Klimaschutz in der Landwirtschaft

Die Landwirtschaft in Deutschland trägt zur Emission von Treibhausgasen bei. Zum Erreichen des Klimaziels für 2030 müssen die Emissionen im Sektor Landwirtschaft noch um rund 18 Prozent gemindert werden. Problematisch sind jedoch nicht nur die Emissionen innerhalb des Sektors, sondern auch solche, die von der Landwirtschaft verursacht und in anderen Sektoren bilanziert werden.

Inhaltsverzeichnis

 

Landwirtschaft und Klimaschutz

Die Landwirtschaft spielt beim ⁠Klimawandel⁠ eine besondere Rolle. Einerseits ist sie, wie kaum ein anderer Sektor, von klimatischen Bedingungen abhängig und von den Folgen des Klimawandels direkt betroffen. Andererseits verursacht sie selbst klimaschädliche Emissionen. Gleichzeitig speichern landwirtschaftlich genutzte Böden Kohlendioxid und entziehen es damit der ⁠Atmosphäre⁠. Insbesondere in Böden mit einem hohen Anteil organischer Substanz wie in Mooren oder Grünland sind große Mengen Kohlendoxid gespeichert. Diese können abhängig von der Bewirtschaftungsweise wieder freigesetzt werden.

 

Emissionen aus der Landwirtschaft

Die deutsche Landwirtschaft war 2019 für die Freisetzung von insgesamt 61,8 Millionen Tonnen (Mio. t) ⁠Kohlendioxid (CO2)⁠-Äquivalenten (-Äq.) verantwortlich (siehe Abb.1 „Treibhausgas-Emissionen der Landwirtschaft nach Kategorien“). Das sind 7,6 % der gesamten Treibhausgas-Emissionen Deutschlands (809,8 Mio. t CO2-Äq.) des Jahres 2019. Zu dieser Kategorie zählen gemäß internationaler Klimaberichterstattung die direkt aus der Landwirtschaft stammenden Emissionen. Die Methanemissionen aus der Verdauung der Wiederkäuer und dem Wirtschaftsdüngermanagement sind zusammen für rund 53% der Emissionen (32,5 Mio. t CO2-Äq.) des landwirtschaftlichen Sektors verantwortlich. Hinzu kommen Lachgasemissionen aus der Düngung und Bearbeitung landwirtschaftlicher Böden, die weitere 40% der THG-Emissionen (ca. 25 Mio. t CO2-Äq.) verursachen. Weitere Quellen sind die Anwendung von Harnstoffdünger, die Kalkdüngung und die Vergärung von nachwachsenden Rohstoffen.

Die Vorjahresschätzung für 2020 zeigt, dass die Emissionen aus der Landwirtschaft sinken und bei 60,4 Mio. t CO2-Äqu. lagen.

Eine differenzierte Betrachtung landwirtschaftlicher Emissionsquellen findet sich hier.

Das Diagramm zeigt die Treibhausgas-Emissionen aus der Landwirtschaft von 1990 bis zur Vorjahresschätzung für 2020. 2020 lagen die Emissionen aus der Landwirtschaft bei 60,4 Mio. t CO2-Äquivalenten. Seit 1990 sind die Emissionen um ca. 21 % gesunken.
Treibhausgas-Emissionen der Landwirtschaft nach Kategorien
Quelle: Umweltbundesamt Diagramm als PDF
 

Weitere Emissionen der Landwirtschaft


Neben diesen Emissionen gibt es weitere, ursächlich mit der Landwirtschaft in Verbindung stehende Emissionen, die jedoch gemäß der Klimaberichterstattung in anderen Sektoren verbucht werden. Hierzu zählen die Kohlenstoffdioxid-Emissionen, die durch die landwirtschaftliche Nutzung von entwässerten Mooren und Grünlandumbruch aus organischen Böden freigesetzt werden. Die Höhe dieser Emissionen betrug 2019 rund 39 Mio. t ⁠CO2⁠-Äq. Diese werden im Sektor Landnutzung, Landnutzungsänderungen und Forstwirtschaft (LULUCF) berichtet (siehe dazu Beitrag Landwirtschaftlich genutzte Moore). Hier wird auch eine differenziertere Betrachtung dieser Emissionen vorgenommen.

