Nutzung von Potentialen in urbanen Räumen zur Kompensation der Auswirkungen des Klimawandels

  • Auf einem gepflasterten Wegesrand wächst blauer Salbei. Der Blick geht nach hinten, wo zwei Gebäude links stehen mit gelben und roten Backsteinen.
    Ein Beispiel für Multifunktionalität
  • Vor einem Gebäude mit roter Fassade und hellgrauen Fensterläden wächst eine farbenfrohe Wildblumenwiese.
    Wildblumenwiese
  • Eine farbenfrohe Wildblumenwiese mit überwiegend weiß, gelben Blüten führt an einer Strasse entlang. Im Hintergrund steht ein Gebäudekomplex aus roten Ziegeln und grau, weißem Fachwerk hinter einer niedrigen Hecke.
    Eine Wildblumenwiese führt entlang der Straße über die Dominsel
  • Im Vordergrund blühen Kräuter in lila. Eine kurze Brücke führt im Hintergrund über das Biotop. Weiter weg stehen Wohnhäuser vor blauem Himmel.
    Trittsteinbiotop am Mühlendamm
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Die Auswirkungen des Klimawandels werden in den nächsten Jahren nicht nur die Lebensbedingungen der Menschen verändern, sondern auch einen Einfluss auf die Lebensräume von Pflanzen und Tieren ausüben.
Mit den Maßnahmen unseres Projektes wollen wir durch die gezielte Förderung von Ökosystemleistungen die Lebensbedingungen der Menschen stabilisieren bzw. verbessern und urbane Räume als Nischen für Pflanzen und Tiere nutzbar machen. Wesentliche Handlungsfelder dabei sind Kompensation des Klimawandels, Klimaschutz, Gesundheitsschutz und Biodiversität und Artenschutz.
So wurden im Projekt Gärten und städtische Flächen in Wildblumenwiesen umgewandelt. Daneben wurden Infotafeln installiert, die die Bedeutung der ökologischen Flächen erläutern sollen. Das Evangelische Gymnasium am Dom zu Brandenburg möchte neben der durchgeführten Umgestaltung des Schulgeländes in Zukunft exemplarisches Umweltlernen auf einer zusätzlichen Fläche mit einem Weinberg, einer Wildholzhecke und einer Streuobstwiese anbieten. Begleitet wird das Projekt durch Öffentlichkeitsarbeit.
Im Rahmen der Arbeit der AG Biodiversität des Evangelischen Domgymnasiums wurde in 2013 die Idee entwickelt, die bisherige Naturschutzarbeit konzeptionell zu strukturieren und inhaltlich zu erweitern. Zu diesem Zeitpunkt übernahm der NABU Regionalverband Brandenburg Havel e.V. (NABU) die Projektleitung. Die Teilnahme an der Mitmach-BUGA (Bundesgartenschau) ermöglichte die Präsentation des Projektes vor einem breiten Publikum. Inzwischen führt der NABU das Projekt im Rahmen der Initiative "Brandenburg summt!" mit über 80 Partnern fort.

Wie wurde die Maßnahme umgesetzt?

Hauptverantwortliche Institution (Maßnahmenträger)NABU Regionalverband Brandenburg Havel e.V.
https://www.nabu-brandenburg-havel-ev.de/
Kooperationspartner

