Indikator: Belastung der Bevölkerung durch Feinstaub

Ein Diagramm zeigt in zeitlicher Abfolge von 2007 bis 2017 die Anzahl der von Überschreitung des Richtwertes der Weltgesundheitsorganisation (WHO) für Feinstaub (PM10) betroffenen Menschen in Deutschland. Die Belastung ging nach einem Anstieg zwischen 2008 bis 2011 bis zum Jahr 2017 deutlich zurück. Messstationen, die in Gebieten mit hoher Verkehrsbelastung positioniert sind wurden bei der Erfassung der Belastung nicht berücksichtigt.zum Vergrößern anklicken
Von Überschreitung des WHO-Richtwertes für Feinstaub (PM10) betroffene Bevölkerung
Quelle: Umweltbundesamt Diagramm als PDF

Inhaltsverzeichnis

 

Die wichtigsten Fakten

  • Die Belastung der Bevölkerung durch Feinstaub (ohne Berücksichtigung verkehrsbezogener Messstellen) ist 2017 deutlich geringer als  2007.
  • Die von Jahr zu Jahr variierende Witterung hat einen deutlichen Einfluss auf die Feinstaub-Konzentrationen im Jahresmittel.
  • Die Bundesregierung hat sich zum Ziel gesetzt, dass die Belastung der gesamten Bevölkerung bis 2030 unterhalb des Richtwerts der Weltgesundheitsorganisation für Feinstaub (PM10 ) liegen soll.
 

Welche Bedeutung hat der Indikator?

Feinstaub in der Atemluft ist gesundheitsschädlich. Die Feinstaubpartikel werden über das Atemwegssystem aufgenommen. Je nach Größe dringen sie unterschiedlich tief in die Atemwege ein. Besonders kleine Partikel (aerodynamischer Durchmesser kleiner als 1 Mikrometer) können über das Lungengewebe auch bis ins Blut gelangen. Feinstaub gilt als Auslöser für unterschiedliche Krankheiten (siehe Indikator „Gesundheitsrisiken durch Feinstaub“).

Feinstaub entsteht vorwiegend durch menschliche Aktivitäten, beispielsweise bei Verbrennungsprozessen, bei denen Ruß entsteht. Aber auch der Abrieb von Reifen und Bremsen im Straßenverkehr trägt zur Belastung mit Feinstaub bei. Ein Teil des Feinstaubs entsteht durch chemische Reaktionen anderer Luftschadstoffe und wird daher als „sekundärer“ Feinstaub bezeichnet. Dieser entsteht in der Atmosphäre aus Vorläufersubstanzen, wie etwa Stickoxiden aus Verbrennungsprozessen und Ammoniak aus der Landwirtschaft.

Der Indikator erfasst die Belastungssituation im ländlichen und städtischen Hintergrund; Messstellen an Straßen mit hohem Verkehrsaufkommen oder in unmittelbarer Nähe zu großen Industrienanlagen sind nicht mit einbezogen. Dem Indikator wird als Bewertungsmaßstab der von der Weltgesundheitsorganisation empfohlene Richtwert zum Schutz der Gesundheit zugrunde gelegt. Den aktuell geltenden Grenzwert der EU-Luftqualitäts-Richtlinie (EU-RL 2008/50/EG) schätzt das Umweltbundesamt als zu hoch und somit für den Schutz der Gesundheit als unzureichend ein.

 

Wie ist die Entwicklung zu bewerten?

Die Anzahl der Menschen, die in Deutschland Feinstaub -Konzentrationen oberhalb des WHO-Richtwertes ausgesetzt sind, ist 2017 mit 2,5 Millionen deutlich geringer als zu Beginn der Zeitreihe. Das liegt vor allem daran, dass Maßnahmen zur Emissionsminderung Erfolge zeigen, insbesondere im Verkehr. Andererseits wird diese Entwicklung beispielsweise durch die steigende Anzahl der Haushalte mit Holzfeuerung überlagert. Ferner hat die von Jahr zu Jahr variable Witterung direkten Einfluss auf die Belastung der Luft mit Feinstaub.

Mit der EU-Luftqualitäts-Richtlinie wurde für die Feinstaubfraktion PM10 ein Grenzwert von 40 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft (µg/m³) im Jahresdurchschnitt zum Schutz der menschlichen Gesundheit festgeschrieben. Dieser Wert wurde in Deutschland in den letzten Jahren im ländlichen und städtischen Hintergrund nicht mehr überschritten. Die Weltgesundheitsorganisation empfiehlt einen strengeren Konzentrationswert in Höhe von 20 µg/m³ als Richtwert (WHO 2006). Die Nachhaltigkeitsstrategie der Bundesregierung sieht vor, dass die Belastung der gesamten Bevölkerung bis 2030 unterhalb des Richtwerts der Weltgesundheitsorganisation (WHO) für Feinstaub (PM10) liegen soll (BReg 2016).

Impulse für einen Rückgang der Feinstaub-Belastung sind vor allem von verbindlichen internationalen Luftschadstoff-Abkommen (siehe Indikator „Emission von Luftschadstoffen“) und den von den Städten und Gemeinden definierten Luftreinhalteplänen zu erwarten.

 

Wie wird der Indikator berechnet?

Für die Datenbasis des Indikators, werden Modelldaten des chemischen Transportmodells REM-CALGRID mit PM10 -Messdaten der Immissionsmessnetze der Bundesländer und des Umweltbundesamtes kombiniert und mit einem statistischen Verfahren auf die gesamte Fläche Deutschlands interpoliert. Diese wird in einem weiteren Schritt mit räumlichen Informationen zur Bevölkerungsdichte kombiniert und so die Belastung der Bevölkerung erfasst. Dabei werden für den Indikator nur die Messstationen berücksichtigt, die keinem direkten Feinstaubausstoß zum Beispiel aus dem Verkehr ausgesetzt sind. Der grundsätzliche methodische Ansatz ist in Kallweit et al. 2013 beschrieben.