Auch energiebedingte Emissionen aus dem landwirtschaftlichen Verkehr und der Wärmeerzeugung (z.B. Beheizen von Ställen und Gewächshäusern) werden gemäß internationaler Klimaberichterstattung nicht der Landwirtschaft, sondern den energiebedingten Emissionen zugerechnet. Diese Emissionen betrugen 2019 6,4 Mio. t CO2-Äq. In der nationalen Sektorzuordnung des in 2019 verabschiedeten Klimaschutzgesetzes werden sie aber zur Landwirtschaft gezählt. Das deutsche Klimaschutzziel, das im Klimaschutzgesetz verankert und 2021 novelliert wurde, bezieht in den Zielwert von 56 Mio. Tonnen bis 2030 deswegen diese Emissionen aus der sogenannten mobilen und stationären Verbrennung mit ein (vgl. Abb. 2).

Werden die Emissionen aus der Nutzung und der Änderung der Landnutzung auf Grün- und Ackerland aus der Quellgruppe LULUCF, sowie die Emissionen aus der mobilen und stationären Verbrennung zur Landwirtschaft hinzugerechnet, würden diese Emissionen in 2019 105,7 Mio. t CO2-Äq. betragen. Bezogen auf die Gesamtemissionen Deutschlands würde dies einen Anteil von rund 13 Prozent ausmachen.

Weitere Emissionen entstehen bei der Herstellung von Mineraldüngern und Pestiziden. Diese werden in den nationalen Trendtabellen für die deutsche Berichterstattung atmosphärischer Emissionen vor allem in der Kategorie der chemischen Industrie berücksichtigt. Hier liegen sie allerdings nicht branchen- und produktspezifisch vor, so dass eine einfache Zuordnung zur Dünge- oder Pflanzenschutzmittelproduktion nicht möglich ist.

Auch der Anbau, die Ernte und der Transport von importiertem Kraftfutter für die heimische Tierfütterung (vor allem Soja) sowie die durch ihren Anbau entstehenden Emissionen aus direkten und indirekten Landnutzungsänderungen in den Erzeugerländern, stehen ursächlich mit der Landwirtschaft in Verbindung. Auch diese sind in den Emissionen der Landwirtschaft nicht enthalten. Ihre Berechnung ist aufwendig und allein mit den Angaben des nationalen Inventars nicht möglich.

Treibhausgasemissionen aus der Landwirtschaft nach Sektoren des KSG
Treibhausgasemissionen aus der Landwirtschaft nach Sektoren des KSG
Quelle: UBA 20210121_em_lawi_sektoren_inkl_ziele_2030_de.xlsx
 

Emissionen in der Nachkette

Auch im nachgelagerten Bereich, etwa bei der Verarbeitung, dem Transport und der Entsorgung nicht verwendeter landwirtschaftlicher Erzeugnisse entstehen Emissionen, die dem Sektor Landwirtschaft nicht angerechnet werden. Alle energiebedingten THG-Emissionen der Verarbeitung und Lieferketten werden ebenfalls nicht branchenscharf abgebildet, da es Abnehmer der Energieerzeuger sind. Die Entsorgung von Nahrungsmittelabfällen, soweit diese gesondert gesammelt wurden, sind im Abfallbereich unter biologische Abfallbehandlung berücksichtigt. Werden die Abfälle im Hausmüll entsorgt, gehen diese ebenfalls in den Energiesektor ein.

 

Maßnahmen in der Landwirtschaft zur Senkung der Treibhausgas-Emissionen

Mit dem Klimaschutzgesetz wurden 2019 jährliche Emissionszielwerte verbindlich festgelegt. Das Gesetz wurde 2021 novelliert und die sektorspezifischen Ziele verschärft. In der Landwirtschaft müssen die Emissionen inklusive der Emissionen aus den landwirtschaftlichen mobilen und stationären Verbrennungen bis 2030 auf 56 Mio. t ⁠CO2⁠-Äq. reduziert werden. Der landwirtschaftliche Sektor ist damit verpflichtet, seine Emissionen von 68,3 Mio. t CO2-Äq. im Jahr 2019 bis zum Jahr 2030 um 12,3 Mio. t CO2-Äq. pro Jahr, also um ca. 18 % zu reduzieren. Dieses Ziel ist nur mit wirkungsvollen Maßnahmen erreichbar.

