Anpassung: Handlungsfeld Bauwesen

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Im Zuge des Klimwandels muss sich auch der Baubereich umstellen.
Quelle: 106313/photocase.com

Maßnahmen zur Anpassung an die Klimafolgen im Bauwesen tragen zum Erhalt gesunder Wohn- und Arbeitsverhältnisse bei, mindern oder vermeiden Schäden durch Wetterextreme und bewahren so den Wert von Gebäuden. Auch eine angepasste Bauplanung, die Klimaaspekte berücksichtigt, kann eine effektive Anpassungsmaßnahme sein.

Technische und bauliche Maßnahmen

Technische Maßnahmen zur Anpassung von Gebäuden an den ⁠Klimawandel⁠ sollten am Standort, der Konstruktion, der Gebäudehülle sowie an der Gebäudetechnik ansetzen. Durch angepasste Standortwahl, Gebäudearchitektur, Bauplanung, Materialien und Technologien können Gebäude widerstandsfähiger gegenüber klimatischen Änderungen und Witterungserscheinungen werden. Vor allem in Hanglagen, in Gebieten mit quellfähigen Böden oder in hochwassergefährdeten Bereichen werden Anpassungsmaßnahmen im Gebäudebereich zunehmend wichtiger.

Grundsätzlich ist schon bei der Gebäudeplanung der so genannte Überlastfall im Entwässerungskonzept einzukalkulieren und sind funktionierende Notsysteme, so beim Überlauf der Regenrinne oder Rückstau auf dem Flachdach, vorzusehen und entsprechend zu dimensionieren.

Anpassungsmaßnahmen können Gebäude vor ⁠Starkregen⁠, Sturzfluten und ⁠Flusshochwasser⁠ schützen oder deren Folgen abmildern. So empfiehlt das BBSR in seinem Leitfaden Starkregen bodengleiche, ebene Eingänge zu vermeiden. Bereits kleine Schwellen halten das Wasser ab. Eingangssituationen können dennoch barrierefrei gestaltet werden, z. B. über Rampen. Auch Kellertreppen und Lichtschächte können bereits durch kleine Aufkantungen geschützt werden und sollten über Abläufe verfügen, die an die Drainage oder das Entwässerungssystem angeschlossen sind. Äußere Gebäudeteile lassen sich auch durch Barrieresysteme sichern. Begrünte Dächer halten Regenwasser länger zurück und tragen dazu bei, Überflutungen am Gebäudesockel zu vermeiden.

In hochwassergefährdeten Gebieten sollte – sofern planungsrechtlich eine Bebauung zulässig ist und keine Bauverbote bestehen – bei Neubauten erwogen werden, auf die Unterkellerung zu verzichten. Darüber hinaus können Gebäude aufgeständert, also auf Säulen gebaut werden.

Zum Schutz vor Hagelschäden können Materialien und Bauformen mit hoher Widerstandskraft verwendet oder geeignete Schutzschichten angebracht werden. Die regional differenzierte Bemessungsschneelast für Dächer sollte gemäß der aktuell gültigen Bau-Norm beachtet und Dächer entsprechend erbaut oder ertüchtigt werden.

Bauliche Maßnahmen können auch präventiv gegen steigende Temperaturen und Hitzewellen helfen. Dazu gehören Verschattungselemente, Wärmedämmung oder eine klimagerechte Architektur. Gerade die oberen Gebäudeetagen erfordern hierbei besondere Aufmerksamkeit.

Bei Neubauten ist von vornherein verstärkt auf sommerlichen Wärmeschutz und Lüftungsmöglichkeiten zu achten - wie es bspw. Atriumhäuser in Ländern mit einem heißen ⁠Klima⁠ bereits vormachen. Darüber hinaus wirken sich auch Maßnahmen zur Verbesserung der Siedlungsvegetation im Gebäudeumfeld wie Grünanpflanzungen und Wasserverdunstungsflächen positiv auf das Innenraumklima der Gebäude aus. Auf diese Weise kann der Überhitzung von Gebäuden entgegengewirkt werden, ohne auf technische Gebäudekühlung wie Klimaanlagen zurückgreifen zu müssen.

