Lagerfeuer, Feuerschalen

Feuer mit Holzscheitenzum Vergrößern anklicken
Holzfeuer sind gemütlich, können aber Umwelt und Gesundheit schaden.
Quelle: Anton Aleksandrov / Fotolia.com

Inhaltsverzeichnis

 

Unsere Tipps

So schön ein Lagerfeuer auch ist: Aus Umwelt- und Gesundheitssicht sollte es vermieden werden. Wenn Sie dennoch ein Lagerfeuer machen möchten, beachten Sie bitte folgende Tipps:

  • Verwenden Sie für ein Lagerfeuer nur trockenes, gut abgelagertes und unbehandeltes Holz.
  • Nutzen Sie dafür vorgesehene Behältnisse auf feuerfestem Untergrund.
  • Das Verbrennen von Strauch- und Grünschnitt ist gesetzlich grundsätzlich verboten. Es führt zu sehr hohen Emissionen.
  • Prüfen Sie die Wind- und Wetterverhältnisse. Kein Feuer bei starkem Wind oder Trockenheit (Waldbrandgefahr!).
  • Informieren Sie sich vorab nach den Bestimmungen Ihrer Kommune oder Gemeinde, ob, wann und wie Lagerfeuer zulässig sind.
 

Gewusst wie

Ein Lagerfeuer schafft eine gemütliche ⁠Atmosphäre⁠, die viele Menschen besonders in der wärmeren Jahreszeit schätzen. Jedoch ist ein Feuer im Freien mit zahlreichen Belastungen für die Umwelt und die Gesundheit verbunden. Selbst bei sachgemäßer Durchführung entstehen bei dem Verbrennungsprozess eine Vielzahl von Schadstoffen wie Ruß, (Fein-)stäube und verschiedene Gase, die in die umgebende Atmosphäre und durch Inhalation auch in den menschlichen Körper gelangen. Dabei ist zu beachten, dass Partikel und Bestandteile aus dem Rauch durch den Wind verbreitet werden und somit größere und weitflächigere Auswirkungen auf Menschen und Natur in der Umgebung haben, als den meisten bewusst ist.

Aus Sicht des Umwelt- und Gesundheitsschutzes sind offene Feuer daher nicht empfehlenswert und sollten möglichst vermieden werden.

Falls dennoch ein Lagerfeuer gemacht werden soll, eignen sich hierfür insbesondere feuerfeste Behältnisse (z. B. Feuerschalen oder Feuerkörbe) auf feuerfestem Grund (z. B. Feuerplatz), dies reduziert die Brandgefahr und vereinfacht das Löschen.

Für ein Feuer sollte nur trockenes und gut abgelagertes Holz verwendet werden. Damit das Brennholz richtig durchtrocknen kann, stapeln Sie das gespaltene Holz am besten an einem schnee- und regengeschützten, sonnigen und luftigen Platz. Achten Sie darauf, dass das Brennholz keinen Kontakt zum Erdreich hat, da es sonst aus dem Boden Feuchtigkeit ziehen kann.

Achten Sie unbedingt darauf, unbehandeltes Holz für ein Lagerfeuer zu verwenden. Denn Holz, das mit Holzschutzmitteln oder Lack behandelt wurde, kann beim Verbrennen hochgiftige ⁠Dioxine⁠ und Furane („Seveso-Gifte“) freisetzen. Auch Materialien wie (Zeitungs-) Papier, Pappe oder Kunststoffe setzen beim Verbrennen unnötig hohe gesundheitsgefährdende Schadstoffemissionen frei. Das offene Verbrennen von solchen Stoffen ist daher gesetzlich verboten und würde, sofern die Materialien Abfälle sind (z. B. Kunststoffverpackungen) zudem eine illegale Abfallentsorgung darstellen.

Auch die Entsorgung von Gartenabfällen, Grünschnitt, Laub, Blättern und Holz mittels eines offenen Feuers ist nach Kreislaufwirtschaft §7 KrWG (Verwertungsgebot) und § 17 KrWG (Überlassungspflichten) unter Berücksichtigung einiger Ausnahmen weitestgehend verboten, führt zu sehr hohen Staub- und Geruchsemissionen sowie anderen organischen Schadstoffen wie z.B. PAKs und schädigt Umwelt und Gesundheit.

