Lebendige Auen für die Elbe

  • Luftbild Garbe
    Frank Meyer, RANA
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Ziel des Projektes ist es, den artenreichsten und seltensten Lebensraum Mitteleuropas, die naturnahe Aue, zu schützen, auszuweiten und zu vernetzen. Dies setzen wir um, in dem wir die ‚Hohe Garbe‘ an der unteren Mittelelbe revitalisieren, dort neuen Auwald initialisieren, eine Insel im Fluss sowie kleine Gewässer anlegen und schließlich das Gebiet durch die Öffnung eines alten Deiches wieder an die Elbe anschließen. Weiterhin untersuchen wir den Nutzen naturnaher Auen für die Gesellschaft (Ökosystemleistungen), erarbeiten Modelle für den Verbund von Auen in der Region und informieren die Öffentlichkeit über die Bedeutung dieses besonderen Lebensraumes.

Intakte Auen tragen auf vielfältige Weise dazu bei, die Folgen des Klimawandels abzufedern bzw. die Klimaanpassung der Ökosysteme und Arten zu unterstützen: In dem sie bei Hochwasser wie ein Schwamm große Mengen an Wasser aufnehmen, puffern sie Flutspitzen ab und tragen so effektiv zum Hochwasserschutz bei. Da sie das gespeicherte Wasser erst nach und nach wieder abgeben, sorgen sie zudem auch in Trockenperioden für recht stabile Bedingungen. Somit sind sie für zahlreiche Arten, die auf Feuchtlebensräume angewiesen sind, ein wichtiger Rückzugsraum. Auch den infolge des Klimawandels zu erwartenden verstärktes Eintrag von Nähr- und Düngestoffen in Flüsse puffern Auen ab: Böden und Pflanzen nehmen Nitrat und Phosphat in großen Mengen auf - ebenso wie das klimaschädliche Kohlendioxid. Weiterhin bieten intakte Auen wichtige Laichhabitate für viele Fischarten und können so helfen, mit der Flussfischerei eine Ergänzung zur Seefischerei zu etablieren, welche durch den Klimawandel beeinträchtigt wird. Weiterhin sind naturnahe Flüsse und Auen ein wichtiger Freizeit- und Erholungsraum und tragen damit zur Regionalentwicklung bei. Dies ist für die Elbe u.a. von Bedeutung wegen der zu erwartenden veränderten Tourismusströme gen Norden sowie der geringeren Eignung als Bundeswasserstraße infolge veränderter Abflussregime.

Wie wurde die Maßnahme umgesetzt?

Hauptverantwortliche Institution (Maßnahmenträger)BUND-Auenzentrum / BUND-Bundesverband
http://www.bund.net/elbauen
Kooperationspartner

Projektträger: BUND-Auenzentrum / Trägerverbund Burg Lenzen e.V. Projektpartner: BUND Bundesverband, Technische Universität Berlin, Karlsruher Institut für Technologie, BUNDstiftung.

Steuerungsinstrumente

Welches Steuerungsinstrument ist Bestandteil der Maßnahme?Informationsbereitstellung und Sensibilisierung
Bitte erläutern Sie die von Ihnen genannten Instrumente und deren Anwendung näher.

Die Maßnahme wirkt über die Umsetzung in der Fläche: Ein alter Auwald wird erhalten, indem er durch Schlitzung eines alten Deiches wieder regelmäßig überflutet wird; neuer Auwald und weitere Auen-Biotope entstehen und tragen wie oben beschrieben zur Klimaanpassung bei. Die Öffentlichkeit informieren wir umfangreich zum Thema; Entscheidungsträger adressieren wir besonders, um sie zu ähnlichen Projekten anzuregen (z.B.: Info-Tage; Broschüre zur Ökosystemleitung Erholung naturnaher Flussauen).

Beteiligung und Finanzierung

Welche Personengruppen wurden in die Konzeption und/oder die Umsetzung der Maßnahme eingebunden?Grundstücksbesitzer, Kommunen, Landwirte
Welche Formen der Beteiligung fanden statt?

