Handlungsfeld Fischerei

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Der Klimawandel ist ein zusätzlicher Stressfaktor für die Fischbestände in Nord- und Ostsee.
Quelle: Susanne Kambor/KomPass

Der Klimawandel wirkt sich sehr unterschiedlich auf die verschiedenen Bereiche der Natur und Gesellschaft aus. Auch die daraus resultierenden Anpassungsmaßnahmen unterscheiden sich. Mehr zu den Auswirkungen auf die Fischereiwirtschaft und möglichen Anpassungsoptionen lesen Sie hier.

Klimafolgen

Inhaltsverzeichnis

Zusätzlich zu Meeresverschmutzung, Schiffsverkehr und Überfischung wirkt der ⁠Klimawandel⁠ auf die Fischbestände in Nord- und Ostsee. Die zunehmende Erwärmung des Meerwassers und das Abschmelzen großer Süßwasserreservoire, wie in Grönland, aber auch die ⁠Versauerung⁠ der Meere verändern Artenzusammensetzung und Fischereibedingungen. Insbesondere für die Meeresfischerei können die daraus resultierenden wirtschaftlichen Einbußen hoch sein. Betroffen von den Wirkungen des Klimawandels sind auch Binnenfischerei und Fischzucht in Aquakulturen.

 

Auswirkungen des Klimawandels auf das Meer

Die Menschheit hat mit dem zusätzlichen CO2-Eintrag in die ⁠Atmosphäre⁠ Prozesse ausgelöst, die den Zustand der Meere vermutlich über Jahrtausende bestimmen werden. Einige der Wirkungen sind bereits heute zu beobachten – beispielsweise der Anstieg des Meeresspiegels, die Erwärmung des Oberflächenwassers und die ⁠Versauerung⁠ des Meerwassers. Neu ist dabei die globale Dimension der Veränderungen. Mit den Ozeanen und ihren natürlichen Ressourcen sind wichtige Lebensgrundlagen der Menschheit bedrohen. Die Meere sind unter anderem eine Quelle für ⁠Biodiversität⁠ und Nahrungsbeschaffung. Die Küsten sind Siedlungsraum für viele Millionen Menschen.

Für Deutschland besonders relevant sind die Änderungen in der Nord- und Ostsee. Deren Meerwasser wird sich aufgrund des anhaltenden Klimawandels in Zukunft weiter erwärmen. Für den Zeitraum von 1969 bis 2017 ergibt sich bereits eine Zunahme der mittleren jährlichen Oberflächentemperatur der Nordsee von 1,3 Grad. Für die westliche Ostsee ist die mittlere Jahrestemperatur seit 1982 um 0,6 Grad je Dekade gestiegen, wobei die stärkste Erwärmung im Sommer stattfand. Die absolute Erwärmung der Ostsee im Zeitraum von 1980 bis 2015 liegt für die westliche Ostsee bei 1,6 Grad an der Oberfläche sowie bei 1,9 Grad in 20 Meter Tiefe.

Je nach ⁠Klimaszenario⁠ wird die Lufttemperatur in der Ostseeregion künftig um 2 bis 4 Grad wärmer werden. Diese Veränderungen spiegeln sich auch in den Wassertemperaturen wider, die bis zum Ende des Jahrhunderts an der Oberfläche im Mittel um 2 bis 3 Grad wärmer sein werden. Sommerliche Oberflächenwassertemperaturen über 18 Grad Celsius könnten bis zu einem Monat länger auftreten als heute.

Allein der Temperaturanstieg hat bereits zu Verschiebungen des Artenvorkommens und damit zu einer Veränderung mariner Ökosysteme geführt. Der Lebensraum der kälteliebenden Arten könnte sich in Richtung Pole verschieben und in der Folge verringern. Auch können Sauerstoffmangelsituationen durch vom ⁠Klimawandel⁠ verursachte Temperaturerhöhungen verstärkt werden. Eine weitere Konsequenz könnte ein ⁠Trend⁠ zu geringeren Körpergrößen von Fischarten sein, was sich wiederum negativ auf ihr Reproduktionspotential auswirken könnte.  Die Bestände selbst und auch ihre Verbreitung werden sich verändern – sowohl kommerziell bedeutender als auch nicht kommerziell genutzter Fischarten. Bereits stark befischte und überfischte Bestände könnten empfindlicher reagieren und das Fischereimanagement vor noch größere Schwierigkeiten als bisher stellen. 

