Stadtbaummanagement im Spannungsfeld zwischen Klimaanpassung, Erhalt von Ökosystemleistungen und dem Schutz kritischer Infrastrukturen (BaumAdapt)

  • Fotografie einer Baustelle. In einem aufgerissenen Teilabschnitt der Straße wird ein dunkles Gemisch bewässert.
    Einbau von Schotterpacklage und Substratgemisch mit Pflanzkohle im Baumrigolenstrang Baumblüte; Quelle: Gabriel Volk
  • Fotografie eines Baggers mit geteilter Schaufel, der eine Grube aushebt.
    Schadverdichtung im erforderlichen Wurzelraum; Quelle: Gabriel Volk
  • Fotografie eines umgestürzten Baumes, der vor einer Straßenbahn auf den Gleisen liegt.
    Titelbild BaumAdapt Handlungsleitfaden; Quelle: Ruhrbahn GmbH
  • Grafische Darstellung des IT-Konzeptes.
    Übersicht IT-Konzept Stadtortkataster Baum, Stadt Essen
  • Tabelle der Standraumplanung mit Bemessungen für Bäume, u.a. Höhe, Wurzelradius, Kronenvolumen.
    Standraumplanung Stadtbaum in Anlehnung an Kopinga, Stadt Essen
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Die Stadt Essen erlebte mit dem Orkan Ela im Juni 2014 den bislang heftigsten Sommerorkan seit Beginn der Aufzeichnungen. Große Teile des urbanen Baumbestandes wurden dabei beschädigt, Straßen und Schienen wurden blockiert und das öffentliche Leben zum Teil lahmgelegt. Das Ereignis hat gezeigt, dass eine Anpassung des städtischen Baumbestandes im Zuge des fortschreitenden Klimawandels von großer Bedeutung ist. Ziel des Projektes ist es, unter Berücksichtigung der Vulnerabilität der kritischen Infrastruktur konkrete Handlungsempfehlungen für die Steigerung der Resilienz des städtischen Baumbestandes zu erarbeiten, um den Baumbestand langfristig zu erhalten, Sturmschäden zu mindern und Ökosystemleistungen zu erhalten bzw. zu fördern.
Mit Simulationen (Vergleich des Baumbestandes vor und nach dem Sturmereignis sowie Verkehrsunterbrechungen der Kritischen Infrastrukturen) und Modellierungen (TreePass: Verhalten von Bäumen im Sturmereignis sowie iTree: Ökosystemleistung von Bäumen), deren Ergebnisse analysiert wurden, konnten zum Beispiel Aussagen über relevante und schützenswerte Verbindungen und Knotenpunkte im Verkehr sowie potenzielle Baumschädigungen durch Sturmereignisse getroffen werden.
Basierend auf diesen Analysen wurden Handlungsempfehlungen bestehend aus Planungs-, Unterhaltungs- und Entwicklungsempfehlungen für das Stadtbaummanagement abgeleitet, die in erster Linie auf die Verbesserung von Baumstandorten abzielen. Handlungsempfehlungen sind unter anderem die Integration der Themen Wasser und Boden, Nährstoffversorgung und Durchlüftung im Sinne einer "Schwammstadt" in die Stadt- und Begrünungsplanung, eine standortangepasste und -bezogene Baumartenauswahl und die Anpassung von Vergabe- und Vertragstexten sowie von Bauleitungs- und Bauabnahmestandards der bauenden und unterhaltenden Fachbereiche.
Durch ein Monitoring des Stadtbaummanagements kann eine nachhaltige und zielgerichtete Umsetzung der Handlungsempfehlungen garantiert werden.
Viele der Handlungsempfehlungen wurden während der Projektlaufzeit in Form von Pilotprojekten in Umsetzung gebracht und konnten so in die tägliche Arbeitspraxis einfließen. Dazu zählten unter anderem die Optimierung von Baumstandorten durch Baumaßnahmen, der Einbau von Baumrigolen im Zuge von Straßensanierungsmaßnahmen und die Schulung von Feuerwehrleuten durch den städtischen Forstbetrieb im Sägen unter schlechten Bedingungen. Im Folgeprojekt "TreeCop" wurde eine optimierte Bewässerungsstrategie abgeleitet.

Wie wurde die Maßnahme umgesetzt?

MaßnahmenträgerStadt Essen
https://www.essen.de/aktuell.de.html
Kooperationspartner

Technische Universität Dortmund - Institut für Raumplanung (IRPUD)

Steuerungsinstrumente

Wie erzielen Sie mit Ihrer Maßnahme eine Wirkung?Informationsbereitstellung und Sensibilisierung, Umweltbeobachtung und Erforschung von Folgen des Klimawandels
Bitte erläutern Sie die von Ihnen genannten Instrumente und deren Anwendung näher.

