Klimabüro für Polargebiete und Meeresspiegelanstieg

Hintergrund und Ziele

Den Klimawandel mit seinen weitreichenden und regional sehr unterschiedlichen Folgen für Mensch und Natur aufzuhalten oder zumindest zu verlangsamen, ist eine der größten Herausforderungen des 21. Jahrhunderts. Ob sich die Menschheit an die bevorstehenden Veränderungen rechtzeitig anpassen kann, wird in einem hohen Maße davon abhängen, ob die Ergebnisse aus Forschung und Wissenschaft in ausreichendem Umfang kommuniziert werden. Weltweite Netzwerke von Klimainformationszentren, die insbesondere auf regionaler Ebene aussagekräftige wissenschaftliche Bewertungen zur Verfügung stellen, können hier einen wichtigen Beitrag für Entscheidungsprozesse in der Politik, Wirtschaft und Gesellschaft liefern.

Da sich der Klimawandel regional unterschiedlich ausprägen wird, brauchen Landwirte, Küstenbauingenieure, Stadtplaner, aber auch Entscheidungsträger aus Politik und Unternehmen Informationen aus erster Hand, um sich für den Klimawandel in ihrer Region wappnen zu können. Die Helmholtz-Gemeinschaft hat daher beschlossen, ein deutschlandweites Netz regionaler Klimabüros aufzubauen.

Dazu bündeln und vermitteln vier regionalen Klimabüros Forschungsergebnisse zum regionalen Klimawandel und werden Informationsbedürfnisse erfasst und in die Forschungsprogramme integriert:

1. Norddeutsches Klimabüro (fokussiert die Forschungsbereiche Stürme, Sturmfluten und Seegang sowie Energie- und Wasserkreisläufe in Norddeutschland)

2. Klimabüro für Polargebiete und Meeresspiegelanstieg (deckt Fragestellungen zum Klimawandel in den Polargebieten ab, mit besonderem Augenmerk auf den Meeresspiegel)

3. Süddeutsches Klimabüro (bietet Expertise zur regionalen Klimamodellierung und zu Extremereignissen wie Starkniederschlägen und Hochwasser an)

4. Mitteldeutsches Klimabüro (bietet Informationen zur Wirkung des Klimawandels in Bezug auf Umwelt, Landnutzung und Gesellschaft sowie Anpassungsstrategien an)

 Das Klimabüro für Polargebiete und Meeresspiegelanstieg:

Klimaschwankungen sind eine charakteristische Eigenschaft der Erdgeschichte. Der letzte Bericht des Weltklimarates (IPCC) aus dem Jahr 2007 zeigt jedoch zum einen, dass der Klimawandel extrem schnell voranschreitet und zum anderen, dass die Erwärmung der vergangenen 50 Jahre mit großer Wahrscheinlichkeit überwiegend durch den Menschen bedingt ist.

Insbesondere die Polargebiete erweisen sich als sehr empfindlich gegenüber bereits geringen Klimaänderungen und spielen deshalb für das globale Klimageschehen eine besonders wichtige Rolle. Das Verständnis von Klimavariabilität und -veränderung ist notwendig, um sinnvolle politische Konzepte zu Klimaschutz und Anpassungsstrategien an den Klimawandel ableiten zu können.

Das Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung (AWI) in der Helmholtz-Gemeinschaft untersucht seit 1980 den Zusammenhang des weltweiten Klimas und der speziellen Ökosysteme im Meer und an Land. Zentraler Forschungsschwerpunkt sind die Arktis und Antarktis. Das Alfred-Wegener-Institut liefert wichtige Forschungsbeiträge zum Verständnis der Wechselwirkungen zwischen den Systemen Eis, Atmosphäre und Ozean.

Ziele und Aufgaben des Klimabüros sind:

  • Aufbau eines umfassenden wissenschaftlichen Klima-Informationsdienstes für die Bereiche Polargebiete und Meeresspiegelanstieg;
  • Lieferung wissenschaftlicher Beiträge, um Forschungsergebnisse zu interpretieren und daraus Strategien und Initiativen zum Schutz von Klima und Umwelt abzuleiten;
  • aktuelle Zusammenfassung und Bereitstellung der klimarelevanten Forschungsergebnisse des AWI;
  • Aufbereitung der Forschungsergebnisse für die Zielgruppen in Wirtschaft, Politik und der Öffentlichkeit als Monographien, Beiträge in Zeitschriften oder auf Konferenzen, sowohl im nationalen als auch internationalen Kontext;
  • Vernetzung mit international vorhandenem Wissen;
  • Übernahme einer Forumsfunktion für die Klimaforschung;
  • Organisation der Vernetzung zwischen allen gesellschaftlichen Zielgruppen;
  • Erstellung regionaler Klimaszenarien;
  • Wahrnehmung einer Mittlerrolle zwischen Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Öffentlichkeit;
  • Schnittstelle zwischen wissenschaftlichen Erkenntnissen und praktischer Umsetzung.

Mit der Einrichtung dieses regionalen Klimabüros soll das Alfred-Wegener-Institut konzeptionell und organisatorisch in die Lage versetzt werden, die Ergebnisse seiner klimarelevanten Schwerpunktforschung in den Polargebieten in angemessener und differenzierter Form für nationale und internationale Zielgruppen aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft nutzbar zu machen.

