KlimaWohL - Klimaangepasstes, nachhaltiges Wohnen und Leben im Quartier

  • Digitale Darstellung der hellen Wohnhäuser in Blockform mit Balkone und Grün drum herum.
    Perspektivische Visualisierung des Quartiers
  • geplantes Baugebiet von oben visualisiert, welches in 4 Bereiche aufgeteilt ist
    Plangebiet des Quartiers
  • Personen sitzen am Tisch und tauschen Ideen zum Plangebiet aus, welches an eine Leinwand projiziert ist
    Fachworkshops zu den Themen Freiräume; Bodenmanagement; Wasser, Energie und Mobilität
  • Liste von 20 Punkten zur Klimaanpassung mit Grundriss und Beispielbildern.
    20 KlimaWohL-Punkte des Quartiers "Herzkamp"
  • mehrere Personen versammeln sich vor Containern, um an einer Geländeführung teilzunehmen
    Informationsveranstaltung für Interessierte mit Führungen über das Baugebiet
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- Nominiert für den Blauen Kompass 2020 -

Welche Maßnahmen und Strategien sind erforderlich, damit neu gebaute Wohnsiedlungen ein klimaangepasstes und nachhaltiges Wohnen und Leben ermöglichen? An dieser Fragestellung knüpft das Projekt "KlimaWohl" an.
Aufgabe und Ziel war es, an einem ausgewählten Pilotvorhaben zu erproben, wie Klimaanpassung bei der Entwicklung eines neuen Wohnquartiers systematisch von Beginn an berücksichtigt werden kann. Auf Basis der damit gewonnenen Erkenntnisse sollten ein "Hannover-Modell" und Gestaltungsempfehlungen erarbeitet werden, die Vorbild- und Modellcharakter für andere Projekte in der Landeshauptstadt Hannover sowie auch bundesweit in anderen Kommunen haben. Dabei ging es vor allem um die Entwicklung und den Ausbau von Kooperationen zwischen unterschiedlichen Akteursgruppen, die von der Planungs- über die Bau- bis in die Nutzungsphase hinein relevant sind.
Ausgewähltes Pilotprojekt war das Wohnquartier "Herzkamp". Das Projektgebiet liegt im hannoverschen Stadtteil Bothfeld, einem klimasensiblen Randgebiet der Stadt, durch das eine Kaltluftleitbahn verläuft. Auf rund 9200 Quadratmetern entstehen hier bis 2021 rund 300 Wohneinheiten für sozial gemischte Bevölkerungsgruppen (Eigentums- und Mietwohnungen, Reihenhäuser, geförderter Wohnraum) sowie eine vierzügige Kindertagesstätte, ein Bolzplatz und ein Quartiersplatz, die das neue Quartier an den Stadtteil Bothfeld anbinden. Aufgrund dieser vielfältigen Struktur bot es gute Voraussetzungen, um Akteur*innen aus verschiedenen Bereichen zu beteiligen und zusammenzuführen.
Neben der Begleitung des Bauvorhabens wurden verschiedene Werkstätten mit den Themen: Freianlagen, Energie, Mobilität und Quartiersplatz durchgeführt. Die im Projekt angesetzten Arbeitspakete wurden in Form eines Leitfadens für klimaangepasste Planung als Hilfestellung für Planer*innen, Architekt*innen, Ingenieur*innen und weitere Prozessbeteiligte aus Stadtverwaltung und Unternehmen der Wohnungswirtschaft erarbeitet. Dieses beinhaltet die Phasen Planung und Bau bis hin zur Nutzungs-/Betriebsphase. Im Projektgebiet selbst konnten die in den einzelnen Arbeitspaketen erarbeiteten Maßnahmen zur Klimaanpassung und nachhaltigen Stadtentwicklung in 20 Punkten zusammengefasst werden. Die Punkte lassen sich in die drei Kategorien Klimawandelanpassung, nachhaltige Stadtentwicklung und Klimaschutz (Synergieeffekte) und Planungs- und Umsetzungsprozesse einteilen.

Wie wurde die Maßnahme umgesetzt?

