Anpassung: Handlungsfeld Wald- und Forstwirtschaft

Holzstämme liegen aufgereiht auf einem Stapel.zum Vergrößern anklicken
Der Klimawandel gefährdet die forstwirtschaftlichen Erträge.
Quelle: nena2112/photocase.com

Obwohl die Forstwirtschaft im Vergleich zu anderen Sektoren über eine relativ hohe Anpassungsfähigkeit verfügt, ist die Umsetzung einzelner Maßnahmen aufwändig und teuer. Zudem zeigen sich die Ergebnisse oftmals erst nach vielen Jahren. Doch eine Anpassung ist notwendig, um die wichtigen ökologischen Funktionen des Waldes zu schützen und sein ökonomisches Potenzial zu erhalten.

Technische Maßnahmen

Vor allem in besonders trockenen Regionen, in denen Wasser während der Sommermonate nur eingeschränkt zur Verfügung steht, können Waldökosysteme durch technische Maßnahmen unterstützt werden, die dem zunehmenden Wassermangel sowie einem Absinken des Grundwasserspiegels entgegenwirken. So kann der Wasserhaushalt von Böden in Auenwäldern beispielsweise durch Wiedervernässung stabilisiert werden.

Auch gegen Waldbrände können technische Maßnahmen helfen. Die Waldbrandüberwachung kann zum Beispiel durch zusätzliche Videomaßnahmen oder satellitengestützte Systeme unterstützt werden.

Ökosystemare Maßnahmen

Besonders wichtig sind in der Forstwirtschaft jedoch ökosystemare Anpassungsmaßnahmen. Für Maßnahmen, die direkt auf der Ebene der Ökosysteme ansetzen, ist eine strategische Planung seitens der Politik und der zuständigen Forstbetriebe wichtig. Denn Waldökosysteme haben sich in der Vergangenheit zwar stetig an veränderte Umweltbedingungen angepasst, doch das Ausmaß und das schnelle Fortschreiten des anthropogenen Klimawandels kann die Anpassungsfähigkeit langlebiger Baumarten überfordern. Zudem ist die Anpassungsfähigkeit bei den verschiedenen Baumarten unterschiedlich stark ausgeprägt. Als Beispiel kann hier die in Deutschland weit verbreitete Fichte genannt werden, die kühle und feuchte Standorte bevorzugt und daher wenig trockenheits- und hitzetolerant ist. Da sie aufgrund ihrer schnellen Wuchsleistung bereits häufig außerhalb ihres natürlichen Verbreitungsgebiets angebaut wird, sinkt ihre Anpassungsfähigkeit künftig weiter.

Der Umbau von forstlichen Reinbeständen – wie den in Deutschland stark verbreiteten Fichten- oder Kiefernmonokulturen – zu struktur- und artenreichen, mehrschichtigen und damit naturnahen Mischwäldern ist eine notwendige Maßnahme, um die Nutzungs-, Schutz- und Erholungsfunktionen des Waldes langfristig zu sichern sowie den Erhalt der biologischen Vielfalt zu fördern. Eine breitere strukturelle und genetische Vielfalt erhöht die Resilienz forstwirtschaftlich genutzter Wälder und damit deren Anpassungsfähigkeit. Resilienz bedeutet, dass ein Ökosystem in der Lage ist, ökologischen Schocks und Störungen wie Insektenbefall oder Sturm standzuhalten und seine grundlegende Organisation und Funktionalität zu erhalten.

Waldumbaumaßnahmen tragen außerdem zum Schutz vor Bränden bei. Die Waldbrandgefahr kann sich aufgrund längerer und häufigerer Trocken- und Hitzeperioden in naher Zukunft erhöhen. Mischwälder sind weniger waldbrandgefährdet, da sie ein feuchteres Waldinnenklima aufweisen. Artenreiche Mischwälder sind auch resistenter gegenüber Schadinsekten und Pilzbefall. In Bayern wurde mit dem Waldumbau bereits begonnen. Im Rahmen des „Waldumbauprogramms Klimawandel“ werden derzeit im bayerischen Staatswald 10.000 Hektar Nadelwald in Mischwald umgewandelt.

Eine weitere mögliche Maßnahme in der Forstwirtschaft ist die Einbringung nicht heimischer Baumarten wie der aus Nordamerika stammenden Douglasie. Sie ist im Vergleich zu vielen heimischen Baumarten wesentlich resistenter gegenüber Temperaturveränderungen. Bei solchen Maßnahmen sind jedoch auch die Aspekte des Naturschutzes zu berücksichtigen.

Der Waldumbau ermöglicht eine Diversifizierung des Holzangebots, was auch ökonomische Vorteile mit sich bringt. Zudem haben insbesondere Bergwälder die wichtige Funktion, Infrastrukturen und Siedlungen vor Steinschlag und Hochwasser zu schützen – auch diese Funktion kann der Waldumbau stärken.

Darüber hinaus ist ein höherer Holzverbrauch notwendig, um zur Verjüngung der Waldbestände beizutragen. Denn die deutschen Waldbestände überaltern zunehmend, was zu einem Rückgang des Biomassezuwachses und der Kohlenstoffaufnahme führt. Eine Verjüngung hingegen erhöht die Anpassungsfähigkeit und fördert die natürliche Selektion von klimaangepassten Populationen.

Rechtliche, politische und Management-Maßnahmen

Für die Anpassung der Forstwirtschaft an den Klimawandel ist – wie oben beschrieben – ein konsistentes Risikomanagement zum Umgang mit Schadensereignissen wie Waldbränden, Sturmschäden oder Schädlingsbefall notwendig. Nur so können Risiken rechtzeitig erkannt, abgewehrt und erfolgreich bewältigt werden. Neben kurzfristigem Krisenmanagement sind vor allem vorbeugende Maßnahmen wie abgestimmte Wasserbewirtschaftungskonzepte zur Reduktion der Brandgefahr wichtig. Sie sollten auf allen Planungsebenen zwischen Waldbesitzern, Kommunen, Landschaftsverbänden, Forstverwaltung, Feuerwehr und Straßenbau abgestimmt werden, um die Interessen aller Beteiligten einzubinden und Nutzungskonflikte zu vermeiden. Projekte, die derartige Präventions- und Bewältigungsmaßnahmen entwickeln und testen, sind zum Beispiel ENFORCHANGE, ForEVAS und RESTER.

Als Grundlage für die beschriebenen Risikomanagementpläne und den Waldumbau ist umfassendes Wissen wichtig. Vor diesem Hintergrund werden genaue Informationen darüber benötigt, welche Baumarten unter Berücksichtigung zukünftiger Auswirkungen des Klimawandels für den jeweiligen Standort geeignet sind. Zusätzlich sind Planungskarten oder Standortkartierungen erforderlich, die Auskunft über das Gedeihen der Baumarten unter den relevanten Umwelt- und Klimafaktoren geben. Der Betrieb von Versuchsflächen, regionale Anbauempfehlungen von Bund und Ländern, regelmäßiges Monitoring sowie die Erforschung von Holzverwendungsmöglichkeiten können darüber hinaus die Informationsgrundlagen verbessern.

Forst- und Bodenüberwachungsprogramme auf europäischer, nationaler oder Länderebene liefern gegenwärtig bereits wichtige Informationen, jedoch besteht hier noch Potenzial, die Wissensgrundlage zu erweitern und Akteure besser zu vernetzen.

Mit dem Waldklimafonds hat die Bundesregierung zudem ein Instrument geschaffen, das im Jahr 2013 sieben Millionen Euro auch für Anpassungsmaßnahmen bereitstellt.

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Quellen