Indikator: Eutrophierung von Flüssen durch Phosphor

Ein Diagramm stellt für die Jahre 1982 bis 2019 die Messstellen dar, die die Orientierungswerte für Phosphor nicht einhalten. Die sind je nach Höhe der Überschreitung in Güteklassen eingeteilt. Der Anteil ohne Überschreitungen hat zugenommen. Der Anteil mittlerer und starker Überschreitungen (GK IV) ist stark gesunken.zum Vergrößern anklicken
Messstellen an Flüssen mit Überschreitung des Orientierungswertes für Gesamtphosphor
Quelle: Umweltbundesamt nach Angaben der Bund/Länderarbeitsgemeinschaft Wasser (LAWA) Diagramm als PDF

Inhaltsverzeichnis

 

Die wichtigsten Fakten

  • An mehr als der Hälfte aller Messstellen an Flüssen werden zu hohe Phosphor-Konzentrationen gemessen.
  • Messstellen mit hohen Konzentrationen sind seit Beginn der 1980er Jahre um rund ein Drittel zurückgegangen. Sehr hohe Belastungen treten nur noch selten auf.
  • Ziel der Bundesregierung ist es, die Phosphor-Orientierungswerte spätestens 2030 in allen Gewässern einzuhalten.
  • Dafür muss die Landwirtschaft ihre Düngepraxis verändern und kleine Kläranlagen die Phosphorelimination an den Stand der Technik anpassen.
 

Welche Bedeutung hat der Indikator?

Der Begriff „eutroph“ stammt aus dem Griechischen (eu trophos) und bedeutet „gut ernährt”. Ausgelöst wird ⁠Eutrophierung⁠ durch menschliche Aktivitäten, die zu einer Anreicherung von Nährstoffen in ursprünglich nährstoffarmen Gewässern führen. Derart gedüngte Algen und Wasserpflanzen können dann übermäßig wachsen und entziehen anderen Pflanzenarten das Licht sowie, wenn sie absterben, vielen Kleinlebewesen und Tieren den lebensnotwendigen Sauerstoff.

Die Gewässer Deutschlands sind mehrheitlich in keinem guten Zustand (siehe Indikatoren zum ökologischen Zustand der Flüsse, Seen und Meere). Die Überdüngung der Gewässer mit Phosphor ist eines der größten Probleme. Um die Überdüngung zu vermeiden und das Wachstum von Algen und Wasserpflanzen zu begrenzen, muss vor allem die Belastung durch Phosphor verringert werden.

 

Wie ist die Entwicklung zu bewerten?

Anfang der 1980er Jahre wurden an fast 90 % aller Messstellen überhöhte Phosphorgehalte gemessen. 2019 lag der Anteil bei etwa 60 %. Betrachtet man die unterschiedlichen Güteklassen, sieht man eine weitere Verbesserung: Insgesamt ist der Anteil der stärker belasteten Gewässer erheblich zurückgegangen. Zu dieser Verbesserung haben vor allem die Einführung phosphatfreier Waschmittel und die Phosphatfällung in den größeren Kläranlagen beigetragen.

Nach der europäischen Wasserrahmenrichtlinie (EU-RL 2000/60/EG) müssen alle Gewässer bis 2027 einen guten ökologischen Zustand erreichen. In Deutschland haben fast zwei Drittel der Gewässer hierfür zu hohe Phosphorgehalte. Um die Einträge in Gewässer zu reduzieren, schreibt die neue Düngeverordnung vor, auf Böden mit hohen Phosphorgehalten wenig Gülle oder phosphorhaltige Mineraldünger auszubringen. In eutrophierten Gebieten können die Anforderungen verschärft werden. Ob dies ausreicht, wird ein Wirkungsmonitoring zeigen. Daneben soll die Abwasserverordnung nach einer Anpassung regeln, dass auch kleine Kläranlagen Phosphor nach dem Stand der Technik entfernen. In größeren Anlagen erfolgt dies bereits. Gemäß Ziel 6.1.a der Nachhaltigkeitsstrategie der Bundesregierung sind die Orientierungswerte für Phosphor spätestens im Jahr 2030 einzuhalten (BReg 2016).

 

Wie wird der Indikator berechnet?

Die Bundesländer übermitteln dem Umweltbundesamt Messwerte von etwa 250 repräsentativen Messstellen. Für die Einordnung in eine Gewässergüteklasse wird der Mittelwert der Phosphor-Konzentration mit der Konzentration verglichen, die für den guten ökologischen Zustand in dem jeweiligen Gewässertyp nicht überschritten werden sollte (OGewV 2016). Sie liegen je nach ⁠Fließgewässertyp⁠ zwischen 0,1 und 0,15 mg/l Phosphor (bei einem Typ 0,3 mg/l). Der ⁠Indikator⁠ entspricht dem Anteil der Messstellen, die diese Orientierungswerte nicht einhalten.