Hauptverantwortliche Institution (Maßnahmenträger)Gundlach GmbH & Co. KG in Kooperation mit der Landeshaupstadt Hannover, Fachbereich Umwelt und Stadtgrün (https://www.hannover.de/)
https://www.gundlach-bau.de/

Steuerungsinstrumente

Welches Steuerungsinstrument ist Bestandteil der Maßnahme?Freiwillige Vereinbarung, Kooperation, Informationsbereitstellung und Sensibilisierung, Planungsinstrument (z.B. Planfeststellungsverfahren)
Bitte erläutern Sie die von Ihnen genannten Instrumente und deren Anwendung näher.

Kooperation: Enge Zusammenarbeit zwischen privaten Bauträgern und kommunale Verwaltungen mit gemeinsamer Planung und Durchführung von Workshops und Informationsveranstaltungen sowie regelmäßigen Arbeits- und Abstimmungstreffen. Informationsbereitstellung und Sensibilisierung und Planungsinstrument: Die Umsetzung erfolgte in Form eines Leitfadens mit Checklisten, Kooperationsformaten sowie Hinweisen zu Stolpersteinen und Erfolgsfaktoren als Hilfestellung für Planer*innen, Architekt*innen, Ingenieur*innen und weitere Prozessbeteiligte aus Stadtverwaltung und Unternehmen der Wohnungswirtschaft von der Planungs- über die Bau- bis in die Nutzungs-/Betriebsphase. Auf diese Weise können Klimaanpassungsmaßnahmen von Beginn an systematisch mitgedacht und so letztlich effizient umgesetzt werden können.

Beteiligung und Finanzierung

Welche Personengruppen wurden in die Konzeption und/oder die Umsetzung der Maßnahme eingebunden?Breite Öffentlichkeit, Grundstücksbesitzer, Kommunen, Stadtwerke

beteiligte Fachplaner*innen, Ingenieur*innen, Architekt*innen, Ortspolitik, Kaufmannschaft und NGOs.

Das Projekt wurde gefördert im Rahmen des Programms: Förderung von Maßnahmen zur Anpassung an die Folgen des Klimawandels, eine Initiative des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit (BMU), Förderquote für Gundlach 50 %, daher 50 % private Mittel eingesetzt sowie daneben 15 % kommunale Mittel (Förderquote LHH 85 %). Flankierend wurden sowohl von der Kommune als auch von Gundlach erhebliche Eigenleistungen erbracht.

Welche Formen der Beteiligung fanden statt?

Sowohl informatorische als auch dialogische Veranstaltungen: z.B. Informationsstände auf dem jährlich stattfindenden Bothfelder Herbstmarkt (3x) mit Führungen über das Baugebiet; Fachworkshops zu den Themen Freiräume/ Bodenmanagement/ Wasser, Energie und Mobilität; Bürgerwerkstatt mit künftigen Bewohner*innen zur klimaangepassten Gestaltung des Quartiersplatzes; Bürgerdialogveranstaltungen

FinanzierungBund, Privat

Das Projekt wurde gefördert im Rahmen des Programms: Förderung von Maßnahmen zur Anpassung an die Folgen des Klimawandels, eine Initiative des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit (BMU), Förderquote für Gundlach 50 %, daher 50 % private Mittel eingesetzt sowie daneben 15 % kommunale Mittel (Förderquote LHH 85 %). Flankierend wurden sowohl von der Kommune als auch von Gundlach erhebliche Eigenleistungen erbracht.

Erfolg und Nutzen

Erfolgt eine systematische Evaluation der Maßnahme?Ja
Bitte beschreiben Sie die Evaluationsmethode

Die klimaökologische Wirkung wird vor, während und nach dem Bauvorhaben untersucht. Dafür wurde bereits vor Beginn der Baumaßnahmen ein Messmast auf dem Gelände errichtet, mit dem ein über den Projektzeitraum hinausgehendes kontinuierliches Monitoring von Temperatur, Wind und Luftfeuchte gewährleistet wird. Übergreifend ist eine Evaluation durch das Folgeprojekt "KlimaWohL*Lab" geplant.

