Klimafolgen: Handlungsfeld Wald- und Forstwirtschaft

Holzstämme liegen aufgereiht auf einem Stapel.zum Vergrößern anklicken
Der Klimawandel gefährdet die forstwirtschaftlichen Erträge.
Quelle: nena2112/photocase.com

Wälder regulieren das lokale, regionale und globale Klima, reinigen die Luft, schützen vor Erosion, wirken positiv auf den Wasserhaushalt und speichern Kohlenstoff. Durch den Klimawandel wird die Vitalität und Produktivität der Wälder beeinträchtigt. Vielerorts ist ihre natürliche Anpassungsfähigkeit bereits heute überschritten. Dies gefährdet das Klima und forstwirtschaftliche Erträge zunehmend.

Inhaltsverzeichnis

 

Niederschlag

Als Folge des Klimawandels verschieben sich in Deutschland die Niederschläge in zunehmendem Maße vom Sommer in die Wintermonate. Bis 2050 ist in den Sommermonaten mit einer Reduzierung der Niederschlagsmenge um bis zu 40 Prozent zu rechnen, für Herbst und Winter wird eine Zunahme von bis zu 30 Prozent prognostiziert.

Die veränderten Niederschlagsmengen und die zunehmend ungleiche Verteilung des Niederschlags über die Jahreszeiten hinweg stellen ein Risiko für Waldökosysteme dar. Die geringeren Sommerniederschläge führen zu Trockenstress. Zudem steigt aufgrund der erhöhten Temperaturen der Wasserbedarf. Werden Bäume mit zu wenig Wasser versorgt, fällt der Druck ab, mit dem das Wasser von den Wurzeln in die Kronen transportiert wird. Hängende Blätter sind ein erstes Anzeichen dafür. Hält der Trockenstress an, werfen Bäume ihre Blätter, Früchte oder sogar Äste ab, ihre Kronen werden lichter.

Die anhaltende ⁠Dürre⁠ in den Vegetationszeiten 2018 und 2019 führte verbreitet zum vorzeitigen Abfallen der Blätter. Laut dem jüngsten Waldzustandsbericht des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft im Jahr 2019 stieg der Anteil von Bäumen mit deutlichen Kronenverlichtungen von 29 Prozent im Jahr 2018 auf 36 Prozent. Nur rund ein Fünftel der Bäume zeigte keine Schäden.
Vor allem bei den Laubbäumen sind die Kronenverlichtungen deutlich angestiegen. Der Kronenzustand der Nadelbäume zeigt keinen ⁠Trend⁠. Im Durchschnitt aller Baumarten war der Kronenzustand noch nie so schlecht wie 2019. Verstärkt wurde ein Absterben von Bäumen beobachtet.

Die seit 2018 besonders starke Trockenheit macht die Bäume anfällig für Schädlinge und Pilze. Die Fichte, der bisherige "Brotbaum" der Forstwirtschaft, ist besonders vom Befall mit Borkenkäfern betroffen. Wegen der Dürre erzeugen die Bäume weniger Harz, mit dem sie die Käfer normalerweise abwehren. Auch andere Schädlinge wie Schwammspinner und Eichenprozessionsspinner, die Laubbäume kahlfressen, breiten sich in einigen Regionen stark aus.

Wie das Statistische Bundesamt (Destatis) mitteilt, wurde 2019 mit 32 Millionen Kubikmetern fast dreimal so viel Schadholz aufgrund von Insektenschäden eingeschlagen wie im Vorjahr mit elf Millionen Kubikmetern. Im Jahr 2017 waren es noch sechs Millionen Kubikmeter.
Nimmt man auch die Schäden durch Waldbrände oder Stürme hinzu, ist bis Ende 2020 mit 178 Millionen Kubikmetern Schadholz zu rechnen und einer Fläche von 285.000 Hektar, die wiederbewaldet werden müssen.

Längere Trockenphasen und wärmere Sommer verstärken das Risiko von Waldbränden. Die Zahl der Tage mit hoher Waldbrandstufe stieg von rund 27 Tagen pro Jahr im Zeitraum 1961 bis 1990 auf rund 38 Tage im Zeitraum 1991 bis 2019.

Entstehen durch Brände oder den Abtransport kranker und abgestorbener Bäume geräumte Flächen, kann sich die Austrocknung verstärken, da die betroffenen Flächen einer verstärkten Sonneneinstrahlung ausgesetzt sind.
Dadurch kann die Wasserverfügbarkeit im Boden weiter sinken. Zudem geht durch die Beseitigung von ⁠Totholz⁠ der Verlust von Nährstoffen und Humus einher, was sich negativ auf die Wasserspeicherung im Waldboden auswirkt.