Der im Projekt erarbeitet Handlungsleitfaden bietet eine umfassende Informationsmöglichkeit zu den Themen Stadtbaummanagement und kritische Infrastrukturen. Der Handlungsleitfaden zielt insbesondere auf die Übertragbarkeit der Ergebnisse und Handlungsempfehlungen auf andere Kommunen ab. Bei vier verschiedenen Stadtspaziergängen zum Thema „Stadtbaum“ wurden Bürger*innen über das Thema informiert und anhand von anschaulichen Beispielen sensibilisiert. Nach Ende der Pandemiephase werden die Stadtspaziergänge zum Thema „Stadtbaum“ als fester Bestandteil der Öffentlichkeitsarbeit fortgeführt. Die Ergebnispräsentation in politischen Gremien und bei Fachvorträgen ermöglichte die Information und Sensibilisierung weiterer Akteure der lokalen bis internationalen Ebene, sodass das Thema durch das Projekt in verschiedene Institutionen, Gremien und Verbände getragen werden konnte und so nun v.a. in der Verwaltung und der Politik einen höheren Stellenwert einnimmt. Durch die Simulationen, Modellierungen und Vergleichsanalysen wurden die Folgen und Wirkungen des Klimawandels auf den Stadtbaumbestand untersucht und entsprechende Handlungsempfehlungen abgeleitet. Die entwickelten und noch im Aufbau befindlichen Monitoringinstrumente dienen im Kontext von SmartCity und Bürgerkommune der Förderung einer transparenten Wirkungsanalyse der Klimaanpassungsleistungen durch Grüne Infrastruktur.

Beteiligung und Finanzierung

Wurden neben den Kooperationspartnern andere Personengruppen/Institutionen in die Planung/Umsetzung der Maßnahmen eingebunden?Breite Öffentlichkeit, Öffentliche Verwaltung/Politik

Während des Projekts wurden interessierte Bürger*innen in die Konzeption und Umsetzung eingebunden. Eingebunden wurden außerdem Mitarbeiter*innen der Stadt Essen sowie Fachexpert*innen.

Erläuterung- Stadtspaziergängen für interessierte Bürger*innen zu verschiedenen Schwerpunktthemen zum Stadtbaum. - Workshops mit Akteur*innen aus der Stadtverwaltung, von Verbänden, lokalen Arbeitsgemeinschaften und der kritischen Infrastruktur: Handlungsbedarfsermittlung; Auswahl Simulationspunkte für Verkehrsunterbrechungsszenarien; Optimierung baumfachlicher Kompetenz städtischer Grünplaner*innen
Wie hoch waren die (geschätzten) Kosten für die Umsetzung?

163.000 €

Mit welchen Mitteln wurde die Maßnahme finanziert?Bund

Die Maßnahme wurde vom Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit im Rahmen der Deutschen Anpassungsstrategie an den Klimawandel als Kommunales Leuchtturmprojekt gefördert.

Erfolg und Nutzen

Welche Erfolge konnten Sie mit Ihrer Maßnahme erzielen?

In erster Linie veränderte das Projekt BaumAdapt die Wahrnehmung für das Thema Stadtbäume im Klimawandel und ließ dem Thema eine größere Relevanz sowohl in der Verwaltung, der Politik als auch bei den Bürger*innen zukommen. Erste Handlungsempfehlungen konnten in Form von Pilotprojekten umgesetzt werden. Außerdem diente das Projekt als Anstoß für weitere Projekte zur Standortverbesserung, zum Bewässerungsmanagement und zur Erarbeitung eines umfassenden Standortkatasters Stadtbaum.

ErläuterungEine Erfolgskontrolle der Maßnahmen ist geplant. Über ein Standortkataster Stadtbaum wird in Zukunft ein Monitoring der Vitalität des städtischen Baumbestandes möglich sein, das Auskunft über den Erfolg der Maßnahmen geben wird.
Erzielt die Maßnahme über Klimaanpassung hinaus positive Nebeneffekte?Natur-, Umwelt- und Ressourcenschutz: z. B. Erhaltung der biologischen Vielfalt, Luftreinhaltung, Gewässerschutz, Ressourceneinsparung
Erläuterung

Durch das Projekt war eine Aufarbeitung der Folgen des Sturmereignisses und eine Identifikation der Schwachstellen im Baummanagement der Stadt Essen möglich.
Der erarbeitete Leitfaden gibt Empfehlungen, die die Vitalität des städtischen Baumbestandes nachhaltig verbessern. Durch die Umsetzungen der Handlungsempfehlungen konnten bereits Standortverbesserungen erzielt werden.

Hindernisse und Konflikte

Gibt es besondere Hindernisse, welche die Umsetzung erschwerten? Welche sind dies und wie gehen Sie damit um? Im Projekt sollte eine Vergleichsanalyse des Baumbestandes vor/nach dem Sturmereignis durchgeführt werden. In der Stad Essen lag jedoch bislang kein umfassendes Stadtbaumkataster vorliegt, ergab sich eine unzureichende bzw. fehlende Datenlage über die Stadtbäume vor dem Sturmereignis als Hindernis bei der Projektbearbeitung. Durch eine Verzögerung im Bereitstellungsintervall der Landesvermessungen standen die ersten Vergleichsdaten nach Ela im Projektzeitraum nicht zur Verfügung.
Lösung

Durch die Erarbeitung einer alternativen geoanalytischen Methodik konnten auf Basis von Laserscanbefliegungen die fehlenden Daten zu Baumhöhen und Beschirmungsflächen gesammelt werden. Die geplante methodengleiche Vergleichsanalyse nach dem Sturm konnte nicht durchgeführt werden. Stattdessen wurden in vier repräsentativen Untersuchungsgebieten eine Vollerfassung des städtischen Baumbestandes durchgeführt und so eine valide Vergleichsanalyse durchgeführt werden.

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