Laufzeit

Untersuchungsregion/-raum

Land
  • Deutschland
Bundesland
  • Bremen
  • Hamburg
  • Mecklenburg-Vorpommern
  • Niedersachsen
  • Schleswig-Holstein
Naturräumliche Zuordnung
  • Küste
  • Nordostdeutsches Tiefland
  • Nordwestdeutsches Tiefland
Räumliche Auflösung / Zusatzinformationen 

Polargebiete

Schritt 1: Klimawandel verstehen und beschreiben

Ansatz und Ergebnisse 

nach IPCC 2007; auch Erstellung und Weiterentwicklung regionaler Klimaszenarien

Parameter (Klimasignale)
  • Veränderte Niederschlagsmuster
  • Höhere mittlere Temperaturen
  • Meeresspiegelanstieg und Sturmfluten

Schritt 2a: Risiken erkennen und bewerten (Klimafolgen/-wirkungen)

Analyseansatz 

Drei Fragenkomplexe werden hinsichtlich der Klimafolgen bearbeitet:

1. Schmilzt das Eis der Erde?

Schnee und Eis sind charakteristisch für Polarregionen und Hochgebirge, im Winter aber auch für weite Flachlandbereiche der Kontinente in mittleren Breiten. Mit der globalen Erwärmung schrumpfen Schnee- und Eismassen beträchtlich. Dies gilt insbesondere für die hohen nördlichen Breiten. Der neue Klimabericht des "Intergovernmental Panel on Climate Change" (IPCC) macht es deutlich: Messungen lassen keinen Zweifel daran, dass sich die Arktis gegenwärtig besonders schnell erwärmt und zwar doppelt so stark wie die Erde im globalen Mittel. Schiffs- und Landexpeditionen, Stationsdaten und Satellitenbeobachtungen liefern Hinweise auf signifikante Änderungen im Meereis, den Eisschilden und dem Permafrost, mit deutlichen Konsequenzen für Klimaänderungen und den Anstieg des Meeresspiegels. In der Arktis nimmt das Meereis insbesondere im Sommer drastisch an Fläche und Dicke ab und beeinflusst damit das ans Meereis angepasste Ökosystem und die Küstenzonen in starkem Maße. In der Antarktis sind solche Änderungen dagegen noch nicht zu sehen. Aufgrund der Erwärmung schrumpfen Gletscher und Eisschilde weltweit und tragen mit ihrem Schmelzwasser zum Meeresspiegelanstieg bei. Gegenwärtig steigt der Meeresspiegel um 3 mm/Jahr, wobei etwa 40% auf das Schmelzwasser und 60% auf die Erwärmung des Ozeans zurückzuführen sind.

2. Steigt der Meeresspiegel?

Es gibt eindeutige Beweise, dass der globale Meeresspiegel im 20. Jahrhundert langsam um etwa 17 Zentimeter angestiegen ist. In diesem Jahrhundert rechnet man dagegen mit einem deutlich größeren Werten. Hauptursachen für den Anstieg sind das Schmelzen von Inlandeis sowie die mit dem Temperaturanstieg verbundene Ausdehnung des Meerwassers. Nach dem Ende der letzten Eiszeit vor etwa 21.000 Jahren stieg der Meeresspiegel um 120 Meter an bis er sich vor gut 2500 Jahren stabilisierte. Danach gab es bis zum Jahr 1900 wenige Veränderungen. Für die Vergangenheit kann die Erhöhung des Meeresspiegels aus Pegelmessungen abgeschätzt werden. Seit 1990 stehen sehr genaue Satellitendaten zur Verfügung. Der Anstieg des globalen Meeresspiegels hat sich beschleunigt und beträgt zurzeit etwa 3 Millimeter pro Jahr. Klimamodelle sagen einen noch stärkeren Anstieg voraus.

3. Was ändert sich in der Nordsee?

Die Zeitserien auf Helgoland in der Deutschen Nordsee sind einzigartig. Seit 1962 werden dort Proben des Oberflächenwassers bei der so genannten "Kabeltonne" (54° 11, 3'N, 7° 54, 0'O) genommen. Sie stellen eine der bedeutendsten und umfassendsten marinen Zeitreihen für z.B. das Phytoplankton, für Nährstoffe und den Salzgehalt dar. Die Entwicklung der mittleren jährlichen Temperatur auf Helgoland der letzten 45 Jahre zeigt einen Temperaturanstieg von 1,5 Grad Celsius. Nicht nur die Temperatur ist in diesem Zeitraum angestiegen, sondern auch beim Meeresspiegel zeigen sich deutliche Anzeichen einer Veränderung. Sowohl im Plankton (frei im Wasser treibenden und schwebenden Organismen) als auch im Benthos (Gesamtheit aller in der Bodenzone eines Gewässers vorkommenden Lebewesen) kann eine Artenverschiebung beobachtet werden.

Schritt 3: Maßnahmen entwickeln und vergleichen

Zeithorizont
  • 2071–2100 (ferne Zukunft)

Wer war oder ist beteiligt?

Förderung / Finanzierung 

Helmholtz-Gemeinschaft

Projektleitung 

Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung (AWI) in der Helmholtz-Gemeinschaft

Ansprechpartner

Alfred Wegener Institut Bremerhaven
Klimabüro für Polargebiete und Meeresspiegelanstieg
Bussestraße 24
D-27570 Bremerhaven

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Handlungsfelder:
 Biologische Vielfalt  Küsten- und Meeresschutz  Handlungsfeldübergreifend