Eine gute Alternative ist die Kompostierung auf dem eigenen Komposthaufen oder die Entsorgung über die Biotonne. Wertvolle Inhaltsstoffe werden so recycelt, und im Falle einer Behandlung des kommunalen Bioabfalls in Biogasanlagen wird darüber hinaus auch die im Bioabfall enthaltene Energie genutzt, um z. B. elektrischen Strom und/oder Wärme zu gewinnen.

Größere Mengen an Grünschnitt und/ oder dickere Äste können Sie über das lokale Entsorgungsunternehmen entsorgen. Der über die Recyclinghöfe gesammelte Baum- und Strauchschnitt wird in Kompostieranlagen zu einem Qualitätskompost verarbeitet oder in Biomasseheizwerken thermisch verwertet.

Prüfen Sie vor jedem Lagerfeuer die Wind- und Wetterverhältnisse. Im Sommer sollte aus Brandschutzgründen auf ein Lagerfeuer ganz verzichtet werden. Bei Wind stellt der Funkenflug ein erhöhtes Brandrisiko dar. Achten Sie daher auf ausreichend Abstand zu brennbaren Objekten (Bäume, Büsche, Häuser, Schuppen, etc.).

Beachten Sie Mindestabstände zu Gebäuden, Straßen, Lüftungsöffnungen wie Fenster und Türen. Rauch- und Geruchsentwicklung durch Lagerfeuer führen regelmäßig zu Beschwerden aus der Bevölkerung aufgrund starker Belästigung und gesundheitlicher Beeinträchtigung. Nehmen Sie Rücksicht auf Ihre Nachbarn und beachten sie behördlichen Auflagen. Niemand mag Lagerfeuerqualm. Falls Sie sich durch Nachbarn gestört fühlen, die häufig ein Lagerfeuer entzünden und ein freundliches Gespräch nicht weiterhilft, können Sie sich an das örtliche Umwelt -oder Ordnungsamt wenden

Halten Sie sich, wenn möglich, nicht in unmittelbarer Nähe zur Rauchfahne des Feuers auf. Auch bei korrekter Verwendung von Brennholz ist die Schadstoffbelastung im Rauch des Lagerfeuers mit ihren gesundheitsschädlichen Folgen am größten. Achten Sie auf genügend Abstand und nehmen Sie Rücksicht auf weitere Personengruppen in der Nähe.

Asche in den Restmüll: Holzkohlen bzw. Lagerfeuerasche sollte ausgekühlt im Restmüll landen. Für Garten und Kompost ist sie nicht oder allenfalls nur in sehr geringen Mengen geeignet, da es sonst zu einer Anreicherung von Schwermetallen (die natürlich im Holz vorhanden sind) aber auch von Schadstoffen aus der Verbrennung wie z.B. PAKs im Boden kommt.

Was Sie noch tun können:

  • Anzündhilfen (Fest, Flüssig, Gel), die zum Anzünden von Festbrennstoffen in Grillgeräten verwendet werden, müssen die Anforderungen der DIN EN 1860-3 einhalten.
  • Nutzen Sie möglichst pflanzliche oder naturnahe Anzündhilfen (z.B. Holzwolle).
  • Verwenden Sie niemals Brandbeschleuniger, wie Spiritus oder Benzin. Diese Flüssigkeiten verdampfen bereits bei niedrigen Temperaturen und bilden ein explosives Gas-Luft-⁠Gemisch⁠. Sie können meterhoch verpuffen und umstehenden Menschen Schaden zufügen.
 

Hintergrund

Umweltsituation:

Die Verbrennung von Holz im Lagerfeuer bzw. einer Feuerschale oder im Freien führt zu sehr hohen lokalen Schadstoffemissionen u.a. von Feinstaub, Kohlenmonoxid und organischen Verbindungen, darunter auch krebserzeugende PAKs (Polyzyklische Aromatische Kohlenwasserstoffe), in Bodennähe, die durch unzureichende Verdünnung direkt eingeatmet werden können.