Welche Erfolge wurden bis jetzt mit der Maßnahme erreicht?

Die erzielten Erfolge umfassen quartiersbezogene Maßnahmen zur Klimaanpassung, schließen Synergien mit den Zielen einer nachhaltigen Stadtentwicklung sowie dem Klimaschutz ein und basieren auf einer kooperativen Kultur der Zusammenarbeit. 20 konkrete Maßnahmen hinsichtlich der Klimawandelanpassung, der nachhaltigen Stadtentwicklung und Klimaschutz und des Planungs- und Umsetzungsprozesses wurden bereits erarbeitet und zum Teil umgesetzt. Dabei handelt es sich bspw. um die Freihaltung von Kaltluftleitbahnen, eine 100%ige Regenwasserversickerung, Dachbegrünungen, vorsorgender Bodenschutz und Bau eines Schutzwalls vor Verdichtungen. Es sind keine relevanten Mehrkosten durch Umsetzung der KlimaWohl-Maßnahmen entstanden, weil das Thema Klimaanpassung von Anfang an mitgedacht wurden.

Bringt die Maßnahme Nutzen für weitere Zielsetzungen außer dem Ziel der Anpassung an den Klimawandel?Lebensqualität / soziale Ziele: z.B. Erhöhung der Wohnqualität in Städten, Beitrag zu sozialem Ausgleich und sozialer Integration, besondere Berücksichtigung der Interessen benachteiligter Bevölkerungsgruppen
Erläuterung

Durch die Begleitung des Bauprojektes hinsichtlich der Klimaanpassung und Nachhaltigkeit soll die Wohn- und Lebensqualität der zukünftigen Einwohner*innen erhöht werden. Das Quartier sieht ebenso eine gute soziale Mischung vor, darunter befinden sich Eigentums- und Mietwohnungen, Reihenhäuser und geförderter Wohnraum, vom Single- bis zum Familienhaushalt.

Welche Hindernisse wurden überwunden?

Welcher Faktor stellt/stellte ein besonderes Hindernis bei der Umsetzung der Maßnahme dar?

Besondere Herausforderungen in Wohnbauvorhaben sind die Vielzahl der beteiligten Akteure aus Zivilgesellschaft, Kommune und Privatwirtschaft (Projektentwickler*innen, Planer*innen, Architekt*innen, Ingenieur*innen etc.) mit jeweils unterschiedlichen 'Kulturen' sowie der hohe Kostendruck.

Lösung

Zur Optimierung der Abstimmungsprozesse ist eine übergeordnete und durchgehende Moderation im Hinblick auf die Sensibilisierung der Klimaanpassungsaspekte notwendig. Durch eine frühzeitige Einbindung von Bürger*innen und eine kontinuierliche, kooperative Zusammenarbeit 'auf Augenhöhe' können gemeinsam bestmögliche Erfolge erzielt und damit auch Kosten gespart werden. Dieses Wissen möchten wir in weitere Projekten hineintragen und an andere Kommunen weitergeben.
Zudem eignet sich zur Prozessoptimierung ein Leitfaden, in dem die Belange der unterschiedlichen Fachrichtungen bei Bauprojekten systematisch abgearbeitet und berücksichtigt werden können.

Welche zusätzlichen Konflikte gab es?

Ökonomische Ziele: z.B. Innovation, Erhöhung der Wettbewerbsfähigkeit von Unternehmen oder Regionen
Erläuterung

Die Umsetzung von Klimawandelanpassungsmaßnahmen erfordert oft eine monetäre und auch zeitliche Bereitschaft. Dies konkurriert bei privatwirtschaftlichen Unternehmen mit dem Ziel der Maximierung des Gewinnertrages.

Lösung

Es muss die Bereitschaft vorhanden sein, Geld und Zeit zu investieren. Eine vorrauschauende und klimaangepasste Planung kann zudem zukünftige Kostenersparnis bedeuten, wenn aufgrund des Klimawandels, beispielsweise bei Starkregenereignissen, nachträgliche und aufwändige Schutzmaßnahmen getroffen werden müssen.

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