Grüne Zukunftsmärkte / Umweltschutzwirtschaft

Umweltschutz wird als Wirtschaftsfaktor immer wichtiger. Das zeigt die Entwicklung der Umweltwirtschaft und der grünen Zukunftsmärkte, wie umweltfreundliche Energieerzeugung, Energie-, Rohstoff- und Materialeffizienz, nachhaltige Mobilität, nachhaltige Wasserwirtschaft Abfall- und Kreislaufwirtschaft. Eine fortschrittliche Umweltpolitik ist daher auch unter ökonomischen Gesichtspunkten notwendig.

Umweltschutz ist in Deutschland ein bedeutender Wirtschaftsfaktor

Umweltschutz hat sich in Deutschland längst als wichtiger Wirtschaftsfaktor etabliert. Dies zeigt die Entwicklung der Umweltwirtschaft, die als Querschnittsbranche alle Unternehmen umfasst, die Umweltschutzgüter und -dienstleistungen anbieten. Zur Umweltwirtschaft zählen Bereiche wie Abfallwirtschaft und Recycling, Gewässerschutz und Abwasserbehandlung, Luftreinhaltung, Lärmminderung, erneuerbare Energien, umweltfreundliche Produkte, rationelle Energienutzung, Klimaschutz sowie Mess-, Steuer- und Regeltechnik. Die Unternehmen produzierten im Jahr 2013 im Wert von fast 82 Mrd. Euro Güter, die für Umweltschutzzwecke eingesetzt werden können. Das entspricht 6 % der gesamten deutschen Industrieproduktion. Auch im internationalen Wettbewerb sind deutsche Unternehmen gut aufgestellt: mit einem Welthandelsanteil von 14,8 % war Deutschland im Jahr 2013 erneut größter Exporteur von Umweltschutzgütern.

Die Entwicklung in der Solarindustrie zeigt aber deutlich, dass diese gute Position kein Selbstläufer ist. In den Jahren 2012 und 2013 ist die Produktion von Solarzellen in Deutschland jeweils um mehr als 50 % eingebrochen, bei den übrigen Solarenergiegütern betrug der jährliche Rückgang mehr als 20 %. Produktionszuwächse in anderen Bereichen, wie beispielsweise der Windkraft, der Abwasser-behandlung oder der Mess-, Steuer- und Regeltechnik konnten diesen starken Rückgang nur zum Teil ausgleichen. Die Herstellung von Gütern, die Umweltschutzzwecken dienen können, ging deshalb zuletzt leicht zurück: von 85 Mrd. Euro im Jahr 2011 auf 82 Mrd. Euro im Jahr 2013.

Weltweit wächst dagegen der Bedarf an Umwelt- und Klimaschutztechnologien sowie an Produkten, die umweltfreundlich und ressourcenschonend sind. Die ökonomische Bedeutung des Umweltschutzes wird dadurch in Zukunft noch zunehmen. Aktuell zeigt sich in allen Weltregionen und für alle Umweltbereiche eine hohe Präferenz für Umweltschutzgüter und -technologien aus Deutschland, aber der Konkurrenzdruck wächst.

Umweltwirtschaft ist innovativ

In der Umweltwirtschaft wird außergewöhnlich häufig, intensiv und kontinuierlich geforscht. Fast 80 Prozent der Produktionsbereiche in der Umweltbranche sind besonders forschungs- und wissensintensiv. Umweltinnovationen werden auch staatlich gefördert. Forschungsförderung sowie der Transfer und die Verbreitung der Anwendung neuer Technologien sind dabei die Kernelemente. Ziel ist es, die Innovations- und Umweltpolitik sinnvoll zu verzahnen und gleichzeitig neue Märkte für Umwelttechnologien zu erschließen.

Eine fortschrittliche Umweltpolitik ist wesentlich für die Dynamik und Wettbewerbsfähigkeit der Umweltwirtschaft. Fast jedes dritte innovative Unternehmen gibt an, dass seine Umweltinnovationstätigkeit auch durch Umweltgesetze und -regulierungen ausgelöst worden sei (ZEW 2009, Mannheimer Innovation Panel (Ergebnisse 2009)).

Umwelt- und Effizienztechnologien gehört die Zukunft

Die global wachsende Nachfrage nach Waren und Dienstleistungen lässt sich auf Dauer nur befriedigen, falls es gelingt, „mehr“ mit „weniger“ herzustellen – das heißt, Wirtschaftswachstum und die Inanspruchnahme natürlicher Ressourcen zu entkoppeln. Ein „Weiter-so“ wäre weder ökonomisch noch ökologisch klug: Nach Einschätzungen des Umweltprogramms der Vereinten Nationen (UNEP) würde das globale BIP/Kopf im Jahr 2050 in einem Business-as-usual-Szenario gegenüber einem Green-Investment-Szenario um 14 Prozent niedriger liegen, die Belastung der globalen Ressourcen wäre aber um 48 Prozent höher (UNEP 2011). Außerdem werden Rohstoffe in Zukunft knapper und damit voraussichtlich wesentlich teurer werden als heute und die Belastungsgrenze unserer Ökosysteme durch Schadstoffe ist schon heute vielfach weit überschritten.

Umwelt- und Effizienztechniken werden daher im 21. Jahrhundert eine Schlüsselrolle spielen. Gerade auch auf den „klassischen“ Märkten – zum Beispiel beim Automobil- und Maschinenbau – gewinnt der Einsatz solcher Techniken immer mehr an Bedeutung und entscheidet wesentlich über die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen.

Deutschland profitiert vom Wachstum der grünen Zukunftsmärkte

Die grünen Zukunftsmärkte zeichnen sich dadurch aus, dass ihnen erstens für die Erhaltung der Lebensgrundlagen der Menschheit und die Erfüllung ihrer Grundbedürfnisse eine Schlüsselrolle zukommt und sie zweitens wirtschaftlich besonders bedeutsam sind. Hierzu zählen die Märkte für umweltfreundliche Energieerzeugung, Energieeffizienz, Rohstoff- und Materialeffizienz, nachhaltige Mobilität, nachhaltige Wasserwirtschaft sowie Abfall- und Kreislaufwirtschaft. Umwelttechnologien, die sich diesen Märkten zuordnen lassen, erwirtschafteten in Deutschland im Jahr 2013 rund 13 Prozent des deutschen Bruttoinlandsprodukts. Bis 2025 wird sich dieser Anteil voraussichtlich auf über 20 Prozent erhöhen.

Das Weltmarktvolumen der sechs genannten grünen Zukunftsmärkte hat sich nach einer Studie von Roland Berger Strategy Consultants von 1.383 Milliarden Euro im Jahr 2007 auf 2.536 Milliarden Euro im Jahr 2013 deutlich gesteigert (BMUB 2014: GreenTech made in Germany 4.0 Umwelttechnologie-Atlas für Deutschland). Von dem dynamischen Wachstum der grünen Zukunftsmärkte auf globaler Ebene wird die deutsche Umweltindustrie kräftig profitieren, denn sie besitzt auf vielen Märkten eine starke Position im internationalen Wettbewerb. Im Jahr 2013 hielten deutsche Unternehmen in den einzelnen Zukunftsmärkten Weltmarktanteile zwischen 12 und 17 Prozent. Besondere Stärken weist Deutschland bei der umweltfreundlichen Energieerzeugung und -speicherung (Weltmarktanteil 17 Prozent), sowie bei der Abfall- und Kreislaufwirtschaft (17 Prozent) und der Nachhaltigen Mobilität (17 Prozent) auf.