Bekleidung

Erklärfilm: Der Preis der Schönheit - Mode und die Folgen für Mensch und Umwelt

Inhaltsverzeichnis

 

Unsere Tipps

  • Achten Sie beim Kaufen von Textilien auf Siegel, die Umwelt- und Sozialstandards garantieren.
  • Kaufen Sie Baumwolltextilien in Bio-Qualität („organic cotton“).
  • Kaufen Sie Kleidung aus Secondhand oder tauschen Sie Kleider.
  • Mieten Sie Kleidungsstücke für einmalige Anlässe wie Hochzeiten, Partys und feierliche Events.
  • Tragen Sie Ihre Kleidung möglichst lange.
  • Lassen Sie Ihre Kleidung bei Abnutzung oder Defekten von Schneidereien oder Schustereien reparieren.
  • Geben Sie nicht genutzte Kleidung weiter oder entsorgen Sie diese richtig.
  • Hinterfragen Sie Modetrends und seien Sie kritisch gegenüber Fast-Fashion. Diskutieren Sie dazu gegebenenfalls auch mit ihren Kindern.
 

Gewusst wie

Kleider machen Leute und die deutschen Konsumentinnen und Konsumenten sind Spitzenreiter, wenn es darum geht, sich neue Kleidung zuzulegen. Hierzulande werden im Jahr durchschnittlich 26 Kilogramm Textilien gekauft, davon sind 12 bis 15 Kilogramm Bekleidung. Zum Vergleich: Weltweit liegt der jährliche Durchschnitt bei 8 Kilogramm. Die Herstellung von Textilien hat ökologische und soziale Auswirkungen. Pestizide , die beim Anbau der Baumwolle eingesetzt werden, Chemikalien für die Weiterverarbeitung und CO2, das durch den Energieeinsatz entsteht, belasten die Umwelt. Hinzu kommt, dass in manchen Produktionsländern unter unsozialen Arbeitsbedingungen gearbeitet wird (viele Überstunden, geringe Löhne, keine gewerkschaftliche Organisation). Mit unseren Tipps können Sie dazu beitragen, den Missständen entgegenzuwirken, die Umwelt weniger zu belasten – ohne dabei auf modebewusste Kleidung zu verzichten.

Auf Siegel achten: Wer beim Kauf von Kleidung auf empfohlene und unabhängige Siegel achtet, trägt dazu bei, dass höhere Löhne gezahlt werden und die Umwelt weniger belastet wird. Leider ist gerade der Siegelmarkt für Kleidung (noch) sehr unübersichtlich. Ein erster und relativ einfacher Schritt ist deshalb, bei Baumwolltextilien auf Bio-Qualität zu achten. Kleidung aus Bio-Baumwolle gibt es in modischer Vielfalt und in (fast) allen Preiskategorien. Sie sind inzwischen nicht nur bei Spezialanbietern, sondern auch in großen Textilhandelsunternehmen erhältlich. Meist werden sie mit hauseigenen Labeln gekennzeichnet und beworben. Auf dem Waschzettel sollte „aus x % biologisch angebauter Baumwolle hergestellt“ vermerkt sein. Des Weiteren sollten Sie Kleidung kaufen, die mit einem empfehlenswerten Siegel gekennzeichnet ist. Das Informationsportal Siegelklarheit bewertet die Siegel auf ihre Glaubwürdigkeit, Umweltfreundlichkeit sowie Sozialverträglichkeit. Besonders empfehlenswert, mit einer relativ hohen Marktverfügbarkeit, sind beispielsweise das GOTS-Siegel (Global Organic Textile Standard) sowie „bluesign® PRODUCT“ für Outdoorkleidung. Weitere im Portal Siegelklarheit näher erläuterte und als sehr gut eingestufte Siegel sind:

Secondhand und Kleidertausch nutzen: Suchen Sie in Ihrer Umgebung nach Secondhand-Läden oder besuchen Sie Flohmärkte. Das schont die Umwelt, da weniger Kleidung produziert werden muss. Bei Kinderkleidung sind Kleiderbasare mit Secondhand-Ware längst etabliert. Ein großes, häufig von ehrenamtlichen Initiativen getragenes Angebot mit sehr günstigen Preisen sprechen bis weit über das Kindergartenalter für sich. In vielen Secondhand-Läden können Sie eigene Kleidung zum Verkauf anbieten. Es lohnt sich auch, über Onlineportale gut erhaltene Kleidung weiterzuverkaufen. Wenn Sie die direkte Interaktion mit Menschen bevorzugen, können Sie in Ihrem Freundes- und Bekanntenkreis eine Kleidertauschparty organisieren. In vielen Städten werden diese von lokalen Organisationen oder auch Privatpersonen regelmäßig initiiert. Aktuelle Informationen finden Sie meist im Internet.

