<p>Im Baustein „Umwelt und Landwirtschaft“ des UBA-Umweltatlas erfahren Sie, welche Bedeutung und Funktionen die Landwirtschaft in Deutschland hat, wie sie die Umwelt beeinflusst und zu welchen Auswirkungen auf Umwelt und Gesundheit sie führt. Außerdem zeigen wir Ihnen, welche Hebel Landwirtinnen*Landwirte für eine umweltgerechte Landwirtschaft haben und was die Politik unternimmt, um die Situation für die Umwelt und die Landwirtschaft zu verbessern. Und wir geben Ihnen Tipps, wie Sie durch eine nachhaltige Ernährung und durch nachhaltige Investitionen eine umweltgerechte Landwirtschaft unterstützen können.<br />In der Rubrik „Mein Handeln“ zeigen wir Möglichkeiten auf, wie auch jede*r Einzelne etwas dafür tun kann, die negativen Umweltauswirkungen der Landwirtschaft zu reduzieren. Lernen Sie, wie Sie durch Ihre Ernährungsweise, Ihr Konsumverhalten und Ihre Geldanlage jeden Tag Einfluss auf die Umweltauswirkungen der Landwirtschaft nehmen können.</p>
Bio-Produkte erkennt man beim Einkaufen an unterschiedlichen Logos, Siegeln, Zeichen und Zertifizierungen. Alle Bio-/ Öko-Produkte in der EU müssen das EU-Bio-Logo und die Bio-Code-Nummer (Beispiel: „DE-ÖKO-XXX“) tragen. Alle weiteren Kennzeichnungen können zusätzlich beantragt oder vergeben werden, beispielsweise das deutsche Bio-Siegel, die Zeichen der Bio-Anbauverbände oder der Handelsunternehmen. Insgesamt existiert auf dem Markt eine Vielzahl an unterschiedlichen Kennzeichnungen. Sie sagen aber nicht alle das Gleiche aus, sondern stehen für unterschiedliche Anforderungen an Art und Qualität von Haltung und Herstellung. Zudem werden von verschiedenen Akteurinnen*Akteuren, beispielsweise auch von Lebensmittel-Handelskonzernen, immer wieder neue Label und Kennzeichnungen entwickelt und eingesetzt.
Wir stellen Ihnen einige Siegel zum ökologischen Landbau mit großer Verbreitung vor.
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EU-Bio-Logo nach EG-Öko-Verordnung
Das EU-Bio-Logo wurde eingeführt, um Produkte aus ökologischer Erzeugung EU-weit einheitlich zu kennzeichnen. Seit 2010 ist die Ausweisung des EU-Bio-Logos für alle vorverpackten Lebensmittel, die als Bio-Produkte erzeugt oder verkauft werden, verpflichtend. Voraussetzung ist die Erfüllung der Mindestanforderungen in Bezug auf Herstellung, Verarbeitung, Transport, Lagerung und Handel laut EG-Öko-Verordnung. Staatlich anerkannte Kontrollstellen überprüfen die Auflagen regelmäßig. Das Siegel gibt über eine Code-Nummer Auskunft über die Kontrollstelle und verweist auf die Herkunft der Zutaten. Soziale Standards sind nicht Teil der EG-Öko-Verordnung.
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Deutsches Bio-Siegel nach EG-Öko-Verordnung
Zusätzlich zu dem verpflichtenden EU-Bio-Logo können Produkte aus kontrolliert ökologischem Anbau auch mit dem deutschen Bio-Siegel gekennzeichnet werden. Die Vergabekriterien leiten sich ebenfalls aus der EG-Öko-Verordnung ab und sind damit identisch mit dem EU-Bio-Logo. Wer das deutsche Bio-Siegel verwenden möchte, benötigt eine Bio-Bescheinigung von einer zugelassenen Öko-Kontrollstelle. Die Bio-Betriebe werden mindestens einmal pro Jahr von der Kontrollstelle überprüft. Außerdem können unangekündigte Kontrollen durchgeführt werden. Das deutsche Bio-Siegel existiert seit 2001 und wird von der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) vergeben.
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Bioland
Das Bioland-Zeichen wird vom Bioland-Verband für organisch-biologischen Landbau e.V. vergeben. Landwirtinnen*Landwirte und Betriebe aus Gastronomie und Handel, die Mitglieder im Verband sind, dürfen das Bioland-Logo auf ihren Produkten führen. Das Bioland-Zeichen setzt die Einhaltung der EG-Öko-Verordnung voraus und stellt so unter anderem sicher, dass die Lebensmittel nicht aus Massentierhaltung stammen sowie frei von Gentechnik und Rückständen chemisch-synthetischer Dünge- und Pflanzenschutzmittel sind. Allerdings gehen die Bioland-Richtlinien über die Vorgaben der EG-Öko-Verordnung hinaus: Es bestehen Verbote oder Mengenbegrenzungen für ausgewählte Düngemittel, eine ausgeweitete Tierwohlkontrolle oder auch Einsatzverbote für bestimmte Futtermittelkomponenten und Nahrungsmittelzutaten. Bioland verfügt zudem über erweiterte Biodiversitäts-Richtlinien, die alle Mitgliedsbetriebe zum Erbringen zusätzlicher Leistungen zum Schutz der Artenvielfalt verpflichten. Im Kern der Bioland-Philosophie stehen außerdem die Kreislaufwirtschaft und eine nachhaltige, sozialverträgliche Betriebsführung.
