Soziale Dimensionen von Klimaschutz und Klimawandel

Hintergrund und Ziele

Es ist absehbar, dass sich aus naturwissenschaftlichen Forschungsergebnissen allein keine Handlungsstrategien ableiten lassen, wie dem Klimawandel zu begegnen ist. Wie Menschen diesen wahrnehmen, welche Folgen er für sie hat und ob und in welcher Weise sie bereit sind, entsprechende Handlungsstrategien tatsächlich umzusetzen, hängt stark von dem jeweiligen sozialen und kulturellen Umfeld ab. So werden beispielsweise ungewöhnlich lange Dürrephasen in Gebieten Afrikas oder Lateinamerikas aus Sicht der Betroffenen kaum als Phänomene des Klimawandels wahrgenommen, sondern als soziale Katastrophen in Form von Hungersnöten oder gewalttätigen Auseinandersetzungen um Ressourcen.

Die interdisziplinär ausgerichtete Förderinitiative "Soziale Dimensionen von Klimaschutz und Klimawandel" soll mit 12 Vorhaben dazu beitragen:

  • zum einen das Verständnis für soziale Ursachen und Auswirkungen des Klimawandels zu erhöhen, zum anderen die Ausgestaltung von Klimaschutz- und Anpassungsmaßnahmen zu unterstützen, indem der Ausschluss von Bevölkerungsgruppen vermieden und Akzeptanz gefördert wird;
  • die sozial- und geisteswissenschaftliche Kompetenz im Bereich der Klimaforschung zu stärken;
  • naturwissenschaftliche Erkenntnisse zum Klimawandel sowie technische, planerische und ökonomische Instrumente zur Umsetzung von Klimaschutzmaßnahmen und Anpassungsstrategien in Bezug zu sozialen Aspekten zu setzen, um auf der einen Seite Konfliktpotenziale rechtzeitig zu erkennen und richtig einzuschätzen, auf der anderen Seite (auch unerwartete) Handlungsspielräume wahrzunehmen.

Die 12 Projekte sind:

  1. Solidarische Stadt – Genossenschaftliche Handlungsmöglichkeiten in Zeiten des Klimawandels;
  2. Die soziale Dimension des Rebound-Effekts (REBOUND);
  3. SPREAD – Scenarios of Perception and Reaction to Adaptation;
  4. Alpine Naturgefahren im Klimawandel (ANIK) – Deutungsmuster und Handlungspraktiken vom 18.–21. Jahrhundert;
  5. EMIGMA – Empowerment von Migranten zum Klimaschutz;
  6. Klima regional: Soziale Transformationsprozesse für Klimaschutz und Klimaanpassung;
  7. Klimawandel, Umweltveränderungen und Migration: Sozialökologische Bedingungen von Bevölkerungsbewegungen (MICLE) am Beispiel der Sahelländer Mali und Senegal;
  8.  Klimaschutz, Entwicklung und Gerechtigkeit: Dekarbonisierung in Entwicklungs- und Schwellenländern (EntDekEn);
  9. Klimawandel und Alltagshandeln: Potenziale, Strategien und Instrumente für CO2-arme Lebensstile in der Null-Emissions-Stadt (KlimaAlltag);
  10. Climates of Migration. Klimawandel und Umweltmigration in historischer Perspektive;
  11. Die Verbindung von Emissionshandelssystemen – Auf dem Weg zu einer sozial und ökologisch akzeptablen Ausgestaltung des Handels mit Emissionszertifikaten in Europa, den USA und Japan;
  12. Klimaschutzpolitik in alternden Gesellschaften: Komplexe Klimasysteme, Kognition und Zahlungsbereitschaft (CLIMAGE).

