Erfurter Stadtgrün im Klimawandel

  • Fotografie einer Straße. Zwischen Gehweg und Fahrbahn wurden in einem Bepflanzungsstreifen Bäume angepflanzt.
    Pflanzaktion in der Erfurter Oststadt (HeatResilientCity); Quelle: Stadtverwaltung Erfurt, Guido Spohr
  • Fotografie eines Gebäudes, vor dem zwei Bäume neu angepflanzt wurden.
    Pflanzaktion in der Erfurter Oststadt (HeatResilientCity); Quelle: Stadtverwaltung Erfurt, Guido Spohr
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Stadtgrün und insbesondere Bäume haben gerade vor dem Hintergrund des Klimawandels eine nicht zu unterschätzende Bedeutung für Städte. Sie sind ein wesentlicher Bestandteil der Anpassungsstrategie an Klimafolgen im städtischen Raum, unterliegen jedoch gleichzeitig den negativen Auswirkungen der Klimaveränderung.
Unter dem Namen „DAS: SiKEF-BUGA-2021: Stadtgrün im Klimawandel – Erfurter Stadtgrünkonzept – ein Buga 2021-Begleitprojekt“ hat die Stadt Erfurt zwischen 2018 und 2020 im Programm „Förderung von Maßnahmen zur Anpassung an den Klimawandel“ des Bundesumweltministeriums (BMU) in einem geförderten Projekt untersucht, welche Baumarten für einen stabilen Stadtbaumbestand künftig gepflanzt werden können und wie das Stadtgrün zur Abkühlung beitragen kann. Etwa 150 bekannte und bewährte sowie neuartige fremdländische Baumarten wurden zusammengetragen und für verschiedene Stadtquartiere empfohlen. Die Themen Invasivität und Allergenität wurden dabei intensiv diskutiert.
In drei Modellquartieren wurde gezeigt, inwieweit verschiedene Elemente der Begrünung zur Abkühlung in der Stadt beitragen können. Auch rechtliche Regelungen, technische Instrumente und mögliche Anreizsysteme zur Etablierung von mehr Grün in der Stadt standen im Fokus der Untersuchung und wurden u. a. in einer Befragung von deutschen Kommunen ermittelt.
Im Projekt erstellte Pflanzempfehlungslisten werden für alle neuen Bebauungsplanvorhaben genutzt. Auch alle aktuellen Pflanzungen der Stadt Erfurt durch das Garten- und Friedhofsamt folgen bereits den neuen Baumartenempfehlungen sowie den weiteren Hinweisen für Baumpflanzungen (Baumartenmischungen, ausreichend Wurzelraum, Verbindung der Wurzelräume, Bewässerung). Hinsichtlich der Begrünung in Neubauquartieren erfolgen Festlegungen von Gründächern, teilweise in Kombination mit Photovoltaik, sowie Fassadengrün auch als Ergebnis des Projektes in den entsprechenden Bebauungsplänen. Eine Selbstverpflichtungserklärung zum Baumschutz wird mit Bürgerbeteiligung erarbeitet.
Durch Materialien für die Öffentlichkeitsarbeit (Faltblatt und Postkartenserie) sowie eine attraktive Ergebnisbroschüre inklusive der Pflanzempfehlungsliste ist die Anwendung für alle Entscheidenden möglich.
Parallel zum Projekt wurden auf der Fläche des egaparks in Erfurt im Rahmen der BUGA 2021 Klimabaumarten gepflanzt. Im sogenannten Klimawald direkt hinter dem Klimazonenhaus Danakil wurden über 70 Bäume verschiedener Baumarten gepflanzt. Zu allen Baumarten wird erklärt, welche spezifischen besonderen Wirkungen sie haben. Damit wird auch ein Bildungsauftrag erfüllt. Im Anschluss an eines der Musterquartiere des Projekts wurden im Rahmen eines weiteren Projektes der Stadt Erfurt (HeatResilientCity) 50 Klimabäume gepflanzt und die Probleme mit Leitungen im Boden mustergültig gelöst, sodass trotz teilweise unterschrittener Mindestabstände zu Leitungen die Bäume gepflanzt werden konnten.

Wie wurde die Maßnahme umgesetzt?

MaßnahmenträgerStadtverwaltung Erfurt, Umwelt- und Naturschutzamt
http://www.erfurt.de
Kooperationspartner

Thüringer Institut für Nachhaltigkeit und Klimaschutz (ThINK), Fachhochschule Erfurt

Steuerungsinstrumente

Wie erzielen Sie mit Ihrer Maßnahme eine Wirkung?Freiwillige Vereinbarung, Kooperation, Informationsbereitstellung und Sensibilisierung, Planungsinstrument (z.B. Landschaftsplan), Umweltbeobachtung und Erforschung von Folgen des Klimawandels
Bitte erläutern Sie die von Ihnen genannten Instrumente und deren Anwendung näher.