Mieten statt kaufen: Sie benötigen besondere Kleidung für einen besonderen Tag? Das geht schnell ins Geld und blockiert danach ungenutzt den Kleiderschrank. Wenn dann doch ein zweiter Anlass auftaucht, kommt nicht selten ein drittes Problem hinzu: Das „teure Stück“ passt möglicherweise nicht mehr. Für einmalige Anlässe wie Hochzeit, (Themen-) Parties oder andere wichtige Events im Familien- oder Freundeskreis kann es sich lohnen, Kleidungsstücke zu mieten bzw. auszuleihen. Das kann im Bekanntenkreis funktionieren. Mittlerweile bieten aber auch beispielsweise mehrere Onlineportale Hochzeitsoutfits, Partymode und viele andere Kleidungsstücke zum Mieten an.

Slow Fashion und Wertschätzung: Kleidung ist mehr als nur eine Hülle um den Körper. Sie „macht nicht nur Leute“, sondern stiftet Lebensgefühle und „speichert“ persönliche Erlebnisse. Deshalb ist Slow Fashion nicht nur eine gute Strategie, um mit weniger Stress und mehr Entspanntheit durch den Alltag zu gehen, sondern auch eine gute Strategie, um die eigene Identität nicht zum Spielball von ständig wechselnden Modetrends zu machen. Hier gehen allgemeine Lebensratgeber (Stichwort „Simplify your life“) und Umweltschutz Hand in Hand: Denn am umweltfreundlichsten ist es zweifellos, Kleidungsstücke „aufzutragen“, kleinere Defekte zu reparieren oder die ausgemusterten Textilien zu neuen Kleidungsstücken „upzucyceln“. Wir müssen schließlich nicht jeden Modetrend mitmachen und so zum „Fast-Fashion-Victim“ werden.

Eine wichtige Voraussetzung hierfür ist: Kaufen Sie Kleidung, die gut verarbeitet ist (Qualität vor Quantität bzw. „buy less, buy better“). Billigware, die schon beim ersten Anprobieren die Form verliert oder an der sich die Nähte lösen, sind auch vermeintlich kleine Beträge nicht wert, haben aber anderswo auf der Welt hohe menschliche und Umweltkosten verursacht. Behandeln Sie Ihre Lieblingsstücke gut und scheuen Sie keine Reparaturen oder Änderungen: Mit Upcycling liegen Sie voll im Trend , selbst kleinere Risse oder Löcher gelten heute als angesagter „distressed look“. Hilfreiche Anleitungen finden Sie im Netz und in den sozialen Medien unter dem Begriff „Upcycling“. Durch Kürzen, Umnähen und Aufnähen können Sie Kleidung selbst umgestalten. Größere Reparaturen/ Umarbeitungen übernehmen Änderungsschneidereien meist zu einem fairen Preis. Damit unterstützen Sie auch kleingewerbliche Strukturen in der Nachbarschaft.

Nicht (mehr) getragene Kleidung weitergeben: Verschaffen Sie sich regelmäßig (mindestens einmal im Jahr) einen Überblick über Ihren Kleiderbestand. Das schafft Platz im Kleiderschrank, wirkt befreiend und Sie vermeiden es, unnötige neue Kleidungsstücke zu kaufen. Geben Sie gut erhaltene Kleidung, die Sie nicht mehr nutzen, Organisationen, die gemeinnützige Zwecke verfolgen, und vermeiden Sie illegale Kleidersammlungen. Viele Altkleidercontainer werden ohne offizielle Genehmigung aufgestellt. Über FairWertung e.V. oder die Kommune lassen sich vertrauenswürdige Container in Ihrer Nähe finden. Fairwertung e.V. ist ein Zusammenschluss gemeinnütziger Organisationen, die sich für eine transparente Kleidersammlung einsetzen. Das Siegel Fairwertung garantiert, dass die Sammlungen sozialen, diakonischen oder karitativen Zwecken zugeführt werden.

Was Sie noch tun können:

  • Online gezielt auswählen: Das rasante Wachstum im Onlinehandel verursacht zunehmend Verkehrsprobleme. Erst recht, wenn Kleidung, die nicht gefällt oder nicht passt, zurückgeschickt wird. Seien Sie deshalb zurückhaltend beim Onlineshoppen und informieren Sie sich beim jeweiligen Händler genau über die Größenangaben. Denn zurückgeschickte Kleidung und Schuhe werden zum Teil als so genannte Ausschussware vernichtet, weil dies in manchen Fällen billiger ist, als die Retouren zu prüfen und wieder ins Sortiment aufzunehmen, oder weil es aus hygienischen Gründen erforderlich ist.
  • Machen Sie es sich einfach und kaufen Sie gleich bei Modemarken ein, die ausschließlich faire und ökologische Bekleidung anbieten. Im Internet gibt es hierfür verschiedene Überblicksseiten: Get Changed, Utopia oder das Projekt Weltbewusst.
  • Waschen Sie so oft wie nötig, aber so wenig wie möglich. Dies hält auch die Textilien länger am Leben. Beachten Sie hierzu unsere Tipps zum Wäschewaschen.
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Hintergrund

