Klimawandel & Hitze - Maßnahmenplan für Pflegeeinrichtungen
- Nominiert für den Blauen Kompass 2020 -
Der Klimawandel hat bereits und wird zukünftig zu einer weiteren Zunahme der Häufigkeit und Intensität von Hitzetagen und Hitzewellen in Deutschland führen. Hitzeperioden stellen insbesondere für die Risikogruppe der älteren Menschen ein hohes gesundheitliches Risiko dar. Aufgrund natürlicher Alterungsprozesse ist das Risiko für hitzebedingte Gesundheitsprobleme bei älteren Menschen erhöht (z.B. abnehmendes Durstgefühl, Temperaturregulation des Körpers). Weitere Risikofaktoren für hitzebedingte Gesundheitsprobleme, chronische Erkrankungen, Medikamenteneinnahme, Immobilität oder Einschränkungen in der Selbstversorgung kommen bei älteren Menschen verstärkt und teilweise gemeinsam vor.
Mit dem fortschreitenden Klimawandel ist ein (vor allem bei weiterhin hohen Emissionen starker) Anstieg hitzebedingter Morbidität und Mortalität in dieser Risikogruppe zu erwarten. Auch aufgrund des demographischen Wandels und der zunehmenden Urbanisierung kommt der Risikogruppe der älteren Menschen eine besondere Bedeutung vor dem Hintergrund steigender Temperaturen zu.
Das Klinikum der Universität München entwickelt zusammen mit der Stadt München einen Hitzemaßnahmenplan für vollstationäre Pflegeeinrichtungen. Um ein für die Zielgruppe passgenaues Angebot erstellen zu können, unterstützen sieben Pflegeeinrichtungen aus München die Bedarfsanalyse, die Entwicklung und pilothafte Umsetzung des Maßnahmenplans sowie die nachhaltige Verstetigung.
Im Sommer 2020 wird der Maßnahmenplan bundesweit kostenfrei zur Verfügung gestellt und somit ein praxisnahes Werkzeug für Mitarbeiter von Pflegeeinrichtungen der Altenpflege angeboten, um hitzebedingte Morbidität und Mortalität in der Altenpflege zu vermindern.
Eckdaten zur Maßnahme
Maßnahmenträger
- Maßnahmenträger
- Klinikum der Universität München http://www.klinikum.uni-muenchen.de/Bildungsmodule-Aerzte/de/bildungsmodule-plan/index.html
- Kooperationspartner
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Landeshauptstadt München, Bayerisches Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit, Institut für Qualität in der Pflege
Dauer und Finanzierung
- Dauer der Umsetzung
- 2018 bis 2020
- Wie hoch waren die (geschätzten) Kosten für die Umsetzung?
- 190.000 €
- Mit welchen Mitteln wurde die Maßnahme finanziert?
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- Bund
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Das Projekt wurde im Rahmen der Deutschen Anpassungsstrategie an den Klimawandel umgesetzt und wird zu 100 % vom Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit gefördert.
Weiterführende Links
Beteiligung
- Wurden neben den Kooperationspartnern andere Personengruppen/Institutionen in die Planung/Umsetzung der Maßnahmen eingebunden?
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- Öffentliche Verwaltung/Politik
- Das Projekt ist ein kommunales Leuchtturmvorhaben und das Referat für Gesundheit und Umwelt sowie das Sozialreferat der Stadt München sind maßgeblich an der Umsetzung des Projektes beteiligt. Sowohl die Kooperationspartner als auch die Altenpflegeeinrichtungen wurden intensiv in das Projekt einbezogen.
- Welche Formen der Beteiligung fanden statt?
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- Aufbau von Netzwerken
- Bereitstellung von Informationsmaterialien
- Dialogveranstaltungen, Konferenzen, Workshops
- Informationsveranstaltungen
- persönliche Befragung / Bürgeranhörung
- Erläuterung
- Die Entwicklung der Befragung, die Umsetzung des Maßnahmenplans sowie die Evaluierung anhand einer weiteren Befragung und eines Validerungsworkshops wurden durchgeführt. Ergebnisse wurden allen Beteiligten auf Beiratssitzungen präsentiert, besprochen und neue Ideen in den Projektverlauf integriert, um das Ziel eines praxisnahen, von der Pflege mitentwickelten Maßnahmenplans zu erreichen.