Ein steigender Gehalt an CO2 in der Atmosphäre bedeutet, dass auch der CO2-Gehalt im Wasser ansteigt, da Kohlendioxid aus der Luft vom Wasser aufgenommen wird. Im Wasser führt CO2 dazu, dass sich der pH-Wert ändert und das Wasser saurer wird.  Als Kohlenstoff-Speicher haben die Ozeane bisher etwa ein Drittel des Kohlendioxids aufgenommen, das seit Beginn der Industrialisierung durch menschliche Aktivitäten in die Atmosphäre gelangte. Dadurch ist der durchschnittliche pH-Wert der Meeresoberfläche von 8,2 auf 8,1 gesunken. Dieser kleine Schritt auf der logarithmischen pH-Skala entspricht bereits einem Anstieg des Säuregehalts um 30 Prozent. 

Aufgrund dieser sich wandelnden Umweltbedingungen verändern sich Fischbestände und Populationen anderer Meeresorganismen. So kann sich durch Klimaänderungen die zeitliche Synchronisation bestimmter Entwicklungsphasen auflösen, so dass zum Beispiel Fischlarven nicht mehr auf entsprechendes Nahrungsangebot treffen. Insgesamt ist zu erwarten, dass sich bekannte Nahrungsnetze und Konkurrenzsituationen ändern werden.

Anthropogene Stressfaktoren wie Überfischung, Schiffsverkehr oder Schadstoffe im Wasser haben nachweislich negative Auswirkungen auf die Meeresfauna. Die Klimafolgen sind daher teilweise nicht genau bestimmbar oder von den anderen Faktoren abzugrenzen.

 

Meeresgebiete (Nordsee, Ostsee)

Aufgrund der zu erwartenden Erwärmung ist es absehbar, dass sich die Lebensbedingungen für kälteliebende Arten besonders in der südlichen Nordsee wie in der Ostsee insgesamt verschlechtern, während wärmeliebende Arten verstärkt aus dem Süden einwandern könnten.

In der Nordsee führt die zunehmende Erwärmung zu einer Verschiebung der Lebensräume kälteliebender heimischer Fischpopulationen nach Norden, beispielsweise bei Kabeljau und Scholle. Für den Kabeljau gewinnt so unter anderem die Barentssee als Lebensraum verstärkt an Bedeutung. Es gibt aber auch Arten, die nicht gleich nach Norden abwandern, sondern versuchen, mit den sich verschlechternden Bedingungen zurechtzukommen.

Andere Meerestiere verfügen dagegen über eine geringere Anpassungsfähigkeit gegenüber dem Klimawandel. Ihre Bestände werden in Folge der wärmeren Winter voraussichtlich deutlich zurückgehen, weil zum Beispiel Reproduktionszyklen oder Räuber-Beute-Beziehungen gestört werden.

Begünstigt durch die Erwärmung des Wassers wandern zunehmend neue Arten in die Nordsee ein, die bisher eher in südlicheren Meeresgebieten beheimatet waren.  Analysiert man die Fangergebnisse der letzten bis zu 30 Jahre, stellt man fest, dass immer häufiger bestimmte südeuropäische Arten mit Herkunft aus dem portugiesischen Meeresgebiet in den Fängen aufgetaucht sind. Die milden Winter ermöglichen einigen südlichen Fischarten, auch in der Nordsee zu überwintern und sich fortzupflanzen.

Das Brackwassermilieu der Ostsee, in dem sich Süß- und Salzwasser mischen, stellt besondere Anforderungen an die dortige Lebensgemeinschaft. Es haben sich aufgrund dieser Bedingungen störungsanfällige ökologische Gleichgewichte eingestellt. Schon geringfügige Änderungen der Temperatur-, Salz- oder Sauerstoffverhältnisse können zu einer deutlichen Verschiebung der Artenzusammensetzung führen.

 

Auswirkungen des Klimawandels auf Binnenseen

Die Klimaerwärmung hat die Seeökosysteme sichtbar verändert. Neben direkten gibt es eine Vielzahl auch indirekter Effekte, die wesentlich zu Veränderungen von Seen beitragen.

Zu den direkten Effekten gehört, dass mit der höheren Lufttemperatur die Temperatur des Oberflächenwassers zunimmt. Das winterliche Eis geht zurück oder bleibt ganz aus. Die höheren Wassertemperaturen ändern zudem die thermische Struktur von Seen.

Beide Effekte zusammen ziehen indirekte Effekte wie veränderte Licht-, Sauerstoff- und Nährstoffverhältnisse mit. Das wirkt sich oftmals stärker auf die Entwicklung des Phytoplanktons und die Struktur von Nahrungsnetzen aus als die direkt von der Temperatur verursachten Veränderungen.

Durch die Klimaerwärmung ist zu erwarten, dass auch die Sauerstoffkonzentration in Seen sinkt. Die höheren Wassertemperaturen verursachen einen höheren Sauerstoffverbrauch – zugleich können durch eine geringere Durchmischung des Wassers Zonen entstehen, in denen der Sauerstoff nicht mehr rechtzeitig durch die einsetzende Zirkulation aufgefüllt wird. So können sich sauerstofffreie Zonen bilden.