Umweltsituation: Die Herstellung eines konventionellen Kleidungsstücks belastet die Umwelt auf vielfältige Art und Weise. Der Anbau von Baumwolle, egal ob konventionell oder biologisch, erfordert große Wassermengen vor allem in Gegenden mit Wassermangel. So ist der Baumwollanbau z. B. verantwortlich für die Austrocknung des Aralsees. Um ein Kilogramm Baumwolle zu gewinnen, werden ca. 200 Badewannen voll Wasser benötigt. Pestizide und Düngemittel sind insbesondere beim konventionellen Baumwollanbau ein Problem. Circa 14 Prozent des weltweiten Insektizidmarktes und circa 5 Prozent des Pestizidmarktes entfallen auf diesen Bereich. Hinzu kommt, dass für die Herstellung von einem Kilogramm Textil bis zu ein Kilogramm Chemikalien eingesetzt wird. Ein großer Teil davon gelangt anschließend in das Abwasser. Diese Stoffe sind zum Teil schwer abbaubar und können in den biologischen Kläranlagen nur bedingt reduziert werden. In Ländern wie China oder Indien gelangen diese Stoffe deshalb oft in die Flüsse, da die Abwasserbehandlung häufig nicht ausreicht oder das Abwasser zum Teil gar nicht gereinigt wird.

Die Verwendung von chemischen Fasern wie Polyester oder Elastan verursacht Mikroplastik durch den Abrieb der Chemiefasern beim Waschen. Bisher liegen noch keine verlässlichen Angaben darüber vor, wie viele Fasern auf diese Weise freigesetzt werden. Geschätzt wird, dass in Deutschland insgesamt 80 bis 400 Tonnen Mikropartikel jährlich durch Kleidung freigesetzt werden (UBA 2015). Im Vergleich hierzu: Durch den Reifenabrieb werden in Deutschland jährlich 60.000 bis 110.000 Tonnen Mikropartikel aus Kunststoff freigesetzt.

Der Kauf von Textilien und Bekleidung ist in Deutschland für rund 0,3 t CO2e pro Person und Jahr verantwortlich. Dies sind knapp 3 Prozent des durchschnittlichen Ausstoßes an Treibhausgasemissionen pro Person und Jahr in Deutschland in Höhe von 11,6 t CO2e.

Neben den Umweltbelastungen stehen vor allem die sozialen Standards bei der Textilproduktion im Mittelpunkt. Die Arbeitsbedingungen und Löhne in den Produktionsländern wie Pakistan und Bangladesch sind vielfach unzumutbar. Meistens sind es Frauen, die bis zu 16 Stunden am Tag für einen Lohn unter 2 Euro arbeiten. Der „Fast-Fashion“-Trend , also immer schnellere Zyklen von Modekollektionen, sowie die Billigkultur auf dem Textilmarkt tragen dazu bei, dass die schlechten Herstellungsbedingungen in der Branche erhalten bleiben.

Gesetzeslage: Ein breiteres öffentliches Bewusstsein über die negativen Seiten der Textilproduktion, insbesondere über die schlechten Arbeitsbedingungen in der Branche, bildete sich seit dem Einsturz des Fabrikgebäudes Rana Plaza in Bangladesch im April 2013. Dabei kamen 1.135 Menschen ums Leben, weitere 2.438 Menschen wurden verletzt. Auf Initiative des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ ) wurde 2014 das Textilbündnis ins Leben gerufen. Diesem sind über 100 Mitglieder beigetreten, die knapp 50 % des deutschen textilen Einzelhandels abdecken. Die sogenannte Multi-Stakeholder -Initiative mit Vertretern aus Wissenschaft, Wirtschaft und Zivilgesellschaft zielt darauf, soziale, ökologische und ökonomische Verbesserungen entlang der gesamten Textil-Lieferkette zu erreichen. Alle Mitglieder setzen sich individuelle und vorgegebene Ziele, die jährlich in Maßnahmenplänen (sogenannten Roadmaps) festgehalten werden. Über den Fortschritt muss jährlich berichtet werden. Außerdem arbeiten Mitglieder in Bündnisinitiativen, breit angelegten Maßnahmen mehrerer Mitglieder des Textilbündnisses, die die Bündnisziele unterstützen. Das Ziel: Die Rahmenbedingungen sollen direkt in den Produktionsländern verbessert und dabei Zulieferer und lokale Akteure wie Gewerkschaften und Nichtregierungsorganisationen eingebunden werden.

Marktbeobachtung: Ökologisch produzierte Textilien gelten als Nischenprodukt. Textilien und Bekleidung, die das GOTS-Siegel tragen, bilden gerade einmal einen Marktanteil von 0,05 Prozent (Gesellschaft für Konsumforschung 2016). Ein Grund für den geringen Anteil ist unter anderem, dass es eine begrenzte Auswahl an Kleidung gibt, die nach Ökostandards zertifiziert ist. Hinzu kommt, dass es eine Vielzahl konkurrierender Labels gibt, die unterschiedliche ökologische Anforderungen festlegen. Auch können firmeneigene Labels, wie die von größeren Kleiderketten, nur schwer in die Erfassung von Marktdaten einbezogen werden.

Weitere Informationen finden Sie unter:

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Quellen

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