Indikator: Belastung der Bevölkerung durch Feinstaub

Ein Diagramm zeigt in zeitlicher Abfolge von 2010 bis 2018 die Anzahl der von Überschreitung des Richtwertes der Weltgesundheitsorganisation (WHO) für Feinstaub (PM2,5) betroffenen Menschen in Deutschland. Die Belastung ging im Zeitraum 2010 bis 2018 deutlich zurück. Es ist jedoch einschränkend zu erwähnen, dass Messstationen, die in Ballungsgebieten mit hoher Verkehrsbelastung positioniert sind, bei der Berechnung nicht berücksichtigt wurden.zum Vergrößern anklicken
Von Überschreitung des WHO-Richtwertes für Feinstaub (PM2,5) betroffene Bevölkerung
Quelle: Umweltbundesamt Diagramm als PDF

Inhaltsverzeichnis

 

Die wichtigsten Fakten

  • Die Belastung der Bevölkerung durch Feinstaub (ohne Berücksichtigung verkehrsbezogener Messstellen) war im Jahr 2018 deutlich geringer als im Jahr 2010.
  • Die von Jahr zu Jahr variierende Witterung hat einen deutlichen Einfluss auf die Feinstaub-Konzentrationen im Jahresmittel.
  • Das Umweltbundesamt (UBA ) schlägt als Ziel vor, dass die Belastung der gesamten Bevölkerung bis 2030 flächendeckend unterhalb des Richtwerts der Weltgesundheitsorganisation (WHO) für Feinstaub (PM2,5 ) von 10 µg/m³ im Jahresmittel liegen soll.
 

Welche Bedeutung hat der Indikator?

Feinstaub in der Atemluft ist gesundheitsschädlich. Die Feinstaubpartikel werden über das Atemwegssystem aufgenommen. Je nach Größe dringen sie unterschiedlich tief in die Atemwege ein. Besonders kleine Partikel (aerodynamischer Durchmesser kleiner als 1 µm) können über das Lungengewebe bis ins Blut gelangen. Feinstaub gilt als Auslöser für diverse Krankheiten (siehe Artikel „Feinstaub“).

Feinstaub entsteht vorwiegend durch menschliche Aktivitäten (z.B. bei Verbrennungsprozessen), wird aber auch durch mechanische Prozesse (z.B. Reifen- und Bremsabrieb, Umschlag von Schuttgütern) freigesetzt. Ein Teil des Feinstaubs entsteht durch chemische Reaktionen gasförmiger Luftschadstoffe und wird daher als „sekundärer“ Feinstaub bezeichnet. Dieser entsteht in der Atmosphäre aus Vorläufersubstanzen, wie Stickoxiden und Ammoniak.

Der Indikator erfasst die Belastungssituation in Deutschland auf Basis der Messstationen im ländlichen und städtischen Hintergrund; Messstellen an Straßen mit hohem Verkehrsaufkommen oder in der Nähe von großen Industrienanlagen werden nicht mit einbezogen. Daher ist davon auszugehen, dass der hier verwendete Ansatz die Belastungssituation unterschätzt. Dem Indikator wird als Bewertungsmaßstab der von der WHO empfohlene Richtwert zum Schutz der Gesundheit zugrunde gelegt. Den aktuell geltenden Grenzwert der EU-Luftqualitäts-Richtlinie (EU-RL 2008/50/EG) schätzt das UBA als zu hoch und für den Schutz der Gesundheit als unzureichend ein.

 

Wie ist die Entwicklung zu bewerten?

Die Anzahl der Menschen, die in Deutschland Feinstaub -Konzentrationen oberhalb des WHO-Richtwertes für die PM2,5 -Fraktion ausgesetzt sind, war 2018 mit knapp 54 Millionen deutlich geringer als zu Beginn der Zeitreihe. Das liegt v.a. daran, dass Maßnahmen zur Emissionsminderung Erfolge zeigen, insbesondere im Verkehr. Ferner hat die von Jahr zu Jahr variable Witterung direkten Einfluss auf die Belastung der Luft mit Feinstaub und kann in einzelnen Jahren einen Anstieg der Feinstaubbelastung bedingen.

Mit der EU-Luftqualitäts-Richtlinie wurde für die Feinstaubfraktion PM2,5 ein Grenzwert von 25 µg/m³ im Jahresdurchschnitt zum Schutz der menschlichen Gesundheit festgeschrieben. Dieser Wert wurde in Deutschland in den letzten Jahren nicht mehr überschritten. Die WHO empfiehlt einen strengeren Konzentrationswert in Höhe von 10 µg/m³ als Richtwert (WHO 2006). Das UBA schlägt vor, dass die Belastung der Bevölkerung bis 2030 flächendeckend unterhalb des Richtwerts der WHO für Feinstaub (PM2,5) von 10 µg/m³ im Jahresmittel liegen soll.

Impulse für einen Rückgang der Feinstaub-Belastung sind vor allem durch die Maßnahmen des nationalen Luftreinhalteprogrammes zu erwarten, das 2019 von der Bundesregierung verabschiedet wurde. Mit diesen Maßnahmen (insbesondere Kohleausstieg und Verringerung der Ammoniak-Emissionen aus der Landwirtschaft) werden die Emissionen von Feinstaub und seinen Vorläufergasen bis 2030 deutlich reduziert. Die Erstellung des nationalen Programmes geht auf die Richtlinie (EU) 2016/2284 zurück.

 

Wie wird der Indikator berechnet?

Für die Datenbasis des Indikators werden Modelldaten des chemischen Transportmodells REM-CALGRID mit PM10 -Messdaten der Immissionsmessnetze der Bundesländer und des UBA kombiniert und mit einem statistischen Verfahren auf die gesamte Fläche Deutschlands interpoliert. Die PM10-Daten werden mit einem konstanten Umrechnungsfaktor von 0,7 in PM2,5 -Daten umgerechnet und mit räumlichen Informationen zur Bevölkerungsdichte kombiniert, um die Belastung der Bevölkerung zu erfassen. Dabei werden für den Indikator nur die Messstationen berücksichtigt, die keinem direkten Feinstaubausstoß z.B. aus dem Verkehr ausgesetzt sind. Der methodische Ansatz ist in Kallweit et al. 2013 beschrieben.