Anpassung: Handlungsfeld Fischerei

Fische schwimmen im Wasserzum Vergrößern anklicken
Der Klimawandel ist ein zusätzlicher Stressfaktor für die Fischbestände in Nord- und Ostsee.
Quelle: Susanne Kambor/KomPass

Der Klimawandel verändert Lebensräume und birgt so auch ökonomische Risiken für die Fischerei. Eine nachhaltige Ausrichtung der Fischerei sowie die Umsetzung von Meeresschutz-Maßnahmen können die betroffenen Ökosysteme entlasten. Werden frühzeitig die fischereilichen und naturschutzfachlichen Maßnahmen angepasst, besteht die Chance, die Zukunft von Fischereibetrieben langfristig zu sichern.

Der ⁠Klimawandel⁠ verändert die Lebensräume in den Meeren und Binnenseen. Er birgt somit auch ökonomische Risiken für die Fischerei. Eine nachhaltige Ausrichtung der Fischerei sowie die Umsetzung von Meeresschutz-Maßnahmen können die betroffenen Ökosysteme entlasten und deren ⁠Resilienz⁠ erhöhen. Werden frühzeitig die fischereilichen und naturschutzfachlichen Maßnahmen angepasst, besteht die Chance, die Zukunft der Fischerei langfristig zu sichern.

Technische Maßnahmen in der Seefischerei

Es gibt verschiedene technische Möglichkeiten, die Fischereiwirtschaft nachhaltiger zu gestalten. Selektive Fangtechniken, wie vorgegebene Maschengrößen bei Netzen, tragen dazu bei, Jungtiere und Arten, die gar nicht gefangen werden sollen, vor der unbeabsichtigten Entnahme aus dem Gewässer zu schützen. Neue Regeln in der EU-Fischereipolitik bezüglich Beifang oder Fischereiüberwachung unterstützen diese Entwicklung.

  • Beifänge kommerziell genutzter Arten dürfen seit 2019 nicht mehr zurück ins Meer geworfen werden. Für bestimmte Arten sind jedoch Ausnahmeregelungen möglich.
  • Eine effektivere Überwachung der Fischerei (zum Beispiel durch automatische Ortung und Identifizierung der Schiffe) sowie die Schaffung abschreckender Strafmaßnahmen bei Verstößen sind vorgesehen.
  • Außerdem wird künftig die Modernisierung kleinerer Fischereifahrzeuge vorrangig finanziell gefördert.

So sollen Störungen im marinen Lebensraum verringert werden; gefährdete Arten würden nicht zusätzlich durch Beifänge dezimiert werden.

Ein Echtzeit-⁠Monitoring⁠ der Fänge könnte die Einrichtung von Schongebieten und -zeiten unterstützen. Saisonale und gebietsbezogene Einschränkungen für die Fischerei könnten so gut begründet werden.

Ökosystemare Maßnahmen für Binnengewässer und -fischerei

Ökosystemare Maßnahmen sind notwendig, um die natürlichen Lebensräume vieler Fischarten zu erhalten, wiederherzustellen und langfristig zu stabilisieren. Durch die Einrichtung von Naturschutzgebieten und Ruhezonen kann die Widerstandsfähigkeit der Bestände gegenüber Klimaänderungen erhöht werden.

Das Vernetzen von durchwanderbaren Fließgewässern wie Bächen und Flüssen trägt dazu bei, die biologische Vielfalt von Fischen und Kleinlebewesen zu erhalten. Eine Renaturierung natürlicher Gewässer-, Ufer- und Sohlstrukturen fördert dabei gute Laichbedingungen und schafft Lebensräume für heimische, gewässertypische Fische. Mithilfe von Wiederbesiedlungen können außerdem gefährdete Fischarten erhalten und gewässertypische Fischbestände geschützt werden.

