RESCUE-Szenario GreenMe

GreenMe steht für “Germany – resource efficient and GHG neutral – Material efficiency”. Ergänzend zu den GreenEe-Szenarien wird hier zusätzlich ein hohes technisches Ambitionsniveau bei der Erschließung der Rohstoffeffizienzpotenziale in allen Bereichen unterstellt.

Szenariencharakter

Das GreenMe-Szenario fokussiert auf technische Möglichkeiten zur Steigerung der Materialeffizienz (d.h. Verhältnis eines bestimmten Nutzens oder Ergebnisses zum dafür benötigten Rohstoff- bzw. Materialeinsatz). Weltweit wird davon ausgegangen, dass andere Länder diesem Trend mit dem gleichen Tempo der technologischen Entwicklung folgen (keine Verzögerung wie in den anderen Green-Szenarien im Vergleich zu Deutschland). Auf diese Weise wird eine Verlagerung von CO2-Emissionen vermieden. Deutschland ist weiterhin in den internationalen Handel eingebettet, in dem Importe und Exporte ausgeglichen sind (ähnlich dem GreenEe2-Szenario).

Die Energieversorgung und die Umstrukturierung der Bereiche Mobilität, Industrie, Bauen und Wohnen entwickelt sich analog zum GreenEe2-Szenario. Bevorzugt werden jedoch Techniken mit einem geringeren Materialbedarf (gemessen am RMC). So findet beispielsweise bei der Photovoltaiktechnik ein stärkerer Ausbau auf Dachflächen mit Dünnschichtzellen statt, die einen geringeren Material- und Flächenbedarf haben als konventionelle Photovoltaikfreiflächenanlagensysteme. Ebenso sind Fundamente, Erhöhungen und Windtürme auf Langlebigkeit ausgelegt, so dass ihre Nutzungsdauer deutlich erhöht werden kann. Eine Vielzahl weiterer Materialeffizienzmaßnahmen wird umgesetzt. Diese beinhalten z.B. die Leichtbauweise von Kraftfahrzeugen, die Verwendung alternativer Materialien wie textilverstärkter Beton für das Bauwesen, große Verbreitung von Holzgebäuden oder die Verwendung von biotischen Materialien, wie holzfaserbasierte Reststoffe als Dämmmaterialien im Bausektor. Die Annahmen in Bezug auf Landwirtschaft und gesunde Ernährung folgen den beiden GreenEe-Szenarien.

Szenarienergebnisse

Im Szenario gelingt es, bis zum Jahr 2050 die Treibhausgasemissionen um knapp 97 Prozent gegenüber 1990 zu senken. Werden die natürlichen Senken durch nachhaltige land- und forstwirtschaftliche Bewirtschaftung (LULUCF ) berücksichtigt, sind Netto-Null-Emissionen erreichbar. Damit zeigt auch dieses Szenario, wie Treibhausgasneutralität in Deutschland ohne Atomenergie und technische Senken, wie CCS , erreicht werden kann. Auf dem Weg dahin wird 2030 eine THG-Minderung von 62,6 und 2040 von 81,7 Prozent (ohne LULUCF gerechnet) gegenüber 1990 erzielt.

Der Endenergiebedarf kann (ohne den nicht-energetischen Bedarf der chemischen Industrie) von rund 2.500 Terawattstunden (TWh) (in 2015) bis 2050 auf rund 1.200 TWh reduziert werden. Der Anteil der erneuerbaren Energien steigt bis 2030 auf 74 Prozent und bis 2040 auf 94 Prozent in der Stromversorgung. Wie in den GreenEe-Szenarien werden 2030 bereits rund 22 TWh nachhaltige strombasierte Brenn- und Kraftstoffe importiert, welche hälftig im Flugverkehr und in der chemischen Industrie zur Produktion langlebiger Produkte verwendet werden. In der Brenn- und Kraftstoffversorgung beträgt der Anteil an erneuerbaren Energien 2030 rund 7 Prozent und 2040 rund 26 Prozent. 2050 kommen in allen Bereichen keine fossilen Energieträger mehr zum Einsatz.

Maßnahmen zur Erhöhung der Materialeffizienz sowie eine gesteigerte Energieeffizienz ergänzt durch eine zunehmende Realisierung nachhaltiger Lebensstile haben das Potenzial, die Primärrohstoffinanspruchnahme im GreenMe-Szenario bis 2050 um 68 Prozent gegenüber 2010 zu senken Dies beinhaltet u.a. die Ausschöpfung des ökologisch-technischen Recyclingpotenzials, deutlich ausgeprägter Materialsubstitution im Vergleich zu GreenLate und der Einsatz innovativer Materialien wie Textilbeton sowie verstärkter Holzbau. Zusätzlich wird angenommen, dass auch global zusätzliche Anstrengungen zur Erhöhung der Materialeffizienz wie in Deutschland getroffen werden und somit sich auch in den mit den Importen verbundenen Produkten eine ambitionierte Ressourcenschonungspolitik niederschlägt.