Laufzeit

bis

Untersuchungsregion/-raum

Land
  • Deutschland
  • weltweit

Schritte im Prozess zur Anpassung an den Klimawandel

Schritt 1: Klimawandel verstehen und beschreiben

Ansatz und Ergebnisse 

es werden die globalen Klimaprojektionen des IPCC (Intergovernmental Panel on Climate Change) verwendet

Parameter (Klimasignale)
  • Veränderte Niederschlagsmuster
  • Höhere mittlere Temperaturen
Weitere Parameter 

extreme Wetterereignisse

Schritt 2a: Risiken erkennen und bewerten (Klimafolgen/-wirkungen)

Analyseansatz 

es werden z. B. die Folgen von langen Dürrephasen und der Zunahme von Extremwetterereignissen betrachtet

Schritt 2b: Vulnerabilität, Risiken und Chancen

Ansatz und Risiken / Chancen 

wird in einigen Projekten betrachtet

Schritt 3: Maßnahmen entwickeln und vergleichen

Maßnahmen und/oder Strategien 

Eine wesentliche Konfliktursache liegt darin, dass Menschen aufgrund ihrer räumlichen und sozio-ökonomischen Situation in sehr unterschiedlicher Weise von Klimawandel und Maßnahmen des Klimaschutzes betroffen sind beziehungsweise betroffen sein werden. Einen Eindruck der zu erwartenden Konflikte zwischen unterschiedlichen Interessensgruppen oder Ländern vermitteln die Diskussionen um den Beitrag von Biokraftstoffen zur Sicherung der Energieversorgung versus Lebensmittelsicherheit oder um das Pro und Contra staatlicher Zuschüsse zu Energiekosten für sozial schwache Personengruppen.

Praktisches Ziel ist es, eine Brücke zwischen wissenschaftlichem Wissen und gesellschaftlichem Handeln zu schlagen. Handlungsempfehlungen für Politik und andere relevante Akteure sollen helfen, lokal angepasste Lösungsansätze zu entwickeln, um z. B. unfreiwillige Migration zu verhindern bzw. um Migration als Anpassungsstrategie zu fördern.

Zeithorizont
  • 2036–2065

Schritt 4: Maßnahmen planen und umsetzen

Kosten 

Eine realistische Energie- und Klimapolitik muss auf Basis eines profunden Verständnisses über die Ursachen und Folgen des Rebound-Effekts effektive und sozial akzeptable Maßnahmenbündel entwickeln. Ziel des "REBOUND"-Projekts ist es u. a. geeignete Maßnahmen zu identifizieren, wobei auch Kosten betrachtet werden.

Wer war oder ist beteiligt?

Förderung / Finanzierung 

Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) im Rahmenprogramm "Forschung für Nachhaltige Entwicklungen" (FONA)

Projektleitung 

Projektträger: Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR)

Beteiligte/Partner 

- Technische Universität Berlin,

- nexus Institut für Kooperationsmanagement und interdisziplinäre Forschung e.V.,

- Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung GmbH (ZEW) Mannheim,

- Universität Stuttgart,

- Fraunhofer-Gesellschaft zur Förderung der angewandten Forschung e.V. (FhG),

- Rheinisch-Westfälisches Institut für Wirtschaftsforschung e.V.,

- Universität Kassel,

- Universität Duisburg-Essen,

- Christian-Albrechts-Universität zu Kiel,

- Technische Universität München,

- Georg-August-Universität Göttingen,

- Freie Universität Berlin,

- Fachhochschule Dortmund,

- Universität Augsburg,

- Ludwig-Maximilians-Universität München,

- Hochschule für angewandte Wissenschaften – Fachhochschule München,

- Institut für sozial-ökologische Forschung (ISOE) GmbH,

- Universität Bayreuth,

- Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung e.V. (PIK),

- GIGA German Institute of Global and Area Studies / Leibniz-Institut für Globale und Regionale Studien,

- Institut für ökologische Wirtschaftsforschung (IÖW) GmbH,

- Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg.

Ansprechpartner

DLR – Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt e.V.
AE 41 Globaler Wandel/Klima- und Umweltschutz, Sozial-ökologische Forschung
Heinrich-Konen-Str. 1
D-53227 Bonn

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Handlungsfelder:
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