Ruhr: Erlebbare Wildnis in der Stadt

Foto: Eine erwachsene Person und zwei Kinder, die mit den Füßen im Wasser direkt am Ufer der Ruhr stehen und die Steine im Gewässer betrachten. zum Vergrößern anklicken
Naherholung an renaturierter Ruhr (2011)

Menschen entdecken das Ökosystem Fluss an der renaturierten Ruhr in Arnsberg.

Quelle: Bezirksregierung Arnsberg

Mehr als 20 Einzelmaßnahmen wurden zur Herstellung der Durchgängigkeit und zur Renaturierung der Gewässerstrukturen der Ruhr in Arnsberg umgesetzt. Dadurch entstand eine naturnahe Flusslandschaft mitten in der sauerländischen Stadt. Zunehmend prägt die renaturierte Ruhr das Stadtbild und wird von der Bevölkerung zur Erholung genutzt. Auch der Hochwasserschutz hat sich deutlich verbessert.

Inhaltsverzeichnis

 

Film: Steigerung der Erlebbarkeit der Ruhr im urbanen Raum

Quelle: Umweltbundesamt

Steigerung der Erlebbarkeit der Ruhr im urbanen Raum

 

Wiederentdeckung des vergessenen Flusses

In der Vergangenheit bot die Ruhr ein eher trauriges Bild: Mauern, Wehre und Begradigungen hatten den Fluss stark verändert. Aus einem ehemals wilden Mittelgebirgsfluss machte der Mensch über die Jahrhunderte ein strukturloses und monotones Gerinne (Scheja 2011). Über Jahrzehnte rief sich die Ruhr in Arnsberg hauptsächlich durch erhebliche Schäden bei Hochwasser mit Nachdruck in Erinnerung. In der übrigen Zeit war der ausgebaute Flussschlauch für die meisten Bewohner der Stadt kaum wahrnehmbar.

Den entscheidenden Anstoß für die Renaturierung der Ruhr in Arnsberg gab die EU-Wasserrahmenrichtlinie im Jahr 2000. Die Stärkung des Hochwasserschutzes, die Verbesserung der Gewässerökologie und die Schaffung neuer, attraktiver Möglichkeiten der Naherholung waren die wichtigsten Beweggründe für die Umsetzung von über 20 Renaturierungsmaßnahmen von 2003 bis 2019. Das primäre Entwicklungsziel ist, der Ruhr so viel wie möglich von ihrer ursprünglichen Aue zurück zu geben. Anstelle eines engen und technisch ausgebauten Profils sollte sie ein aufgeweitetes und abwechslungsreiches Gewässerbett erhalten. Mehr dazu: Gewässerentwicklung in der Stadt – geht (fast) überall

Die Stadt Arnsberg als Maßnahmenträger führt die einzelnen Renaturierungsprojekte abschnittsweise auf Grundlage von Gewässerentwicklungskonzepten durch (Scheja 2005). Die Maßnahmen erfolgen in Bereichen, in denen die Stadt selbst Grundbesitz hat, Grundstücke ankaufen oder mit Personen im Eigentum von Flächen die Nutzung der Grundstücke vereinbaren kann. Die Renaturierungen werden in der Regel zu 80 % durch das Land Nordrhein-Westfalen aus Mitteln der Abwasserabgabe gefördert. Der 20 % Eigenanteil wird über Ausgleichsmaßnahmen refinanziert. Mehr dazu: Finanzierung und Förderung von Gewässerrenaturierungen

Foto: Die begradigte Ruhr ohne besondere Strukturen. Am Gewässer sind Bäume zu sehen. Ein Rad- und Fußweg verläuft direkt am Ufer.
Technisch ausgebaute Ruhr bei Neheim-Binnerfeld (2002)

Vor den Renaturierungsmaßnahmen war die Ruhr an vielen Stellen ein strukturlos ausgebauter Flussschlauch.

Quelle: Bezirksregierung Arnsberg
 

Profilaufweitung der Ruhr in Oeventrop

Auf einer Länge von 1,3 km wurde von 2017 bis 2018 mitten im Ortskern von Oeventrop das Flussbett abgeflacht und aufgeweitet. Dadurch hat die Ruhr hier nahezu ihre ursprüngliche Breite wieder zurückerhalten. Lediglich der Bereich einer Brücke wurde ausgespart, weil dieser sinnvollerweise im Zuge einer anstehenden Brückensanierung in Abstimmung mit dem Landesbetrieb Straßenbau Nordrhein-Westfalen (Straßen.NRW) naturnah gestaltet wird.