Im Folgenden werden beispielhaft einige Akteurinnen und Akteure sowie Unterstützende genannt. Deren Motivation ist unter dem Download-Link https://www.nabu-brandenburg-havel-ev.de/unsere-bieneninitiative/wettbewerb-naturstadt-2020/ veröffentlicht: Prof. Dr. Ariane Brenssell; Stephan Falk, Geschäftsführer wobra Wohnungsbaugesellschaft der Stadt Brandenburg an der Havel mbH; Hans-Joachim Freund, Geschäftsführer Technologie- und Gründerzentrum Brandenburg an der Havel GmbH; Dipl.-Biol. Christina Grätz; Geschäftsführerin, Nagola Re GmbH; Dirk Heimann, Leiter Bauwesen REWE Markt GmbH - Zweigniederlassung Ost; Dr. Daniel Lauterbach, Botanischer Garten der Universität Potsdam; Tanja Liesegang, Illustratorin des Schildes "Artenvielfalt erwünscht"; Gundula Mertens, Objektmanagerin im Facilitymanagement des Servicebereichs West des Brandenburgischen Landesbetriebs für Liegenschaften und Bauen (BLB); Pfarrer Philipp Mosch, St. Gotthardt- und Christuskirchengemeinde; Dr. Winfried Overbeck, StD i.K., Schulleiter Ev. Gymnasium am Dom zu Brandenburg; Dipl.‐Ing. Hubert Pomplun, Vorstand Naturstiftung Kranichland; Dipl.-Ing. Karsten Spangenberg, Inhaber Planungsbüro Spangenberg in Verbindung mit der WBG Wohnungsbaugenossenschaft Brandenburg eG; Guido Schütz, Marketingleiter Marienbad Brandenburg; Dr. Dietlind Tiemann, MdB

Steuerungsinstrumente

Welches Steuerungsinstrument ist Bestandteil der Maßnahme?Direkte finanzielle Förderung (z.B. Subvention, Zuwendung), Freiwillige Vereinbarung, Kooperation, Informationsbereitstellung und Sensibilisierung
Bitte erläutern Sie die von Ihnen genannten Instrumente und deren Anwendung näher.

Alle durchgeführten Maßnahmen basieren auf freiwilliger Basis und werden insbesondere von den Bürgerinnen und Bürgern im Rahmen ehrenamtlichen Engagements geleistet. Projektbegleitend wurden Veranstaltungen zur Umweltbildung durchgeführt und über den Projektverlauf wurde regelmäßig in den Medien informiert. Die Entwicklung auf den Projektflächen wird kontinuierlich untersucht. Die Pflanzung von Wildblumen, Apfelbäumen und die Beschilderung wurde finanziell gefördert.

Beteiligung und Finanzierung

Welche Personengruppen wurden in die Konzeption und/oder die Umsetzung der Maßnahme eingebunden?Breite Öffentlichkeit

Schulklassen, Hortgruppen, Unternehmen

Welche Formen der Beteiligung fanden statt?

Anwohner unterstützen bei Arbeitseinsätzen wie Wiesenmahd und Pflanzaktionen. Mit Schulklassen und Hortgruppen wurden regelmäßig Pflanzaktionen sowie Seminare in grünen Klassenzimmern durchgeführt. Privatpersonen, private Unternehmen und Einrichtungen des öffentlichen Gemeinwesens stellten Saatgut, Pflanzen und Flächen zur Verfügung.
Im Jahr 2018 fand eine Dialogveranstaltung statt.

Kosten

38.000 €

FinanzierungPrivat

Der überwiegende Anteil der finanziellen Mittel wurde von der Vattenfall Umweltstiftung bereitgestellt.
Die Betreuung der Projektpartner und die jährliche Pflege der NABU-Projektflächen erfolgt durch bürgerschaftliches Engagement.
Für die gepflanzten Wildblumen, für die Apfelbäume und für die Beschilderung standen in 2015 ca. 12.000 EUR und in 2016 und 2019 jeweils ca. 8.000 EUR zur Verfügung.
Zusätzlich beteiligten sich die Projektpartner mit mehr als 10.000 EUR an der Finanzierung. Da insbesondere die größeren Projektpartner unabhängig von dem genannten Projektbudget agieren, liegt keine Kostenkalkulation der Projektpartner vor.

