Klimafolgen: Handlungsfeld Landwirtschaft

Stopelacker mit landwirtschaftlichem Anhänger der mit Strohballen beladen ist - im Vordergrund steht noch eine einzelne Ährezum Vergrößern anklicken
Veränderungen des Niederschlags im Zuge des Klimawandels wirken sich auf die Landwirtschaft aus.
Quelle: suze / photocase.com

Hitzewellen, Starkregen oder Wassermangel wirken sich direkt auf die landwirtschaftliche Produktion aus. Aufgrund dieser hohen Abhängigkeit von Wetter und Klima ist es für die Landwirtschaft besonders wichtig, die Folgen des Klimawandels zu kennen und sich rechtzeitig auf diese vorzubereiten.

Inhaltsverzeichnis

 

Temperatur

Der ⁠Klimawandel⁠ hat Auswirkungen auf den jahreszeitlichen Witterungsverlauf und dies wiederum beeinflusst den Entwicklungsgang landwirtschaftlicher Kulturen. Für das Frühjahr werden steigende Temperaturen erwartet, die Sommer sollen trockener und heißer, die Winter wärmer und feuchter werden. Dies bringt neue Herausforderungen für die landwirtschaftliche Bewirtschaftungsplanung mit sich.
Steigende Temperaturen wirken sich vielfältig auf die Landwirtschaft aus: Die ⁠Vegetationsperiode⁠ verlängert sich und höhere Temperatursummen können die Erträge steigern. Allerdings steigt bei einem verfrühten Vegetationsbeginn auch die Gefahr von Spätfrösten und damit das Risiko von Ertragseinbußen, insbesondere für Obstbauern.

Dabei ist die Landwirtschaft sowohl vom Klimawandel betroffen als auch selbst Verursacherin von Treibhausgasen. Je nach Art der Bewirtschaftung kann vermehrt Kohlenstoff aus dem Boden freigesetzt werden. Zudem kann bei übermäßigem Stickstoffeintrag durch Düngemittel das besonders klimaschädlich Lachgas in die ⁠Atmosphäre⁠ entweichen.

Gleichzeitig können höheren ⁠CO2⁠-Konzentrationen in der Atmosphäre die ⁠Photosynthese⁠ und das Pflanzenwachstum stimulieren.
Feldexperimente zeigen jedoch, dass dieser sogenannte "CO2-Düngeeffekt" oft keine oder nur eine vorübergehende Wirkung auf das Wachstum hat, da im Freiland die negativen Effekte wie Hitze und Trockenheit überwiegen. Zudem spiegelt sich der Gewinn an Biomassezuwachs oft nicht in den Ernteprodukten wider: zum Beispiel steht eine höhere Getreidebiomasse nicht immer in Verbindung mit einer höheren Masse an geerntetem Korn.

Als Folge der steigenden Temperaturen ist mit einer Verbreitung von Pflanzenkrankheiten sowie Schadorganismen, die bisher nur in wärmeren Gebieten vorkamen, zu rechnen. Andere Schaderreger dagegen, die zum Beispiel auf längere Feuchteperioden angewiesen sind, könnten zurückgehen. Bedingt durch den Klimawandel ist in den nächsten Jahren daher mit Verschiebungen im Artenspektrum von Pflanzenschädlingen zu rechnen. Schäden durch Pilzerkrankungen können – mit Ausnahme von Krankheiten, die durch wärmeliebende Pilzarten wie etwa Mehltau ausgelöst werden – in vielen Bereichen voraussichtlich abnehmen.

Durchschnittlich höhere Temperaturen und mildere Winter führen zu einer Verschiebung von Anbaugebieten in Richtung Norden sowie zu veränderten Vegetations- und Wachstumsperioden von Pflanzen. Vor allem weniger Frosttage im Frühjahr können zu einem früheren Wachstumsbeginn führen. Der Anbau neuer Sorten, insbesondere von Wärme liebenden Arten wie Mais, Soja oder Hirse, wird möglich. Speziell Anbaugebiete in Norddeutschland, in Mittelgebirgslagen und im Osten Bayerns, die heute vergleichsweise kühl und feucht sind, können von diesen Entwicklungen profitieren. Dort ist bei einem moderaten Temperaturanstieg und einer ausreichenden Wasserversorgung mit einem erhöhten Ertragspotenzial für viele Fruchtarten zu rechnen.

Einige Pflanzenarten können durch den Klimawandel jedoch auch in ihrem Wachstum gestört werden. So sind beispielsweise einige Getreidepflanzen wie der Weizen während der Blüte äußerst empfindlich gegenüber Hitze. Temperaturen über 30 Grad Celsius in diesem Zeitraum können zu einem starken Ertragsabfall führen. Für Winterweizen hingegen ist der Rückgang der Frosttage problematisch, da in einer bestimmten Wachstumsphase (dem „Schossen“) ein Kältereiz erforderlich ist. Fehlt dieser, leiden die Ernten.

