LW-I-3: Hagelschäden in der Landwirtschaft

Das Bild zeigt ein Maisfeld. Die Maispflanzen sind abgeknickt und zerfetzt und kaum mehr als solche zu erkennen. zum Vergrößern anklicken
Hagelschäden können zu erheblichen Ertragsausfällen führen: beschädigtes Maisfeld nach Sturm / Hagel
Quelle: Zumthie | Wikimedia Commons/Public Domain

Monitoringbericht 2019 zur Deutschen Anpassungsstrategie an den Klimawandel

Inhaltsverzeichnis

 

LW-I-3: Hagelschäden in der Landwirtschaft

Extremwetterereignisse wie Dürre, Hagel, Sturm, Starkregen, Überschwemmung, Frost und Auswinterung können Ertragseinbußen in der Landwirtschaft zur Folge haben. Versichert sind i. d. R. aber nur Hagelschäden. Der zunehmende Schadenaufwand ist wesentlich durch steigende Versicherungssummen verursacht. Der Schadensatz erlaubt direktere Rückschlüsse auf Hagelereignisse. Er zeigt einen fallenden Trend.

Das Balkendiagramm bildet den Schadensatz in Prozent in der landwirtschaftlichen Hagelversicherung ab. Die Zeitreihe ist bereinigt um Inflation und steigende Versicherungssummen.
LW-I-3: Hagelschäden in der Landwirtschaft

Das Balkendiagramm bildet den Schadensatz in Prozent in der landwirtschaftlichen Hagelversicherung ab. Die Zeitreihe ist bereinigt um Inflation und steigende Versicherungssummen. Die Werte von 1980 bis 2017 zeigen deutliche jährliche Schwankungen. Der Höchstwert lag in 1993 über 2 Prozent, der niedrigste bei knapp 0,4 Prozent in 2014. Der Trend ist signifikant fallend. Eine Linie zeigt zusätzlich den Schadenaufwand in Millionen Euro in der landwirtschaftlichen Hagelversicherung. Dieser Trend ist signifikant steigend. Auch hier schwanken die Werte teilweise deutlich zwischen den Jahren.

Quelle: Institut für Agribusiness (Technische Ziffern Hagel)
 

Ertragsausfälle durch Extremwetterereignisse

Infolge von Wetterextremen sind in der deutschen Pflanzenproduktion in den letzten Jahren immer wieder zum Teil erhebliche Ertragsausfälle entstanden. Eine Studie des GDV zur Landwirtschaftlichen Mehrgefahrenversicherung für Deutschland zeigt, dass die durch Wetterrisiken in Deutschland verursachten jährlichen Ernteschäden bei rund 510 Millionen Euro jährlich lagen26. Ein überwiegender Teil der Ertragsausfälle ging auf das Konto von Trockenheit und Dürre. Rund ein Fünftel der Schäden waren durch Hagel und nur etwa ein Sechstel durch Sturm, Starkregen oder Überschwemmung verursacht. Auch Fröste haben Schäden hinterlassen. Nehmen Extremereignisse infolge des Klimawandels zu, wird auch die Landwirtschaft vermehrt von Ernteschäden oder ausfällen betroffen sein. Dass die oben genannten durchschnittlichen Ertragsausfälle auch deutlich höher ausfallen können, zeigte der Dürresommer 2018. Die langanhaltende Trockenheit und Hitze verursachte Schäden und Ertragsausfälle in Höhe von 770 Millionen Euro27. Die betroffenen Landwirtschaftsbetriebe sind für diese Ausfälle zumindest teilweise von staatlicher Seite entschädigt worden.

Die genauen Zusammenhänge von Klimaveränderungen, vermehrtem Auftreten von Extremwetterereignissen und der Zunahme von Schäden in der Landwirtschaft sind zwar noch nicht abschließend geklärt, sie sind aber Gegenstand intensiver Forschung.

