Handlungsfeld Tourismus

Strandkörbe an Ostseestrandzum Vergrößern anklicken
Der Klimawandel wirkt sich auf die Tourismusbranche aus, die abhängig ist von Wetter und Klima.
Quelle: quiloo/photocase.com

Der Klimawandel wirkt sich sehr unterschiedlich auf die verschiedenen Bereiche der Natur und Gesellschaft aus. Auch die daraus resultierenden Anpassungsmaßnahmen unterscheiden sich. Mehr zu den Auswirkungen auf die Tourismuswirtschaft und möglichen Anpassungsoptionen lesen Sie hier.

Klimafolgen

Inhaltsverzeichnis

 

Hochwasser, Sturmfluten und Starkregen

In Folge des Klimawandels steigt die Gefahr von Starkregen und Hochwasser. Solche Überflutungen können zu Schäden an touristischen Einrichtungen führen und potenzielle Besucher von Reisen in die betroffene Region abhalten. Neben materiellen Schäden entstehen hierdurch Einkommenseinbußen für die Tourismusregion.

An der Küste kommt hinzu, dass durch Stürme höher auflaufende Wellen langfristig zu einer Verschiebung der Küstenlinie landeinwärts beitragen. Dies kann sowohl das Landschaftsbild als auch die touristische Nutzung von Stränden beeinträchtigen. Auch Wassersport und andere Tourismusaktivitäten in Küstennähe können durch den erhöhten Wellengang eingeschränkt werden oder in Teilgebieten gänzlich wegfallen. Zukünftig können zudem Sturmfluten häufiger auftreten und an Intensität zunehmen, was eine touristische Nutzung möglicherweise unmöglich machen kann.

Neueste Untersuchungen zeigen jedoch, dass Hochwasserereignisse nicht zu grundsätzlichen Änderungen im Reiseverhalten führen, auch wenn sich die Risikoeinstufung von Reisezielen durch Hochwasserereignisse ändert. Die Reisenden können dank einer sehr guten Informationslage über mögliche Extremwetterereignisse oder über die Folgen stattgefundener Extremwetterereignisse sehr sachlich Risiken einstufen und ggfls. kurzfristig mit einer Verschiebung der Reise oder der Änderung des Reiseziels reagieren. Dies findet aber innerhalb des Rahmens des zuvor gewählten Reiseziels statt.

 

Temperatur

Sommertourismus profitiert durch längere Badesaison

Steigende Temperaturen und geringere Niederschläge im Sommer erhöhen die Attraktivität deutscher Tourismusdestinationen und können die Badesaison erheblich verlängern. Insgesamt könnte die Sommersaison bis zum Jahr 2100 ungefähr 60 Tage länger andauern. Dadurch könnten in den kommenden Jahren 25 bis 30 Prozent mehr Touristen nach Deutschland kommen. Auch der längere warme Herbst und die damit verbundenen touristischen Möglichkeiten im Naturraum wie z.B. Wandern oder Radfahren werden von Verbrauchern als positiv angesehen - insbesondere im Bereich der Kurzreisen und der Naherholung. Gleichzeitig zeigen neuere wissenschaftliche Untersuchungen, dass klassische Urlaubsorte wie die Mittelmeerregion durch die zunehmende Hitze, anders als bisher erwartet, nicht an Attraktivität verlieren. Die Erwärmung des Mittelmeerraums oder anderer warmer Reiseziele wird von Reisenden nicht als negativ oder bedrohlich bewertet.

Die zunehmende Zahl an Touristen bietet vielfältige Chancen für die Tourismuswirtschaft. In manchen Tourismuszentren können die steigenden Besucherzahlen aber auch zu einer Überlastung von Unterkunfts- und Verkehrskapazitäten führen. Bereits heute ist in einigen Ferienorten an der Ostsee im Sommer die Kapazitätsgrenze für den Tourismus erreicht. So stoßen die Ver- und Entsorgungssysteme an der deutschen Ostseeküste in der Hochsaison oftmals an ihre Kapazitätsgrenzen, weshalb Abfälle und Abwässer teilweise zwischengelagert bzw. zwischengespeichert werden müssen.

