REKLISO - Regionale Klimaanalyse Südlicher Oberrhein

Hintergrund und Ziele

Unter den Vorzeichen des Klimawandels wird es künftig gerade im Oberrheingebiet in besonderem Maße darauf ankommen, durch eine klimaangepasste Siedlungsentwicklung und -gestaltung global wirkende Veränderungen wichtiger Klimaparameter nicht noch örtlich weiter zu verschärfen, sondern vielmehr lokal wirksame klimatische Ausgleichsfunktionen auf Dauer zu erhalten und zu stärken. Dies betrifft beispielsweise die planerische Sicherung von Freiräumen, die bezüglich Luftaustausch oder thermischem Ausgleich für die Siedlungsbereiche von besonderer Bedeutung sind. Die Berücksichtigung klimatischer Flächenfunktionen im Rahmen der räumlichen Planung steht im Fokus des Projekts. Planerische Vorsorgemaßnahmen dieser Art dienen unmittelbar der Sicherung günstiger Lebensbedingungen für die Menschen in der Region und stellen eine wichtige Ergänzung zu Emissionsminderungsmaßnahmen dar.

Die Bearbeitung der vom Regionalverband Südlicher Oberrhein bei zwei Hochschulinstituten in Auftrag gegebenen Klimaanalyse wurde Ende 2006 abgeschlossen. Damit liegen nun erstmals für die Region flächendeckende Grundlagen vor, um die Aspekte des Schutzes von ⁠Klima⁠ und Luft in der räumlichen Planung berücksichtigen zu können. Die Regionale Klimaanalyse umfasst eine regionsweite und flächendeckende Analyse ausgewählter planungsrelevanter Grundlagen zum Umweltschutzgut Klima/Luft sowie daraus abgeleitete fachliche Zielsetzungen und Handlungsempfehlungen für die räumliche Planung in der Region. Die Ergebnisse stellen eine Abwägungsgrundlage für die Fortschreibung des Regionalplans Südlicher Oberrhein dar. Darüber hinaus kommt ihnen für die örtliche Planungsebene eine orientierende Funktion zu.

Ziele:

Folgende Zielsetzungen werden verfolgt:

  • regionsweite und flächendeckende Analyse ausgewählter planungsrelevanter Grundlagen zum Umweltschutzgut Klima/Luft, v. a. bezüglich Windverhältnissen, Temperatursituation, Kaltluftproduktion und -transport sowie Luftbelastungs- und Wärmebelastungsrisiken;
  • Erarbeitung von raumkonkreten Zielsetzungen und Handlungsempfehlungen aus klimatologischer Sicht zu den Themenbereichen Durchlüftung, Lufthygiene und thermische Situation;
  • raumbezogene Aufbereitung der Ergebnisse im regionalplanerischen Maßstabsbereich als Grundlage für die räumliche Planung in der Region.

Laufzeit

Untersuchungsregion/-raum

Land
  • Deutschland
Bundesland
  • Baden-Württemberg
Naturräumliche Zuordnung
  • Oberrheingraben

Schritte im Prozess zur Anpassung an den Klimawandel

Schritt 1: Klimawandel verstehen und beschreiben

Ansatz und Ergebnisse 

Eine systematische Auswertung klimatologischer und hydrologischer Messdaten ist im Rahmen des Projekts KLIWA erfolgt und verdeutlicht die bereits eingetretenen Veränderungen des regionalen Klimas in Südwestdeutschland. Hinsichtlich der regionalen Prognoseergebnisse für die wichtigsten klimatologischen Größen erfolgt eine Zusammenarbeit mit den Projekten KLIWA und KLARA.

Für die mittlere globale Temperaturerhöhung wird je nach zugrunde gelegtem ⁠Emissionsszenario⁠ zwischen 1,4 und 5,8°C bis zum Jahr 2100 im Vergleich zu 1961 bis 1990 ausgegangen (nach ⁠IPCC⁠ 2001). Für Baden-Württemberg ist für den Szenariozeitraum bis ca. 2050 mit folgenden Entwicklungen des regionalen Klimas zu rechnen: Anstieg der mittleren Temperaturen, Veränderung der Temperaturextreme, Veränderung der Niederschläge, Veränderungen im Abflussgeschehen der Fließgewässer und erhöhte ⁠Grundwasserneubildung⁠. Zusätzlich werden Wärmeinseleffekte in den Staädten verstärkt und damit das lokale Stadtklima beeinflusst.