Insbesondere an Tagen mit austauscharmen Wetterlagen führt dies zu einer erheblichen Beeinträchtigung der Luftqualität. So liefert das Verbrennen von Gartenabfällen einen nicht zu vernachlässigenden Beitrag zur Erhöhung der regionalen Hintergrundbelastung in Bezug auf Feinstaub (⁠PM10⁠) und kann daher lokal zur Überschreitung des EU-Tagesgrenzwertes von 50 μg/m³, beitragen. Vor allem wenn viele Lagerfeuer in einer Region gleichzeitig abgebrannt werden, wie durch sogenannte Brauchtumsfeuer oder Brenntage. Darüber hinaus kommt es auch zu einer höheren Belastung mit Feinstaubpartikeln (PM2.5) in den bodennahen Luftschichten (Verbrennung von Gartenabfällen - Landesamtes für Umweltschutz Sachsen-Anhalt 2009/2011).

Durch seine geringe Größe kann Feinstaub beim Einatmen über die Lunge bis in den Blutkreislauf gelangen und so Ihre Gesundheit auf vielfältige Weise beeinträchtigen. Folgen können lokale Reizungen oder Entzündungen der Atemwege, aber auch systemische Krankheiten wie verstärkte Plaquebildung der Blutgefäße bis hin zum Schlaganfall oder Herzinfarkt sein. Feinstaub ist krebserregend und steht außerdem im Verdacht, Diabetes mellitus Typ 2 zu fördern. Zusammenhänge zu neurologischen Erkrankungen wie Demenz oder Morbus Parkinson werden diskutiert. Schwangere, Kinder, alte oder kranke Personen sind besonders anfällig für gesundheitliche Schäden durch Feinstaub- und Schadstoffbelastung.

Gesetzeslage:

Trotz der klaren Vorgaben im Kreislaufwirtschaftsgesetz (KrWG) hinsichtlich des Verwertungsgebots (Vorrang der Verwertung von Abfällen vor deren Beseitigung nach § 7 KrWG) und hinsichtlich der Überlassungspflicht von Abfällen, die im privaten Rahmen nicht verwertet werden können (§ 17 „Überlassungspflichten“), gibt es aufgrund der Ausnahmeregelung nach § 28 Absatz 3 KrWG („Ordnung der Abfallbeseitigung“) keine bundeseinheitlichen Vorgaben zur Beseitigung von pflanzlichen Abfällen. Den Bundesländern ist die gesetzliche Möglichkeit eingeräumt, vom Grundprinzip der Abfallbeseitigung nach § 28 Absatz 1 KrWG Ausnahmen zu regeln, dass und wie bestimmte Abfälle oder auch nur bestimmte Mengen dieser Abfälle außerhalb von Abfallbeseitigungsanlagen beseitigt werden dürfen. Fast jedes Bundesland, mit Ausnahme von Bremen und Berlin, hat eine entsprechende Landesverordnungen über die Entsorgung von pflanzlichen Abfällen außerhalb von Abfallentsorgungsanlagen erlassen. Die Regelungen variieren jedoch von Bundesland zu Bundesland. Einige Bundesländer verbieten das Verbrennen von pflanzlichen Abfällen auf dem eigenen Grundstück oder dem freien Feld generell, andere Bundesländer machen diese Art der Abfallbeseitigung von bestimmten Faktoren abhängig oder fordern sogar eine Anzeigepflicht gegenüber der zuständigen Abfallbehörde. Insoweit ist es unumgänglich, sich über die länderspezifischen Bestimmungen vorab zu informieren, um Verstöße, die mit einer Ordnungswidrigkeit nach § 69 Absatz 1 Nummer 8 KrWG geahndet werden können, zu vermeiden.

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 Lagerfeuer  Gartenabfälle  Belastung mit Schadstoffen  Polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe  Feinstaub  Holzverbrennung