WW-I-8: Meeresspiegel

Das Bild zeigt eine schmale Sandküste. Der Dünenrand ist abgebrochen.zum Vergrößern anklicken
Der Meeresspiegelanstieg gefährdet die Küsten.
Quelle: jomo333 / stock.adobe.com

Monitoringbericht 2019 zur Deutschen Anpassungsstrategie an den Klimawandel

Inhaltsverzeichnis

 

WW-I-8: Meeresspiegel

Die an ausgewählten Pegeln der Nord- und Ostsee gemessenen und über 19 Jahre gemittelten Wasserstände illustrieren den Meeresspiegelanstieg. Die Zunahmen der Pegelstände sind überwiegend signifikant.

Die Linien-Grafik zeigt den Mittelwert der jährlichen mittleren Tidemittelwasser über 19 Jahre für Cuxhaven (Nordsee) ab 1843, für Travemünde (Ostsee) ab 1853, für Kiel (Ostsee) ab 1901, für Wittdün (Nordsee) ab 1936, für Saßnitz (Ostsee) ab 1954 und für Borkum (Nordsee) ab 1963. Alle Zeitreihen zeigen einen signifikant steigenden Trend.
WW-I-8: Meeresspiegel

Die Linien-Grafik zeigt den Mittelwert der jährlichen mittleren Tidemittelwasser über 19 Jahre für Cuxhaven (Nordsee) ab 1843, für Travemünde (Ostsee) ab 1853, für Kiel (Ostsee) ab 1901, für Wittdün (Nordsee) ab 1936, für Saßnitz (Ostsee) ab 1954 und für Borkum (Nordsee) ab 1963. Alle Zeitreihen zeigen einen signifikant steigenden Trend.

Quelle: Bundesanstalt für Gewässerkunde (Pegeldatenbank der Wasser- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes)
 

Der Meeresspiegel der Nord- und Ostsee steigt

Die Gletscher und die Eisschilde der Pole schmelzen und liefern den Meeren große Mengen von Schmelzwasser. Gleichzeitig dehnt sich bei steigenden Wassertemperaturen das Meerwasser aus. Hierdurch steigt der Meeresspiegel weltweit an. Der Sonderbericht über den Ozean und die Kryosphäre in einem sich wandelnden Klima (SROCC) des Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC) vom September 2019 liefert Projektionen von Erdsystemmodellen für den mittleren globalen Meeresspiegelanstieg sowie für Extremwerte und deren Häufigkeiten, die auf Szenarien der sozio-ökonomischen Entwicklung beruhen. Die wahrscheinliche Bandbreite des mittleren globalen Meeresspiegelanstiegs liegt Ende dieses Jahrhunderts im Vergleich zum Jahr 2000 bei 61–110 cm, der Median bei 84 cm. Diese Werte sind größer als beim vorigen IPCC-Sachstandsbericht von 2013, weil neue Erkenntnisse auf einen größeren Beitrag von Schmelzwasser aus dem Antarktischen Eisschild hinweisen. Der SROCC zeigt auch auf, dass Sturmflutwasserstände als Konsequenz des mittleren Meeresspiegelanstiegs höher ausfallen werden als bisher. Der Meeresspiegel wird auch über das Jahr 2100 hinaus für Jahrhunderte weiter ansteigen und erhöht bleiben.

Der Anstieg des Meeresspiegels vollzieht sich regional und lokal jedoch sehr unterschiedlich, dies gilt auch für die Nord- und Ostsee. Wasserstände an den deutschen Küsten werden seit über 150 Jahren regelmäßig gemessen, sodass sich konkrete Zahlen für die Veränderung nennen lassen. In der südlichen Deutschen Bucht betrug in den vergangenen 100 Jahren der mittlere Anstieg des Meeresspiegels 1,1–1,9 mm pro Jahr – ohne den Einfluss von Landsenkungen. Damit liegen die Anstiegsraten an Nord- und Ostsee etwas unterhalb der Werte für den globalen Anstieg. Wird jedoch der Einfluss von Landsenkungen hinzugerechnet, erhöhen sich die Anstiegsraten in einigen deutschen Küstenbereichen auf 1,6–2,9 mm pro Jahr.

Die Nordsee ist vom Gezeitenwechsel geprägt, daher ist das Mittlere Tidemittelwasser (MTmw) entscheidend. Die Ostsee hingegen unterliegt aufgrund ihrer geografischen Lage mit nur geringer Verbindung zu den Ozeanen einem lediglich schwachen Gezeiteneinfluss, weshalb hier die jährlichen Mittleren Wasserstände (MW) maßgeblich sind. Für diese Kennwerte des Wasserstands wurde ein gleitendes Mittel über 19 Jahre ermittelt. An den ausgewählten Nordseepegeln in Cuxhaven sowie auf Borkum und Wittdün auf Amrum zeigen die Tidemittelwasserstände signifikant steigende Werte. Die Ostseepegel Kiel, Travemünde und Saßnitz zeigen ebenfalls einen signifikant steigenden Meeresspiegel. Unterschiede in der Anstiegsrate zwischen der Nordsee und der Ostsee haben ihre Ursache in unterschiedlichen vertikalen Landbewegungen.

Der ansteigende Meeresspiegel bedeutet für Küstenregionen, vor allem für Ästuare und tiefliegende Küstenebenen, eine sehr langsam ansteigende Erhöhung der Gefährdung durch Sturmfluten. Die Entwicklung bis Ende des Jahrhunderts wird unterschiedlich eingeschätzt.

Eine weitere Folgewirkung des ansteigenden Meeresspiegels ist die voranschreitende Küstenerosion, die vor allem sandige Brandungsküsten betrifft und damit auch viel besuchte Strände. Diese Küstenabschnitte sind die Grundlage für die touristische Entwicklung an der Nord- und Ostsee. Dies bedeutet zusätzliche Herausforderungen beim Küstenschutz. Auch für den Betrieb von Wasserstraßen ist mit Mehraufwand beispielsweise im Sedimentmanagement zu rechnen.

 

Schnittstellen

WW-I-7: Wassertemperatur des Meeres

WW-I-9: Intensität von Sturmfluten

WW-R-3: Uferbewuchs von kleinen und mittelgroßen Gewässern – Fallstudie

 

Ziele

Entwicklung von integrierten Entwicklungsstrategien für die Ökosysteme des Küstenraums einschließlich der Flusstrichter (Ästuarbereiche). Etablierung von Ausweichhabitaten für vom Meeresspiegelanstieg betroffene Lebensgemeinschaften. Nutzung von Synergien zwischen Naturschutz und Küstenschutz (DAS, Kap. 3.2.5)

Untersuchung und Dokumentation der durch den prognostizierten Meeresspiegelanstieg ergebenen Veränderungen der Strömungen, der Erosion und der Sedimentation in den Ästuaren und Seeschifffahrtsstraßen (DAS, Kap. 3.2.11)

Für bestehende oder geplante Industriestandorte sind national wie international die Auswirkungen des Klimawandels zu berücksichtigen; ein Beispiel sind die Folgen eines zu erwartenden Anstiegs des Meeresspiegels in küstennahen Gebieten. (DAS, Kap. 3.2.12)

Der Anstieg des Meeresspiegels und der damit verbundene Anstieg des Grundwasserspiegels sowie die Zunahme der Küstenerosionstendenzen erfordern zusätzliche Anstrengungen beim Schutz der Küstengebiete und begründen wesentliche neue Gesichtspunkte für die Entwicklung der Küstenlandschaften. (DAS, Kap. 3.2.14)