Zudem steigt durch höhere Touristenzahlen der Nutzungsdruck auf Naturräume, was sich schon heute nachteilig auf sensible Ökosysteme auswirkt.

Steigende Temperaturen haben negative Effekte auf die Gewässerqualität

Der Klimawandel hat auch einen Einfluss auf die Wasserqualität in Tourismusregionen. Aufgrund der steigenden Temperaturen und der stärkeren Sonneneinstrahlung erwärmen sich die oberen Wasserschichten der Nord- und Ostsee sowie der Binnengewässer zunehmend stärker und beeinflussen so die Gewässergüte. Da wärmeres Wasser einen geringeren Sauerstoffgehalt aufweist, ist die Tier- und Pflanzenwelt unmittelbar betroffen. Der gleichzeitig steigende CO2-Gehalt des Wassers führt zu einem Überangebot an Nährstoffen, wodurch das Wachstum von Algen, Seegras und Quallen begünstigt und die Vermehrung von Bakterien gefördert wird. Durch die sinkende Gewässerqualität kann die Gesundheit von Badegästen gefährdet werden. Im Sommer 2006 wurden beispielsweise bei Badegästen in der Ostsee Wundinfektionen durch das Bakterium Vibrio vulnificus (Cholera-Bakterien) diagnostiziert. Infolgedessen könnte sich die Attraktivität des Tourismus am betroffenen Standort verringern.

Steigende Temperaturen und zurückgehende Niederschläge können auch andere Tourismusbereiche beeinträchtigen. Sinkt zum Beispiel im Sommer der Wasserstand in Flüssen und Kanälen so stark, dass die Binnenschifffahrt eingeschränkt ist, hat dies auch Auswirkungen auf die Flusskreuzfahrtbranche. So musste die Kreuzschifffahrt auf der Elbe in den Sommern 2015 und 2018 für mehrere Wochen eingestellt werden und die Touristen erhielten Ersatzprogramme vorrangig mit Reisebussen. Umbuchungen oder Kündigungen sind ebenfalls möglich und führen zu entsprechenden Umsatzeinbußen der Tourismuswirtschaft.

Wintertourismus

Der Skitourismus in Deutschland ist gegenüber dem Klimawandel sehr verwundbar. Durch die steigenden Temperaturen verringert sich die jährliche Schneedeckendauer ebenso wie die Schneemenge. In den tieferen Lagen der Alpen und den deutschen Mittelgebirgen ist bereits in den letzten 50 Jahren ein deutlicher Rückgang der Schneesicherheit zu beobachten. Künftig ist davon auszugehen, dass in den tieferen Lagen bei steigenden Temperaturen selbst die künstliche Beschneiung mit Schneekanonen nicht mehr rentabel sein kann. Zudem ist sie unter Umweltgesichtspunkten nicht vorteilhaft.

Nicht zu vergessen ist die herausragende Bedeutung von Schnee einerseits mit seiner funktionalen Komponente (z.B. für Wintersport), und andererseits mit der emotionalen / ästhetischen Komponente. Es gibt deutliche Anzeichen dafür, dass Verbraucher traditionelle Winterreisegebiete ohne Schnee zukünftig meiden oder weniger häufig aufsuchen werden und durch andere Ziele, insbesondere warme (Fern-)Reiseziele substituieren.

