Anpassung: Handlungsfeld Tourismus

Strandkörbe an Ostseestrandzum Vergrößern anklicken
Der Klimawandel wirkt sich auf die Tourismusbranche aus, die abhängig ist von Wetter und Klima.
Quelle: quiloo/photocase.com

Der Tourismus in Deutschland bleibt trotz des Klimawandels und der Corona-Krise voraussichtlich eine Wachstumsbranche. Während der Wirtschaftskrisen 2001 und 2008 ist der Tourismus jedes Mal zurückgegangen und anschließend wieder gewachsen.

Je nach Region und Tourismusangebot steht ein Repertoire an wirksamen Anpassungsoptionen an den ⁠Klimawandel⁠ zur Verfügung. Bei manchen touristischen Aktivitäten wie Skifahren sind Anpassungsmaßnahmen aufwendiger und in Mittelgebirgsregionen auch so unsicher, dass es dort nur noch eine Möglichkeit zwischen vielen anderen Aktivitäten sein wird.

Wintertourismus

Insbesondere der Skitourismus in Mittelgebirgen und niedrigeren Lagen ist besonders stark vom ⁠Klimawandel⁠ betroffen, denn mit steigenden Temperaturen und veränderten Niederschlagsmustern sinkt die Schneesicherheit der Skidestinationen. Mit künstlicher Beschneiung kann dem Schneemangel nur eingeschränkt begegnet werden, da hierfür in der Regel Temperaturen unter 4° Celsius sowie ausreichend Wasser benötigt werden. In vielen deutschen Skigebieten in Mittelgebirgslage wird diese Temperaturgrenze künftig voraussichtlich seltener erreicht. Die aufwändige Installation sowie der sehr wasser- und energieintensive Betrieb von Beschneiungsanlagen treiben die Kosten für Skigebiete in die Höhe und machen diese zunehmend unrentabel. Zudem ist die künstliche Beschneiung mit großen ökologischen Nachteilen verbunden, beispielsweise der Verkürzung der ⁠Vegetationsperiode⁠ sowie steigendem Wasser- und Energieverbrauch. Beschneiungsanlagen können somit lediglich übergangsweise als Maßnahme zur ⁠Anpassung an den Klimawandel⁠ angesehen werden.

Auch ein Ausweichen in höher gelegene Gebiete ist wegen der begrenzten Höhenlage deutscher Skigebiete und der hierdurch zu erwartenden ökologischen Überlastung häufig keine umweltverträgliche Option. Ebenso ist auch das Skifahren auf anderen Kontinenten nicht vertretbar, da Flugreisen mit sehr hohen klimaschädlichen Emissionen verbunden sind. Für viele derzeitige Skigebiete ist die weitaus wirksamere Maßnahme eine Umstellung des Tourismusangebots vom schneeabhängigen Wintersport hin zu einem alternativen Angebot. Bereits heute haben viele Länder und Regionen Konzepte für eine Umstellung erarbeitet. In den heutigen Wintertourismusdestinationen wird ein Wachstumspotenzial für den Gesundheits- und Erlebnis-Tourismus erwartet, der vielfältige Angebote wie Winterspaziergänge und -wandern, Fitness, Wellness und Indoor-Aktivitäten umfasst. Zusätzlich kann auch mit kulturellen und handwerklichen Angeboten gepunktet werden. Dabei gilt es, umweltverträgliche Tourismusformen und ein nachhaltiges Umweltmanagement der Destinationen und Tourismusbetriebe zu fördern.

Für die Neuausrichtung von touristischen Strategien ist eine integrierte Betrachtung notwendig. Der Klimawandel ist nur einer der Treiber, die den Wintertourismus beeinflussen. Andere Faktoren wie Freizeitverhalten, der demographische Wandel und wirtschaftliche Faktoren werden den Tourismus künftig ebenso vor Herausforderungen stellen. Darüber hinaus ist für eine nachhaltige Ausrichtung des Tourismus die Abstimmung mit Akteuren aus Naturschutz, Umweltschutz, Verkehrsplanung und Regionalentwicklung von besonderer Bedeutung.

Sommertourismus

Für den Sommertourismus sind konkrete Anpassungsoptionen nur schwer zu identifizieren, da die Auswirkungen des Klimawandels auf Sommerurlaube sehr vielschichtig sind. Eine besondere Herausforderung mit Blick auf den Tourismus an den Küsten stellen zunehmende Sturmfluten und der Abtrag der Küsten dar. Dem kann mit einem Frühwarnsystem begegnet werden, das Anwohner und Touristen rechtzeitig über mögliche Extremwetterereignisse informiert. Einrichtungen touristischer Infrastruktur können darüber hinaus im Rahmen entsprechender Risikomanagementkonzepte mithilfe von Deichen und Schotten geschützt und so sturm- und flutsicher gestaltet werden. Weitere Beispiele können Gebäude auf Stelzen oder eine Rückverlegung sensibler Infrastruktur ins Landesinnere sein. Der Abtrag von Sand an Stränden kann technisch behoben werden. All diese Maßnahmen sind sehr kostenintensiv. Erste Konzepte zum Umgang mit dieser Situation werden diskutiert.

2019 erfüllten 98 Prozent der Badegewässer in Deutschland die Qualitätsanforderungen der EG-Badegewässerrichtlinie. Der Schutz von Meeren und Badegewässern ist erforderlich, um eine gute Wasserqualität zu erhalten. Hohe Wassertemperaturen können zu vermehrtem Algenwachstum, Keim- und Bakterienbildung führen, dies ist ein gesundheitliches Risiko und kann zu temporären Badeverboden führen. Da Aktivitäten am und im Wasser für den Sommertourismus eine sehr wichtige Rolle spielen, stellen diese Einschränkungen ein zu beachtendes Risiko dar.

Grundsätzlich ist – wie in Wintertourismusdestinationen – die Diversifizierung des Tourismusangebots sowie auch ein differenziertes Tourismusmarketing eine wirksame Maßnahme zur ⁠Anpassung an den Klimawandel⁠.

Im Sommer könnten Stadt-Umland-Regionen eine besondere Bedeutung im Tagestourismus erlangen, wenn diese über schattige Rad- und Wanderwege und Badegewässer den Bewohner*innen großer Städte eine Alternative zu zu heißen Stadtzentren und Ballungsräumen bieten.

Quellen

•    Bürki, R. / Elsasser, H. / Abegg, B. (2003): Climate Change - Impacts on the Tourism Industry in Mountain Areas
•    Bausch, T., Ludwigs, R. & Meier, S. (2017): Winter Tourism and Climate Change - Impacts and Adaptation Strategies. Munich University of Applied Sciences, Department of Tourism