Durch die Renaturierung konnten abgetrennte Auenbereiche in Oeventrop wieder an die Ruhr angebunden werden. Hochwasser können sich jetzt im unbebauten Bereich ausbreiten. Die naturnah umgebauten Ufer werden von der Ruhr permanent eigendynamisch verändert. Die im Flussbett angeschütteten Inseln aus Stein und Kies sowie das eingebrachte Totholz bieten vielfältige Lebensräume für Wasservögel, Fische und Insektenlarven. Im Uferbereich wurden für die Bevölkerung Zugangsmöglichkeiten zum Wasser geschaffen.

Die Kosten der Maßnahmen in Oeventrop betrugen ca. 1,3 Mio. Euro, von den 20 % die Stadt Arnsberg selbst übernahm. Die Förderung in Höhe von 80 % erfolgte aus Zuwendungen zur Umsetzung der Wasserrahmenrichtlinie in Nordrhein-Westfalen. Mehr dazu: Maßnahmen im Gewässer und im Nahbereich – wen das Gewässerprofil und die Ufer verändert werden können

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Naturnaher Umbau der Ruhr zwischen Realschulbrücke und Schützenbrücke

Zwischen Realschulbrücke und Schützenbrücke wurde für die Ruhr in Arnsberg 2009 eine breite Profilierung geschaffen. Dafür mussten Sportplätze umgebaut und ein Fußweg verlegt werden. Es wurden ein Zugang zur Ruhr von der angrenzenden Sekundarschule, Sitzgelegenheiten am Ufer und ein Natur-Erlebnis-Raum an der Ruhr geschaffen (siehe Renaturierte Ruhr dient als Naherholungsraum und "blaues Klassenzimmer"). Seit der Initialgestaltung haben sich vielfältige Uferstrukturen, Verzweigungen und Vegetationsbestände eigendynamisch entwickelt.

Die Kosten des naturnahen Umbaus zwischen Realschulbrücke und Schützenbrücke betrugen 486.000 Euro. Neben einem Eigenanteil vom 20 % erhielt die Stadt Arnsberg 80 % Förderung aus Landesmitteln.

Mehr dazu: Maßnahmen im Gewässer und im Nahbereich – wen das Gewässerprofil und die Ufer verändert werden können

Luftbild der renaturierten Ruhr, links ein Schulhof, rechts eine Erlebnisraum und Sportanlage.
Renaturierte Ruhr zwischen Realschulbrücke und Schützenbrücke (2018)

Die renaturierte Ruhr ist vom Hof der benachbarten Sekundarschule zugänglich. Auf der anderen Gewässerseite befindet sich ein Natur-Erlebnisraum.

Quelle: Georg Lamberty / Planungsbüro Zumbroich
 

Eigendynamische Ruhr an der Jägerbrücke in Arnsberg

Bei der Maßnahme im Bereich der Jägerbrücke wurden im Jahr 2010 Bodenmassen abgegraben. Dadurch entstand neuer Retentionsraums und gleichzeitig wurden Verzweigungsstrecken und Flachwasserzonen mit ausgeprägten Kies- und Schotterbänken, Kolken und Tiefrinnen geschaffen.

Nach Umsetzung der Maßnahme wurde der Bereich weitgehend sich selbst überlassen. Seitdem kann die Ruhr hier selbst "arbeiten". Die Strömung verlagert ständig Kiese und Schotter. Gerinneverzweigungen und Inseln entstehen und vergehen. Wassertiefen und Strömungsverhältnisse sind äußerst vielgestaltig. Umlagerungen von Geschiebe finden in jedem Jahr statt.

Die Kosten der Maßnahme beliefen sich auf 815.000 Euro mit einem Förderanteil von 80 % aus Landesmitteln.

Mehr dazu: Maßnahmen im Gewässer und im Nahbereich – wen das Gewässerprofil und die Ufer verändert werden können

Luftbild der renaturierten Ruhr im Umfeld von Gärten, Grünland, Bebauung und Verkehrswegen.
Renaturierte Ruhr im Bereich der Jägerbrücke (2018)

An der renaturierten Ruhr hat sich schnell naturnaher Uferbewuchs eingestellt. Zudem verändert die Ruhr sich ständig. Laufverzweigungen und Inseln kommen und gehen.

