Die Erderhitzung beeinträchtigt das Leben in Deutschland

Niedrigwasser am Rhein.zum Vergrößern anklicken
Ausbleibende Niederschläge vor allem im Sommer und Herbst führen zu Niedrigwasser wie hier am Rhein.
Quelle: Rike / pixelio.de

Der kürzlich veröffentlichte Monitoringbericht 2019 zur Deutschen Anpassungsstrategie (DAS) zeigt das enorme Ausmaß bereits beobachteter Folgen der Erderhitzung in Deutschland und was bereits getan wird, um diesen Folgen zu begegnen.

Inhaltsverzeichnis

 

Die Erderhitzung hat einschneidende und weitreichende Folgen in Deutschland für Gesellschaft, Umwelt, Natur und Wirtschaft. Hitze, Dürren, Überschwemmungen, Starkregen und Stürme sowie verminderte Wasserverfügbarkeit verursachen Schäden und beeinträchtigen die Infrastrukturen und das Leben in den Städten. Der Monitoringbericht 2019 zur DAS liefert mit seinen 105 Indikatoren ein systematisches und umfassendes Gesamtbild vom Ausmaß dieser Folgen der Erderhitzung als auch von der beginnenden Anpassung. Er stützt sich dabei auf wissenschaftlich gesicherte Langzeitdaten. Dadurch können die Folgen des Klimawandels auch unabhängig von einzelnen Extremereignissen bewertet und nachgewiesen werden.

 

1,5°C Temperaturanstieg und mehr heiße Tage führen zu zusätzlichen Todesfällen

Der aktuelle und zweite Monitoringbericht 2019 umfasst den Aktualisierungszeitraum von 2014 bis 2017. Diese Jahre waren geprägt von langen Trockenperioden und zahlreichen Extremereignissen wie Stürmen und heftigen Starkregen . Das Jahresmittel der Lufttemperatur ist in Deutschland von 1881 bis 2018 statistisch gesichert um 1,5 °C angestiegen. Damit wird der Wert von 2013 aus dem letzten Bericht um 0,3 °C übertroffen.
In den zurückliegenden 40 Jahren zeichnet sich ein Trend zunehmender Hitze-Extreme ab. Die Anzahl der heißen Tage, also die Tage, an denen die Temperaturen über 30°C steigen, hat sich seit Anfang der 50er Jahre verdreifacht. Bundesweit sind es heute etwa zehn heiße Tage jährlich, mit großen regionalen Unterschieden. Auf der Grundlage bundesweiter Daten zeigt der Monitoringbericht 2019, dass im Jahr 2003 etwa 7.500 Menschen mehr gestorben sind, als ohne Hitzewelle zu erwarten gewesen wäre. In den Jahren 2006 und 2015 gab es jeweils etwa 6.000 zusätzliche Todesfälle. Die Bürgerinnen und Bürger machen sich zunehmend Sorgen um ihre eigene Gesundheit. Das zeigt die repräsentative Umweltbewusstseinsstudie des Umweltministeriums und Umweltbundesamtes mit Daten aus 2016, bei der etwa die Hälfte der Befragten eine starke oder sehr starke Beeinträchtigung ihrer Gesundheit durch Hitzewellen befürchtete.

 

Gesundheitsprävention, Begrünung und Bautechnik gegen Hitzebelastung

Neben den beobachteten Folgen des Klimawandels zeigt der Monitoringbericht auch auf, welche Anpassungsmaßnahmen bereits eingeläutet wurden. Dazu zählen im Bereich Gesundheit präventive Maßnahmen, planerische sowie bautechnische Anpassungen, um die Wärmebelastung vor allem in Städten zu mindern. Deutlich wird, dass diese Bemühungen verstärkt werden müssen, um Menschen, Natur und Infrastrukturen vor zunehmender Hitzebelastung zu schützen. Beispielsweise sind in Städten mehr Grünflächen notwendig, die während Hitzeperioden das Stadtklima abkühlen, sowie bauliche Wärmedämmung, die gegen eine Überhitzung von Innenräumen schützt.

 

Zunehmende Erwärmung und vermehrte Sommertrockenheit beeinträchtigen die Wassernutzung in der Land- und Forstwirtschaft

Die aktuellen Daten des Monitoringberichts weisen auch auf eine verringerte Wasserverfügbarkeit hin. Bundesweit zeigen Grundwasserstände im Vergleich zum langjährigen Mittel, dass Monate mit unterdurchschnittlich niedrigen Grundwasserständen häufiger werden. 80 Pegelmessstellen, die über die Flussgebiete in Deutschland verteilt sind, zeigen einen abnehmenden mittleren Abfluss und damit eine sich verringernde Wasserverfügbarkeit im Sommer.

Bereits der vorherige Monitoringbericht 2015 zeigte problematische Entwicklungen bei der Bodenwasserversorgung auf, die sich seitdem fortgesetzt haben. In Verbindung mit den niedrigeren Grundwasserständen ist die Wasserversorgung der Land- und Forstwirtschaft massiv beeinträchtigt. Die Konsequenzen vom vergangenen Jahr sind messbar und sichtbar: 2018 führte die extreme Trockenheit zu Ernteausfällen in Höhe von 700 Millionen Euro. Rund 32,4 Millionen Kubikmeter Schadholz sind durch Borkenkäferbefall, Stürme und extreme Dürre angefallen. Durch Brände ging im vergangenen Jahr zusätzlich eine Fläche von ungefähr 3.300 Fußballfeldern Wald verloren.

