Indikator: Belastung der Bevölkerung durch Feinstaub

Ein Diagramm zeigt von 2010 bis 2018 die Anzahl der von Überschreitung des Richtwertes der Weltgesundheitsorganisation aus dem Jahr 2005 für Feinstaub (PM2,5) betroffenen Menschen in Deutschland. Die Belastung sank im betrachteten Zeitraum deutlich.zum Vergrößern anklicken
Von Überschreitung des WHO-Richtwertes für Feinstaub (PM2,5) betroffene Bevölkerung
Quelle: Umweltbundesamt Diagramm als PDF

Inhaltsverzeichnis

 

Die wichtigsten Fakten

  • Die Belastung der Bevölkerung durch Feinstaub (ohne Berücksichtigung verkehrsbezogener Messstellen) war im Jahr 2018 deutlich geringer als im Jahr 2010.
  • Die von Jahr zu Jahr variierende ⁠Witterung⁠ hat einen deutlichen Einfluss auf die Feinstaub-Konzentrationen im Jahresmittel.
  • Das Umweltbundesamt (⁠UBA⁠) schlägt als Ziel vor, dass die Belastung der gesamten Bevölkerung bis 2030 flächendeckend unterhalb des Richtwerts der Weltgesundheitsorganisation (⁠WHO⁠) aus dem Jahr 2005 für Feinstaub (⁠PM2,5⁠) von 10 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft (µg/m³) im Jahresmittel liegen soll.
 

Welche Bedeutung hat der Indikator?

Feinstaub in der Atemluft ist gesundheitsschädlich. Die Feinstaubpartikel werden über das Atemwegssystem aufgenommen. Je nach Größe dringen sie unterschiedlich tief in die Atemwege ein. Besonders kleine Partikel können über das Lungengewebe bis ins Blut gelangen. Feinstaub gilt als Auslöser für diverse Krankheiten (siehe „Feinstaub“).

Feinstaub entsteht vorwiegend durch menschliche Aktivitäten, wie beispielsweise bei Verbrennungsprozessen oder durch mechanische Prozesse (z.B. Reifen- und Bremsabrieb). Ein Teil des Feinstaubs entsteht in der ⁠Atmosphäre⁠ durch chemische Reaktionen gasförmiger Luftschadstoffe (wie Stickoxide und Ammoniak) und wird daher als „sekundärer“ Feinstaub bezeichnet.

Der ⁠Indikator⁠ erfasst die Belastungssituation in Deutschland auf Basis der Messstationen im ländlichen und städtischen Hintergrund. Messstellen an Straßen mit hohem ⁠Verkehrsaufkommen⁠ oder in der Nähe von großen Industrieanlagen werden nicht mit einbezogen. Daher ist davon auszugehen, dass der hier verwendete Ansatz die Belastungssituation unterschätzt.

 

Wie ist die Entwicklung zu bewerten?

Die Anzahl der Menschen, die in Deutschland Feinstaub-Konzentrationen oberhalb des ⁠WHO⁠-Richtwertes aus dem Jahr 2005 für die ⁠PM2,5⁠-Fraktion ausgesetzt sind, war 2018 mit knapp 54 Millionen deutlich geringer als zu Beginn der Zeitreihe im Jahr 2010 mit knapp 77 Millionen. Das liegt v.a. daran, dass Maßnahmen zur Emissionsminderung Erfolge zeigen, insbesondere im Verkehr. Ferner hat die ⁠Witterung⁠ direkten Einfluss auf die Feinstaubbelastung der Luft.

Mit der EU-Luftqualitäts-Richtlinie wurde für die Feinstaubfraktion PM2,5 ein Grenzwert von 25 µg/m³ im Jahresdurchschnitt zum Schutz der menschlichen Gesundheit festgeschrieben (EU-RL 2008/50/EG). Dieser Wert wurde in Deutschland in den letzten Jahren nicht mehr überschritten. Das ⁠UBA⁠ schlägt jedoch vor, dass die Belastung der Bevölkerung bis 2030 flächendeckend unterhalb des Richtwerts der WHO aus dem Jahr 2005 für Feinstaub (PM2,5) von 10 µg/m³ im Jahresmittel liegen soll. Seit 2021 liegen neue Richtwerte der WHO vor; dieser ⁠Indikator⁠ wird daher momentan überarbeitet.

Ein Rückgang der Feinstaub-Belastung ist v.a. durch die Maßnahmen des nationalen Luftreinhalteprogrammes zu erwarten (BReg 2019). Mit diesen Maßnahmen (insbesondere Kohleausstieg und Verringerung der Ammoniak-Emissionen aus der Landwirtschaft) werden die Emissionen von Feinstaub und seinen Vorläufergasen bis 2030 deutlich reduziert.

 

Wie wird der Indikator berechnet?

Für den ⁠Indikator⁠ werden Modelldaten des chemischen Transportmodells REM-CALGRID mit ⁠PM10⁠-Messdaten der Immissionsmessnetze der Bundesländer und des ⁠UBA⁠ kombiniert und auf die gesamte Fläche Deutschlands übertragen. Die PM10-Daten werden mit einem konstanten Umrechnungsfaktor von 0,7 in ⁠PM2,5⁠-Daten umgerechnet und mit räumlichen Informationen zur Bevölkerungsdichte kombiniert. Dabei werden für den Indikator nur die Messstationen berücksichtigt, die keinem direkten Feinstaubausstoß z. B. aus dem Verkehr ausgesetzt sind. Der methodische Ansatz ist in Kallweit et al. 2013 beschrieben.

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