otterfing. Damit tragen die Bio-Toiletten sowohl zur Verbesserung der touristischen Infrastruktur als auch zur Entlastung sensibler Natur- und Erholungsräume bei. 
 

Effekte und Einsparungen

Bemerkungen

Bio-Toiletten kommen ohne den Einsatz chemischer Zusätze aus, wie sie in konventionellen Chemietoiletten zur Geruchsbindung und Desinfektion verwendet werden. Auf diese Weise wird der Eintrag potenziell umweltbelastender Inhaltsstoffe, wie z. B. Formaldehyd, vermieden, die insbesondere im Rahmen der Entsorgung problematisch sein können, da sie in Kläranlagen nur begrenzt abgebaut werden und somit zur Belastung von Boden- und Gewässersystemen beitragen können. Stattdessen erfolgt die Stabilisierung der anfallenden Exkremente durch die Zugabe organischer Einstreumaterialien (z. B. Rindenmulch oder Stroh), die die Feuchtigkeit binden, Gerüche reduzieren und einen Kompostierungsprozess begünstigen. Nach Abschluss der Kompostierung können diese Materialien, abhängig von den rechtlichen Rahmenbedingungen und hygienischen Anforderungen, in den natürlichen Stoffkreislauf zurückgeführt werden. 
Darüber hinaus trägt das Angebot fester und hygienisch ausgestalteter Toilettenräume an stark frequentierten Standorten zur Verbesserung von Sauberkeit und Aufenthaltsqualität bei. In Situationen, in denen bislang keine oder nur unzureichende sanitäre Einrichtungen zur Verfügung standen, kam es häufig zu unkontrollierten Fäkalienablagerungen in der umgebenden Landschaft. Diese „wilden Verrichtungen“ stellen nicht nur ein hygienisches Problem für Besucher*innen und Anwohner*innen dar, sondern können auch zu punktuellen Belastungen von Böden und Oberflächengewässern (z. B. durch Keimeinträge) führen. Durch die Bereitstellung Bio-Toiletten wird dieses Risiko deutlich verringert. Damit wird sowohl die Aufenthaltsqualität für Gäste und lokale Bevölkerung gesteigert als auch der Schutz der betroffenen Ökosysteme gestärkt, indem Boden- und Gewässerbelastungen reduziert und sensible Naturräume entlastet werden. 
Darüber hinaus weist das Projekt exemplarischen Charakter für interkommunale Zusammenarbeit im Bereich nachhaltiger Infrastrukturentwicklung auf. Die beteiligten Gemeinden bündeln ihre Ressourcen und Erfahrungen, um innovative Lösungen zu erproben, die als Referenzmodell für weitere Regionen dienen können. In diesem Sinne ist die Maßnahme nicht nur als punktuelle Verbesserung der sanitären Versorgung zu verstehen, sondern als Baustein einer umfassenderen Strategie, die auf eine ökologisch und sozial verträgliche Gestaltung des öffentlichen Raums sowie auf eine langfristig nachhaltige Entwicklung der Region Oberland abzielt.

Unterlagen

Folgende Informationen werden interessierten (insbesondere öffentlichen) Auftraggebern für gleichartige Ausschreibungen auf Anfrage bei der genannten Kontaktstelle (siehe Box "Kontakt") zur Verfügung gestellt:

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