Die Nutzung von Anpassungsstrategien kann erhebliche Investitionen notwendig machen. Dies könnten in der Fangfischerei beispielsweise die Umstellung auf andere Zielfischarten und in der Aquakultur angepasste Verfahren sein, um die Abhängigkeit von Niederschlagswasser zu verringern. Im Binnenbereich - und hier vor allem in der Aquakultur - wird es künftig entscheidend sein, ganzjährig eine ausreichende Wasserversorgung zu gewährleisten. Es ist daher erforderlich, wassersparende Verfahren weiterzuentwickeln. Auch Bemühungen um Durchgängigkeit der Fließgewässer oder Vergrößerung der ⁠Gewässerrandstreifen⁠ erhöhen grundsätzlich die ökologische und klimatische ⁠Resilienz⁠ bzw. die Widerstandsfähigkeit aquatischer Ökosysteme.

Rechtliche, politische und Management-Maßnahmen

Die Veränderung des marinen Fischfangpotentials in höheren Breiten schafft zunächst auch neue Chancen für die Fischerei. Um daran teilzuhaben, müsste das Fischereimanagement derartige Möglichkeiten rechtzeitig in die Bestandsbewirtschaftung einbeziehen und die Kapazitätsanpassung der Flotte angehen.

Die Auswirkungen des Klimawandels auf die Fischerei lassen sich noch nicht quantitativ prognostizieren. Hierzu bedarf es noch eines erheblichen Forschungsaufwands, auch um konkrete Handlungsoptionen abzuleiten. Teil dessen ist eine genaue Beobachtung räumlicher Verschiebungen von Fischbeständen und Änderungen der Artengemeinschaften.

Im Rahmen des „German Small-scale Bottom Trawl Survey“ (GSBTS) werden in festgelegten Gebieten der Nordsee jährlich standardisierte Fänge durchgeführt. Sie dienen dem Ziel, die natürliche Variabilität der Fangraten diverser Fischarten abzuschätzen und mittel- bis langfristige Veränderungen in den Fischgemeinschaften zu erfassen.

Auf Basis einer guten Datengrundlage ist es möglich, nachhaltige Bewirtschaftungs- und Wiederauffüllpläne für Fischbestände zu entwickeln, die deren klimabedingte Veränderungsprozesse und Anfälligkeiten adäquat berücksichtigen. Die Managementpläne sollten hierfür angepasste Fangquoten und Schonzeiten umfassen und auch Nichtzielarten berücksichtigen. Zusätzlich gilt es, klimabedingte Ausfälle einzubeziehen und in den Bewirtschaftungsplänen festzulegen, wann bei Bestandsrückgängen einzugreifen ist. Die Pläne sind kontinuierlich zu überprüfen und gegebenenfalls zu aktualisieren.

Gezielte behördliche Kontrollen auf nationaler und europäischer Ebene sind notwendig, um die Einhaltung der Fischereivorschriften zu gewährleisten, sowohl auf See als auch im Hafen. Zusätzlich ist es wichtig, die internationale Überwachung des Fischfangs und die Vergabe von Quoten für die Fischerei weiterzuentwickeln.

Ein entscheidender Meilenstein auf dem Weg zu einer ökosystemgerechten Fischerei ist die Umsetzung von Fischereimanagementmaßnahmen in den Naturschutzgebieten der deutschen ausschließlichen Wirtschaftszone (AWZ). Die Maßnahmen sind so zu gestalten, dass negative Auswirkungen der Fischerei auf geschützte Arten und Lebensräume vermieden werden. Die Meeresschutzgebiete dienen primär dem Schutz bedrohter Arten und Lebensräume. Bei Umsetzung entsprechender Managementmaßnahmen könnten sie gleichzeitig als Rückzugsräume und letztendlich auch als Erholungsgebiete für bedrohte und überfischte Bestände wirken. Allerdings sind derartige fischereiliche Maßnahmen in den deutschen Meeresschutzgebieten bislang nur in sehr geringem Umfang realisiert worden.