Urlaubsreisen

Gebirgsfluss, von Tannen umgebenzum Vergrößern anklicken
„Der Tourismus zerstört das, was er sucht, indem er es findet.“ (Enzensberger, 1979)
Quelle: Julie / Fotolia

Inhaltsverzeichnis

 

Unsere Tipps

  • Bevorzugen Sie Reiseziele in der Nähe.
  • Vermeiden Sie Flugreisen und Kreuzfahrten.
  • Bevorzugen Sie Reiseanbieter bzw. -angebote mit verbindlichen Umwelt- und Sozialstandards.
  • Verhalten Sie sich im Urlaub so umweltfreundlich wie zu Hause.
  • Nehmen Sie Rücksicht auf sensible Lebensräume, Tiere und Pflanzen.
  • Entdecken Sie umweltfreundliche Urlaubsmöglichkeiten.
 

Gewusst wie

Was uns gut tut, kann die Umwelt belasten. Das gilt auch für den Urlaub und insbesondere für die Anreise. Durch ihren Aufenthalt steigern Touristen zudem vor Ort den Bedarf an Wasser, Energie und Flächen. Mit diesen Tipps können Sie die Umweltbelastungen in Grenzen halten.

Je näher, desto besser: Im Umkreis von nur 800 Kilometern liegen Urlaubsziele, die das bieten, was die meisten im Urlaub suchen: Erholung, Wälder, Berge, Strand und jede Menge Sehenswürdigkeiten. Warum deshalb in die Ferne schweifen? Die stärksten Umweltbelastungen resultieren aus An- und Abreise. Dabei spielt nicht nur die Entfernung, sondern auch die Wahl des Verkehrsmittels eine große Rolle.

  • Nutzen Sie daher Bus, Bahn und Fahrrad.
  • Erkundigen Sie sich über das Nahverkehrssystem vor Ort und eventuelle Transportangebote der Unterkunft.
  • Probieren Sie Wanderungen, Kanu- oder Fahrradtouren.
  • Entdecken Sie die Reisen der Bahn-Kooperation Fahrtziel Natur in verschiedene Großschutzgebiete im deutschsprachigen Raum.
  • Auch ein voll besetztes Auto belastet die Umwelt weit weniger als die Anreise mit dem Flugzeug.
  • Umweltschädliche Emissionen können Sie natürlich auch einsparen, wenn Sie seltener in den Urlaub fahren und dafür länger bleiben.

Am Boden bleiben: Flugreisen sind besonders umweltschädlich. Ein Flug von Deutschland auf die Kanarischen Inseln und zurück verursacht pro Person einen Ausstoß von ca. 1.800 kg klimaschädlichem CO2 (siehe UBA-CO2-Rechner). Mit einem vollbesetzten Mittelklassewagen könnten Sie dafür rund 45.000 km weit fahren. Auch Kreuzfahrten sind sehr umweltbelastend. Nach einer Berechnung des NABU (2011) werden von einem Kreuzfahrtschiff genauso viele Schadstoffe ausgestoßen wie von fünf Millionen Autos auf gleicher Strecke. Leider gibt es für solche Fernreisen keine umweltfreundlichen Alternativen. Was Sie aber machen können: Gleichen Sie Treibhausgasemissionen von Flugreisen oder Kreuzfahrten durch freiwillige Kompensationszahlungen aus. Mit diesem Geld werden Klimaschutzprojekte finanziert, in denen die entsprechende Menge an Treibhausgasen eingespart wird (siehe Tipps zur CO2- Kompensation).

Zertifizierte Angebote nutzen: Auf der Suche nach umweltschonenden Reisen helfen Ihnen Umweltzertifikate und Labels. Sie kennzeichnen Anbieter bzw. Angebote mit verbindlichen Umwelt- und Sozialstandards. Diese Standards betreffen zum Beispiel den schonenden Umgang mit natürlichen Ressourcen wie Wasser, klimafreundliche Transporte, die Reduzierung des Abfallaufkommens oder das Engagement in Artenschutzprojekten.

  • Fragen Sie Ihr Reisebüro und Ihren Tourismusanbieter vor Ort nach einer entsprechenden Policy.
  • Auf der Webseite Label-online finden Sie einen Überblick sowie weitere Informationen zu verschiedenen Labeln und Zertifikaten aus dem Tourismusbereich.
  • Travelife, TourCert, GreenSign und Viabono sind Initiativen, die sich für nachhaltigen Tourismus einsetzen und umweltschonende Urlaubsanbieter zertifizieren.
  • Auch das Forum anders Reisen bietet eine breite Auswahl alternativer Reisen in alle Welt an. Mehr als 100 Reiseveranstalter gehören dazu. 

Umweltbewusstsein im Reisegepäck: Ob Mülltrennung oder der sparsame Umgang mit Energie und Wasser - Routinen, die zu Hause selbstverständlich sind, sollten Ihnen im Urlaub nicht schwer fallen. Insbesondere in südlicheren Ländern ist Wasser oft knapp.

  • Gehen Sie deshalb sorgsam mit Wasser um (siehe Tipps zum Trinkwasser). Meiden Sie Pools, Golfplätze und künstlich beschneite Skipisten, denn hier werden unverhältnismäßig große Wassermengen verbraucht.
  • Heizen Sie im Winterurlaub energiebewusst (siehe Tipps zum Heizen).
  • Bevorzugen Sie regionale, ökologisch produzierte Lebensmittel. Genießen Sie die Vielfalt heimischer Obst- und Gemüsesorten und verringern Sie den Anteil tierischer Produkte, denn diese verschlechtern Ihre Umweltbilanz in vielerlei Hinsicht.
  • Verzichten Sie auf Einwegartikel zum Beispiel bei Trinkflaschen, Geschirr und Hygieneartikel.
  • Reduzieren Sie Ihr Reisegepäck. Viele Dinge wie z.B. Babybetten und Sportausrüstung können vor Ort ausgeliehen werden. Weniger Gepäck reduziert den Platzbedarf und das Gewicht beim Transport und hilft somit Emissionen zu verringern.

