Anpassung an den Klimawandel durch Stärkung des Wasser- & Boden-Rückhalts im Einzugsgebiet der Glems (KliStaR)

Jüngste Klimamodellrechnungen sagen für Süddeutschland eine Zunahme von Starkniederschlägen in der Zukunft voraus. Mögliche Auswirkungen zeigten beispielsweise die Ereignisse der Jahre 2009, 2010 und 2014 im Bereich der Glems westlich von Stuttgart mit starken Überschwemmungen. Um erforderliche Schutzmöglichkeiten zu lokalisieren, vereinte das Pilotprojekt KliStaR im Einzugsgebiet der Glems acht Städte und Gemeinden mit einem Netzwerk aus Landnutzern und Experten. Im Vordergrund der Aktivitäten von KliStaR standen Maßnahmen zur Klimaanpassung, die in kommunalen Außenbereichen helfen sollen, den Bodenabtrag und den Oberflächenabfluss zu verringern sowie den Bodenwasserhaushalt zu verbessern. Die zentralen Handlungsfelder von KliStaR waren Boden, Wasserwirtschaft, Landwirtschaft und Forstwirtschaft. Mit dem Projekt wurden den Landnutzern im Einzugsgebiet der Glems Informationen bereitgestellt, die im Rahmen einer geeigneten Maßnahmenauswahl zur Klimaanpassung erforderlich sind. Dies sind beispielsweise Karten zum Oberflächenabfluss sowie Bodenerosion in der Gegenwart und Zukunft.

Die daraus erkennbaren Probleme, Anpassungsoptionen und Umsetzungshemmnisse wurden in Workshops und bei Ortsterminen mit Landnutzern und Kommunalvertretern erörtert. Dabei wurden exemplarisch Schutzmaßnahmen angestoßen und realisiert. Ein wichtiges Ziel war hier, auch einen kombinierten Planungs- und Beteiligungsprozess zu erproben. Die gewonnen Erkenntnisse aus dem KliStaR-Projekt wurden in einem Katalog mit den bevorzugten Anpassungsmaßnahmen veröffentlicht. Diese Maßnahmenblätter sind dann für alle Kommunen und Vertreter der Handlungsfelder in Baden-Württemberg sowie für die interessierte Öffentlichkeit als Steckbriefe auf Papier oder im Internet verfügbar.

Wie wurde die Maßnahme umgesetzt?

Hauptverantwortliche Institution (Maßnahmenträger)geomer GmbH
http://www.geomer.de
Kooperationspartner

Forstliche Versuchs- und Forschungsanstalt Freiburg, terra fusca ingenieure, Billen, Lange & Lehmann PartG für Bodenschutz und Umweltberatung, Stuttgart. Die oben genannten Kommunen, insbesondere neben der Kommunalverwaltung auch Vertreter der Landwirtschaft und des Forstes.

Steuerungsinstrumente

Welches Steuerungsinstrument ist Bestandteil der Maßnahme?Informationsbereitstellung und Sensibilisierung
Bitte erläutern Sie die von Ihnen genannten Instrumente und deren Anwendung näher.

Der Maßnahmenkatalog bietet ein vielfältiges Instrumentarium für Kommunen. Die dazu erstellten Steckbriefe werden von WBW für Bildungsveranstaltungen eingesetzt und im LUBW-Leitfaden Kommunales Starkregenmanagement in Baden-Württemberg wird darauf verwiesen. Im Rahmen des Starkregenrisikomanagements kommen die Ergebnisse als Vorschlag für die Handlungskonzepte zum Einsatz. Dieser Leitfaden dient wiederum als Vorlage für andere Bundesländer.

Beteiligung und Finanzierung

Welche Personengruppen wurden in die Konzeption und/oder die Umsetzung der Maßnahme eingebunden?Breite Öffentlichkeit, Kommunen, Landwirte
Welche Formen der Beteiligung fanden statt?

Ja, es wurden sowohl bei der Problemanalyse Workshops mit unterschiedlichen Teilnehmerkreisen (Kommunalverwaltung, Forst, Landwirtschaft) und bei der Umsetzung viele Planungstreffen und Ortstermine durchgeführt. Nur durch die intensive Einbindung aller Beteiligten konnte die exemplarische Rückhaltemaßnahme und die Demonstrationsmaßnahmen in der Landwirtschaft durchgeführt werden.

Kosten

ca. 50.000

FinanzierungLand

Erfolg und Nutzen

Erfolgt eine systematische Evaluation der Maßnahme?Ja
Bitte beschreiben Sie die Evaluationsmethode

Neben dem Monitoring durch die Fördereinrichtung wurden vor allem durch die Kommunen und die jeweiligen Projektbeteiligten die Effizienz der einzelnen Maßnahmen beurteilt. Für die Rückhaltemaßnahme im Wald wurde eine Nutzen-Kosten-Analyse durchgeführt.

Welche Erfolge wurden bis jetzt mit der Maßnahme erreicht?

Im Rahmen von KliStaR wurde z.B. durch die Befestigung und Erhöhung des Weges im Waldgebiet in Leonberg-Warmbronn eine Verdoppelung des Retentionsvolumens erzielt.
Außerdem ist innerhalb des Projektes ein Katalog entstanden, der Steckbriefe zu 22 land- und forstwirtschaftlichen Maßnahmen zur Stärkung des Wasser- und Bodenrückhalts in Kommunen enthält. Diese werden als Vorlage für weitere Maßnahmenplanungen und bei Schulungsveranstaltungen eingesetzt.

Bringt die Maßnahme Nutzen für weitere Zielsetzungen außer dem Ziel der Anpassung an den Klimawandel?andere Umweltziele: z.B. Erhaltung der biologischen Vielfalt, Luftreinhaltung, Gewässerschutz, Ressourceneinsparung
Erläuterung

Durch die Mehrfachwirkung vieler Teilbausteine gibt es insbesondere im Bereich Bodenschutz, Verbesserung des Wasserdargebotes für die Landwirtschaft und dem Naturschutz (neue Biotope) deutliche Nebeneffekte.

Welche Hindernisse wurden überwunden?

Welcher Faktor stellt/stellte ein besonderes Hindernis bei der Umsetzung der Maßnahme dar?

Insbesondere im Bereich der Landwirtschaft gibt es bereits vielfältige Vorgaben durch verschiedene Förderprogramme, so dass für Innovationen nur ein geringer Spielraum besteht. Außerdem ist der Einstieg in bestimmte Anbautechniken mit hohen Investitionen verbunden. Hier kann durch Demonstratoren wie in KliStaR der Einstieg erleichtert werden. Hier ist jedoch ein langfristiger Dialog bezüglich Finanzierung von multifunktionalen Maßnahmen notwendig.
Offen ist vielfach noch das Thema, wie bei multifunktionalen Maßnahmen die Kosten aufgeteilt werden, hier gibt es erste Ansätze, den unterschiedlichen Nutzen zu monetarisieren und damit komplexere Nutzen-Kosten-Berechnungen durchzuführen.

Welche zusätzlichen Konflikte gab es?

andere Umweltziele: z.B. Erhaltung der biologischen Vielfalt, Luftreinhaltung, Gewässerschutz, Ressourceneinsparung
Erläuterung

Konflikte bestanden mit den unterschiedlichen Anforderungen der Wasserwirtschaft (Sicherheitsanforderungen für Stauanlagen, Gewässerrandstreifen) sowie mit Anforderungen des Bodenschutzes. Durch eine Einbindung aller Beteiligten über den gesamten Planungsprozess (inkl. vieler Vor-Ort-Termine) konnten hier einige kreative Kompromisse erarbeitet werden.

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