Erfolge
- Welche Erfolge konnten Sie mit Ihrer Maßnahme erzielen?
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Ein erster Erfolg zu Beginn des Projektes war die hohe Teilnahmebereitschaft von Pflegeeinrichtungen an der Entwicklung und Umsetzung des Vorhabens. Die Bedarfsanalyse in den Pflegeeinrichtungen wenige Monate später wurde mit einem Rücklauf von 65 % sehr erfolgreich umgesetzt. Aufgrund der Bereitschaft der Pflegeeinrichtungen den Maßnahmenplan intensiv mitzugestalten, konnte ein für die Zielgruppe sehr praxisnahes Werkzeug geschaffen werden. Das Interesse aus dem Gesundheitssektor ist groß und und so wird der HItzemaßnahmenplan weiterhin auf relevanten Kongressen und Veranstaltungen sowie in wichtigen Publikationen vorgestellt und in wichtigen Publikationen vorgestellt. Proaktive Anfragen seitens der Pflegekammer sowie des BMG und weiterer Akteure aus dem Gesundheitswesen unterstreichen einmal mehr die Relevanz und den Bedarf an einem Hitzemaßnahmenplan für Pflegeeinrichtungen.
- Wie wird der Erfolg der Maßnahme evaluiert?
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- Feedback-Gespräche (z.B. Gruppendiskussion, Fokusgruppe, Erfahrungsberichte)
- quantitative Befragung (mittels Fragebögen)
- Erläuterung
- Der Hitzemaßnahmenplan wurde im Sommer 2019 pilothaft in den Modelleinrichtungen umgesetzt. Anschließend erfolgte eine Befragung per Fragebogen sowie ein Validierungsworkshop mit den Einrichtungen. Aufgrund der Ergebnisse wird der Maßnahmenplan überarbeitet und zielgruppengerecht angepasst.
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- Hat die Maßnahme positive Nebeneffekte?
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- Ja, Natur-, Umwelt- und Ressourcenschutz: z. B. Erhaltung der biologischen Vielfalt, Luftreinhaltung, Gewässerschutz, Ressourceneinsparung
- Ja, soziale Gerechtigkeit und Lebensqualität: z. B. Erhöhung der Wohnqualität in Städten, Beitrag zu sozialem Ausgleich oder sozialer Integration, besondere Berücksichtigung der Interessen benachteiligter Bevölkerungsgruppen
- Der Hitzemaßnahmenplan führt u.a. zu einer Steigerung der Arbeitszufriedenheit von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern von Pflegeeinrichtungen durch mehr Mitarbeiterschutz während Hitzeperioden (angepasste Arbeitskleidung, mehr Getränke).
Angehörige werden sensibilisiert und Handlungsmöglichkeiten aufgezeigt. Die empfohlene Begrünung der Außenbereiche unterstützt die Luftreinhaltung und ein kühleres Mikroklima in städtischen Gebieten.
Hindernisse
- Welche Hindernisse gab es während der Umsetzung?
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Bisher fehlt eine bundesweit verfügbar Plattform, auf welcher Werkzeuge wie der Hitzemaßnahmenplan zur Verfügung gestellt werden. Das würde den Bereich der Verstetigung deutlich erleichtern. Dieses Hindernis wird derzeit mit der Unterstützung der Öffentlichkeit durch die Projektpartner aus Kommune und Land ausgeglichen sowie vom Projektteam durch die Teilnahme an regionalen und bundesweiten Kongressen.
Kontaktdaten
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Dr. Julia SchoiererKlinikum der Universität MünchenZiemssenstraße 180336 MünchenDeutschland
- Abteilung
- Projektleitung
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julia.schoierer@med.uni-muenchen.de
- Telefonnummer
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089 4400-55392
- Faxnummer
Ort der Umsetzung
Bayerstraße 10A
80335 München
Deutschland