Quelle: Georg Lamberty / Planungsbüro Zumbroich
 

Gewässerentwicklung der Ruhr zwischen Autobahn und Bahntrasse in Binnerfeld

In Binnerfeld durchfließt die Ruhr eine 100–200 m schmale Aue, die zwischen Autobahn und Bahnstrecke verläuft. Der Fluss wurde durch Steinschüttungen in sein Bett gezwängt. In diesem siedlungsnahen Bereich dient das Tal der Naherholung mit einem stark frequentierten, flussbegleitenden Fuß-Radweg und einer Kanustrecke. Daher spielten Freizeitnutzungen und das Erlebbarmachen des Flusses bei der Planung der Renaturierung in Binnerfeld eine große Rolle.

Durch teilweises Entfernen der Ufersicherungen, flächige Absenkung der Ufer und ein Anheben der Sohle wurde der Fluss auf einer Länge von rund 3.500 m wieder stärker in Kontakt mit der umgebenden Talaue gebracht. Angelegte und neu entstandene Inseln im Gewässerbett bieten Angriffspunkte für den Fluss und zwingen ihn zum Ausweichen.

Um dem Gewässer mehr Raum zu geben, war es erforderlich den vorhandenen Radweg und eine Druckrohrleitung abschnittsweise zu verlegen. Die vorhandene Kanustrecke wurde durch wasserbauliche Maßnahmen ökologisch verträglich optimiert. Der zu Beginn der Kanustrecke vorhandene Sohlabsturz wurde mittels einer Fischtreppe durchgängig gemacht.

Mit Projektkosten in Höhe von ca. 4,7 Mio. Euro und einer fünfjährigen Bauphase (2007 bis 2012) ist die Renaturierung in Binnerfeld eine der größeren Gewässerentwicklungsmaßnahmen in Arnsberg. An der Planung beteiligt waren die Bezirksregierung Arnsberg, das Staatliche Umweltamt Lippstadt, der Hochsauerlandkreis, der Angelverein Sauerland und die Stadt Arnsberg.

Mehr dazu: Maßnahmen für die Durchgängigkeit – wenn Hindernisse vorhanden sind

Luftbild der renaturierten Ruhr, die zwischen Autobahn, Radweg und Bahntrasse eingeengt ist.
Renaturierte Ruhr in Binnerfeld (2018)

Trotz erheblicher Einengung durch Autobahn, Radweg und Bahntrasse entwickelt sich die Ruhr in Binnerfeld eigendynamisch.

Quelle: Georg Lamberty / Planungsbüro Zumbroich
 

Renaturierte Ruhr dient als Naherholungsraum und "blaues Klassenzimmer"

Die Renaturierungsbereiche der Ruhr stellen eine ganz neue Möglichkeit für die Bevölkerung von Arnsberg dar, Naherholung im urbanen Raum zu erleben. Die neu geschaffenen Kiesbänke locken insbesondere während der Sommermonate Erholungssuchende ans Wasser. Der RuhrtalRadweg verläuft nun entlang naturnaher Ufer und bietet immer wieder Blicke auf die neue Gewässerlandschaft. Die Ansiedlung eines neuen Gastronomiebetriebs lädt zum Verweilen ein. Die Renaturierungen steigern auch den Erholungswert, z. B. für Freizeitsportler oder Kinder, die in der renaturierten Flusslandschaft einen interessanten Naturspielplatz vorfinden. Mehr dazu: Erholung und Tourismus am renaturierten Fluss

Besonders durch die Maßnahmen bei Oeventrop (siehe Profilaufweitung der Ruhr in Oeventrop) ist die Natur nun zum Greifen nah. Die Zugänge zur renaturierten Ruhr können von den umliegenden Kindergärten und Schulen für praxisorientierten Unterricht genutzt werden. Bei der Konzeption dieses außerschulischen Lernorts kooperieren das örtliche Umweltamt, die nahegelegene Grundschule Dinschede, eine Bürgerinitiative in Oeventrop (INO) sowie ortsansässige Angel- und Imkereivereine. Im Renaturierungsbereich zwischen Realschulbrücke und Schützenbrücke (siehe Naturnaher Umbau der Ruhr zwischen Realschulbrücke und Schützenbrücke) wurde der "Natur-Erlebnis-Raum an der Ruhr" geschaffen. An der darin befindlichen Lernstation "Ruhrstruktur" bildet ein Modell den Verlauf der Ruhr von der Quelle bis zur Mündung ab. Tiere und Pflanzen, die natürlicherweise im Ober-, Mittel- und Unterlauf vorkommen, werden anhand von Schautafeln dargestellt und erläutert. Zudem wird im sogenannten "blauen Klassenzimmer" die Thematik "Wasser und Klima(-Wandel)" aufgegriffen, u. a. durch eine Wetterstation. Ein Schwalben- und Insektenhotel, Obstbäume und eine phänologische Hecke bringen die Vielfalt der Natur noch ein Stück näher und runden das Gesamtbild ab. Mehr dazu: Umweltbildung an erlebbaren Flüssen

