Indikator: Belastung der Bevölkerung durch Feinstaub

Ein Diagramm zeigt die Anzahl der von Überschreitung des Richtwertes der Weltgesundheitsorganisation (WHO) für Feinstaub (PM10) betroffenen Menschen in Deutschland. Die Belastung ging zwischen 2007 und 2015 deutlich zurück. Gebiete mit hoher Verkehrsbelastung wurden dabei nicht berücksichtigt.zum Vergrößern anklicken
Von Überschreitung des WHO-Richtwertes für Feinstaub (PM10) betroffene Bevölkerung
Quelle: Umweltbundesamt Diagramm als PDF

Inhaltsverzeichnis

 

Die wichtigsten Fakten

  • Die Belastung der Bevölkerung durch Feinstaub ohne Berücksichtigung der Belastung von Gebieten mit hoher Verkehrsbelastung ging seit 2007 deutlich zurück.
  • Die von Jahr zu Jahr variierende Witterung hat einen deutlichen Einfluss auf die Feinstaub-Konzentration im Jahresmittel.
  • Die Bundesregierung hat sich zum Ziel gesetzt, dass der Richtwert der Weltgesundheitsorganisation (WHO) bis 2030 erreicht werden soll.
 

Welche Bedeutung hat der Indikator?

Feinstaub in der Atemluft ist gesundheitsschädlich: Die Partikel werden über das Atemwegssystem aufgenommen. Je nach Größe dringen sie unterschiedlich tief in die Atemwege ein. Besonders kleine Partikel (aerodynamischer Durchmesser < etwa 1 µm) können über das Lungengewebe auch bis ins Blut gelangen. Feinstaub gilt als Auslöser für unterschiedliche Krankheiten (siehe Indikator „Gesundheitsrisiken durch Feinstaub“).

Feinstaub entsteht vorwiegend durch menschliche Aktivitäten. Wichtig sind beispielsweise Verbrennungsprozesse, bei denen Ruß entsteht. Ein Teil des Feinstaubs entsteht durch chemische Reaktionen anderer Luftschadstoffe und wird daher als „sekundärer“ Feinstaub bezeichnet. Dieser entsteht in der Atmosphäre aus Vorläufersubstanzen, wie etwa Stickoxiden aus Verbrennungsprozessen und Ammoniak aus der Landwirtschaft.

Der Indikator betrachtet die Belastungssituation im ländlichen und städtischen Hintergrund, also ohne Berücksichtigung besonders belasteter Bereiche, wie Straßen mit hohem Verkehrsaufkommen oder die unmittelbare Umgebung großer Industrieanlagen. Dem Indikator wird als Bewertungsmaßstab der Richtwert der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zum Schutz der Gesundheit zugrunde gelegt. Den aktuell gültigen Grenzwert der EU-Luftqualitäts-Richtlinie (EU-RL 2008/50/EG) schätzt das Umweltbundesamt als zu hoch und somit für den Schutz der Gesundheit als unzureichend ein.

 

Wie ist die Entwicklung zu bewerten?

Die Zahl der Menschen, die in Deutschland Feinstaub-Konzentrationen oberhalb des WHO-Richtwertes ausgesetzt sind, ist seit 2007 deutlich zurückgegangen. Das liegt vor allem daran, dass Maßnahmen zur Emissionsminderung erste Erfolge zeigen, insbesondere im Verkehr. Andererseits wird diese Entwicklung beispielsweise durch die steigende Anzahl der Haushalte mit Holzfeuerung überlagert. Ferner hat die von Jahr zu Jahr variable Witterung direkten Einfluss auf die Belastung der Luft mit Feinstaub.

Mit der EU-Luftqualitäts-Richtlinie wurde für die Feinstaubfraktion PM10 ein Grenzwert von 40 Mikrogramm pro Kubikmeter (µg/m³) im Jahresdurchschnitt zum Schutz der menschlichen Gesundheit festgeschrieben. Dieser Wert wurde in Deutschland in den letzten Jahren im ländlichen und städtischen Hintergrund nicht mehr überschritten. Die Weltgesundheitsorganisation empfiehlt einen strengeren Belastungswert in Höhe von 20 µg/m³ als Richtwert (WHO 2006). Die Nachhaltigkeitsstrategie der Bundesregierung sieht vor, dass der WHO-Richtwert bis zum Jahr 2030 für die gesamte Bevölkerung erreicht werden soll (Bundesregierung 2016).

Impulse für einen Rückgang der Feinstaub-Belastung sind vor allem von verbindlichen internationalen Luftschadstoff-Abkommen (siehe Indikator „Emission von Luftschadstoffen“) und den von den Städten und Gemeinden definierten Luftreinhalteplänen zu erwarten.

 

Wie wird der Indikator berechnet?

Um die Indikator-Daten zu ermitteln, werden Modelldaten des chemischen Transportmodells REM-CALGRID mit PM10-Messdaten der Immissionsmessnetze der Bundesländer und des Umweltbundesamtes kombiniert und mit einem statistischen Verfahren auf die gesamte Fläche Deutschlands interpoliert. Die PM10-Konzentrationen werden anschließend mit Bevölkerungsdichtekarten zusammengeführt, um den räumlichen Bezug zwischen PM10-Belastung und der betroffenen Bevölkerung herzustellen. Die hier dargestellten Daten repräsentieren die ländliche und städtische PM10-Hintergrundbelastung in Deutschland ohne den Verkehrsanteil. Die Methode ist in Kallweit et al. (2013) ausführlich beschrieben.

Ausführliche Informationen zum Thema finden Sie im Daten-Artikel "Gesundheitsrisiken der Bevölkerung durch Feinstaub".

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