Zehn Länderstudien zu einer ambitionierteren Klimapolitik

Zusammengerechnet reichen die Treibhausgasminderungsbeiträge der Staaten unter der Klimarahmenkonvention nicht aus, um die Erderwärmung langfristig unterhalb der 1,5°C- oder 2°C-Obergrenze zu halten. Deshalb sind alle Länder angehalten, ihre Minderungsziele zu verschärfen. Rahmenbedingungen und Herausforderungen hierfür lässt das UBA aktuell für zehn Schwerpunktländer analysieren.

Kontext

Um die im Übereinkommen von Paris im Jahr 2015 verankerte Erwärmungsobergrenze von 2°C gegenüber dem vorindustriellen Niveau mit einer Wahrscheinlichkeit von mindestens 66 Prozent einzuhalten, dürfen die kumulativen Treibhausgasemissionen im Zeitraum 2011 bis 2100 laut Weltklimarat (IPCC, 2014) das Budget von 630 bis 1.180 Gigatonnen CO2-Äquivalenten nicht überschreiten.

Nach dem UNEP Emissions Gap Report 2016 müssen die globalen Kohlenstoffdioxidemissionen im Jahr 2070 etwa Netto-Null erreichen, um ein 2°C-kompatibles Emissionsbudget einzuhalten. Für die laut Übereinkommen von Paris anzustrebende Begrenzung auf 1,5°C müssen die globalen Kohlenstoffdioxidemissionen bereits im Jahr 2050 etwa Netto-Null erreichen.

Die einzelnen Minderungsbeiträge, die die Staaten bisher auf nationaler Ebene erarbeitet haben und an die internationale Gemeinschaft kommuniziert haben, reichen in Summe nicht aus, um die globalen Ziele zu erreichen. Im Übereinkommen von Paris einigte sich die internationale Staatengemeinschaft darum unter anderem auf einen Mechanismus zur Ambitionssteigerung der nationalen Minderungsbeiträge. Dieser Mechanismus sieht derzeit keine Vorgaben vor, welche Länder in welchem Maße ihre Ambition erhöhen können und sollten, sondern überlässt es den Staaten selbst, dies zu erarbeiten. Es ist deswegen umso wichtiger, die Gegebenheiten im Land in die Fragestellung aufzunehmen, was neben techno-ökonomischen Potenzialen auch andere Rahmenbedingungen miteinschließt.

Projekt

Seit Ende 2016 lässt das Umweltbundesamt in dem zweijährigen Projekt „Umsetzung der zukünftigen THG-Minderungsziele: Rahmenbedingungen und transformatorische Herausforderungen in ausgewählten Schwerpunktländern“ Länderstudien (auf Englisch) erarbeitet. Ausgewählt sind die Länder, mit denen Deutschland im Klimabereich sehr eng zusammenarbeitet. Insgesamt werden die folgenden Länderstudien (bisher vorliegende rechts unter "Publikationen" abrufbar) erarbeitet:

  • Äthiopien
  • Georgien
  • Indonesien
  • Iran
  • Kenia
  • Kolumbien
  • Marokko
  • Marschall Inseln
  • Peru
  • Vietnam

Für Indonesien, Kolumbien, Kenia, Marokko und Vietnam wird auch der Kohlesektor genauer untersucht.

Es gab bereits ähnliche Projekte, die zugehörigen Publikationen finden Sie rechts in der Box „verwandte Publikationen“.

Inhalte

Die Studien analysieren die zehn Länder im Hinblick auf Emissionen und Energienutzung, aktuelle Klimaschutzbemühungen – insbesondere die Minderungsbeiträge (Nationally Determined Contributions, NDCs) – sowie bestehende Minderungspotenziale und Barrieren, die die Umsetzung dieser Potenziale erschweren.

Untersuchung der aktuellen Minderungsbeiträge

Diese Bestandsaufnahme analysiert unter Berücksichtigung bisheriger wissenschaftlicher Analysen zuerst die Annahmen, auf denen die NDCs beruhen, und deren quantifizierte Ergebnisse. Die vorgeschlagenen Maßnahmen werden dargestellt und hinsichtlich ihrer Kosten, politischen Machbarkeit und gemäß Nachhaltigkeitskriterien bewertet. Geschlussfolgert wird, ob die Minderungsbeiträge der untersuchten Schwerpunktländer ausreichend zur Einhaltung der 2°C beziehungsweise 1,5°C Obergrenze sind. Das bedeutet, dass für den Zeitraum bis 2030 Minderungspfade eingeschlagen werden, die auf eine kostengünstige Absenkung der Treibhausgasemissionen auf Netto-Null abzielen.

Untersuchung der Minderungspotenziale

Untersucht wird, welche Treibhausgasminderungspotenziale bis zum Jahr 2030 bestehen, inwieweit diese Potenziale durch die vorgelegten Minderungsbeiträge ausgeschöpft werden und zu welchen Kosten sich diese Potenziale umsetzen ließen. Besteht eine langfristige Dekarbonisierungsstrategie, wird diese im Hinblick auf Möglichkeiten aber auch Hürden in den politischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen für die Umsetzung der identifizierten Minderungspotenziale geprüft und der Fragestellung nachgegangen, wie solche Hürden möglicherweise überwunden werden können. Ein weiterer Aspekt bei der Durchführung des Forschungsprojekts ist die Darstellung, welche gesellschaftlichen Akteure ein wirtschaftliches Interesse an Klimaschutzmaßnahmen haben und welche positiven Nebeneffekte entstehen können.

Ausstieg aus der Kohlenutzung

Für Indonesien, Kolumbien, Kenia, Marokko und Vietnam, die Schwerpunktländer mit bedeutender heimischer Kohleförderung bzw. -verstromung sind, wird erforscht, wie ein Ausstieg aus der energetischen Nutzung von Kohle politisch eingeleitet bzw. wie dieser Prozess wirtschaftlich und sozial begleitet werden kann. Dabei wird aufgezeigt, welche positiven Nebeneffekte sich beispielsweise für Luftreinhaltung, Landschafts- und Menschenrechtsschutz ergeben.

Institutionelle Verankerung der nationalen Klimapolitik

Es wird analysiert, ob das betreffende Land eine Gesamtstrategie für Klimaschutz hat und wie eventuelle Einzelkonzepte und Akteure darin eingebunden und wie Berichterstattungssysteme in nationalen Institutionen verankert sind.