Im September 2019 hat die Bundesregierung das Klimaschutzprogramm 2030 zur Umsetzung des Klimaschutzgesetzes und des Klimaschutzplans verabschiedet. Dieses enthält für die Landwirtschaft fünf konkrete Maßnahmen mit denen das landwirtschaftliche Sektorziel bis 2030 erreicht werden soll:

  • Senkung der Stickstoffüberschüsse einschließlich Minderung von Ammoniakemissionen und Verminderung der Lachgasemissionen, Verbesserung der Stickstoffeffizienz
  • Stärkung der Vergärung von Wirtschaftsdüngern tierischer Herkunft und landwirtschaftlicher Reststoffe
  • Ausbau des Ökolandbaus
  • Verringerung der Emissionen aus der Tierhaltung
  • Energieeffizienz in der Landwirtschaft

Aktuell wird ein Sofortprogramm zur Erreichung des verschärften Ziels erarbeitet.

 

Bewertung der Maßnahmen

Entscheidend für den Erfolg der Maßnahmen des Klimaschutzprogramms ist, dass diese in den kommenden Jahren ambitioniert, konsequent und mit Blick auf alle Umweltziele umgesetzt werden. Die Senkung der Stickstoffüberschüsse hat für das Umweltbundesamt einen hohen Stellenwert, da sie hohe Synergien zu vielen Umweltzielen aufweist. Wichtig ist, dass neben der Umsetzung der novellierten Düngeverordnung auch die Stoffstrombilanzverordnung dahingehend novelliert wird, dass sie eine ökologische Steuerungswirkung entfalten kann. Nur so kann das Ziel der Bundesregierung aus der Nachhaltigkeitsstrategie, die Stickstoffüberschüsse auf 70kg/ha zu reduzieren, erreicht und Lachgasemissionen aus der Düngung deutlich gesenkt werden.

Die Stärkung der Vergärung von Wirtschaftsdüngern tierischer Herkunft und landwirtschaftlicher Reststoffe kann eine große Minderungswirkung für das ⁠Treibhausgas⁠ Methan entfalten. Ziel ist es, die Güllemenge, die vergoren wird, deutlich zu steigern. Wichtig ist aber, dass entsprechende Förderkonzepte für die Anlagen gut ausgearbeitet werden. Der Bau von neuen Biogasanlagen darf eine Bestandserhaltung von hohen Viehdichten nicht unterstützen.

Der Ausbau des Ökolandbaus auf 20% der landwirtschaftlichen Fläche ist ebenfalls ein wichtiges Ziel. Der Ökolandbau verursacht, bezogen auf die Fläche geringere Emissionen, weil keine chemisch-synthetischen Pflanzenschutz- und Düngemittel eingesetzt werden, Lachgasemissionen geringer sind und der Bodenkohlenstoffgehalt häufig höher ist. Bezogen auf das erzeugte Produkt sind die Emissionen in etwa so hoch wie in der konventionellen Landwirtschaft, da die Erträge im ökologischen Landbau geringer sind und somit für die gleiche Ertragsmenge mehr Fläche bewirtschaftet werden muss. Auch wenn die ⁠Klimawirkung⁠ geringer ist als bei anderen Maßnahmen, muss der Ökolandbau in Zukunft noch stärker gefördert werden, da hier große Synergien zu allen Umweltzielen bestehen.

Die Verringerung der Emissionen aus der Tierhaltung ist für das Erreichen des Sektorziels zentral. Die im Maßnahmenprogramm enthaltenen Teilmaßnahmen und Instrumente, wie bspw. eine Flächenbindung der Tierhaltung, werden begrüßt. Entscheidend ist jedoch, dass diese auch ambitioniert und konsequent umgesetzt werden, sonst können sie nicht zu der notwendigen Reduktion der Emissionen beitragen.