Wichtiger Baustein des Projektes ist die Auenwerkstatt. Hier kommen die Akteure, also Anwohner, Flächeneigentümer, Flächennutzer (Land- und Forstwirte), Kommune, Vertreter der Biosphären und des Naturschutzes sowie Projektträger regelmäßig zusammen. Die Maßnahmen werden u.a. im Gelände vorgestellt, diskutiert, z.T. gemeinsam entwickelt, eine Auenzeitung informiert 1x/Jahr über den Projektstand.

Kosten

Budget einschl. Verlängerung 4.450.000

FinanzierungBund

Erfolg und Nutzen

Erfolgt eine systematische Evaluation der Maßnahme?Ja
Bitte beschreiben Sie die Evaluationsmethode

Die Hochschule für Nachhaltige Entwicklung Eberswalde ist mit der sozioökonomischen Evaluation beauftragt. Dafür führt(e) sie ex-ante und ex-post Evaluierungen u.a. mittels Befragungen der relevanten Akteure durch. Eine naturschutzfachliche Evaluation, vorwiegend durch Externe, ist im Anschluss an das Umsetzungsprojekt vorgesehen.

Welche Erfolge wurden bis jetzt mit der Maßnahme erreicht?

1.) In der 'Hohen Garbe' stehen nun rund 270 Hektar für den Naturschutz zur Verfügung; wir können dort unsere vielfältigen Maßnahmen zur Auenentwicklung umsetzen. Die Flächen werden zur Kernzone des Biosphärenreservates Mittelelbe und unterliegen dann entsprechendem Schutz.
2.) Im Dialog mit den Akteuren vor Ort (Auenwerkstatt) konnten wir gemeinsame Ziele, etwa für das Angelgewässer, erarbeiten.
3.) Der Auen-Clip war beim Festival of Lights in Berlin (2 Mio. Besucher) zu sehen.

Bringt die Maßnahme Nutzen für weitere Zielsetzungen außer dem Ziel der Anpassung an den Klimawandel?andere Umweltziele: z.B. Erhaltung der biologischen Vielfalt, Luftreinhaltung, Gewässerschutz, Ressourceneinsparung
Erläuterung

Das Projekt leistet einen wichtigen Beitrag zum Erhalt der biologischen Vielfalt. Denn viele der Arten, die auf das ständig wechselnde Mosaik aus feuchten und trockenen Lebensräumen sowie auf das Totholz der Hartholzaue angewiesen sind, sind gefährdet und geschützt, etwa Seeadler, Fischotter, Schwarzstorch, Mittelspecht, Rotbauchunke, Azur-Jungfer oder Eichen-Heldbock.

Welche Hindernisse wurden überwunden?

Welcher Faktor stellt/stellte ein besonderes Hindernis bei der Umsetzung der Maßnahme dar?

Das Jahrhunderthochwasser im Sommer 2013 hat zunächst die naturschutzfachlichen Bestandsaufnahmen verzögert. Auch dauerte das Bodenordnungsverfahren länger als geplant. Beides hat u.a. zu einer Verlängerung um 1,5 Jahre (bis April 2019) geführt. Die zunächst bei einzelnen Akteuren vor Akzeptanz der Maßnahmen und der damit z.T. einhergehende verzögerte Erwerb der notwendigen Flächen haben zusätzliche Treffen, Gespräche und Verhandlungen gefordert. Inzwischen sind für alle Bereiche einvernehmliche Lösungen gefunden.

Welche zusätzlichen Konflikte gab es?

Ökonomische Ziele: z.B. Innovation, Erhöhung der Wettbewerbsfähigkeit von Unternehmen oder Regionen
Erläuterung

Damit die Elbe wieder regelmäßig in das Gebiet einströmen kann, mussten viele Flächen aus der land- und forstwirtschaftlichen Nutzung genommen werden.

Lösung

Inzwischen sind dies durch Erwerb und Tausch mehr als die ursprünglich angestrebten Flächen und so ist es möglich, ohne Konflikte neuen Auwald zu initialisieren und die weiteren Maßnahmen umzusetzen.

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