Anpassung: Handlungsfeld Boden

frisch bestellte Ackerfurchezum Vergrößern anklicken
Die verschiedenen Auswirkungen des Klimawandels beeinflussen Eigenschaften und Funktionen des Bodens
Quelle: joeEsco/photocase.com

Böden mit all ihren für das Leben notwendigen Funktionen sind eine wichtige nicht erneuerbare Ressource und als CO2-Speicher ein unverzichtbarer Bestandteil für Klimaschutzbemühungen. Anpassungsmaßnahmen müssen darauf ausgerichtet sein, den Boden vor Erosion, Humusverlust und anderen klimabedingten Risiken zu schützen.

Ökosystemare Maßnahmen

Maßnahmen des ⁠Ökosystem⁠-Ansatzes bestehen darin, Böden nachhaltig zu schützen und naturnah zu erhalten. Vor allem eine nachhaltige und gute landwirtschaftliche Praxis ist hierbei von Bedeutung, da die Landwirtschaft den flächenmäßig größten Eingriff in den Naturhaushalt darstellt. Mehr als die Hälfte der Fläche Deutschlands wird landwirtschaftlich genutzt.

Durch eine klimasensible Sorten- und Artenauswahl sowie angepasste Fruchtfolgen, Aussaattermine, Düngung, Bodenbearbeitungs- und Bestellverfahren kann die Landwirtschaft zum Bodenschutz beitragen. Beispielsweise kann eine standortangepasste Fruchtfolge für eine kontinuierliche Bodenbedeckung über das Jahr hinweg sorgen. Eine dauerhaft pfluglose, konservierende Bodenbearbeitung erhält das natürliche Bodengefüge und vermindert die Erosions- und Verdichtungsgefährdung.

Ein flächendeckendes Erosions-⁠Monitoring gibt es in Deutschland bislang nicht. Das Bodenerosionsmonitoring, das auf vorhandenen Bodendauerbeobachtungsflächen (BDF) in einzelnen Bundesländern durchgeführt wird, ist das einzige länderübergreifende Messnetz zur langfristigen Erfassung der Bodenerosion in Deutschland. Vorgehensweise und Intensität sind dabei nicht einheitlich. Trotz des Fehlens repräsentativer Monitoringdaten können auf Bundesebene anhand von Modellierungen Gefährdungspotenziale abgeleitet werden.

Besonders wichtig ist die Bewahrung des Humusgehalts. Humus ist ein wichtiges Speichermedium für Nährstoffe und Wasser und reduziert die sommerliche Austrocknung der Böden. Darüber hinaus speichert der Boden Kohlenstoff im Humus und senkt dadurch den Anteil des klimarelevanten Treibhausgases Kohlenstoffdioxid in der ⁠Atmosphäre.

Landnutzungsänderungen und eine nicht nachhaltige Nutzung und Bewirtschaftung tragen dazu bei, dass Böden ihre Kohlenstoffsenkenfunktion verlieren und sich zur Quelle für Treibhausgase entwickeln. Moorböden sind dabei „hot spots“, denn das Speicher-und Freisetzungspotenzial aus organischen Böden ist deutlich höher und anhaltender als aus mineralischen. Darüber hinaus sind auch die hydromorphen Mineralböden (durch Grundwasser geprägte Böden: Gleye, Marschen, Aueböden) von besonderer Relevanz. Ein entscheidender Beitrag sowohl zum ⁠Klimaschutz⁠ als auch zum Bodenschutz besteht darin, die C-Senkenfunktion der Böden so weit wie möglich zu erhalten,wiederherzustellen oder nachhaltig zu verbessern.

Von hoher Relevanz für den Klimaschutz ist der Erhalt von Moorböden und Grünland. Durch Grünlandumbruch wird ein erheblicher Teil des im Boden gespeicherten Kohlenstoffs in Form von Treibhausgasen in die Atmosphäre freigesetzt. Zudem sind für Böden unter Grünland sowohl die Gefahren einer Austrocknung als auch eines Bodenabtrags durch Wasser und Wind deutlich reduziert. Bei Starkniederschlägen kann das Niederschlagswasser in ständig bewachsene Grünlandböden besser eindringen.

Die Grünlandfläche in Deutschland hat sich zwischen 1991 und 2013 verringert und steigt seit 2014 leicht an. Seit 2015 gibt es aufgrund von EU-Richtlinien das Dauergrünlanderhaltungsgebot, nach dem die Umwandlung von Dauergrünland in Ackerland grundsätzlich nur nach Genehmigung erlaubt und überwiegend nur noch möglich ist, wenn dafür an anderer Stelle neues Dauergrünland angelegt wird. In Gebieten, die nach der ⁠Fauna⁠-⁠Flora⁠-⁠Habitat⁠-Richtlinie (FFH-Gebiete) ausgewiesen sind, gilt für Dauergrünland sogar ein striktes Umbruch- und Umwandlungsverbot. Neu angelegtes Grünland hat allerdings nicht dieselbe Bedeutung für den Klimaschutz oder die Artenvielfalt, da dies in der Regel artenarm ist.