Parameter (Klimasignale)
  • Veränderte Niederschlagsmuster
  • Höhere mittlere Temperaturen
  • Starkniederschlag (inkl. Hagel, Schnee)
Weitere Parameter 

Windgeschwindigkeit, Schneebedeckung, Luftschadstoffkonzentrationen, bioklimatische Parameter (Wärmebelastung und Kältestress als sog. thermischer Wirkungskomplex sowie Luftschadstoffbelastungen in Bodennähe als sog. lufthygienischer Wirkungskomplex)

Zeithorizont
  • mittelfristig = bis 2050
Weitere Zeitangaben 

2050

Schritt 2a: Risiken erkennen und bewerten (Klimafolgen/-wirkungen)

Analyseansatz 

Aus den in Baden-Württemberg zu erwartenden Klimaveränderungen ergeben sich für den Menschen, für die ⁠Biodiversität⁠ und Ökosysteme sowie für die ⁠Landnutzung⁠ in den kommenden Jahrzehnten folgende wesentliche Auswirkungen:

  • Die Zunahme von Extremereignissen (Hochwasser, Stürme) wird vor allem durch den Anstieg der Intensität solcher Ereignisse zu einer verstärkten unmittelbaren Gefährdung von Leben und Gesundheit der Bevölkerung führen. Zudem wird eine Zunahme des Umfangs von Sachschäden befürchtet.
  • Die prognostizierte steigende Häufigkeit und Intensität von sommerlichen Hitzewellen sowie der Anzahl von Hitzetagen wird eine zunehmende Gesundheitsgefahr darstellen. Der parallel zu erwartende Rückgang des winterlichen Kältestresses wird die steigenden Gefährdungen durch Wärmebelastungen nicht kompensieren können.
  • Durch die Erwärmungstendenz sind erhebliche Auswirkungen auf die heimischen Tier- und Pflanzenarten, ihre Populationen sowie auf die natürlichen Ökosysteme zu erwarten. Dabei wird vor allem von Auswirkungen auf die Phänologie und die geographische Verbreitung von Arten sowie vom Aussterben kleiner und isolierter Populationen bzw. ökologisch hochspezialisierter Arten ausgegangen. Den zu erwartenden Verlusten bei heimischen Arten steht eine verstärkte Einwanderung und Ausbreitung gebietsfremder v. a. Wärme liebender Arten gegenüber.
  • Für die Landwirtschaft sind durch den ⁠Klimawandel⁠ teils günstige, teils nachteilige Wirkungen zu erwarten: Generell werden durch die Erwärmung die Vorraussetzungen für den Maisanbau (insbesondere Körnermais) im Oberrheingebiet verbessert, während der tendenziell zunehmende sommerliche ⁠Trockenstress⁠ bei Weizen örtlich zu Ertragseinbußen führen kann. Im Bereich des Obstbaus ist zu befürchten, dass ein milderes ⁠Klima⁠ zu einer vermehrten Anfälligkeit gegenüber Schädlingen führt, während im Weinbau grundsätzlich eine Verbesserung der Anbaubedingungen zu erwarten ist. Erhöhte landwirtschaftliche Ertragsgefährdungen gehen allerdings von der erwarteten Zunahme extremer Wetterereignisse aus.
  • Für die Forstwirtschaft werden aufgrund der sich im Jahresmittel wenig ändernden Niederschlagssummen bislang weniger gravierende Änderungen der Produktivität erwartet. Allerdings wird mit einem Anstieg der Schadrisiken durch Schädlinge und Wetterextreme gerechnet.
  • Durch den Klimawandel werden im Unterschied zum Wintertourismus für den Sommertourismus in Baden-Württemberg eher positive Wirkungen prognostiziert. So ist im Schwarzwald mit einer Zunahme von Tagen mit günstigen Wetterverhältnissen für den Wandertourismus zu rechnen.

Diese Folgen des Klimawandels in Südwestdeutschland führen auch zu erheblichen Konsequenzen für die räumliche Entwicklung der Region Südlicher Oberrhein. Für die räumliche Planung in der Region sind dabei folgende zwei Gefährdungen besonders bedeutsam:

  • Die Hochwassergefahr wird v. a. im Winterhalbjahr deutlich zunehmen.
  • Die bereits heute hohe sommerliche Hitzebelastung in den Tallagen und Niederungsgebieten wird erheblich steigen. Dies betrifft in besonderem Maße Siedlungsgebiete.

