Anpassung: Handlungsfeld Landwirtschaft

Stopelacker mit landwirtschaftlichem Anhänger der mit Strohballen beladen ist - im Vordergrund steht noch eine einzelne Ährezum Vergrößern anklicken
Veränderungen des Niederschlags im Zuge des Klimawandels wirken sich auf die Landwirtschaft aus.
Quelle: suze / photocase.com

Von den Auswirkungen des Klimawandels ist die Landwirtschaft in besonderem Maße betroffen. Geeignete Anpassungsmaßnahmen können Ertragseinbußen eindämmen und einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz leisten.

Ökosystemare Maßnahmen

Ökosystemare Maßnahmen sind von besonderer Bedeutung für die ⁠Anpassung an den Klimawandel⁠ in der Landwirtschaft. Hierzu gehören solche Maßnahmen, welche positive Effekte in Hinblick auf andere Umweltgüter haben. Mulchsaat und Pflugverzicht bzw. konservierende Bodenbearbeitung können beispielsweise die ⁠Verdunstung⁠ reduzieren und haben weitere positive Wirkungen auf die Bodenfruchtbarkeit. Zudem sinkt die Erosionsgefahr.

Durch den Anbau wechselnder Pflanzenarten auf einem Feld – die Fruchtfolge –wird der Aufbau von Humus gefördert, der die Bodenfruchtbarkeit erhöht und eine verstärkte Speicherung von Kohlenstoff ermöglicht. Eine weitere Maßnahme zum Humusaufbau ist der Anbau von Zwischenfrüchten. Dadurch kann zudem überschüssiger Stickstoff gebunden werden, der bei übermäßiger Düngung Boden und Grundwasser belastet und das besonders klimaschädliche Lachgas in die ⁠Atmosphäre⁠ entweichen lässt. 
Zudem kann so für eine ganzjährige Bodenbedeckung gesorgt werden, um der bei steigenden Temperaturen verstärkten Verdunstung entgegenzuwirken. Als Verdunstungsschutz eignet sich beispielsweise auch Mulch. Dabei bleiben abgemähte Pflanzenteile auf der gemähten Fläche zurück. Darüber hinaus können Niederschläge besser versickern, so dass Überschwemmungen vorgebeugt wird.

Winderosion ist eine Herausforderung für den Bodenschutz. Neben den bereits genannten Maßnahmen ist hierfür auch der Agroforst wirksam, d.h. die Mischung landwirtschaftlicher Kulturen und Baumreihen im Wechsel. Dies verbessert durch höhere Gehalte von Bodenkohlenstoff die Wasserhaltefähigkeit, das Kleinklima vor Ort und die ⁠Biodiversität⁠.

Technische Maßnahmen

Für die ⁠Anpassung an den Klimawandel⁠ in der Landwirtschaft sind vor allem solche technischen Maßnahmen relevant, die Wettervorhersagen und Warnsysteme verbessern. Sie ermöglichen den Landwirten, sich rechtzeitig auf Wetterveränderungen und Extremereignisse einzustellen und Schutzmaßnahmen einzuleiten.

Pflanzen und Tiere können durch verschiedene technische Maßnahmen auch direkt geschützt werden. So können Obstbäume oder Weinreben beispielsweise mit Netzen vor Hagelschäden geschützt werden. Für besonders wertvolle Kulturen ist eine zusätzliche Hagelversicherung empfehlenswert. Eine zusätzliche Bewässerung von Pflanzen kann den steigenden Wasserbedarf bei Hitze decken. Hier ist eine angepasste Tröpfchen-Bewässerung empfehlenswert, welche Wasserressourcen einspart. Um Nutztiere vor Hitze zu schützen, können Ställe mit ausreichender Wärmedämmung und hellen Dachflächen ausgestattet werden.

Durch Breitbereifungen und Reifendruckverstelltechnik bei landwirtschaftlichen Maschinen kann zudem die Gefahr von Bodenverdichtungen reduziert werden.

Rechtliche, politische und Management-Maßnahmen

Sowohl der Bund als auch die EU fördern Anpassungsmaßnahmen in der Landwirtschaft. Auf europäischer Ebene zum Beispiel dient der Europäische Landwirtschaftsfonds für die Entwicklung des ländlichen Raumes (ELER) als Instrument zur Finanzierung, das die Lebensqualität in ländlichen Gebieten erhöhen und die Diversität der ländlichen Wirtschaft steigern soll. In Deutschland erfolgt eine Finanzierung derartiger Projekte über die Gemeinschaftsaufgabe „Verbesserung der Agrarstruktur und des Küstenschutzes“ (GAK). Insbesondere die Förderung der Bewässerungs-Infrastruktur geschieht maßgeblich über die GAK.