Technische Maßnahmen

Fahrzeuge und Maschinen in der Land- und Forstwirtschaft sowie in der Bauindustrie sind in den letzten Jahrzehnten immer leistungsfähiger und zumeist auch schwerer geworden. Rollen Fahrzeuge oder Maschinen über Böden, wird je nach Gewicht ein Druck erzeugt. Ist der Druck unter den Reifen größer als die Stabilität des Bodens, werden die Bodenpartikel dichter zusammengedrückt. Die Verdichtung des Bodens beeinflusst die Bodenqualität. Einerseits verringern sich die landwirtschaftlichen Erträge, andererseits verschlechtern sich die Lebensbedingungen für die Bodenorganismen, außerdem kann die Versickerung von Regenwasser in den Boden eingeschränkt werden.

Fahrzeuge und Geräte, die über offene Böden fahren, können derart angepasst werden, dass sich die Gesamtmasse und der spezifische Flächendruck besser verteilen und dadurch die Tragfähigkeit der Böden weniger strapaziert wird. Eine mögliche Maßnahme ist der Gebrauch von breiten Reifen mit niedrigem Reifeninnendruck und großer Aufstandsfläche. Außerdem ist der Einsatz von leichteren Maschinen mit weniger Zuladungsmasse förderlich für den Bodenschutz.

Verbessern lässt sich die Stabilität des Bodens ebenfalls, indem die Bearbeitungstiefe und Bearbeitungsintensität reduziert wird. So trägt ein pflugloses Lockern des Bodens nicht nur dazu bei, das intakte Bodenleben zu erhalten, sondern auch eine stabile Bodenstruktur zu konservieren. Zudem spart die pfluglose Bodenbearbeitung Spritkosten und trägt zur Vermeidung von Bodenerosion bei, da schützende Erntereste auf der Bodenoberfläche verbleiben. 

Geeignete Anpassungsmaßnahmen müssen sowohl auf regionaler als auch lokaler Ebene getroffen werden.

Rechtliche, politische und Management-Maßnahmen

Um den Boden zu schützen, ist es wichtig, die Bodenschutzpolitik stärker auf bodenbezogene ⁠Klimaschutz⁠- und Anpassungsmaßnahmen auszurichten. Dazu gehört auch, die Klimaschutzfunktion der Böden stärker in Gesetzen sowie bei Planungs- und Genehmigungsverfahren zu berücksichtigen.

Zahlreiche spezifische Maßnahmen können den Bodenschutz stärken. Hier einige ausgewählte Beispiele:

  • Schutz von Böden, insbesondere solchen mit sehr hohem C-Speichervermögen bzw. hohem C-Vorrat vor Überbauung im Rahmen von Planungs- und Genehmigungsverfahren
  • nachhaltige Nutzung von Ackerflächen, insbesondere durch:
    Sicherstellung einer ausgeglichenen Humusbilanz;
    Vermeidung des Verlustes organischer Substanz infolge von Wasser- und Winderosion;
    Vermeidung von Bodenschadverdichtungen.
  • Grünlandflächen können durch Aufnahme in entsprechende Förderprogramme und gesetzliche Regelungen dauerhaft als ⁠CO2⁠-Speicher geschützt und erhalten werden.
  • Die Reduzierung des Flächenverbrauchs bei der Siedlungs- und Verkehrsentwicklung sowie Flächenentsiegelung tragen dazu bei, dass Böden für die Versickerung von Regenwasser freigehalten werden und das Hochwasserrisiko abnimmt.
  • Die Entsiegelung und Rekultivierung trägt zu einem verbesserten Stadtklima bei.
  • Flächenreserven in bebauten Ortsteilen können zur Erhaltung des Biomasseproduktionspotenzials und der CO2-Speicherfunktion von Böden beitragen.
  • Flächen mit keiner oder nur geringer Vegetation können in Ausgleichsflächen für Bauvorhaben oder in städtische Grünflächen umgewandelt werden.
  • Die Flächennutzungsplanung sollte Moore sichern und entwässerte Moore, wenn möglich, regenerieren.

Da Anpassungsstrategien eine fundierte Informationsgrundlage voraussetzen, müssen weitere Kenntnisse zu Möglichkeiten der Klimaanpassung im Bereich Boden gewonnen werden. Um die Folgen des Klimawandels auf Bodenfunktionen beurteilen zu können, sind zudem Informationen zu Boden, ⁠Landnutzung⁠ und regionalen Klimaänderungen notwendig. Ein klimawandelbezogenes Bodenmonitoring könnte hier eine wichtige Informationsquelle sein. Vor diesem Hintergrund ist im 2. Fortschrittsbericht zur ⁠DAS⁠ verankert, dass eine Umsetzung und langfristige Etablierung eines ⁠Klimafolgen⁠-Bodenmonitoring-Verbunds erfolgen soll. Das Ziel dieses Instruments ist eine bundesweite Erfassung, Überwachung und Dokumentation des Ist-Zustands der Böden in Deutschland sowie der aus dem ⁠Klimawandel⁠ resultierenden Änderungen. Dazu wird der Verbund einen einfachen Zugang zu bodenbezogenen Messdaten für Anwender in Wissenschaft und Verwaltung schaffen und die Aktivitäten der Messstellenbetreiber und Anwender vernetzen und koordinieren.

weitere Quellen: