Anpassung: Handlungsfeld Industrie und Gewerbe

Rohre auf einem Fabrikgeländezum Vergrößern anklicken
Auch auf die Industrie hat der Klimwandel Auswirkungen.
Quelle: Thorsten Schier/fotolia.com

Die Anpassung von Industrie und Gewerbe erfordert präventive Schutzmaßnahmen für Standorte und Infrastruktur sowie angepasste, möglichst ressourcenschonende und regionale Produktionstechnologien und Lieferketten. Wenn Industrie und Gewerbe frühzeitig auf den Klimawandel reagieren, können sie langfristig erfolgreich im Wettbewerb bestehen.

Technische Maßnahmen

Die Hauptrisiken des Klimawandels für Industrie und Gewerbe liegen in durch Extremwetterereignisse verursachten Schäden an Standorten und Infrastrukturen. Außerdem sind Versorgungsengpässe, sowie einer Verteuerung bei Rohstoffen, Wasser und Energie möglich.

Risiken für Standorte bedingt durch Extremwetterereignisse können oft durch bauliche Präventionsmaßnahmen gemindert werden. Schutzvorrichtungen, beispielsweise tiefere Fundamente, erhöhen die Gebäudestabilität gegenüber Sturm oder Hochwasser. Mobile Barrieren können etwa technische Anlagen absichern und die Gefährdung der Umwelt reduzieren. Durch eine klimaangepasste Bau- und Betriebsweise der Gebäude kann einer möglichen Überhitzung im Sommer sowie Einschränkungen in der Wertschöpfung vorgebeugt werden.

Innovative, technische Maßnahmen bieten für Unternehmen nicht nur die Chance, effizienter zu produzieren, sondern sie können auch unabhängiger von Rohstoffen oder Kühlwasser zu werden. Darüber hinaus ermöglichen sie es Unternehmen, sich leichter an Regulierungen zum ⁠Klimaschutz⁠ anzupassen oder sogar von diesen zu profitieren. Klimaangepasste und -schonende Produkte und Prozesstechnologien wie wassersparende Produktionsverfahren oder Lösungen zur Emissionsreduzierung eröffnen neue Marktchancen und Exportpotenziale und werden zunehmend zu einem Wettbewerbsfaktor.

Politische, rechtliche und Management-Maßnahmen

Eine erfolgreiche Anpassung setzt ein systematisches, vorausschauendes Risikomanagement voraus, das Maßnahmen zur Minderung und Kontrolle von ⁠Klima⁠- und Wetterrisiken vorsieht. Bei Neubaumaßnahmen sollte zunächst eine standort- beziehungsweise regionsbezogene Risikoanalyse durchgeführt werden, so dass klimabedingte Anforderungen an die Anlagenplanung berücksichtigt werden können. Zur Risikokontrolle sind in Unternehmen zudem Frühwarn- und Monitoringsysteme, Notfalleinsatzpläne sowie ein entsprechender Versicherungsschutz notwendig.

Möglichen Versorgungsengpässen bei Rohstoffen und hierdurch bedingten Produktionsverzögerungen können Unternehmen begegnen, indem sie Standorte, Lieferanten und Rohstoffe stärker diversifizieren. Zudem sind die Lagerung von Rohstoffen und zeitlich flexible Produktionsschritte wirksame Anpassungsmaßnahmen. Auf diese Weise sind Unternehmen auch weniger anfällig für Störungen oder Beschädigungen der Verkehrsinfrastruktur in Folge extremer Wetterereignisse.

Mit Klimachecks und anderen ganzheitlichen Vorgehensweisen, die sich an unternehmerischen Risikomanagementsystemen orientieren, können die betrieblichen Abläufe analysiert und entsprechende Vorsorgemaßnahmen ergriffen werden.

Darüber hinaus kommt der Normung und dem technischen Regelwerk eine zunehmend zentrale Rolle im Anpassungsprozess von Industrie und Gewerbe zu. Für den technologischen Wandel, den der ⁠Klimawandel⁠ erfordert, müssen bestehende technische Standards zum Teil aktualisiert und vereinheitlicht sowie neue Normen geschaffen werden, um innovative Produkte marktfähig zu machen und bestehende an die sich verändernden klimatischen Bedingungen anzupassen. So erstellt das Deutsche Institut für Normung e.V. (DIN) relevante Normen in den vom Klimawandel betroffenen Bereichen. Hierfür wurde der Expertenkreis "⁠Anpassung an den Klimawandel⁠" eingerichtet. Doch auch außerhalb der DIN gilt es, technische Regeln und Standards zu überprüfen und gegebenenfalls anzupassen, zum Beispiel in der Anlagensicherheit oder in branchenspezifischen Regelwerken.

Des Weiteren können Managementnormen wie EMAS zur Anpassung an den Klimawandel beitragen, da auch sie beispielsweise die Senkung von Risiken zum Ziel haben. Unternehmensbezogenes Krisenmanagement und das Business Continuity Management (nach ISO TC 223) werden den Klimawandel künftig stärker berücksichtigen müssen. Die DIN EN ISO 14090 "Anpassung an die Folgen des Klimawandels - Grundsätze, Anforderungen und Leitlinien" zielt darauf ab, Organisationen bei der Bewertung der Auswirkungen des Klimawandels zu unterstützen und Pläne für eine effektive Anpassung aufzustellen. Die Norm soll helfen, Risiken zu identifizieren und zu managen, aber auch Chancen zu nutzen, die der Klimawandel eventuell mit sich bringt. Jede Organisation, unabhängig von ihrer Größe oder Art, kann die Norm anwenden. Die DIN EN ISO 14091 unterstützt die systematische Bewertung von Klimarisiken.

Die "Technischen Regeln für Arbeitsstätten" geben Beispiele, wie sich Unternehmen an die Folgen des Klimawandels anpassen können: Installation von Sonnenschutzvorrichtungen, ausreichendes Lüften der Räumlichkeiten am Morgen, Reduzierung von inneren Wärmelasten, Verschiebung von Arbeitszeiten und Bereitstellen von Erfrischungsgetränken. Auch kann es sinnvoll sein, Bekleidungsordnungen zu lockern.
Auch für Arbeiten im Freien sieht das Arbeitsschutzrecht Maßnahmen vor, um Beschäftigte vor Hitze zu schützen. Baustellen können so eingerichtet werden, dass die Arbeitsorte beschattet oder belüftet werden können. Auch sollten die Arbeitszeiten dem Witterungsverlauf anpasst, ausreichend lange Pausenzeiten gewährt, Getränke bereitgestellt und die Mitarbeitenden auf Gefahren und mögliche Gegenmaßnahmen hingewiesen werden.

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