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Demeter
Der älteste Bioverband Deutschlands, demeter e.V., existiert seit 1924 und gründet auf den Ideen einer biodynamischen Landbewirtschaftung nach Rudolf Steiner. Das Demeter-Siegel ist an die Mitgliedschaft bei demeter e.V. und die Einhaltung der demeter-Anforderungen gebunden. Diese setzen die Einhaltung der EG-Öko-Verordnung voraus, beinhalten darüber hinaus aber weitere Kriterien entlang der gesamten Wertschöpfungskette. Auf dem deutschen Markt zählen die Anforderungen des Verbands zu den anspruchsvollsten. Beispielsweise gelten das Enthornungsverbot von Kühen, die Verpflichtung zum Einsatz von 100 % Bio-Futter oder Verbote bestimmter Zusatzstoffe in Lebensmitteln. Wie auch andere Verbände schließt Demeter eine Teilbetriebsumstellung aus. Alle Betriebszweige müssen biologisch-dynamisch bewirtschaftet werden.
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Naturland
Das Siegel wird vom Anbauverband Naturland e.V. an Betriebe der Erzeugung und Verarbeitung vergeben, wenn die Richtlinien des Verbands eingehalten werden. Die Richtlinien beinhalten die Anforderungen der EG-Öko-Verordnung, formulieren aber erweiterte Standards beispielsweise für die Bereiche der ökologischen Waldnutzung, der Fischerei oder der Textil- und Kosmetika-Herstellung. Naturland zählt zu den Anbauverbänden, die ihrem Siegel außerdem Sozialrichtlinien zugrunde legen und auch außerhalb Deutschlands mit Mitgliedern auf der ganzen Welt aktiv sind.
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Biokreis
Betriebe, die Mitglied im Erzeugerverband Biokreis e.V. sind und nach den Verbandsrichtlinien wirtschaften, dürfen ihre Produkte mit dem Biokreis-Siegel kennzeichnen. Um eine artgerechte Tierhaltung, die Kreislaufwirtschaft und regionale Wertschöpfungsketten in besonderem Maße zu fördern, gehen die Richtlinien über die EU-Mindeststandards der EG-Öko-Verordnung hinaus. Sie legen darüber hinaus Wert auf gesunde, qualitativ hochwertige Lebensmittel und eine handwerkliche Verarbeitung der Rohstoffe. Auch soziale Standards sind Teil der Richtlinien.
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Biopark Ökologischer Landbau
Der Anbauverband Biopark e.V. setzt sich seit 1991 für den ökologischen Landbau ein. Ein besonderes Augenmerk legt der Verband auf den Einklang zwischen Landwirtschaft und Naturschutz. Viele der Mitgliedsbetriebe bewirtschaften auch Flächen in Schutzgebieten. Außerdem legt der Verband Wert auf das Tierwohl, die Verwendung regionaler Rohstoffe und den Verzicht auf Gentechnik. Sowohl für die Futtermittel der Tiere als auch die Herstellung der Biopark-Produkte kommen ausschließlich betriebseigene Biopark-Rohstoffe zur Verwendung. Ökologisch wirtschaftende Betriebe, die von Biopark zertifiziert sind, dürfen das Siegel führen. Die Zertifizierung verlangt die Einhaltung der EG-Öko-Verordnung, setzt aber auch die Erfüllung weiterer Kriterien voraus.
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Verbund Ökohöfe
Das Siegel dürfen alle Betriebe verwenden, die Mitglied beim Bio-Anbauverband Verbund Ökohöfe e.V. sind. Die Mitgliedschaft ist an die Einhaltung der Verbandsrichtlinien gekoppelt, die über die Vorgaben der EG-Öko-Verordnung hinausgehen. Der Verbund zählt zu den Anbauverbänden, bei denen die Produzentinnen*Produzenten ihre Produkte selbst vermarkten, ob im eigenen Hofladen, per Abo-Kiste, auf dem Wochenmarkt oder über das Internet. Der Verband konzentriert sich bisher auf den Nordosten und die Mitte von Deutschland. Neben der ökologischen Landbewirtschaftung beschäftigt sich der Verbund Ökohöfe e.V. auch mit der Aufklärung der Verbraucher*innen.