Werden die Winter zukünftig milder und die Eisbedeckung geringer, verbessert sich wiederum die Sauerstoffversorgung und Fischsterben nehmen ab. Andererseits können solche milden Winter in sehr tiefen Seen eine tiefgehende Durchmischung und damit die Sauerstoffversorgung im Tiefenwasser verhindern. Dieses Sauerstoffdefizit im Tiefenwasser wird dann vom Winter in den folgenden Sommer übertragen, wodurch sich die sauerstoffarmen Bereiche noch weiter ausbreiten.

 

Binnenfischerei

In der Binnenfischerei spielen die Auswirkungen des Klimawandels bisher eine gegenüber anderen Einflussfaktoren, wie die touristische Nutzung der Gewässer, eine untergeordnete Rolle. Langanhaltende Trockenperioden, die eine Folge des Klimawandels sind, bedrohen in zunehmend erkennbarem Maße in Klein- und Kleinstgewässern vorkommende Großmuschel-, Krebs- und Kleinfischpopulationen. Ähnlich ist es in der Aquakultur, auch wenn hier die durch den ⁠Klimawandel⁠ beeinflussten Wassertemperaturen, die Dauer der Eisbedeckung der Winterteiche und die Wasserdurchflussmengen als wichtige Einflussgrößen für die Produktion gelten.

Für die Zukunft schließen Experten nicht aus, dass der Klimawandel einen zunehmenden Einfluss auf die Fischbestände, die Ertragsbedingungen und die Erträge der Binnenfischerei haben wird. So haben beispielsweise wärmeliebende Arten, die über den Schiffsverkehr auf Kanälen verbreitet werden, bei steigenden Wassertemperaturen bessere Etablierungsmöglichkeiten. Für wärmeliebende Arten wie den Karpfen könnten sich die Konkurrenzbedingungen verbessern, während sich für die Bachforelle und andere Arten, die nur in einem engen Bereich niedriger Temperatur existieren können, bei steigenden Wassertemperaturen die Lebensräume einschränken dürften.

Mit einer ausreichenden Wasserversorgung und ggf. technischer Unterstützung bei der Sauerstoffversorgung könnte die Karpfenteichwirtschaft („Warmwasserteiche“) künftig grundsätzlich von der Erhöhung der Wassertemperaturen profitieren. Für den Wasserhaushalt einer Landschaft bieten großflächige Erdteiche zudem eine Möglichkeit zur Wasserrückhaltung nach Starkregenereignissen. 

Anpassung

Der ⁠Klimawandel⁠ verändert die Lebensräume in den Meeren und Binnenseen. Er birgt somit auch ökonomische Risiken für die Fischerei. Eine nachhaltige Ausrichtung der Fischerei sowie die Umsetzung von Meeresschutz-Maßnahmen können die betroffenen Ökosysteme entlasten und deren ⁠Resilienz⁠ erhöhen. Werden frühzeitig die fischereilichen und naturschutzfachlichen Maßnahmen angepasst, besteht die Chance, die Zukunft der Fischerei langfristig zu sichern.

Technische Maßnahmen in der Seefischerei

Es gibt verschiedene technische Möglichkeiten, die Fischereiwirtschaft nachhaltiger zu gestalten. Selektive Fangtechniken, wie vorgegebene Maschengrößen bei Netzen, tragen dazu bei, Jungtiere und Arten, die gar nicht gefangen werden sollen, vor der unbeabsichtigten Entnahme aus dem Gewässer zu schützen. Neue Regeln in der EU-Fischereipolitik bezüglich Beifang oder Fischereiüberwachung unterstützen diese Entwicklung.

  • Beifänge kommerziell genutzter Arten dürfen seit 2019 nicht mehr zurück ins Meer geworfen werden. Für bestimmte Arten sind jedoch Ausnahmeregelungen möglich.
  • Eine effektivere Überwachung der Fischerei (zum Beispiel durch automatische Ortung und Identifizierung der Schiffe) sowie die Schaffung abschreckender Strafmaßnahmen bei Verstößen sind vorgesehen.
  • Außerdem wird künftig die Modernisierung kleinerer Fischereifahrzeuge vorrangig finanziell gefördert.

So sollen Störungen im marinen Lebensraum verringert werden; gefährdete Arten würden nicht zusätzlich durch Beifänge dezimiert werden.

Ein Echtzeit-⁠Monitoring⁠ der Fänge könnte die Einrichtung von Schongebieten und -zeiten unterstützen. Saisonale und gebietsbezogene Einschränkungen für die Fischerei könnten so gut begründet werden.