Die Produktivität der Tierhaltung und die Tiergesundheit sind in Deutschland zunehmend durch sogenannte vektorübertragene Krankheiten gefährdet. Das sind Krankheiten, die durch Schadorganismen oder Parasiten übertragen werden. Mit steigenden Temperaturen und selteneren Frosttagen können diese sich neue Lebensräume erschließen. So breiten sich auch die von ihnen übertragenen Krankheiten aus. Mit dem Klimawandel nimmt auch für das Nutzvieh der ⁠Hitzestress⁠ zu. Insbesondere Milchkühe sind empfindlich gegenüber Temperaturänderungen. Zunehmende Wärme kann daher zu Ertragseinbußen in der Milchwirtschaft führen. Eine verminderte Qualität der Futtermittel durch ⁠Klimafolgen⁠ verstärkt diesen ⁠Trend⁠.

 

Niederschlag

Im Zuge des Klimawandels verändern sich in Deutschland sowohl Menge als auch Verteilung von Niederschlägen. Dies wirkt sich direkt auf die zeitliche und die regionale Verfügbarkeit von Wasser aus. Durch Schwankungen im Bodenwasser- und Grundwasserhaushalt werden die Bodengüte sowie die Produktivität von Agrarflächen beeinflusst. Steigen gleichzeitig die Temperaturen, werden die Folgen für die landwirtschaftliche Produktion noch verstärkt.

Vor allem in Südwestdeutschland und Teilen der östlichen Bundesländer sind als Folge des Klimawandels abnehmende Niederschlagsmengen im Sommerhalbjahr und mehr aufeinanderfolgende Trockentage zu beobachten. In diesen bereits heute vergleichsweise warmen oder trockenen Regionen wird der ⁠Klimawandel⁠ für die Landwirtschaft zunehmend problematisch.

Durch abnehmende Niederschläge im Frühjahr und Sommer sinkt auch die Wasserverfügbarkeit im Boden während der Vegetationszeit. Laut Daten des Deutschen Wetterdienstes hat die Zahl von Tagen mit niedriger ⁠Bodenfeuchte⁠ seit 1961 bereits deutlich zugenommen. Nach den trockenen Jahren 2018 und 2019 weist der Dürremonitor des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung in Leipzig im Jahr 2020 für den Gesamtboden bis in eine mittlere Tiefe von 1,80 Meter das dritte Trockenjahr in Folge während der ⁠Vegetationsperiode⁠ auf. Auswirkungen der Trockenheit auf den Boden sind im Handlungsfeld Boden näher beschrieben.

Diese Entwicklung hat Auswirkungen auf die Landwirtschaft. So führte die Trockenheit der vergangenen Jahre regional zu deutlichen Ernteeinbußen – zum Beispiel lagen im Dürrejahr 2018 die Erträge bei Getreide um 18 Prozent unter dem Mittel, am stärksten betroffen waren Schleswig-Holstein (-31 Prozent), Brandenburg (-27 Prozent) und Sachsen-Anhalt (-26 Prozent). Der Schadensumfang wird auf 770 Millionen Euro beziffert.

Anhaltende Trockenheit kann zudem zu einem erhöhten Bewässerungsbedarf in der Landwirtschaft führen und Nutzungskonflikte um die Ressource Wasser mit sich bringen.

Auch ein Übermaß an Regen aufgrund des Klimawandels kann Folgen für die Landwirtschaft haben, da zu viel Nässe das Pflanzenwachstum ebenfalls negativ beeinflusst. Nässe behindert auch die Aussaat, Pflege und Ernte der Pflanzen auf den Ackerflächen oder die Beweidung der Grünflächen.

 

Extreme Wetterereignisse

Experten gehen davon aus, dass Wetterextreme wie Trocken- und Dürreperioden, Starkniederschläge, Hagel und Gewitter in Deutschland in den nächsten drei Jahrzehnten mit hoher bis sehr hoher Wahrscheinlichkeit zunehmen werden. Lediglich die Zunahme von Stürmen ist weniger gewiss. Extreme Hitze und anhaltende Trockenheit sowie übermäßige Nässe durch zunehmende Starkregenereignisse führen zu erheblichen Ertragsausfällen. Besonders stark sind die Auswirkungen, wenn Temperatur- oder Wasserstress während empfindlicher Wachstumsphasen von Pflanzen auftreten, etwa während der Blattbildung.

Starkregen⁠ geht zudem mit verstärktem Oberflächenabfluss und daher häufig mit Bodenerosion einher oder verursacht durch Hochwasser Schäden an landwirtschaftlicher Infrastruktur.

Die steigende Variabilität der Wetterlagen und vermehrte Extremwetterereignisse können zu stärkeren Ertragsschwankungen führen und die Anpassung erschweren.

 

Quellen