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Erfolgskontrollen belegen guten ökologischen Zustand der renaturierten Ruhr in Arnsberg

An der Ruhr in Arnsberg finden seit 2009 Erfolgskontrollen mit standardisierten Methoden statt. Neben den renaturierten Abschnitten werden auch nicht renaturierte Bereiche untersucht, die als Vergleichsstrecken für den ausgebauten Zustand dienen. Die Ergebnisse der Erfolgskontrollen stellen eine wichtige Erkenntnisgrundlage für Folgeprojekte dar: Was hat sich besonders bewährt? Welche Maßnahmen waren weniger erfolgreich? Sowohl für die biologische Qualitätskomponente Fische als auch für Makrozoobenthos zeigte die Erfolgskontrolle 2016 an fast allen Probestellen einen guten (teilweise sogar sehr guten) ökologischen Zustand nach EU-Wasserrahmenrichtlinie an (NZO 2018). Mehr dazu: Erfolgskontrolle mit Monitoring vorher / nachher

An der Ruhr sind an vielen Stellen nach der Herausnahme von Uferbefestigungen steile Uferabbrüche entstanden. Hier findet der Eisvogel sehr gute Möglichkeiten, im Auenlehm seine bis zu 1 m tiefen Brutröhren zu graben. Für die gute Bestandsentwicklung der Eisvögel an der Ruhr sind neben Steilufern aber auch die nun in großen Mengen vorhandenen Kleinfische und Ansitzmöglichkeiten verantwortlich. In den Renaturierungsabschnitten pflanzen sich Bachforellen und Äschen nach Umsetzung der Maßnahmen erfolgreich fort. Die Tiere finden in den Renaturierungsbereichen offenbar alles, was sie zum Leben brauchen: frisch umgelagerte Kiesbänke mit gutem Lückensystem zum Ablaichen, flach überströmte Kiessohlen für die Jungfischschwärme und tiefere Fließrinnen und Kolke mit Nahrung und Schutz für die größeren Tiere (Bezirksregierung Arnsberg 2016). Vom üppigen Fischbestand in der Arnsberger Ruhr profitieren nicht zuletzt auch zahlreiche Wasservögel wie z. B. der Zwergtaucher. Sie finden hier trotz urbaner Umgebung und erholungssuchender Menschen Deckung und Rückzugsmöglichkeiten. Das Mosaik von unterschiedlich tiefen Wasserflächen mit schnell und langsam strömenden Verzweigungen bietet zusammen mit den Randstreifen aus Hochstauden und Weidengebüschen einen idealen Lebensraum für Libellen. Sonnen- und Schattenplätze sind verfügbar. Für die Eiablage und Larvenentwicklung sind die sich entwickelnden Unterwasserpflanzen und Kleinstrukturen auf der Gewässersohle wichtig. Mehr dazu: Naturschutz und Gewässerentwicklung – ein schönes Paar

Foto: Ein Fischschwarm an der Wasseroberfläche nahe eines Fischunterstandes, der Schutz vor Räubern bietet.
Schattiges Plätzchen für Fische in der Ruhr (2018)

In der Nähe von Unterständen, die von hereinragenden Ästen gebildet werden, fühlen sich Fische wohl. Hier finden sie bei Gefahr Schutz.

Quelle: Marco Linke / Medieningenieurbüro Manntau
 

Positive Wirkung auf Ökosystemleistungen und Klimafolgenanpassung durch renaturierte Ruhr

Die Ökosystemleistungen, die durch die Renaturierungsmaßnahmen in Arnsberg gestärkt wurden, gehen über die ökologische Aufwertung und die verbesserte Hochwasservorsorge hinaus. Die aufgeweiteten Bereiche sorgen für größere Wasserflächen und damit an heißen Tagen für stärkere Verdunstung und Kühlung im urbanen Nahbereich. Mehr dazu: Leistungen und Nutzen renaturierter Flüsse

Die Bevölkerung hat die Ruhr als stadtbildprägendes Gewässer wiederentdeckt und nutzt sie zur Erholung. Diese "Wildnis" ist inzwischen ein Markenzeichen der Stadt Arnsberg. Aufgrund eines neu entstandenen Bewusstseins für diesen Naturraum wird die Ruhr zunehmend als wertvolles und wertsteigerndes Element in die Stadtplanung integriert. Der Masterplan Ruhr befasst sich mit den Naturraumpotenzialen der Flusstäler im Arnsberger Stadtgebiet. Er behandelt städtebauliche Themen wie Zugang zur Ruhr, Besucherführung und Umweltbildung sowie Verknüpfung von Wohnraum und Gewässerlandschaft. Mehr dazu: Gewässerentwicklung in der Stadt – geht (fast) überall