Berechnungen des Ökoinstituts zeigen, dass das landwirtschaftliche Sektorziel nur erreicht werden kann, wenn auch die Tierbestände in Deutschland verringert werden. Hier darf aber nicht nur die Landwirtschaft in die Pflicht genommen werden. Damit eine Reduzierung von Tierbeständen auch zu einer Gesamtreduktion von Emissionen führt und die Produktion nicht ins Ausland verlagert wird, muss auch die Nachfrage nach tierischen Produkten sinken.

Maßnahmen außerhalb der Landwirtschaft, die zu Strukturänderungen in der Landwirtschaft führen, sind daher besonders wichtig. So können beispielsweise die Vermeidung von Lebensmittelabfällen und die Reduktion des Konsums tierischer Produkte einen positiven Einfluss auf die Erreichung des Sektorziels haben, wenn die verringerte Nachfrage gleichzeitig mit einer verminderten Produktion einhergeht. Hierfür müssen wirkungsvolle konsumseitige Maßnahmen entwickelt werden.

 

Maßnahmen im Bereich Landnutzung und Landnutzungsänderung

Neben den fünf landwirtschaftlichen Maßnahmen kommen drei weitere für den Bereich ⁠Landnutzung⁠ und Landnutzungsänderungen hinzu, deren Minderungswirkung nicht unmittelbar zum Erreichen des landwirtschaftlichen Sektorziels beiträgt:

  • Humuserhalt und -aufbau im Ackerland
  • Erhalt von Dauergrünland
  • Schutz von Moorböden

Der Humuserhalt und -aufbau im Ackerland führt nicht nur zu einer Speicherung von Kohlenstoff, sondern fördert auch die Bodenfruchtbarkeit und sichert die Ertragsstabilität des Bodens. Das Wasserspeichervermögen und die Infiltrationsrate werden erhöht. Im Ergebnis können Pflanzen bei extremer Trockenheit, die im ⁠Klimawandel⁠ eine zunehmende Bedeutung hat, besser mit Wasser versorgt werden. Der Humusaufbau sorgt auch für eine bessere Bodenstruktur und eine Verringerung der Erosionsanfälligkeit. Dies kann durch Zwischenfruchtanbau, Fruchtfolgegestaltung, Anpassen der Düngung und der Bearbeitungstiefe erreicht werden. Das Potenzial dieser Maßnahme ist standortspezifisch begrenzt und derzeit noch mit großen Unsicherheiten verbunden. Neue Messmethoden könnten dabei helfen, den Bodenkohlenstoff preiswert, einheitlich, flächendeckend und sicher zu bestimmen.

Der Umbruch des Dauergrünlands konnte durch entsprechende Regelungen der Bundesländer und mit der Einführung des Greenings 2013 im Rahmen der aktuellen Europäischen Agrarpolitik gestoppt werden. Hier muss dafür gesorgt werden, dass das Dauergrünland auch in Zukunft geschützt bleibt. Eröffnet werden sollte die Möglichkeit, Dauergrünland auf Moorböden wiederzuvernässen. Dafür muss die nächste Reform der Europäischen Agrarpolitik Fördermechanismen zum Schutz und zur Förderung des Grünlands bereitstellen.

Die wichtigste Maßnahme im Bereich Landnutzung ist der Schutz der Moorböden. Das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit hat kürzlich eine Moorschutzstrategie erarbeitet. Die ⁠CO2⁠-Emissionen aus drainierten Moorböden lassen sich verringern, indem der Wasserstand gezielt erhöht wird. Moore können auf diese Weise renaturiert oder weiterhin landwirtschaftlich genutzt werden in der sogenannten Paludikultur. Darunter versteht man Landwirtschaft auf nassen Böden, die den Torfkörper erhält oder zu dessen Aufbau beiträgt. Auch wenn die Wiedervernässung von landwirtschaftlich genutzten Flächen mit vielen Herausforderungen verbunden ist, zeigt sich diese Maßnahme als sehr wirkungsvoll, wenn sie ambitioniert und konsequent umgesetzt wird. Die wissenschaftlichen Beiräte des ⁠BMEL⁠ kommen in ihrem 2016 veröffentlichten Klimaschutzgutachten zu dem Ergebnis, dass bis zu 15 Mio. t CO2-Äq. eingespart werden können, wenn auf 75% der Moorflächen ambitionierte Wiedervernässungs- und Extensivierungsmaßnahmen umgesetzt werden.