Indikator: Eutrophierung von Flüssen durch Phosphor

Ein Diagramm stellt für die Jahre 1982 bis 2016 die Verteilung der Gesamtphosphor-Güteklassen (GK) II-III und schlechter dar. Der Anteil starker Überschreitungen (GK IV) ist stark gesunken, der Anteil schwacher Überschreitungen (II-III) stark gestiegen.zum Vergrößern anklicken
Messstellen mit Überschreitung des Orientierungswertes für Gesamtphosphor
Quelle: Umweltbundesamt nach Angaben der Bund/Länderarbeitsgemeinschaft Wasser (LAWA) Diagramm als PDF

Inhaltsverzeichnis

 

Die wichtigsten Fakten

  • An fast zwei Dritteln aller Messstellen an Flüssen werden zu hohe Phosphor-Konzentrationen beobachtet.
  • Der Anteil ist seit Beginn der 1980er Jahre insgesamt um rund ein Fünftel zurückgegangen. Sehr hohe Belastungen treten nur noch selten auf.
  • Ziel der Bundesregierung ist es, dass die Phosphor-Orientierungswerte spätestens 2030 in allen Gewässern eingehalten werden.
  • Dafür muss vor allem die Düngepraxis in der Landwirtschaft verändert werden. Auch sollten kleine Kläranlagen Phosphor nach dem Stand der Technik entfernen.
 

Welche Bedeutung hat der Indikator?

Der Begriff „eutroph“ stammt aus dem Griechischen (eu trophos) und bedeutet „gut ernährt”. Ausgelöst wird Eutrophierung durch menschliche Aktivitäten, die zu einer Anreicherung von Nährstoffen in ursprünglich nährstoffarmen Gewässern führen. Algen und Wasserpflanzen können dann übermäßig wachsen und entziehen anderen Pflanzenarten, vielen Kleinlebewesen und Tieren die Lebensgrundlage.

Die Gewässer Deutschlands sind in keinem guten Zustand (siehe Indikatoren zum ökologischen Zustand der Flüsse, Seen und Meere). Eines der größten Probleme ist die Überdüngung der Gewässer. Um festzustellen, wie stark die Überdüngung ist, muss vor allem die Belastung durch Phosphor betrachtet werden: Nach dem „Minimumgesetz“ wird das Wachstum von Organismen vor allem durch die knappste Ressource eingeschränkt. Für Algen und Wasserpflanzen ist dies in den meisten Gewässern Phosphor.

 

Wie ist die Entwicklung zu bewerten?

Anfang der 1980er Jahre wurden noch an mehr als 80 % aller Messstellen überhöhte Phosphorgehalte gemessen. Im Jahr 2016 lag der Anteil immer noch bei fast zwei Dritteln. Betrachtet man die unterschiedlichen Güteklassen, sieht man eine deutliche Verbesserung: Der Anteil der Messstellen, an denen der Orientierungswert für Phosphor maximal um das Doppelte überschritten wird (Güteklasse II-III), stieg zwischen 1982 und 2016 von 12 % auf fast 57 %. Schlechtere Klassen nahmen entsprechend ab. Zu dieser Verbesserung haben vor allem die Einführung phosphatfreier Waschmittel und die Phosphatfällung in den größeren Kläranlagen beigetragen.

Nach der europäischen Wasserrahmenrichtlinie (EU-RL 2000/60/EG) sollen alle Gewässer bis 2027 einen guten ökologischen Zustand erreichen. In Deutschland haben etwa zwei Drittel der Gewässer hierfür zu hohe Phosphorgehalte. Um dies zu beheben, sind die Düngepraktiken in der Landwirtschaft zu ändern. Auch sollten kleine Kläranlagen Phosphor nach dem Stand der Technik entfernen. In größeren Anlagen erfolgt dies bereits. Gemäß der Nachhaltigkeitsstrategie der Bundesregierung sollen die Orientierungswerte für Phosphor spätestens im Jahr 2030 eingehalten werden (Bundesregierung 2016).

 

Wie wird der Indikator berechnet?

Die Bundesländer übermitteln dem Umweltbundesamt Messwerte von etwa 250 repräsentativen Messstellen. Für die Einordnung in eine Gewässergüteklasse wird für jede Messstelle der 3-Jahres- Mittelwert der Phosphor-Konzentration ermittelt. Dieser Wert wird mit der Konzentration verglichen, die für den guten ökologischen Zustand in dem jeweiligen Gewässertyp nicht überschritten werden sollte (Orientierungswert). Details sind in der Verordnung zum Schutz der Oberflächengewässer (OGewV 2016) geregelt. Der Indikator entspricht dem Anteil der Messstellen, die bezüglich Gesamtphosphor eine Gewässergüte schlechter als „gut“ (Klasse II) aufweisen.

Teilen:
Artikel:
Drucken Senden
Schlagworte:
 Eutrophierung  Überdüngung  Flüsse  Fließgewässer  Phosphor