Die Renaturierung der Ruhr in und um Arnsberg dient auch der Klimafolgenanpassung. Der Rückbau von versiegelten Teilflächen der Ruhraue und die Aufweitung des Flussprofils schaffen Platz für zunehmende Starkregenereignisse verursachte Hochwasser und führen zu einer deutlichen Absenkung des Wasserspiegels. Mehr dazu: Hochwasser durch Renaturierung entschärfen

Arnsberg wurde für seine Renaturierungen als Maßnahmen zur Klimafolgenanpassung mehrfach ausgezeichnet:

Quelle: Umweltbundesamt

Arnsberg erhält „Blauen Kompass"

 

Integrierte Planung und konsequentes Einbinden der Öffentlichkeit an der Ruhr

Die Renaturierungsmaßnahmen in Arnsberg wurden auf Grundlage des Konzepts zur naturnahen Entwicklung der Ruhr geplant. Dieses beschreibt grundlegend vorhandene Defizite und erforderliche Maßnahmen. Allerdings blieben die vorgeschlagenen Maßnahmen im Arnsberger Stadtgebiet häufig hinter den eigentlich vorhandenen Potenzialen zurück. Aufgabe der integrierten Planung war es daher, Möglichkeiten zu finden, die Potenziale des Flusses und der Aue innerhalb der gegebenen Restriktionen maximal zu entwickeln. Die Herausforderung lag darin, Schritt für Schritt zu klären, wie mit vorhandener Infrastruktur (Leitungen, Brücken, Radwege etc.) umzugehen ist. Teilweise wurden hierbei sehr synergetische Lösungen gefunden. Beispielsweise konnte eine Fußgängerbrücke, die im Rahmen der Renaturierung in Binnerfeld umgebaut werden musste, barrierefrei gestaltet werden. Mehr dazu: Gewässerentwicklung in der Stadt – geht (fast) überall

Bereits weit im Vorfeld der Maßnahmen wurden die Renaturierungsmaßnahmen durch Informationsveranstaltungen, Präsentationen und Presseveröffentlichungen bekannt gemacht. Während der Bauphasen konnten Personen aus verschiedenen Bereichen (z. B. Angelsport, Naturschutz, Kanusport) über regelmäßige, erweiterte Baubesprechungen Informationen erhalten und Anregungen geben. Aufgrund dieser guten Vorbereitung und Integration konnte die Bevölkerung in die Vorhaben mit einbezogen und zahlreiche Konflikte und Reibungspunkte vermieden werden. Zudem hat die umfangreiche Beteiligung von Bevölkerung und Institutionen viele hilfreiche Informationen für die Planung und Umsetzung der Maßnahmen ergeben.

Ein Beispiel für die aktive Beteiligung ist der örtliche Angelverein "Ruhrwellen", dessen Mitglieder in Eigenregie Renaturierungsmaßnahmen durchführen, z. B. Nebengewässer reaktivieren, kleine Querbauwerke entfernen oder Kies in die Gewässersohle einbringen. Mehr dazu: Lokale Fischexpertise für Gewässerentwicklung einbinden

Die Informationsangebote zur Renaturierung der Ruhr wurden gut angenommen. Beispielsweise eine Ortsbesichtigung der laufenden Renaturierungsarbeiten in Oeventrop erfreute sich im Oktober 2017 reger Teilnahme. Kurz nach Fertigstellung der Renaturierung nahm der ortsansässige Schützenverein eine Kiesinsel in der Ruhr symbolisch per Wimpel "in Beschlag". Mehr dazu: Kooperation und Partizipation für erfolgreiche Renaturierungen

Foto: Eine bewachsene Kiesbank mit Wimpel der Schützenkompanie „Schütten – Dinschede“ an einer kleinen Fahnenstange.
Lokale Bevölkerung nimmt Renaturierung in Oeventrop an (2018)

Bereits kurz nach Fertigstellung nahm der ortsansässige Schützenverein eine durch Renaturierung geschaffene Ruhrinsel symbolisch per Wimpel „in Beschlag“.

Quelle: Marco Linke / Medieningenieurbüro Manntau
 

Literaturangaben

Links Ruhr