 

Dauerhafte klimaangepasste Bewirtschaftung von Land und Forst notwendig

Bereits seit 20 Jahren investiert die Bundesregierung jährlich im Schnitt 82 Millionen Euro in den Waldumbau. Bis 2017 sind davon 22.000 Hektar pro Jahr zu Mischwäldern umgebaut worden. Diese sind widerstandsfähiger gegen Stürme, Dürren, Schädlingsbefall. Sie hemmen auch die Verbreitung von Waldbränden und sind weniger gefährdet als Monokulturen aus Nadelhölzern wie der Fichte, die ein feucht-kühles Klima braucht.

Auch die Landwirtschaft stellt sich zunehmend auf veränderte Klimabedingungen ein. Beispielsweise passen Landwirte die Aussaat einiger Kulturen an und säen Mais rund eine Woche früher im Jahr aus. Sie bauen neue Kulturen wie Hirse oder Hartweizen an, die bislang vor allem in Mittelmeerländern angebaut werden. Deutsche Winzer setzen zunehmend auf Rotwein. Sie pflanzen, um weiterhin erfolgreich wirtschaften zu können, Rebstöcke, die aus dem Süden kommen: Cabernet Sauvignon und Merlot.

Dauerhaft angepasste landwirtschaftliche Bewirtschaftungsweisen können mit zukünftigen Trockenperioden am besten umgehen. Dabei sind ein bewusster Umgang mit Wasser und ein bodenschonendes, humusaufbauendes Bewirtschaftungsverfahren zentral.

 

Einheitliches Berichtswesen von Bund und Ländern zu Wasserindikatoren

Das methodische Berichtswesen des Monitoringberichts wird kontinuierlich weiterentwickelt und die Datenlage stetig verbessert. So wurden die Indikatoren im Handlungsfeld Wasserhaushalt und Wasserwirtschaft in enger Zusammenarbeit mit der Bund/Länderarbeitsgruppe Wasser (LAWA ) weiterentwickelt. Sie sind jetzt mit flächendeckenden Daten unterlegt, die von den Bundesländern bereitgestellt wurden. Die Zusammenarbeit wird in den kommenden Jahren weitergeführt. Damit kann die Klimafolgenberichterstattung des Bundes und der Länder anhand von methodisch abgestimmten Indikatoren für die Wasserwirtschaft einheitlich erfolgen.

 

Dialogveranstaltung fordert: Mehr Handeln für bessere Vorsorge

Anlässlich der Veröffentlichung des Berichts haben das Bundesumweltministerium und Umweltbundesamt zentrale Ergebnisse im Rahmen eines Nationalen Dialogs zu Klimawandelfolgen in Deutschland am 26. und 27. November 2019 in Berlin vorgestellt. Rund 200 Teilnehmende aus Politik, Behörden, Wirtschaft, Wissenschaft und Zivilgesellschaft diskutierten zwei Tage intensiv zu notwendigen Politikinstrumenten und Maßnahmen, mit denen Städte, Land- und Forstwirtschaft sowie Wirtschaftsstandorte und Infrastrukturen klimaresilienter gestaltet werden sollten. Die Ergebnisse des Dialogs werden in Kürze veröffentlicht und geben wichtige Impulse für die strategische Weiterentwicklung der Anpassungspolitik.

 

Das Monitoring der Klimawandelfolgen ist eine Grundlage für die strategische Klimaanpassung

Der aktuelle Monitoringbericht wurde vom Kompetenzzentrum Klimafolgen und Anpassung (KomPass) im Umweltbundesamt zusammen mit fast 200 Personen aus 30 Bundes- und Länderbehörden, mehreren Universitäten und Fachverbänden erarbeitet. Er informiert die Öffentlichkeit und Entscheidungsträger in allen Bereichen des gesellschaftlichen Lebens über die beobachteten Folgen der Erderhitzung und bereits eingeleitete Anpassungsmaßnahmen in Deutschland. Die Ergebnisse fließen in die Weiterentwicklung der DAS ein.

Für den Planungsprozess zur Anpassung an den Klimawandel in Deutschland wurde ein umfangreiches Berichtswesen etabliert. Der Monitoringbericht zur DAS blickt mit den beobachteten Daten in die Vergangenheit und Gegenwart. Er wird seit 2015 alle vier Jahre aktualisiert. Die Klimawirkungs- und Vulnerabilitätsanalyse (KWVA) schaut in die Zukunft und identifiziert, in welchen Handlungsfeldern, bei welchen Klimawirkungen und in welchen Regionen zukünftig besondere Betroffenheit und Handlungserfordernisse bestehen. Die Aktionspläne Anpassung (APAs) stellen die laufenden und künftigen Maßnahmen des Bundes zur Anpassung an den Klimawandel dar und zeigen Verknüpfungen mit anderen nationalen Strategieprozessen auf. Der Strategieprozess und die Umsetzung der DAS werden alle vier Jahre evaluiert. Die erste externe Evaluierung wurde zeitgleich mit dem Monitoringbericht veröffentlicht. Schließlich wird die DAS im Rahmen von Fortschrittsberichten alle fünf Jahre fortgeschrieben und im Kabinett beschlossen. Der nächste Fortschrittsbericht ist für den Herbst 2020 vorgesehen.

Zum Monitoringbericht 2019

Zur Pressemitteilung von BMU und UBA

Hintergrundinformationen zu den Monitoringindikatoren

Autorin: Dr. Petra van Rüth (Umweltbundesamt)

Dieser Artikel wurde als Schwerpunktartikel im UBA Newsletter Klimafolgen und Anpassung Nr. 64 veröffentlicht. Hier können Sie den Newsletter abonnieren.