Veränderung der jahreszeitlichen Entwicklungsphasen bei Pflanzen

Die Klimaveränderung ist in Deutschland und Europa inzwischen so deutlich, dass erste Auswirkungen auf die Flora zu erkennen sind.

Vegetationszeiten werden länger - unterschiedliche Auswirkungen in den Jahreszeiten

Die Vegetationsperiode, also die Zeit des Jahres in der Pflanzen wachsen, blühen und fruchten, nahm in Deutschland seit 1961 im Trend um rund zwei Wochen zu. So blühen beispielsweise Schneeglöckchen, die den Eintritt des Vorfrühlings anzeigen, und Apfelbäume, die den Vollfrühling anzeigen, früher (fast 3 Tage/Jahrzehnt). Waldbäume treiben in vielen Ländern Europas eher aus (ca. 5 Tage/Jahrzehnt). Die durch diese Erscheinungen angezeigten phänologischen Frühlingsphasen verschieben sich somit nach vorn. Diese Erkenntnis steht im Einklang mit neuen Studien für Gesamteuropa, die davon ausgehen, dass sich der Beginn von Frühling und Sommer um mindestens 2,5 Tage je Jahrzehnt nach vorn verschiebt (Menzel et al., 2006). Dies weist darauf hin, dass sich durch ein verändertes Temperaturniveau die Eintrittszeit und die Dauer der einzelnen Jahreszeiten verändert hat.

Im Herbst zeigt sich kein deutlicher Trend, dass sich die phänologischen Phasen verändern. Sie werden zum Beispiel gekennzeichnet durch die Laubverfärbung oder den Blattfall von Bäumen. Im Unterschied zu den Frühjahrsphasen, deren Eintritt weitgehend von der Temperatur bestimmt wird, sind die Zusammenhänge mit klimatologischen Parametern im Herbst schwächer und nicht so klar. Neben der Temperatur gewinnt hier auch der Niederschlag der Sommermonate an Bedeutung. Außerdem spielen andere Einflüsse wie das Auftreten von Pflanzenkrankheiten und Schädlingsbefall eine wichtige Rolle.

Bisher ist nur ansatzweise geklärt, wie sich die Verschiebungen phänologischer Phasen auf die Bestände von Tieren und Pflanzen auswirken. So reagieren etwa bestimmte Vogelarten mit erhöhtem Bruterfolg infolge kürzerer Winter, andere werden beeinträchtigt. Die bisherige zeitliche Abstimmung, zum Beispiel des Auftretens von Blüten und Bestäubern bei Pflanzen oder in Räuber-Beute-Systemen bei Tieren, kann verloren gehen. Das kann sich drastisch auf die Bestandsentwicklung bestimmter Arten auswirken.

Die folgenden Abbildungen, die auf Daten des Deutschen Wetterdienstes beruhen, belegen den linearen Trend zu längeren Vegetationsperioden, früherer Blühzeit und Fruchtreife. Zur Darstellung der Dauer der Vegetationsperiode gibt es derzeit noch unterschiedliche Definitionen. In der hier dargestellten langjährigen Zeitreihe umfasst sie den Zeitraum von der Blüte der Salweide bis zur Laubfärbung der Stieleiche.
Abb. „Dauer der Vegetationsperiode“
Abb. „Beginn der Schneeglöckchenblüte“
Abb. „Beginn der Apfelblüte“
Abb. „Beginn des Winterroggenährenschiebens“
Abb. „Fruchtreife der Rosskastanie“

Weitere Informationen zur Verschiebung der phänologischen Phasen finden Sie auf den Internetseiten des Bundesamtes für Naturschutz (BfN) und im Monitoringbericht zur Deutschen Anpassungsstrategie an den Klimawandel ab Seite 90.

Tipp zum Weiterlesen:
Menzel et al. (2006): European phenological response to climate change matches the warming pattern. Global Change Biology 12(10): p. 1969-1976.

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