Folgende weitere Maßnahmen gegen Hitze sind möglich:

  • Nutzung natürlicher Lüftungs- und Ventilationssysteme, die eine kontrollierte nächtliche Lüftung oder eine antizyklische Speicherung bzw. Abgabe von Wärme bzw. Kälte erreichen
  • sorgfältige Planung von Fensterflächenanteilen und Gebäudeausrichtungen, Einsatz außen liegender Verschattungselemente und Sonnenschutzgläser
  • Dach- und Fassadenbegrünung, die einerseits Verschattung und andererseits Verdunstungskühlung durch Abgabe gespeicherten Regenwassers erzeugen kann
  • kontrollierte Lüftungssysteme, wie sie bereits in Passivhäusern genutzt werden, dienen der energieeffizienten und ausgewogenen Be- und Entlüftung von Gebäuden

Informatorische, rechtliche und politische Maßnahmen

Informatorische, rechtliche und politische Maßnahmen dienen dazu, Rahmenbedingungen zu schaffen, die es der Bauwirtschaft und Gebäudeeigentümern erleichtern, die erforderlichen technischen und baulichen Anpassungsmaßnahmen umzusetzen.

Ein erster Schritt ist dabei die Bewusstseinsbildung und Wissensvermittlung hinsichtlich der Klimarisiken und des bestehenden Anpassungsbedarfs. Beispielsweise werden bereits erste Weiterbildungen von Berufsverbänden organisiert und in die Veranstaltungsprogramme der Ingenieur-, Handwerks- und Architektenkammern aufgenommen.

Genutzt werden können auch der Praxisratgeber zum klimagerechten Bauen vom Deutschen Institut für Urbanistik (Difu) oder entsprechende Checklisten, die eine Einschätzung ermöglichen, ob das bestehende oder geplante Gebäude den Anforderungen der Klimaanpassung gerecht wird. Diese Materialien bieten auch Hinweise zu Finanzierungsmöglichkeiten.

Zusätzlich sollten auch Gebäudeeigentümerinnen, Verwaltungen und Mieter sensibilisiert werden. Auf diese Weise wird nicht nur das Bewusstsein für die ⁠Vulnerabilität⁠ im Gebäudebereich erhöht, sondern es werden auch die Kompetenz und Akzeptanz für Anpassungsmaßnahmen erweitert.

Auf politischer Ebene sollten Anpassungserfordernisse in baulichen Richtlinien stärker berücksichtigt und auf Basis der Erkenntnisse zu den Folgen des Klimawandels weiterentwickelt werden. Mögliche Maßnahmen könnten Wärmeschutzmindestanforderungen für Kindergärten und Schulen oder eine vorgeschriebene Gefährdungsprüfung von Standorten gegenüber Klimawirkungen sein. So kann dazu beigetragen werden, Bauweisen anzupassen oder gar Baugenehmigungen auf gefährdeten Flächen zu versagen.

Darüber hinaus sind Instrumente der Bau- und Planungspraxis weiterzuentwickeln. In integrierten Stadtentwicklungskonzepten können beispielsweise Klimaanpassungsmaßnahmen an Gebäuden für Sanierungs-, Modernisierungs- und Neubauvorhaben vorgesehen werden. Einen zentralen Beitrag leisten „grüne“ und „blaue“ Infrastrukturen, also Grün- bzw. Gewässerflächen sowie begrünte Gebäude. Gerade in Metropolen gibt es aufgrund zunehmender Verdichtung besonderen Handlungsbedarf. Aktuell ist laut dem Monitoringbericht 2019 die Ausstattung mit grünen Erholungsflächen in den Metropolen, deren Bevölkerungszahl über 500.000 liegt, am geringsten.

Gleichsam sollten auch Strategien, die in erster Linie auf die Verbesserung der Energieeffizienz oder den ⁠Klimaschutz⁠ zielen, in allen politischen, rechtlichen und planerischen Angelegenheiten einbezogen werden. Vor diesem Hintergrund gilt es, Forschungsanstrengungen in den Bereichen ⁠Nachhaltigkeit⁠ und Energieeffizienz von Gebäuden sowie die Übertragbarkeit der Ergebnisse in die Praxis zu fördern.

Quellen