Anpassung: Handlungsfeld Fischerei

Fische schwimmen im Wasserzum Vergrößern anklicken
Der Klimawandel ist ein zusätzlicher Stressfaktor für die Fischbestände in Nord- und Ostsee.
Quelle: Susanne Kambor/KomPass

Der Klimawandel verändert Lebensräume und birgt so auch ökonomische Risiken für die Fischerei. Eine nachhaltige Ausrichtung der Fischerei sowie die Umsetzung von Meeresschutz-Maßnahmen können die betroffenen Ökosysteme entlasten. Werden frühzeitig die fischereilichen und naturschutzfachlichen Maßnahmen angepasst, besteht die Chance, die Zukunft von Fischereibetrieben langfristig zu sichern.

Technische Maßnahmen

Es gibt verschiedene technische Möglichkeiten die Fischereiwirtschaft nachhaltiger zu gestalten. Selektive Fangtechniken, wie vorgegebene Maschengrößen bei Netzen, tragen dazu bei, Jungtiere und Arten, die gar nicht gefangen werden sollen (Nichtzielarten), vor der unbeabsichtigten Entnahme aus dem Gewässer zu schützen. Neue Regeln in der EU-Fischereipolitik unterstützen eine positive Entwicklung:

  • Beifänge kommerziell genutzter Arten dürfen ab 2019 nicht mehr zurück ins Meer geworfen werden. Ab dem Jahr 2015 soll diese Praxis stufenweise umgesetzt werden. Für bestimmte Arten sind jedoch Ausnahmeregelungen möglich.
  • Eine effektivere Überwachung der Fischerei (zum Beispiel durch automatische Ortung und Identifizierung der Schiffe) sowie die Schaffung abschreckender Strafmaßnahmen bei Verstößen sind vorgesehen.
  • Außerdem wird künftig die Modernisierung kleinerer Fischereifahrzeuge vorrangig finanziell gefördert.

So können Störungen im marinen Lebensraum verringert und gefährdete Arten nicht zusätzlich durch Beifänge dezimiert werden. Auch Beifänge mariner Säuger oder Seevögel sollen langfristig reduziert werden, jedoch gibt es dazu noch keine EU-weite Regelung.

Ein Echtzeit-Monitoring der Fänge könnte die Einrichtung von Schongebieten und -zeiten unterstützen. Saisonale und gebietsbezogene Einschränkungen für die Fischerei könnten so gut begründet werden.

Ökosystemare Maßnahmen

Ökosystemare Maßnahmen sind notwendig, um die natürlichen Lebensräume vieler Fischarten zu erhalten, wiederherzustellen und langfristig zu stabilisieren. Durch die Einrichtung von Naturschutzgebieten und Ruhezonen kann die Widerstandsfähigkeit der Bestände gegenüber Klimaänderungen erhöht werden.

Das Vernetzen von durchwanderbaren Fließgewässern wie Bächen und Flüssen kann den  Lebensraum aufwerten. Es trägt dazu bei, die biologische Vielfalt von Fischen und Kleinlebewesen zu erhalten. Im Zuge dieser Vernetzung sollen  Wasserläufe renaturiert werden. Die Renaturierung natürlicher Gewässer-, Ufer- und Sohlstrukturen fördert dabei gute Laichbedingungen und schafft Lebensräume für heimische, gewässertypische Fische. Mithilfe von Wiederbesiedlungen können außerdem gefährdete Fischarten erhalten und gewässertypische Fischbestände geschützt werden.

Rechtliche, politische und Management-Maßnahmen

Eine angepasste, nachhaltige Fischereiwirtschaft erfordert intensive Forschungsanstrengungen. Es bedarf verlässlicher Informationen zu den Fischbeständen und deren Anfälligkeit sowie zu neuen schonenderen Fangtechniken. Aussagekräftige gesicherte Prognosen für die Fischerei werden durch die zusätzlichen Unsicherheitsfaktoren des Klimawandels zunehmend schwieriger. Nur mit Hilfe verlässlicher Daten kann das Verständnis für die Notwendigkeit von Anpassungsmaßnahmen gefördert und die Planungssicherheit der Fischereibetriebe erhöht werden. Bis eine solche Datenlage vorliegt, sollten dem Vorsorgeprinzip entsprechend die bisher etablierten Prognosen für Fischbestände und die damit verbundenen restriktiven Fangquoten akzeptiert und umgesetzt werden.

Auf Basis einer guten Datengrundlage ist es möglich, nachhaltige Bewirtschaftungs- und Wiederauffüllpläne für Fischbestände zu entwickeln, die deren klimabedingte Veränderungsprozesse und Anfälligkeiten adäquat berücksichtigen. Die Managementpläne sollten hierfür angepasste Fangquoten und Schonzeiten umfassen und auch Nichtzielarten berücksichtigen. Zusätzlich gilt es, klimabedingte Ausfälle einzubeziehen und in den Bewirtschaftungsplänen festzulegen, wann  bei Bestandsrückgängen einzugreifen ist. Die Pläne sind kontinuierlich zu überprüfen. Dabei sollten immer wieder die aktuellen Forschungsergebnisse berücksichtigt werden.

Gezielte behördliche Kontrollen auf nationaler und europäischer Ebene sind notwendig, um die Einhaltung der bestehenden und geplanten Fischereivorschriften zu gewährleisten, sowohl auf See als auch im Hafen bei der Anlandung. Zusätzlich ist es im Rahmen dieses integrativen Politikansatzes wichtig, die internationale Überwachung des Fischfangs und die wissenschaftlich fundierte Vergabe von Quoten für die Fischerei weiterzuentwickeln.

Quellen