Steht Bäumen nicht genug Wasser zur Verfügung, senkt dies ihre Verdunstungsleistung und ihr Wachstum. Dies zieht auch eine verringerte Aufnahme von Kohlendioxid nach sich, so dass die Speicherung von Kohlenstoff zurückgeht. Trockenere Klimabedingungen können das Risiko erhöhen, dass Wälder von Senken zu Quellen von Kohlendioxid werden.

 

Temperatur

Bereits heute sind die Jahresdurchschnittstemperaturen in Deutschland stärker gestiegen als im globalen Mittel, bis 2019 waren es bereits 1,6 °C. Bis 2050 wird es nach Klimamodellrechnungen im Sommer voraussichtlich um 1,5 bis 2,5 Grad wärmer sein als 1990, im Winter um 1,5 bis 3 Grad Celsius.

Zwar führt die allmähliche Erwärmung zu längeren Vegetationsperioden, aber der Monitoringsbericht zeigt, dass Temperaturänderung und -variabilität sich auch negativ auf die regionalen Wachstumsbedingungen für Baumarten auswirken. Dies gilt insbesondere in Verbindung mit einer veränderten Wasserversorgung der Waldböden. Zudem führen höhere Temperaturen sowie längere Wachstumsperioden zu einem erhöhten Wasserbedarf der Bäume, sodass das Risiko von ⁠Trockenstress⁠ weiter steigt.

Besonders betroffen von den sich ändernden Klimabedingungen ist die Fichte, die mit einem Anteil von 25 Prozent neben Kiefer (23 Prozent), Buche (16 Prozent) und Eiche (11 Prozent) die häufigste Baumart in Deutschland ist.
Aufgrund ihrer Anspruchslosigkeit, Robustheit und leichten Vermehrbarkeit wurde die Fichte lange Zeit als ideale, ertragsreiche Baumart angesehen. Allerdings ist die Fichte durch ihr meist flaches Wurzelsystem sturm- und trockenheitsempfindlich. Als Folge der massiven Ausweitung des Fichtenanbaus wurde die Baumart auch auf Standorten angebaut, die ihren Ansprüchen an eher kühle und feuchte Klimabedingungen nicht gerecht werden und die den Klimawandelszenarien zufolge künftig noch wärmer und trockener werden.
Zunehmende sommerliche Temperaturen und Trockenheit schränken die Fichte in ihrem Wachstum stark ein, sogar ein Absterben ist möglich. Folglich hatte die Forstwirtschaft in den letzten Jahren besonders hohe Ertragseinbußen in Fichtenhainen. Mit steigenden sommerlichen Temperaturen und Trockenheit verstärkt sich die Problematik der Fichte. Dem kann die Forstwirtschaft mit dem Umbau von Fichtenhainen entgegenwirken.

Doch auch bei Eiche, Kiefer und Buche ist der Anteil an deutlichen Kronenverlichtungen stark angestiegen.
Wird das Kronendach der Bäume lichter, verändert sich auch das Waldmikroklima, da die kühlende Wirkung eines dichten Blätterdachs nachlässt. Dies hat Auswirkungen auf die Bäume, aber auch auf die Tier- und Pflanzenarten, die im Unterwuchs und auch im Boden leben. Wärmeliebende Arten könnten profitieren und andere Arten verdrängen, die an kühlere Bedingungen angepasst sind.

 

Extreme Wetterereignisse

Der ⁠Klimawandel⁠ macht das Auftreten von Witterungsextremen wie Dürren, ⁠Starkregen⁠ oder Stürmen wahrscheinlicher. Bereits seit den 1990er-Jahren verzeichnet die Forstwirtschaft zunehmende wirtschaftliche Schäden durch Windwürfe. Sie sind auf starke Stürme mit hohen Windgeschwindigkeiten zurückzuführen.
Im Vergleich zu den schleichenden Klimaveränderungen verursachen Extremwettereignisse häufig große Schäden innerhalb kurzer Zeit, die gravierende Folgen für Mensch und Umwelt haben können.
In den Bergwäldern der Alpen ist beispielsweise von einem deutlich erhöhten Risiko durch Starkniederschläge, Steinschlag oder Hochwasser auszugehen. Die Bedeutung des Waldes als Schutz für Infrastrukturen und Siedlungen könnte dadurch künftig weiter zunehmen.

 

Quellen