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Ecoland
Das Siegel des ökologischen Anbauverbands Ecoland nennt sich ECO-FAIR und darf auf allen Produkten geführt werden, die unter Einhaltung der Mindestanforderungen der EG-Öko-Verordnung sowie weiteren Richtlinien des Ecoland e.V. hergestellt wurden. Mit einer Verbandsmitgliedschaft verpflichten sich die teilnehmenden Betriebe zur Einhaltung dieser Richtlinien. Ziel des Verbands ist die Herstellung ökologisch und sozial verträglicher Produkte entlang der gesamten Wertschöpfungskette. Die Philosophie des Anbauverbands gründet auf den Ideen Albert Schweitzers, dessen Ethik der Ehrfurcht vor dem Leben die Menschen zu einer gesunden und rücksichtsvollen Lebensweise ermahnt. Wie bei anderen Anbauverbänden liegt der Schwerpunkt auf der Gewährleistung einer artgerechten Tierhaltung, dem schonenden Umgang mit den natürlichen Ressourcen, der Erhaltung der Biodiversität sowie der Förderung regionaler Wertschöpfungsketten.
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Gäa e.V.
Der Gäa e.V. entsprang der Umweltbewegung der 1980er Jahre in der ehemaligen DDR. Ziel ist damals wie heute die Förderung des ökologischen Landbaus mit möglichst geschlossenen Betriebskreisläufen zum Schutz der „Urmutter Erde“, der Namensbegründerin Gaia nach griechischer Mythologie. Seine Richtlinien schließen die Vorgaben der EG-Öko-Verordnung mit ein, gehen aber darüber hinaus. Die strengen Anforderungen des Verbands gelten in den Bereichen Landschaftspflege und Naturschutz, Pflanzenbau sowie Tierhaltung. Der Verein gehört zu den Anbauverbänden, die zudem besonderen Wert auf Aspekte der sozialen Verantwortung und Gerechtigkeit legen: Nach Auffassung des Gäa e.V. gehören Ökolandbau und soziale Gerechtigkeit eng zusammen. Alle Vertragsbetriebe müssen erhöhte Arbeits- und Sozialstandards erfüllen.
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Ecovin
Das Ecovin-Siegel hat seinen fachlichen Schwerpunkt im Weinbau und kennzeichnet ökologisch produzierte Weine. Mit der Mitgliedschaft bei Ecovin verpflichten sich die Winzer*innen zur Einhaltung der Ecovin-Richtlinien, die die EG-Öko-Verordnung erfüllen und darüber hinaus eigene Kriterien festlegen. Ziel des Anbauverbands ist es, Wein in möglichst geschlossenen Produktionskreisläufen zu produzieren, dabei die Bodengesundheit und Biodiversität zu fördern sowie besonders klimaschützend und ressourcensparend zu arbeiten.
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Biozyklisch-veganer Anbau
Die Kriterien des Siegels setzen die Einhaltung der EG-Öko-Verordnung für das EU-Biosiegel voraus, gehen aber mit eigenen Anforderungen weit darüber hinaus. Biozyklisch-veganer Anbau ist ökologischer Landbau auf rein pflanzlicher Grundlage, der jegliche kommerzielle Nutz- und Schlachttierhaltung ausschließt und keinerlei Betriebsmittel tierischen Ursprungs verwendet. Nährstoffkreisläufe werden durch rein pflanzliche Düngesysteme und ein gut geplantes Fruchtfolgemanagement geschlossen. Gezielte Förderung der Biodiversität, systematischer Humusaufbau und Verzicht auf synthetische Pflanzenschutz- und Düngemittel tragen zur Gesunderhaltung von Boden, Pflanzen und Natur bei. Beim biozyklisch-veganen Anbau handelt es sich nicht um eine spezifische Anbaumethode, sondern um ein Anbauprinzip, das bei den verschiedensten Ansätzen in der Landwirtschaft zur Anwendung kommen kann. Dazu gehören explizit auch Formen der Agroforstwirtschaft, der Permakultur, der Agrarökologie und der regenerativen Landwirtschaft, deren Ziele als „Urprinzipien” des ökologischen Landbaus auch in den Biozyklisch-veganen Richtlinien verankert sind – unter der Voraussetzung, dass der Grundsatz des Verbots von Nutztierhaltung und des Einsatzes von Betriebsmitteln tierischen Ursprungs dort Beachtung findet. Ein professionelles Zertifizierungssystem und das Gütesiegel „Biozyklisch-veganer Anbau“ gewährt Verbraucherinnen*Verbrauchern volle Transparenz auf allen Ebenen der Wertschöpfungskette und gibt ihnen die Sicherheit, dass die auf diese Weise gekennzeichneten Produkte nicht nur nach ökologischen, sondern auch nach veganen Prinzipien angebaut wurden.