Für die deutschen Landwirtinnen und Landwirte sind die Möglichkeiten, sich gegen Ernteausfälle infolge von Extremwetterereignissen zu versichern, bislang noch sehr eingeschränkt. Daher handelt es sich bei Angaben zu witterungsbedingten Ertragsausfällen i. d. R. um Näherungswerte. Eine Ausnahme sind Hagelschäden, denn die Absicherung gegen Hagel ist in der Landwirtschaft vergleichsweise weit verbreitet: Mehr als zwei Drittel aller landwirtschaftlich genutzten Flächen sind gegen Hagel versichert28. Über die Meldungen der Hagelversicherungen zu den Aufwendungen für auftretende Versicherungsfälle lassen sich damit zumindest für einen Teil der Schäden Aussagen treffen. Zu allen anderen Schäden, die die Landwirtinnen und Landwirte selbst tragen oder für die sie fallweise Gelder aus Hilfsprogrammen erhalten, gibt es keine gesicherten Datengrundlagen.

Der Schadenaufwand, d. h. die Bruttoaufwendungen für auftretende Versicherungsfälle, ist seit 1980 signifikant angestiegen. Dies ist allerdings nicht allein Folge vermehrter Schadensereignisse, sondern auch Ergebnis steigender Versicherungssummen. Der Markt für die landwirtschaftliche Hagelversicherung gilt in Deutschland auch heute noch nicht als gesättigt. Im Gegensatz zum Schadenaufwand ist der Schadensatz in der landwirtschaftlichen Hagelversicherung um die Effekte steigender Versicherungssummen und der Inflation bereinigt. Er lässt daher direktere Rückschlüsse auf die Schadentreiber, sprich Hagelereignisse, zu. Für den Schadensatz zeichnet sich ein fallender Trend ab. Das Jahr 1993 war das im Beobachtungszeitraum hagelreichste Jahr. Im Jahr 2002 führten schwere Hagelunwetter vor allem im Südwesten und Osten Deutschlands vielerorts zu Totalschäden, 2009 waren der Norden und Süden zwischen Ende April und Mitte August von einer Abfolge von Unwettern überdurchschnittlich stark betroffen. 2017 führten zunächst Spätfröste zu starken Ausfällen in der Obstblüte, zusätzliche Verluste im Obstbau entstanden durch wechselhafte Witterung im Sommer mit regionalen Hagelereignissen.

Die Hagelversicherung ersetzt den Landwirtinnen und Landwirten den konkreten Ernteausfall, allerdings nicht die damit verbundenen Folgewirkungen für den Gesamtbetrieb. Der Verlust der Marktpräsenz in einem Hageljahr, die mangelnde Auslastung vorhandener betrieblicher Infrastruktur oder auch ein erhöhter Ernte- und Sortieraufwand sind durch die Versicherung nicht gedeckt. Auch aus diesem Grunde betrachten viele Landwirtinnen und Landwirte den Abschluss einer Hagelversicherung nicht als alleinige Option. Insbesondere im Obstbau wird zunehmend mit Hagelschutznetzen gearbeitet, um Ernteschäden vorzubeugen.

26 - GDV – Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft 2016: Landwirtschaftliche Mehrgefahrenversicherung
für Deutschland. Berlin, 47 S. www.gdv.de/resource/blob/8942/fa2dc37ecb8fafbb8b6fe7c2ae1a10d1/publikation---landwirtschaftlichemehrgefahren-versicherung-fuer-deutschland-data.pdf

27 - Informationen des BMEL zu Klimaschutz und Klimawandel: www.bmel.de/DE/Landwirtschaft/Nachhaltige-Landnutzung/Klimawandel/_Texte/Extremwetterlagen-Zustaendigkeiten.html

28 - BMEL (Hrsg.) 2017: Extremwetterlagen in der Land- und Forstwirtschaft – Maßnahmen zur Prävention und Schadensregulierung. Berlin, 26 S.

 

Schnittstellen

LW-I-2 Ertragsschwankungen

BAU-I-5: Schadenaufwand in der Sachversicherung