Ökosystemare Maßnahmen für Binnengewässer und -fischerei

Ökosystemare Maßnahmen sind notwendig, um die natürlichen Lebensräume vieler Fischarten zu erhalten, wiederherzustellen und langfristig zu stabilisieren. Durch die Einrichtung von Naturschutzgebieten und Ruhezonen kann die Widerstandsfähigkeit der Bestände gegenüber Klimaänderungen erhöht werden.

Das Vernetzen von durchwanderbaren Fließgewässern wie Bächen und Flüssen trägt dazu bei, die biologische Vielfalt von Fischen und Kleinlebewesen zu erhalten. Eine Renaturierung natürlicher Gewässer-, Ufer- und Sohlstrukturen fördert dabei gute Laichbedingungen und schafft Lebensräume für heimische, gewässertypische Fische. Mithilfe von Wiederbesiedlungen können außerdem gefährdete Fischarten erhalten und gewässertypische Fischbestände geschützt werden.

Die Nutzung von Anpassungsstrategien kann erhebliche Investitionen notwendig machen. Dies könnten in der Fangfischerei beispielsweise die Umstellung auf andere Zielfischarten und in der Aquakultur angepasste Verfahren sein, um die Abhängigkeit von Niederschlagswasser zu verringern. Im Binnenbereich - und hier vor allem in der Aquakultur - wird es künftig entscheidend sein, ganzjährig eine ausreichende Wasserversorgung zu gewährleisten. Es ist daher erforderlich, wassersparende Verfahren weiterzuentwickeln. Auch Bemühungen um Durchgängigkeit der Fließgewässer oder Vergrößerung der ⁠Gewässerrandstreifen⁠ erhöhen grundsätzlich die ökologische und klimatische ⁠Resilienz⁠ bzw. die Widerstandsfähigkeit aquatischer Ökosysteme.

Rechtliche, politische und Management-Maßnahmen

Die Veränderung des marinen Fischfangpotentials in höheren Breiten schafft zunächst auch neue Chancen für die Fischerei. Um daran teilzuhaben, müsste das Fischereimanagement derartige Möglichkeiten rechtzeitig in die Bestandsbewirtschaftung einbeziehen und die Kapazitätsanpassung der Flotte angehen.

Die Auswirkungen des Klimawandels auf die Fischerei lassen sich noch nicht quantitativ prognostizieren. Hierzu bedarf es noch eines erheblichen Forschungsaufwands, auch um konkrete Handlungsoptionen abzuleiten. Teil dessen ist eine genaue Beobachtung räumlicher Verschiebungen von Fischbeständen und Änderungen der Artengemeinschaften.

Im Rahmen des „German Small-scale Bottom Trawl Survey“ (GSBTS) werden in festgelegten Gebieten der Nordsee jährlich standardisierte Fänge durchgeführt. Sie dienen dem Ziel, die natürliche Variabilität der Fangraten diverser Fischarten abzuschätzen und mittel- bis langfristige Veränderungen in den Fischgemeinschaften zu erfassen.

Auf Basis einer guten Datengrundlage ist es möglich, nachhaltige Bewirtschaftungs- und Wiederauffüllpläne für Fischbestände zu entwickeln, die deren klimabedingte Veränderungsprozesse und Anfälligkeiten adäquat berücksichtigen. Die Managementpläne sollten hierfür angepasste Fangquoten und Schonzeiten umfassen und auch Nichtzielarten berücksichtigen. Zusätzlich gilt es, klimabedingte Ausfälle einzubeziehen und in den Bewirtschaftungsplänen festzulegen, wann bei Bestandsrückgängen einzugreifen ist. Die Pläne sind kontinuierlich zu überprüfen und gegebenenfalls zu aktualisieren.

Gezielte behördliche Kontrollen auf nationaler und europäischer Ebene sind notwendig, um die Einhaltung der Fischereivorschriften zu gewährleisten, sowohl auf See als auch im Hafen. Zusätzlich ist es wichtig, die internationale Überwachung des Fischfangs und die Vergabe von Quoten für die Fischerei weiterzuentwickeln.

Ein entscheidender Meilenstein auf dem Weg zu einer ökosystemgerechten Fischerei ist die Umsetzung von Fischereimanagementmaßnahmen in den Naturschutzgebieten der deutschen ausschließlichen Wirtschaftszone (AWZ). Die Maßnahmen sind so zu gestalten, dass negative Auswirkungen der Fischerei auf geschützte Arten und Lebensräume vermieden werden. Die Meeresschutzgebiete dienen primär dem Schutz bedrohter Arten und Lebensräume. Bei Umsetzung entsprechender Managementmaßnahmen könnten sie gleichzeitig als Rückzugsräume und letztendlich auch als Erholungsgebiete für bedrohte und überfischte Bestände wirken. Allerdings sind derartige fischereiliche Maßnahmen in den deutschen Meeresschutzgebieten bislang nur in sehr geringem Umfang realisiert worden.