Öko-Ausgleich auf der Luneplate

  • Ein Tidepolder bei Ebbe
    Flächen des Tidepolders zur Ebbzeit (Foto: Stephanie Neumann / www.werkstadt.net)
  • Der Grünlandbereich wird von einem Graben durchzogen an dem eine Stauanlage errichtet wurde
    Gräben und Stauanlagen wurden im Grünlandbereich angelegt (Foto: Stephanie Neumann / www.werkstadt.net)
  • Wasserbüffel auf Feuchtgrünland
    Die Beweidung mit Wasserbüffeln trägt zur Entwicklung und zum Erhalt von artenreichen Feuchtgrünlandbereichen bei (Foto: Stephanie Neumann / www.werkstadt.net)
  • Feuchtgrünlandbereiche werden durch Gräben zuschnitten
    Früher intensiv genutzte Acker- und Weideflächen werden in extensiv genutzte Feuchtgrünländer umgewandelt (Foto: Stephanie Neumann / www.werkstadt.net)
  • Einzelne Wasserbüffel stehen auf einer Fläche mit hohem Gras
    Die entstandenen Flächen sind ein ideales Areal für Brut- und Rastvögel (Foto: Stephanie Neumann / www.werkstadt.net)
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Die naturschutzrechtliche Kompensationsmaßnahme zum Ausgleich für hafenbedingte Biotopverluste in Bremerhaven sichert den Lebensraum von Flora und Fauna bei Meeresspiegelanstieg, Extremniederschlägen und längeren Trockenphasen.
Bereits in den 1990er Jahren wurden an der Weser erste Ausgleichsmaßnahmen für den Hafenbau umgesetzt. Heute zeigt sich, dass naturschutzrechtliche Kompensationsmaßnahmen auch ein Beispiel dafür sein können, wie erfolgreiche Anpassung an den Klimawandel aussehen kann. Für die Maßnahme wurden an der Luneplate die Vordeichsflächen renaturiert und landseits des Weserdeichs wurde ein Grünlandbereich sowie ein Tidepolder – ein eingedeichtes Gelände, das von Ebbe und Flut beeinflusst wird – mit einem Tideschöpfwerk und einem Sturmflutsperrwerk angelegt. Außerdem wurde ein Teilabschnitt der alten Weser renaturiert. Die Maßnahme wirkt sich in verschiedenen Klimaszenarien positiv aus, also bei unterschiedlichen Werten für den künftigen Meeresspiegelanstieg wie auch bei zunehmenden Extremniederschlägen und längeren Trockenphasen.
Das 290 Hektar große Grünland-Graben-Gebiet bietet als extensiv genutztes Feuchtgrünland ein ideales Areal für Brut- und Rastvögel. Die Beweidung mit Wasserbüffeln trägt dazu bei, dass sich die ehemaligen Ackerflächen zu den gewünschten artenreichen Feuchtgrünlandbereichen entwickeln und erhalten bleiben. Windkraftbetriebene Schöpf- und Stauanlagen regeln den Wasserstand in diesem Gebiet. Auch bei stärkeren Trocken- oder Hitzeperioden bleibt durch ein gezieltes Wassermanagement die Biotopfunktion erhalten.
Gleichzeitig verbessern die zusätzlichen tidebeeinflussten Lebensräume im Tidepolder bei steigendem Meeresspiegel die Anpassungsmöglichkeiten für Flora und Fauna. In Bezug auf Extremniederschläge im Hinterland des Tidepolders besteht die Option dort flächenhafte Überschwemmungen zu vermeiden, indem die Niederschläge in den Tidepolder abgeleitet werden.
Im Rahmen des Verwaltungsverfahrens mit Planfeststellung und länderübergreifender Abstimmung wurde die Grundlage für die Umsetzung der Maßnahme geschaffen.

