Rahmenbedingungen für die internationale Klimaschutzpolitik
Angesichts der anhaltenden Wirtschafts- und Finanzkrise, der fortschreitenden Veränderung globaler Wirtschaftsstrukturen und der Verschiebung geopolitischer Machtzentren steht die internationale Klimapolitik vor großen Herausforderungen. Aber auch veränderte und neue Möglichkeiten des Ressourcenabbaus, wie die Förderung von Schiefergas (fracking) und Erschließung von arktischen Ölquellen, stehen einer ehrgeizigen, „Zwei-Grad-verträglichen“ Klimapolitik entgegen.
Ziel der globalen Klimapolitik ist es, die Treibhausgaskonzentrationen in der Atmosphäre langfristig auf einem Niveau zu stabilisieren, auf dem eine gefährliche anthropogene Störung des Klimasystems verhindert wird (Artikel 2 der UN-Klimarahmenkonvention). Dies ist mittlerweile mit dem Ziel konkretisiert worden, eine Obergrenze der globale Erwärmung auf weniger als zwei Grad Celsius einzuhalten.
Auf internationaler Ebene ist das Kyoto-Protokoll unter der UN-Klimarahmenkonvention bisher das einzige rechtsverbindliche Instrument zur Reduktion von Treibhausgasemissionen. Diese Regelung verpflichtet mittlerweile allerdings nur noch eine kleine Gruppe von Industriestaaten, darunter beispielsweise die Europäische Union, Australien, Norwegen, die Schweiz; diese Gruppe ist lediglich für etwa 15 Prozent weltweiten Emissionen von Treibhausgasen verantwortlich. Das Kyoto-Protokoll hat in seiner jetzigen Form wenigstens bis zum Jahr 2020 Bestand.
Im Rahmen der Verhandlungen über weltweite Klimaschutzanstrengungen haben derzeit rund 70 Vertragsstaaten unter der UN-Klimarahmenkonvention – die Kyoto-Staaten mit eingerechnet – freiwillige Zusagen zur Reduktion von Treibhausgasemissionen im Zeitraum bis 2020 abgegeben. Nach Berechnungen führender wissenschaftlicher Institutionen sind diese jedoch nicht ausreichend, um die Emissionen soweit zu reduzieren, dass die Zwei-Grad-Obergrenze nicht überschritten wird. Dazu wären nach Angaben des UN-Umweltprogramms (UNEP) im Jahr 2020 Treibhausgasemissionen in Höhe von etwa 44 Milliarden Tonnen Kohlendioxid zulässig. Im Zeitraum bis 2050 muss dem Vierten Sachstandsbericht des Weltklimarats (IPCC, 2007) zufolge eine Halbierung der weltweiten Treibhausgasemissionen gegenüber dem Niveau von 1990 erreicht werden.
Bis 2015 soll ein neues ambitioniertes und umfassendes Klimaabkommen ausgehandelt werden und ab 2020 für alle Staaten verbindlich gelten.