Im Rahmen der Maßnahme wurde mittels der Förderung des Bundes und mit Eigenmitteln untersucht, welche Baumarten unter den Standortbedingungen von Erfurt, inkl. der wahrscheinlich zukünftigen Klimate, langfristig gepflanzt werden können und müssen, um einen vitalen und klimastabilen Stadtbaumbestand zu bilden. Die Umsetzung der Pflanzungen muss zukünftig noch verstärkt werden, um die Anpassung an den Klimawandel in einer sich weiter aufheizenden Stadt realisieren zu können. Im Moment ist eine Selbstverpflichtungserklärung zum Baumschutz in Erfurt in Arbeit.

Beteiligung und Finanzierung

Wurden neben den Kooperationspartnern andere Personengruppen/Institutionen in die Planung/Umsetzung der Maßnahmen eingebunden?Breite Öffentlichkeit, Grundstücksbesitzer, Öffentliche Verwaltung/Politik, Presse, Stadtwerke

Fachwelt

ErläuterungIm Rahmen der Maßnahme fanden sieben Workshops/Informationsveranstaltungen zu verschiedenen Themen statt, zu der die breite Öffentlichkeit, Fachwelt, Stadtpolitik und Presse eingeladen wurde. Es fanden separate Infoveranstaltungen und die Teilnahme an Stadtteilfesten statt. Weiterhin wurde sehr viel über die Presse informiert.
Wie hoch waren die (geschätzten) Kosten für die Umsetzung?

163.000 Euro war das Gesamtbudget der Maßnahme

Mit welchen Mitteln wurde die Maßnahme finanziert?Bund

80 Prozent Förderung durch den Bund, Förderprogramm "Maßnahmen zur Anpassung an den Klimawandel" des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit
20 Prozent kommunale Eigenmittel

Erfolg und Nutzen

Welche Erfolge konnten Sie mit Ihrer Maßnahme erzielen?

Mittels der Maßnahme wurden neben den Bürgerinnen und Bürgern auch die Stadtverwaltung und weitere Institutionen der Stadt für das Thema Stadtgrün, Baumschutz und Klimawandel/Klimaanpassung sensibilisiert. Es stehen konkrete Baumartenvorschläge zur Verfügung, um einen stabilen und resilienten Baumbestand zu etablieren. Weiterhin wurde gezeigt, mit welchen Instrumenten einer Stadtbegrünung Abkühlungseffekte erzielt werden können. Darüber hinaus wurde beleuchtet, welche Planungs- und weiteren rechtlichen Instrumente geeignet sind bzw. verändert werden müssen, um mehr Grün zu etablieren. Es stehen Materialien zur Öffentlichkeitsarbeit und weiteren Sensibilisierung zur Verfügung.

Erzielt die Maßnahme über Klimaanpassung hinaus positive Nebeneffekte?Soziale Gerechtigkeit und Lebensqualität: z. B. Erhöhung der Wohnqualität in Städten, Beitrag zu sozialem Ausgleich oder sozialer Integration, besondere Berücksichtigung der Interessen benachteiligter Bevölkerungsgruppen
Erläuterung

Die Maßnahme zielt ab auf die Erhöhung des Grünanteils in Erfurt und dessen Qualifizierung. In diesem Zusammenhang wird nicht nur das Ziel der Klimaanpassung (Abkühlung) erreicht, sondern werden auch Aspekte wie biologische Vielfalt und physische sowie psychische Gesundheit der Bürgerinnen und Bürger adressiert.

Hindernisse und Konflikte

Gibt es besondere Hindernisse, welche die Umsetzung erschwerten? Welche sind dies und wie gehen Sie damit um? Wichtige Faktoren als Hindernis sind das zur Verfügung stehende Geld zur Umsetzung von (mehr) Stadtgrün, konkurrierende Flächennutzung (Stichwort Innenverdichtung von Städten) und Leitungen im Untergrund.
Lösung

Durch Prioritätensetzung, der Aufklärung der Entscheidenden und dem Aufzeigen und Nutzen von Synergien kann den Hindernissen entgegengewirkt werden.

Wirkt sich die Maßnahme negativ auf andere Bereiche aus?Klimaschutz: Einsparung von Treibhausgasemissionen oder Entfernung von Treibhausgasen aus der Atmosphäre
Erläuterung

Gegebenenfalls können Konflikte mit der Erzeugung von erneuerbaren Energien auftreten - Photovoltaik vs. Gründächer.

Lösung

Hierfür gibt es jedoch Lösungen in der Kombination beider Systeme. Diese werden durch die Maßnahme auch am Rande beleuchtet und erwähnt sowie die Synergien benannt.

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