Erfolg und Nutzen

Erfolgt eine systematische Evaluation der Maßnahme?Ja
Bitte beschreiben Sie die Evaluationsmethode

Auf den Projektflächen erfolgt ein regelmäßiges Erfassen der Pflanzenarten. Im Bedarfsfall wird die Mahdhäufigkeit und der Mahdzeitpunkt angepasst.
Zur Überprüfung der Zielerreichung und zur Festlegung weitere Maßnahmen wurden regelmäßig Ortsbegehungen durchgeführt.

Welche Erfolge wurden bis jetzt mit der Maßnahme erreicht?

Die Artenvielfalt im Stadtgebiet wurde nachweislich erhöht. Durch die Extensivierung der Pflege gibt es wesentlich mehr Grün, welches Feinstaub bindet und die Umgebungstemperatur positiv reguliert.

Bringt die Maßnahme Nutzen für weitere Zielsetzungen außer dem Ziel der Anpassung an den Klimawandel?andere Umweltziele: z.B. Erhaltung der biologischen Vielfalt, Luftreinhaltung, Gewässerschutz, Ressourceneinsparung
Erläuterung

Folgende Maßnahmen schützen und erhalten die Biodiversität:
• Betrieb eines kleinen botanischen Gartens, in dem auf fünf Hochbeeten für die Havelregion charakteristische Lebensräume mit deren Artenvielfalt nachgebildet wurden,
• extensive Wiesenmahd 1-2-mal jährlich
• Herstellung von Trittsteinbiotopen und Biotopsverbund
• Baumscheiben mit natürlicher Vegetation, Kleinstlebewesen und Pilzen

Bringt die Maßnahme Nutzen für weitere Zielsetzungen außer dem Ziel der Anpassung an den Klimawandel?Lebensqualität / soziale Ziele: z.B. Erhöhung der Wohnqualität in Städten, Beitrag zu sozialem Ausgleich und sozialer Integration, besondere Berücksichtigung der Interessen benachteiligter Bevölkerungsgruppen
Erläuterung

Die Pflanzen binden Feinstaub und sorgen für Temperaturregulation, was dem Gesundheitsschutz dient.
Zudem wird das Natur-Defizit-Syndrom durch die Förderung der Erlebbarkeit von Natur im Stadtgebiet reduziert.

Bringt die Maßnahme Nutzen für weitere Zielsetzungen außer dem Ziel der Anpassung an den Klimawandel?Klimaschutz: Einsparung von Treibhausgasemissionen oder Entfernung von Treibhausgasen aus der Atmosphäre
Erläuterung

Durch extensive Mahd ein- bis zweimal jährlich wird eine höhere CO2-Bindung im Boden bewirkt.

Welche Hindernisse wurden überwunden?

Welcher Faktor stellt/stellte ein besonderes Hindernis bei der Umsetzung der Maßnahme dar?

Seit Beginn erschwert insbesondere die ablehnende Haltung von Landschaftsarchitekt/-innen und Fachplaner/-innen die Realisierung.
Durch die Erweiterung des Fokus auf Kompensationsmaßnahmen gegen die Auswirkungen des Klimawandels und die zunehmend sichtbaren Erfolge, stellte sich heraus, dass Multifunktionalität und Grüne Urbanität keine Selbstläufer sind und der notwendige Paradigmenwechsel sich erst in der Anfangsphase befindet.
Immer noch werden unnötige Versiegelungen durchgeführt, pflegeintensive Grünflächen angelegt und unterhalten und nicht heimische Pflanzen verwendet.
Ein großes Entwicklungspotential beinhaltet die Vorbildwirkung des öffentlichen Gemeinwesens, die sich aus der Verantwortung für die gesamtgesellschaftliche Entwicklung ergibt.

Lösung

Durch Aufklärung und dem Angebot fachlicher Unterstützung versuchen wir, von unseren Ideen zu überzeugen und verweisen dabei auf den erfolgreichen Projektverlauf.
Des Weiteren ergänzen Öffentlichkeitsarbeit, Vorträge und Exkursionen das Projekt.

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