Eckdaten zur Maßnahme

Maßnahmenträger

MaßnahmenträgerHafengesellschaft bremenports GmbH & Co. KG
http://www.bremenports.de/
Kooperationspartner

Senatorische Dienststellen für Umwelt, Wirtschaft und Häfen, Bremen; Wissenschaftliche Beratung für Naturschutz und Landschaftsplanung (WBNL), Bremen; Küstenökologische Forschungsgesellschaft (KÜFOG GmbH), Loxstedt-Ueterlande; Universität Bremen; BUND Landesverband Bremen; Niedersächsisches Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz, Hannover; Niedersächsisches Ministerium für Umwelt, Energie und Klimaschutz, Hannover; Niedersächsischer Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz, Norden; Landkreis Cuxhaven; BUND Landesverband Niedersachsen, Hannover; Landwirtschaftskammer Niedersachsen; Verschiedene Gutachter und Planungsbüros

Dauer und Finanzierung

Dauer

Beginn der Umsetzung
Wie hoch waren die (geschätzten) Kosten für die Umsetzung?

knapp 30 Mio. EUR

Finanzierung für Tidepolder, Sturmflutsperrwerk, Tideschöpfwerk und Grünland-Graben-Gebiet

bremenports hat die Integration der Kompensationserfordernisse für verschiedene Eingriffsprojekte übernommen. Zur Finanzierung wurden die jeweiligen Projektmittel zusammengeführt. Für große Teile konnte auf zinsgünstige Darlehen der europäischen Investitionsbank zurückgegriffen werden.

Beteiligung

Welche weiteren Personengruppen wurden an der Planung oder Umsetzung der Maßnahme beteiligt?

Träger öffentlicher Belange, Landwirte & Grundstücksbesitzer, Kommunen und breite Öffentlichkeit

Welche Formen der Beteiligung fanden statt?

ErläuterungBeteiligung im Rahmen der Planfeststellung; öffentliche Informations- und Diskussionsveranstaltungen zu allen Projektphasen (Genehmigungsphase, anschließende Objektplanung, bauliche Umsetzung, aktuelle Entwicklungsphase), Durchführung von organisierten Führungen für die breite Öffentlichkeit und zielgruppenspezifische Veranstaltungen

Erfolge

Welche Erfolge wurden bis jetzt mit der Maßnahme erreicht?

Mittlerweile wurden Flächen des Kompensationsprojektes zu EU-Vogelschutzgebiet und FFH-Gebieten ernannt. Derzeit wird das Natura-2000-Gebiet Luneplate zum nationalen Naturschutzgebiet erklärt. Ermöglicht hat dies unter anderem die großflächige, räumlich und organisatorisch konzentrierte Umsetzung mehrerer Kompensationsbedarfe an einem Standort.
Durch das gezielte Wassermanagement kann der Lebensraum von Flora und Fauna wirksam stabilisiert werden. Lebensraumansprüche von Vögeln an Nahrungs-, Brut- und Rastflächen sind berücksichtigt worden und das gesellschaftliche Bedürfnis nach sicherer Abführung von Starkregenereignissen erfüllt.

Erläuterungregelmäßige Untersuchungen zur Erreichung der Kompensationsziele

Hat die Maßnahme positive Nebeneffekte?

Erhaltung der biologischen Vielfalt

Unterstützung und Bekanntmachung der Nachhaltigkeitsstrategie der bremischen Häfen unter der Marke greenports. Erhöhung der Wettbewerbsfähigkeit von Unternehmen oder Regionen

Schaffung und Erhaltung eines stadtnahen Naturraumes mit Möglichkeiten zur naturbezogenen Erholung und Beobachtung („Natur erleben“).

Hindernisse

Welche Hindernisse gab es während der Umsetzung?

Während Naturschutzvertreterinnen und -vertreter ursprünglich eine Deichrückverlegung einforderten und von Seiten der Landwirtschaft die Verwendung relativ hoch gelegener und produktiver Marschstandorte für naturschutzfachliche Kompensationsmaßnahmen kritisiert wurde, stellten Teile der Öffentlichkeit die mit den Maßnahmen verbundenen Kosten in Frage.

Hat die Maßnahme negative Nebeneffekte?

Im Rahmen der Planfeststellung wurde auch eine vermutlich kostengünstigere Deichrückverlegung geprüft. Diese war jedoch in der Bevölkerung nicht akzeptiert und deshalb nicht durchsetzbar. Stattdessen wurde von bremenports das Polderkonzept mit Sperrwerk entwickelt.

Ansprechperson

Uwe von Bargen
bremenports GmbH & Co. KG
Am Strom 2
27568 Bremerhaven
Deutschland
Abteilung Direktor für Umweltangelegenheiten
Telefonnummer+49-(0)471-30901-0

Ort der Umsetzung

Am Strom 2
27568 Bremerhaven
Deutschland

Bremen

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