 

Quellen

Anpassung

Wintertourismus

Insbesondere der Skitourismus ist besonders stark vom Klimawandel betroffen, denn mit steigenden Temperaturen und veränderten Niederschlagsmustern sinkt die Schneesicherheit der Skidestinationen. Mit künstlicher Beschneiung kann dem Schneemangel nur eingeschränkt begegnet werden, da hierfür in der Regel Temperaturen unter 4° Celsius benötigt werden. In vielen deutschen Skigebieten in Mittelgebirgslage wird diese Temperaturgrenze künftig voraussichtlich seltener erreicht. Die aufwändige Installation sowie der sehr wasser- und energieintensive Betrieb von Beschneiungsanlagen treiben die Kosten für Skigebiete in die Höhe und machen diese zunehmend unrentabel. Zudem ist die künstliche Beschneiung mit großen ökologischen Nachteilen verbunden, beispielsweise der Verkürzung der Vegetationsperiode sowie steigendem Wasser- und Energieverbrauch. Beschneiungsanlagen können somit lediglich übergangsweise als Maßnahme zur Anpassung an den Klimawandel angesehen werden.

Auch ein Ausweichen in höher gelegene Gebiete ist wegen der begrenzten Höhenlage deutscher Skigebiete und der hierdurch zu erwartenden ökologischen Überlastung häufig keine Option. Für viele derzeitige Skigebiete ist die weitaus wirksamere Maßnahme eine Umstellung des Tourismusangebots vom schneeabhängigen Wintersport hin zu einem ganzjährigen Angebot. Bereits heute haben viele Länder und Regionen Konzepte für eine Umstellung erarbeitet. In den heutigen Wintertourismusdestinationen wird ein Wachstumspotenzial für den Gesundheits- und Erlebnis-Tourismus prognostiziert, der vielfältige Angebote wie Winterwandern, Fitness, Wellness und Indoor-Aktivitäten umfasst. Dabei gilt es, umweltverträgliche Tourismusformen und ein nachhaltiges Umweltmanagement der Tourismusbetriebe zu fördern.

Für die Neuausrichtung von touristischen Strategien ist eine integrierte Betrachtung notwendig. Der Klimawandel ist nur einer der Treiber, die den Wintertourismus beeinflussen. Andere Faktoren wie ein verändertes Freizeitverhalten, der demographische Wandel und wirtschaftliche Faktoren werden den Tourismus künftig ebenso vor Herausforderungen stellen. Darüber hinaus ist für eine nachhaltige Ausrichtung des Tourismus die Abstimmung mit Akteuren aus Naturschutz, Verkehrsplanung und Regionalentwicklung von besonderer Bedeutung.

Sommertourismus

Für den Sommertourismus sind konkrete Anpassungsoptionen nur schwer zu identifizieren, da die Auswirkungen des Klimawandels auf Sommerurlaube sehr vielschichtig sind. Eine besondere Herausforderung mit Blick auf den Tourismus an den Küsten stellen zunehmende Sturmfluten und der Abtrag der Küsten dar. Dem kann mit einem Frühwarnsystem begegnet werden, das Anwohner und Touristen rechtzeitig über mögliche Extremwetterereignisse informiert. Einrichtungen touristischer Infrastruktur können darüber hinaus im Rahmen entsprechender Risikomanagementkonzepte mithilfe von Deichen und Schotten geschützt und so sturm- und flutsicher gestaltet werden. Weitere Beispiele können Gebäude auf Stelzen oder eine Rückverlegung sensibler Infrastruktur ins Landesinnere sein.

Der Schutz von Meeren und Badegewässern ist erforderlich, um gesundheitliche Risiken durch Keim- und Bakterienbildung bei hohen Wassertemperaturen zu vermeiden. Insgesamt ist aber davon auszugehen, dass der Badetourismus in Deutschland insgesamt vom Klimawandel profitiert, da die Attraktivität von deutschen Baderegionen sowie Nord- und Ostsee durch wärmere Sommer steigt. Das gilt vor allem an der Nord- und Ostsee im Vergleich zum Mittelmeerraum, wo es im Sommer zunehmend sehr heiß wird.

Grundsätzlich ist – wie in Wintertourismusdestinationen – die Diversifizierung des Tourismusangebots eine wirksame Maßnahme zur Anpassung an den Klimawandel.

Im Umland großer Städte bietet zudem die Entwicklung von konkreten Angeboten für Bewohner von Ballungsräumen, die den heißen Stadtzentren entfliehen wollen, Potential für den Natur- und Sporttourismus.

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