Natur bewahren: Der Tourismus ist wie kaum ein anderer Wirtschaftszweig auf eine intakte Natur angewiesen und beeinträchtigt diese gleichzeitig auf vielfältige Weise. Dies betrifft auch die Zerstörung von Lebensräumen und den damit verbundenen Verlust der biologischen Vielfalt. Tourismus nimmt große Flächen in Anspruch, zum Beispiel für den Bau von Unterkünften, aber auch für Verkehrsinfrastruktur und Freizeiteinrichtungen.

  • Meiden Sie Orte des Massentourismus und nutzen Sie nachhaltige und naturverträgliche Angebote.
  • Beachten Sie insbesondere bei der Auswahl von Freizeitaktivitäten den Biotop- und Artenschutz. Respektieren Sie sensible Gebiete und die dort vorkommenden Arten. Erkundigen Sie sich über angemessene Verhaltensregeln. Füttern und berühren Sie keine Wildtiere und beschädigen Sie keine Pflanzen.
  • Lassen Sie keine Abfälle in der Natur liegen und nehmen Sie nichts mit außer Ihre Eindrücke.
  • Geschützte Arten sind keine Souvenirs (zum Beispiel Korallen, Elfenbein, Reptilienleder) und keine Lebensmittel, auch wenn sie als „einheimische Delikatessen“ angeboten werden.
  • Besuchen Sie keine Einrichtungen, die Wildtiere in Gefangenschaft halten (zum Beispiel Delfinarien, Elefantenreiten). Unterstützen Sie stattdessen lokale Artenschutzprojekte und Naturschutzgebiete.

Ein kurzes Video mit Tipps zum Artenschutz im Urlaub finden Sie hier.

Tapetenwechsel – im Tausch: Internetplattformen ermöglichen es, das eigene Zuhause mit anderen Menschen zu teilen oder zu tauschen. Diese Art zu reisen entlastet die Umwelt, da keine zusätzlichen Unterkünfte gebaut werden müssen. Zum Beispiel bietet der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC) das Übernachtungsverzeichnis Dachgeber – von Radlern für Radler an. Für Auslandsreisen gibt es das Vermittlungsnetzwerk Couchsurfing mit vier Millionen Nutzern auf der ganzen Welt. Solche Plattformen, beziehungsweise die angebotenen Übernachtungen, sind teilweise kostenlos, teilweise gebührenpflichtig. Eine genaue Lektüre der Teilnahme- und Haftungsbestimmungen empfiehlt sich. Eine weitere Möglichkeit, seine Urlaubszeit stressfrei zu verbringen, ist, einfach zu Hause zu bleiben und Entspannung im Garten, auf dem Balkon, auf dem Sofa oder mit Ausflügen in die nähere Umgebung zu suchen.

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Hintergrund

Umweltsituation: Belastungen der Umwelt durch den Tourismus sind vielfältig und werden häufig unterschätzt. Dazu zählen insbesondere klimaschädliche Emissionen durch den Reiseverkehr, aber auch der Verbrauch von Wasser, Flächen und Gütern sowie das Abfallaufkommen und der Verlust der Biodiversität. Rund fünf Prozent aller klimaschädlichen Emissionen weltweit entstehen allein durch den Tourismus, das sind mehr als eine Milliarde Tonnen. Davon entfallen 40 Prozent auf Flugreisen, 32 Prozent auf den Autoverkehr und 21 Prozent auf die Unterkünfte.

Marktbeobachtung: Die Tourismusbranche ist einer der am schnellsten wachsenden Wirtschaftszweige unserer Zeit. Weltweit, und vor allem in Deutschland, steigen die Umsätze jedes Jahr. Jeder Verbraucher, jede Verbraucherin in Deutschland gibt im Schnitt 1.050 Euro im Jahr für einen Haupturlaub und 270 Euro für eine Kurzreise aus. Allein im Jahr 2017 unternahmen die Deutschen 70 Millionen Urlaubsreisen (Dauer mehr als 5 Tage). Davon gingen mehr als 50 Millionen Reisen ins Ausland, welche zu einem hohen Prozentsatz mit dem Flugzeug erfolgten. Dazu kamen noch 80 Millionen Kurzurlaubsreisen (Dauer weniger als 5 Tage). Insgesamt wurden für Reisen 90 Milliarden Euro ausgegeben.

Das immense Wachstum der Tourismusbranche bringt vielfältige Probleme mit sich. Nachhaltiger Tourismus ist der Versuch, diesen entgegenzuwirken und ökologische, ökonomische sowie soziokulturelle Ziele in Einklang zu bringen. Nach der Verabschiedung der Agenda 2030 für Nachhaltige Entwicklung steht die internationale Staatengemeinschaft vor der enormen Herausforderung, die erarbeiteten Nachhaltigkeitsziele (Sustainable Development Goals, SDGs) sowohl auf globaler als auch auf lokaler Ebene umzusetzen. Dabei nimmt die Entwicklung nachhaltiger Tourismuskonzepte eine bedeutende Rolle ein, da hierdurch viele Ziele der Agenda gleichzeitig adressiert werden können.

 

Quellen