Anpassung: Handlungsfeld Verkehr

Autos im Stauzum Vergrößern anklicken
Wetterextreme beeinträchtigen Verkehr und Verkehrsinfrastruktur.
Quelle: Christian Müller/fotolia.com

Im Bereich Verkehr gibt es eine Vielzahl von Anpassungsoptionen. Es ist zu beachten, dass der Bereich nicht nur vom Klimawandel betroffen ist, sondern aufgrund enormer Treibhausgasemissionen auch zu den Verursachern zählt. Um Schäden und hohe Kosten durch Klimafolgen zu vermeiden, sind effektive Anpassungsmaßnahmen erforderlich, die sich zugleich am Leitbild der Nachhaltigkeit orientieren.

Technische Maßnahmen

Die Verkehrssysteme und die zugehörige Infrastruktur werden den sogenannten Kritischen Infrastrukturen zugeordnet und gelten als hoch komplex und sensibel. Für die Funktionalität der Gesellschaft haben sie eine hohe Bedeutung. Für ihren Schutz und Erhalt werden technische Anpassungsmaßnahmen an den ⁠Klimawandel⁠ als besonders relevant angesehen, um Schäden vorzubeugen. Hierfür ist auch die übergeordnete Anpassung von Planungs- und Baustandards notwendig.

Technische Maßnahmen für den Umgang mit hohen Temperaturen kann beispielsweise die Verwendung von hitzebeständigen Asphaltmischungen, die Blow-Ups verhindern sein. Auch endlos verschweißte Schienen sowie eine verbesserte Kühlung der elektronischen Bestandteile von Infrastrukturen, wie bspw. Leit- und Sicherungstechnik im Schienenverkehr können technische Anpassungsmaßnahmen sein. Investitionen in den Schutz vor Vereisung von Weichen oder Fahrbahnen könnten hingegen zukünftig aufgrund der voraussichtlichen Reduktion von Frosttagen vermindert werden.

Um Schäden durch Starkregenereignisse wie insbesondere Überflutungen und Unterspülungen vorzubeugen, muss vor allem die Planung und Dimensionierung von trassenbezogenen Entwässerungsanlagen angepasst werden. Dies betrifft Drainage- und Pumpanlagen für Tunnel, Brücken und Straßen. In Gebieten, die von Erd- oder Hangrutschungen gefährdet sind, können Hangbefestigungen einzelne Streckenteile bei ⁠Starkregen⁠ schützen. Risikendurch stehendes Wasser auf Straßen können z.B. durch ein Ausfräsen von Spurrillen oder eine angepasste Straßenführung vermieden werden.

Als ⁠Anpassungsmaßnahme⁠ an Stürme kann zum Beispiel das Design von Brücken so angepasst werden, dass die Verbindung zwischen Fahrbahn und Fundamentkonstruktion verbessert wird. Hierfür werden Baumaterialien mit erhöhter Stabilität benötigt. Zusätzlich können Schutzwälle an Straßen und Schienen zur Vorsorge beitragen.

Der Anstieg des Meeresspiegels kann zudem die küstennahe Verkehrsinfrastruktur gefährden. Hier empfiehlt sich, die Verlagerung von Trassen zu erwägen und Ausweichrouten einzuplanen sowie Investitionen in Häfen entsprechend auszurichten.

Ökosystemare Maßnahmen

Bei der Anpassung der Verkehrsinfrastruktur an Klimawandelfolgen spielen auch ökosystemare Maßnahmen (vor allem „Vegetationsmanagement“) eine Rolle. Beim Umgang mit Starkwindereignissen und Stürmen kann die Anpassung der Baumarten und der Vegetationszusammensetzung an Trassen helfen, um die Gefahr von Baumfall zu verringern. Eine stärkere Vegetationskontrolle kann dazu beitragen, Böschungsbränden vorzubeugen. 

Zudem können größere Schneisen ohne Bepflanzung in beiden Fällen helfen. Allerdings kann hier ein Zielkonflikt entstehen, da die Vegetation an Straßen und Schienen grundsätzlich die wichtige Funktion der Beschattung erfüllt, die entscheidend dazu beiträgt, dass Verkehrswege und Fahrzeuge vor Überhitzung geschützt werden. Gesunde Schutzwälder schirmen Fahrzeuge zudem vor Sturmböen ab.

Die Gefahr von Überschwemmungen und Unterspülungen der Verkehrsinfrastruktur durch ⁠Starkregen⁠ und Hochwasser kann durch ausreichende Überflutungsflächen an Flüssen und in Küstenregionen begrenzt werden.

Rechtliche, politische und Management-Maßnahmen

Rechtliche, politische und Management-Maßnahmen unterstützen die Anpassung des Verkehrssektors an die Folgen des Klimawandels in drei Bereichen: In der Planung (Neubau), im Infrastrukturbestand (vorbeugend) und zur Bewältigung von Wetterschäden (nachträglich). Da sowohl der private Sektor als auch die öffentliche Hand für die Verkehrsinfrastruktur zuständig sind, müssen Verantwortlichkeiten und Aufgaben angemessen verteilt werden. Das Expertennetzwerk der Fachbehörden des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur (⁠BMVI⁠) forscht seit 2016 vertieft, um durch Innovationen eine klimaresiliente und umweltgerechte Gestaltung der Verkehrsträger zu ermöglichen.

Einzelne Verkehrsträger stehen speziellen Herausforderungen gegenüber. So muss vor allem die Seeschifffahrt Überwachungs-, ⁠Vorhersage⁠- und Warndienste erweitern und das Risikomanagement sowie die technischen Anforderungen für Schiffe und Hafeninfrastruktur anpassen. Denn infolge des Klimawandels werden Sturmereignisse und stärkerer Seegang wahrscheinlicher. Mit Blick auf die Binnenschifffahrt ist Anpassung bei der Unterhaltung der Wasserstraßen an mögliche Niedrigwasserstände notwendig, z.B. durch Sedimentmanagement. Zudem können Reedereien kleinere Schiffe mit weniger Tiefgang bei Niedrigwasser einsetzen.

Zusätzlich ist die öffentliche Hand gefragt, Richtlinien und Regelwerke zu überarbeiten. Dies betrifft unter anderem Richtlinien des Katastrophenmanagements, der Notfallrettung, Bau- und Planungsentscheidungen sowie weitere Normen und Standards. Dabei ist eine verbesserte Kommunikation und Zusammenarbeit zwischen Industrie, Verbänden und Behörden wichtig.

Auch organisatorische Maßnahmen können zur Anpassung des Verkehrssektors beitragen:

  • Monitoring⁠ von Schäden
  • Risiko- bzw. Betroffenheitsanalyse für den Infrastrukturbestand
  • Risikokartierung für Extremwetterereignisse
  • Vorbereitung auf Ausfälle
  • Verkürzung der Intervalle für Wartung und Instandhaltung
  • Klimaresilienter Ersatz geschädigter Verkehrsinfrastruktur
  • Klimaresiliente Planung neuer Verkehrsinfrastruktur

Durch verbesserte Kommunikation kann darüber hinaus das Problembewusstsein bei allen Akteuren und auch Verkehrsteilnehmern gesteigert und so Eigenvorsorge und die Akzeptanz von Anpassungskosten erhöht werden.

weitere Quellen