Maßnahmen gegen Wassererosion
Acker- und pflanzenbauliche Maßnahmen gegen Wassererosion richten sich auf die Erhaltung und den Aufbau einer stabilen Bodenstruktur, die Verhinderung oder mindestens starken Einschränkung der Mobilisierung von Bodenpartikeln bei starken Niederschlägen sowie einer Oberflächenverschlämmung. Hierzu gehören die Minimierung der Zeitspannen ohne Bodenbedeckung durch den Anbau von Zwischenfrüchten, der Anbau von Untersaaten und das Belassen oder der Auftrag einer bodenschützenden Mulchauflage (z. B. Stroh, Erntereste, Mist, Grünschnitt, Kompost). Eine Bodenbedeckung schützt den Boden nicht nur vor dem direkten Aufprall der Regentropfen, sondern durch die Aktivität der Bodenlebewesen werden verschlämmungsmindernde stabile Bodenaggregate erhalten bzw. aufgebaut. Besonders erosionsmindernd wirkt eine flächendeckende Mulchauflage, da sie zusätzlich den Abfluss bremst.
Die Stabilität des Bodens lässt sich verbessern, indem die Bearbeitungstiefe und -intensität reduziert wird. So erhält eine dauerhaft pfluglose, konservierende Bodenbearbeitung das natürliche Bodengefüge und vermindert die Erosionsgefährdung. Der Einsatz schwerer Fahrzeuge und Maschinen kann zu Bodenverdichtungen führen und damit die Versickerung von Niederschlagswasser in den Boden einschränken. Bodenbearbeitungsmethoden können derart angepasst werden, dass sich die Gesamtmasse und der spezifische Flächendruck besser verteilen und dadurch die Tragfähigkeit der Böden weniger belastet wird. Dies kann durch den Gebrauch von breiten Reifen mit niedrigem Reifeninnendruck und großer Aufstandsfläche oder dem Einsatz von leichteren Maschinen erreicht werden.
In Hanglagen gibt es folgende Anpassungsoptionen: eine Bewirtschaftung quer zum Hang, die Anlage quer zum Gefälle laufender abflussbremsender Grünstreifen, Hecken und Wegseitengräben, die Anlage von Kleinterrassen, die Schaffung von Retentionsflächen als Sedimentationsraum im Hangbereich, eine fachgerechte Wasserableitung vom Oberlieger sowie die Dauerbegrünung von besonders erosionsgefährdeten Teilflächen.
Neben diesen technischen Maßnahmen können rechtliche, politische und Management-Maßnahmen zur Vermeidung von Wassererosion beitragen. Die Bodenschutzpolitik sollte auf bodenbezogene Anpassungsmaßnahmen ausgerichtet werden. Für die Klimaanpassung relevante Bodenfunktionen sollten stärker in Gesetzen und bei Planungs- und Genehmigungsverfahren berücksichtigt werden. Die räumliche Planung (z. B. Regionalplanung, Flurneuordnungsverfahren) könnte durch die Ausweisung von Vorranggebieten (z. B. Grünstreifen, Heckenpflanzung) für den Bodenschutz dazu beitragen, Wassererosionsrisiken zu reduzieren. Im Siedlungsgebiet können Flächen mit keiner oder nur geringer Vegetation als Ausgleichsflächen für Bauvorhaben in Grünflächen umgewandelt werden. Konkrete Festlegungen bezüglich der Reduzierung des Flächenverbrauchs und der Flächenentsiegelung bei der Siedlungs- und Verkehrsentwicklung bedürfen ggfs. ebenfalls einer politischen Entscheidung. Ein aktiver Schutz gegen Wassererosion kann darin bestehen, dass besonders gefährdete Flächen zugunsten anderer, weniger erosionsempfindlicher Nutzungen aufgegeben werden (z. B. Anlegen von Dauergrünland, Forst- oder Waldflächen).
Für die Planung konkreter Anpassungsmaßnahmen stellt die Erosionsabschätzung eine wichtige Management-Maßnahme dar. Sie erlaubt eine Abschätzung potenzieller Erosionsschäden sowie der räumlichen Betroffenheit durch den Klimawandel. Ebenfalls von Bedeutung ist der Aufbau eines klimawandelbezogenen Bodenmonitorings, das aussagekräftige Informationen zu Böden, Landnutzungen und regionalen Klimaänderungen bündelt, um Klimafolgen auf Bodenfunktionen besser beurteilen zu können. Im 2. Fortschrittsbericht zur Deutschen Anpassungsstrategie (DAS) ist verankert, dass die Etablierung eines Klimafolgen-Bodenmonitoring-Verbunds erfolgen soll, um Anwender*innen in Verwaltung und Wissenschaft einen einfachen Zugang zu bodenbezogenen Messdaten zu schaffen.