Zudem setzt die Bundesregierung zur Anpassung der Landwirtschaft an den ⁠Klimawandel⁠ auf eine verbesserte Information und Vernetzung der Akteure: Der Wissenstransfer in Bezug auf angepasste Landbewirtschaftung, Tierhaltung, -ernährung und -gesundheit wird zum Beispiel im Rahmen von Dialogvorhaben mit Experten gefördert und soll durch landwirtschaftliche Pilotbetriebe gestärkt werden, welche Klimaanpassungsmaßnahmen vor Ort erproben. Zusätzlich sollen Züchtungsprogramme für klimaangepasste Kulturpflanzen und Nutztierrassen aufgesetzt werden und das Thema verstärkt in die Aus- und Weiterbildung sowie landwirtschaftliche Beratung einfließen.

Darüber hinaus werden in Deutschland verschiedene Management-Maßnahmen verfolgt. Ziel sollte hierbei eine bodenschonende und wassersparende Landwirtschaft sein, um die natürlichen Ressourcen zu schonen.
Mit veränderten Aussaatterminen kann beispielsweise der Verschiebung von Jahreszeiten begegnet werden: Sommergetreide könnte früher ausgesät werden, um die ⁠Bodenfeuchte⁠ des Frühjahrs zu nutzen. Wintergetreide hingegen sollte eher später im Jahr gesät werden, damit die für das Getreide wichtige Kältephase nicht zu spät eintritt. In den Übergangsphasen kann der Einsatz von tief wurzelnden Kulturen, beispielsweise Gräsern, die Gefahr von Trockenschäden im Sommer reduzieren und den Boden gegen ⁠Erosion⁠ schützen.

Auch die Auswahl des Saatguts sollte an die Klimaveränderungen angepasst werden. Vor allem Sorten, die weniger anfällig gegen ⁠Trockenstress⁠ sind und sich generell als robust gegenüber Schadorganismen und ⁠Klimaschwankungen⁠ erweisen, sind geeignet, dem Klimawandel effektiv zu begegnen. Generell können ein vielfältiger Sortenanbau und der Einsatz robuster Sorten und Kulturarten, die besser mit Trockenstress zurechtkommen, das Risiko von Ernteausfällen reduzieren.
Darüber hinaus erlauben die Klimaveränderungen auch die Einführung von Fruchtarten, die bislang in Deutschland kaum angebaut wurden. Besonders geeignet sind bestimmte Maissorten, Hirse und weitere wärmeliebende Arten, die Wasser effektiv nutzen. So hat sich beispielsweise der Anbau von Sojabohnen in den letzten Jahren in Deutschland deutlich ausgeweitet.

Auch das Dünge-Management und der Pflanzenschutz müssen an die veränderten Rahmenbedingungen angepasst werden.

Im Bereich der Tierhaltung sollten Weidemanagement-Maßnahmen eingesetzt werden: durch einen reduzierten Viehbestand auf Weideflächen sowie kurzer oder nächtlicher Beweidung können ausgedörrte und abgefressene Wiesen verhindert und die Tiere vor ⁠Hitzestress⁠ geschützt werden. Zusätzlich kann die Aussaat von trockentoleranten Gräsern die Begrünung der Weiden sichern.
Da der Klimawandel mit zunehmendem Hitzestress, einem erhöhten Infektionsdruck sowie einer ungünstigeren und variierenden Futter- bzw. Nährstoffversorgung einhergeht, kommt der Zucht von robusten, anpassungsfähigen und krankheitsresistenten Nutztieren eine maßgebliche Rolle zu.

Mit fortschreitendem Klimawandel kann es auch für die Tierproduktion erforderlich werden, den ordnungs- und förderrechtlichen Rahmen an die veränderten Bedingungen anzupassen. Das betrifft beispielsweise die Vorschriften für Tierställe (Dämmung, Ventilation) oder die Anpassung von Regelungen für den ökologischen Landbau (Anpassung von Weidezeiten bei extremen Hitzeperioden).

Quellen