Das Oberrheingebiet zählt aufgrund der zu erwartenden besonders hohen Hitzebelastung sowie der stark steigenden ⁠Starkregen⁠- und Hochwassergefahr im deutschlandweiten Vergleich zu den durch den Klimawandel am stärksten gefährdeten Regionen.

Schritt 2b: Vulnerabilität, Risiken und Chancen

Dringlichkeit und Priorisierung von Anpassungsbedarf 

Die Ergebnisse zeigen, dass die ⁠Vulnerabilität⁠ der Bevölkerung in Baden-Württemberg durch Wärmebelastungen landesweit um ca. 20% zunehmen wird. Nach den Szenarienanalysen werden jährlich zusätzlich 180 bis 400 hitzebedingte Todesfälle befürchtet. Die Vulnerabilität (⁠Verwundbarkeit⁠) durch Wärmebelastung wird bestimmt durch die Auftretenshäufigkeit der thermischen Belastung sowie die spezifische ⁠Sensitivität⁠ der Bevölkerung gegenüber dieser Belastung. ⁠Anpassungskapazität⁠ im Gesundheitswesen wird hierbei allerdings nicht berücksichtigt.

Schritt 3: Maßnahmen entwickeln und vergleichen

Maßnahmen und/oder Strategien 

Neben einer Ursachenbekämpfung (⁠Klimaschutz⁠) sind aus Vorsorgegründen Anpassungsmaßnahmen an nicht mehr abwendbare Klimaveränderungen unverzichtbar. Dies betrifft in besonderem Maße die im Oberrheingebiet bereits jetzt schon überdurchschnittliche und durch den ⁠Klimawandel⁠ künftig noch deutlich zunehmende sommerliche Hitzebelastung.

Für den Erhalt günstiger Klimaverhältnisse kommt der räumlichen Planung in der Region Südlicher Oberrhein eine wichtige Aufgabe zu: Durch die Sicherung von klimatisch ausgleichend wirkenden Freiräumen sowie eine angepasste Siedlungsplanung muss sichergestellt werden, dass die Folgen globaler Klimaveränderungen örtlich nicht noch zusätzlich verschärft, sondern vielmehr so weit wie möglich gemindert werden. Die Sicherung klimatisch und lufthygienisch günstiger Lebens- und Arbeitsbedingungen für die Menschen wird unter den Vorzeichen des Klimawandels künftig eine besonders wichtige Aufgabe der räumlichen Planung in der Region Südlicher Oberrhein sein.

Zentrales Ziel der Anpassung ist die Berücksichtigung klimatischer Flächenfunktionen im Rahmen der räumlichen Planung. Dazu sind die raumbezogenen Ergebnisse in Form von Klimaanalyse- und Planungshinweiskarten dargestellt und so für die räumliche Planung nutzbar. (Raum-)Planerische Vorsorgemaßnahmen dienen unmittelbar der Sicherung günstiger Lebensbedingungen für die Menschen in der Region und stellen eine wichtige Ergänzung zu Emissionsminderungsmaßnahmen dar. Die Erarbeitung von raumkonkreten Zielsetzungen und Handlungsempfehlungen aus klimatologischer Sicht erfolgt zu den Themenbereichen Durchlüftung, Lufthygiene und thermische Situation. Die Ergebnisse dienen in erster Linie dem Regionalverband als Grundlage für die Fortschreibung des Landschaftsrahmenplans sowie des Regionalplans Südlicher Oberrhein. Zudem haben sie eine orientierende Funktion für die kommunale Siedlungsplanung, ⁠Bauleitplanung⁠ und Landschaftsplanung sowie für Fachplanungen und raumbedeutsame Einzelvorhaben.

Zeithorizont
  • 2036–2065

Wer war oder ist beteiligt?

Förderung / Finanzierung 

Umweltministerium Baden-Württemberg

Projektleitung 

Regionalverband Südlicher Oberrhein

Beteiligte/Partner 

Universität Basel, Institut für Meteorologie, Klimatologie und Fernerkundung;

Technische Universität Berlin, Fachgebiet Klimatologie

Ansprechpartner

Regionalverband Südlicher Oberrhein
Reichsgrafenstr. 19
79102 Freiburg i. Br.

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Handlungsfelder:
 Biologische Vielfalt  Landwirtschaft  Menschliche Gesundheit  Raumordnung, Regional- und Bauleitplanung  Tourismuswirtschaft  Wald- und Forstwirtschaft  Wasserhaushalt, Wasserwirtschaft